wurlitzer2014 20140819 1297870386 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Titel:
"Out Of Stock"
Alex Wurlitzer
Cactus Rock Records
August 2014

1. Boredom And Pain
2. One More Day At The Guillotine
3. Heart Full Of Country
4. Where The Streets Are Deserted
5. Out Of Stock
6. Laura
7. Are All These Your Guitars?
8. Saving Time
9. Falling In Between
10. She Lays Alone
11. Don't Drink That Water





Bis heute war mir der Musiker Alex Wurlitzer gänzlich unbekannt. Das muss nichts heißen, denn ich kann ja schließlich nicht alles kennen. Aber ich bin echt froh, dass mir die Herrschaften aus dem Hause Cactus Rock Records (seinem Label) diese kleine Silberscheibe von ihm haben zukommen lassen. "Out Of Stock" heißt das Debüt-Album des Mannes mit dem vielversprechenden Namen. Doch wer hier auf mit Wurlitzer Electric Piano erschaffener Musik spekuliert, liegt völlig falsch. Auch mit den weltberühmten Musikboxen hat Alex nichts zu tun - zumindest ist es der Redaktion nicht bekannt. Wurlitzer ist Gitarrist, im Bereich Folkrock und Country zu Hause, und präsentiert seine Songs auf dem neuen Album in perfektem Sound und mit verspielten Arrangements.

Was beim ersten Hören sofort auffällt ist, dass hier durchweg ziemlich entspannt und ruhig musiziert wird, was die Lieder des Albums wie ein unsichtbares Gerüst miteinander verbindet. Fast schon in Richtung "Chillout" gehend, jedoch auf jegliche elektrisch bzw. digital erzeugter Elemente verzichtend. Es geht los mit "Langeweile und Schmerzen". Also nicht wirklich ... das Lied heißt "Boredom and Pain", und lässt das folgende, 11 Titel umfassende Programm ganz relaxt starten. Wurlitzer singt, begleitet von der Gitarre, sein erstes Lied und der so wenig Spannung erwarten lassende Titel des Songs entpuppt sich als faustdicke Lüge. Musikalisch ist die Nummer jedenfalls alles andere als langweilig oder scherzbereitend. Die Melancholie des Stücks ist greifbar und vom Arrangement her hervorragend umgesetzt. Im weiteren Verlauf gesellen sich weitere Gitarren, Schlagzeug und Bass hinzu, und aus der Ferne wimmert eine Steel Guitar ihre Töne hinzu und Wurlitzers Gesang wird im Chorus durch eine sanfte Frauenstimme verstärkt. Fast schon sphärisch gräbt sich die Musik tief ein und berührt den Hörer sanft, holt ihn ab und macht ihm Lust auf mehr davon. Das bekommt er dann auch, nämlich mit dem zweiten Song der Platte, "One More Day At The Guillotine". Was für ein Bild der Name des Songs gleich im Kopf entstehen lässt ... "einen weiteren Tag am Fallbeil". Eine Folkrock-Ballade startet und die Parallelen zu Tom Petty sind nicht zu überhören. Stimmlich wie musikalisch wird man von Anfang an den Eindruck nicht los, den US-Rocker mit einer neuen Nummer zu hören. Er ist es aber nicht. Hier musiziert immer noch Alex Wurlitzer mit seiner Band, und das auf einem bemerkenswert hohen Niveau. Die Nummer wechselt in keiner Sekunde das Tempo und plätschert angenehm dahin. Getragen von der Stimme des Sängers und den fast schon hypnotisch wirkenden Beats, darf man sich im Mittelteil eines tollen Gitarrensolos erfreuen, das der Nummer eine weitere interessante Note verleiht. Die gleiche Gitarre beendet das Stück dann auch und veranlasst mich umgehend, es gleich noch einmal zu hören. Was für ein toller Song!
Das wird der ein oder andere Hörer sicher auch bei "Heart Full Of Country" empfinden, der meiner Meinung nach gegenüber den bisher gehörten Songs vom Reiz her einen Satz nach hinten macht. Ziemlich nah am Nashville-Sound der 70er, erinnert mich dieser Titel, dessen hörbare Merkmale aus Dobro-Sound in Verbindung mit eher schleichenden Beats bestehen, stark an Songs von Kenny Rogers, Steve Wariner oder Dolly Parton. Kann man durchaus mal hören und stört auf der CD auch nicht weiter.
"Where The Streets Are Deserted" bringt gleich unterschiedliche Stilistiken mit. Eine Fiddle kommt zum Einsatz und lässt einen gedanklich in die Südstaaten der USA reisen. Hier hört man auch gesanglich die Verbundenheit mit J.J. Cale heraus, der bei dem Stück offenbar als Inspiration herangezogen wurde. Das macht den gesamten Song zu einem Highlight des Albums.
Und davon hat es noch mehr ... z.B. "Out Of Stock", das wieder in guter alter Tom Petty-Machart daher kommt und einen Spritzer Mark Knopfler mitbringt, oder "Are All These Your Guitars", das mit seinen eingebetteten Gitarrensoli schon fast in Richtung Rock geht. Nicht unerwähnt sollte das Stück "She Lays Alone" bleiben, das mit seiner entspannten und aufgeräumten Umsetzung ein sehr gutes Beispiel dafür ist, dass man einen Song auch detailverliebt arrangieren kann, ohne ihn zu überladen. Hier sind ganz viele Kleinigkeiten, die dafür sorgen, dass ein ansprechendes Ganzes daraus wird. Die Geige ist sicher eines der hervorstechenden Instrumente in diesem Song, aber gerade im zweiten Teil sorgen u.a. hart angeschlagene Gitarren für weitere Würze. Ein wunderbares Duett, perfekt in Szene gesetzt von Alex Wurlitzer mit seiner musikalischen Partnerin Anna Reiland.

"Out Of Stock" ist ein sehr abwechslungsreiches und farbenfrohes Album, auch wenn es ohne laute Töne und schneller arrangierte Stücke auskommen muss. Die fehlen einem auch nicht wirklich, weil die Lieder allesamt in sich ruhen, abgeschlossene Kapitel und einen in sich geschlossenen Kreis bilden. Die Mischung aus Folkrock-Balladen und Country-Songs macht Spaß, und da lässt man sich auch gerne mal einen Titel im "Nashville-Stil" gefallen. Spannend ist auch die gesangliche Mischung in den Songs. Immer wenn Stefan Saffer (von dem wir hier auch schon zwei Alben vorgestellt haben) und Anna Reiland zum Einsatz kommen, bringt das den Songs eine weitere Schattierung bzw. Feinheit. Die Wahl der Gastsänger hat Wurlitzer ebenso punktgenau getroffen, wie die der Musiker. Hier hört man eine perfekt aufeinander eingestellte Einheit, und es macht riesigen Spaß ihnen zuzuhören. Alex Wurlitzer singt auf seinem Album von "Langeweile und Schmerzen", von sich ändernden Zeiten, Einsamkeit und zerbrochenen Beziehungen. Aber niemals klingt es nach Selbstmitleid oder einer sich anschleichenden depressiven Phase. Vielmehr lässt er seine Gefühle und Gedanken nicht nur über die Texte, sondern auch über die Musik leben. Das macht die Lieder glaubwürdig und sie berühren den Hörer (in diesem Falle mich) von der ersten bis zur letzten Minute. Diese CD wird bei mir weit oben in dem Stapel der oft gehörten Scheiben landen. Das steht jetzt schon fest.
(Christian Reder)




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