karatsymphony 20131008 1003585420 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Titel:
"Symphony"
KARAT
A&F/edel
11. Oktober 2013

1. Gefährten des Sturmwinds
2. Jede Stunde
3. Schwanenkönig
4. Verloren
5. Weitergeh'n
6. Der Albatros
7. Musik zu einem nicht existierenden Film
8. König der Welt
9. Der blaue Planet
10. Orchester Introduktion
11. Über sieben Brücken
12. Blumen aus Eis
13. Abendstimmung
14. Magisches Licht





"Symphony" - Eine neue Live-CD von KARAT. Aber nicht nur von KARAT, denn mit dem Philharmonischen Orchester Kiel stand bei dem aufgezeichneten Konzert auch noch ein Orchester auf der Bühne. Die Frage muss erlaubt sein, warum man nach 2001, also dem Mitschnitt des Jubiläumskonzerts zum 25. Bandgeburtstag sowie den diversen Auftritten und Plattenveröffentlichungen bei "Ostrock in Klassik", schon wieder mit einem Orchester auftrat, um es für eine Plattenveröffentlichung mitzuschneiden. Die Frage wird aber schnell beantwortet, wenn man die CD einlegt. Im Gegensatz zu den vorherigen Begegnungen mit einem Orchester, wo die klassische Fraktion eher im Hintergrund mitmusizierte, ist der klassische Anteil im Arrangement auf der neuen Live-CD weit höher. Das Orchester übernimmt deutliche Anteile bei den Songs, während die Rockband als gleichwertiger Partner auftritt und sich manchmal sogar den neuen Einflüssen unterordnet. Schon der Opener "Gefährten des Sturmwinds" macht dies deutlich. Aber das Lied ist auch ein Paradebeispiel dafür, dass die KARAT-Musik mit einer klassischen Unterstützung bestens funktioniert. Der straffe Beat von Schlagzeug und Bass, dazu die bombastisch arrangierten Orchesterparts mit Streichern und Bläsern (!) sorgen für ordentlich Druck und harmonieren hervorragend. Fast sämtliche Synthie-Sounds des Originals werden vom Orchester übernommen. Bernd Römers rotzig klingende Gitarre steht im krassen Gegensatz zu den edlen Tönen des Orchesters und gerade dieser Kontrast macht diesen Hammersong von '82 zu etwas Besonderem. So darf es gerne weitergehen.

Nach diesem fulminanten Opener schieben Band und Orchester den Single-Hit "Jede Stunde" nach. Die vom Orchester gespielten Parts sind angenehme Zutaten bei einer Nummer, die in den letzten Jahren bei Live-Auftritten eher durch Lautstärke und "ungehemmten" Spieltrieb der Kapelle, als durch den Charme des '82er Originals auffiel. Die Band spielt den Song einen Tacken schneller und auch hier kommen Bernd Römers Gitarrenparts ausgesprochen gut rüber.
Dies ist auch beim nächsten Stück "Schwanenkönig" unüberhörbar. Dies wird besonders deutlich, wenn man eine von Herbert Dreilich gesungene Version dagegen stellt. Während der Vater bei der Interpretation dieses Stücks die an ihn als Sänger gestellten Aufgaben mit Leichtigkeit löst, tut sich Claudius speziell in den hohen Tonlagen sehr schwer und als er seine Stimme an einer Stelle im Stück brechen lassen will, klingt es eher nach Stimmbruch, als nach Gesangskunst. Sorry! Vom Arrangement des Stücks her hätte es auch keiner neuen Auflage bedurft. Hier bleibe ich lieber beim Original und bei der Live-Version aus den 80ern. Das kann man einfach nicht besser machen.
Mit "Verloren" gibt's dann einen Song der Neuzeit zu hören. Das ist übrigens genau der Song, der mir auf der letzten CD so gut gefallen hat. Es ist ein typischer KARAT-Song. Sowohl vom Text, als auch von der Musik her. Das Orchester hält sich bei dieser recht ruhigen Nummer dezent im Hintergrund und bildet den klassischen Teppich, auf dem die Band ihren Song aufbauen kann. Hier brillieren alle Beteiligten und es ist hörbar, dass das Lied auf Claudius zugeschnitten ist. Hier passt alles.
Mit "Weitergehn" schiebt die Band dann auch gleich den zweiten Song der gleichnamigen CD hinterher. Die Gitarre erinnert stark an alte KARAT-Zeiten in den 80ern und den typischen Stil der Band von damals. Etwas nervend wirkt der Chorgesang von Carla Nelson, bei der sich die Band im Booklet für "neue Akzente" bedankt. Ich hoffe, dass sich KARAT nach dieser CD von diesen Akzenten auch schnell wieder verabschieden. Das funktioniert nämlich nicht.
Ja, und dann kommt er ... der große Song von KARAT ... der "Albatros". Schon die ersten Töne verursachen sofort Gänsehaut. Noch sind die Töne von Gitarrist Bernd Römer ruhig, fast zart spielt er sein Instrument. Dann setzt Claudius ein. Hier überzeugt er mit seiner Interpretation auf ganzer Länge. Dann bricht das Gewitter aus Band und Orchester los. Was für eine fulminante Bearbeitung. Mehr als mit großartig kann man dieses Stück nicht beschreiben.
Das nun folgende Stück "Musik zu einem nicht existierenden Film" räumt Saitenzauberer Bernd Römer fast den kompletten Raum ein. Begleitet vom Orchester lässt der blonde Mann seine Gitarre singen. Dezent, fragil und sacht lässt er sein Instrument all die zerbrechlich wirkenden Feinheiten "singen" und lässt die Schönheit dieses Stücks nicht nur durchblicken, sondern legt sie offen dar.
Das nun folgende "König der Welt" geht nahtlos aus der "Filmmusik" hervor und auch hier hält sich das Orchester zuerst im Hintergrund. Keyboards, Drums, Bass und Gitarre beherrschen zunächst das Bild, bevor sich das Orchester dezent dazu gesellt. Und dieses Lied funktioniert wunderbar im Zusammenklang der Band mit Orchester. Über das Lied an sich muss man nicht mehr viele Worte verlieren. Dieses wirklich gelungene Arrangement lässt, genau wie sein Original, Gänsehaut entstehen. Unbeschreiblich schön ...
Dann geht sie wieder los - die KARAT-Feuerwehr. "Der blaue Planet" wird angestimmt und das Publikum spendet Applaus, noch bevor das Stück richtig angefangen hat. Schon bei den ersten Tönen löst die Band auch bei mir wieder einen wohligen Schauer aus, der sich über Rücken und Arme ausbreitet. Für das Zusammenspiel mit dem Orchester haben sich die KARAT-Musiker etwas zurückgenommen und der Druck, den speziell dieses Stück bei Konzerten erzeugt, geht etwas verloren. Darüber sieht man aber locker hinweg, wenn man den Part des Orchesters hört. Diese Ed Swillms-Komposition ist zeitlos schön und das Orchester hat den Song mit vielen eingestreuten Feinheiten regelrecht veredelt!
Was wäre ein Live-Konzert oder eine Best Of CD der Gruppe KARAT ohne das unkaputtbare "Über sieben Brücken"? Genau: Fehlerhaft! Und so findet sich dieses Stück auch auf dieser CD wieder. Hier geht es mir, wie beim "Schwanenkönig". Diese Fassung ist nicht wirklich viel anders, als bei der Ostrock in Klassik-Aufzeichnung oder der Jubiläums CD von 2001 geworden. Der Einsatz von Harfen und Glockenspiel wäre hier vielleicht zu erwähnen, aber ansonsten hätte es eine weitere Version nicht bedurft. An dieser Stelle hätte ich mir vielleicht "Wie weit fliegt die Taube" oder einen Song vom "Die sieben Wunder der Welt"-Album gewünscht. Wie dem auch sei ... Es folgt der Klassiker "Blumen aus Eis", der anfangs durch eine andere Gitarrennote überrascht, den guten Eindruck dann aber durch den erneuten Einsatz der Sängerin Carla Nelsen wieder neutralisiert. Geht gar nicht! Dafür macht Marc Breitenfelder auf seiner Harp 'ne Menge Spaß. Das rockt!
Anschließend werden Erinnerungen an das schon mehrfach erwähnte Geburtstagskonzert im Jahre 2000 in Berlin wach. "Abendstimmung". Das Paradestück für Claudius, mit dem er uns damals alle berührt und überzeugt hat. Aber leider wurde auch aus dieser Nummer wieder eine "Helene Fischer-Adaption" gemacht, indem man Frau Nelsen mitsingen und komplette Parts des Songs übernehmen lässt. Funktioniert nicht und wirkt wie ein Fremdkörper. Schade!
Den Abschluss der CD bildet mein absoluter Favorit von KARAT: "Magisches Licht". Ich habe dieses Lied bis heute schon viele viele Male gehört. In manchen Situationen sogar zig-fach am Tag. Ich liebe das Lied. Und auch auf dieser CD verfehlt es seine Wirkung nicht. Die typisch für dieses Lied klingende Orgel sorgt für den ersten Schub Gänsehaut. Dann setzt die grazil gespielte Gitarre von Bernd ein. Dezent und leise. Es folgt Micha Schwandt mit seinen ebenso sacht gespielten Fellen und Becken. Und dieser ruhigen Eröffnung mit seiner zierlichen Melodie-Figur folgt ein Donnerschlag. Orchester und Band verleihen der anfangs ruhigen Nummer einen dermaßen großen Druck, dass es einem fast die Füße weghaut. Was für ein Arrangement, was für eine Flut an Eindrücken, was für eine Wucht ... Zum Schluss schläft das Stück leise ein. Wie auch beim Original. Es folgt nur noch begeisterter Beifall. Zurecht!

Ich gebe offen zu, dass ich mit so einer Qualität nicht gerechnet hätte. Sowohl die "Ostrock in Klassik"-CDs als auch das Album "25 Jahre Karat" gehören nicht zu den KARAT-Platten, die ich mir häufig auflege. Das liegt daran, dass es nur ganz wenige Crossover-Alben schaffen, mich zu überzeugen. Das "OMEGA-Rhapsody"-Album war z. B. so eins. Das höre ich oft und gern, denn es ist eine großartige Mischung aus Klassik und Rock. "Symphony" könnte auch so ein Album werden, das es öfter in meinen Player schafft. Auch hier ist das Zusammenspiel zwischen Band und Orchester einfach großartig. Die Platte ist sehr gut abgemischt, der Ton ist erstklassig und die vielen vom Orchester mitgebrachten und umgesetzten Ideen bei den KARAT-Klassikern machen Spaß. Spaß macht auch die Leistung der Band, was aber auch nicht weiter verwunderlich ist, da KARAT nach wie vor eine geile Live-Band ist. Wo so viel Licht ist, ist aber immer auch ein bisschen Schatten. Und wenn man denn lange genug sucht, dann findet man sicher auch ein Haar in der Suppe. Meine Haare waren die Gastsängerin Carla Nelsen und stellenweise der Gesang von Claudius. Während mich Frau Nelsen an keiner Stelle der Platte überzeugen konnte, hat mir der Gesang von Claudius bei einigen Stücken überhaupt nicht gefallen. Es tut mir wirklich leid, das schreiben zu müssen, aber "Jede Stunde" war so ein Stück, bei dem seine Stimme offenbar an ihre Grenzen stieß und diese leider auch überschritt. Beim "Albatros", speziell im Refrain, gefiel er mir auch nicht. Er singt einige Passagen zu abgehackt und bei den "Brücken" fängt Claudius plötzlich an, zu "knödeln". Es ist aber auch sicher nicht einfach, die Lieder zu singen, die zwei geniale Köpfe (Swilms/Kaiser) seinem Vater auf den Leib geschrieben haben. Hier zeigt sich dann - speziell bei der Live-Umsetzung - welche Tücken und Tiefen die Nummern für Sänger haben können. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Trotz aller Zweifel, die ich im Vorfeld hatte, hat mich diese CD insgesamt positiv überrascht. Es ist von all den Veröffentlichungen, die KARAT mit einem Orchester eingespielt hat, die beste Scheibe. Das liegt einen großen Teil am Orchester selbst, das bei jedem Titel mit anderen kleinen wie großen Ideen überrascht, aber auch an der Klasse der KARAT-Musiker.
(Christian Reder)




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