beckerkeisers 20130922 1212557623 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Titel:
"Herbes Glück"
Wolfgang Becker & Christoph Keisers
Becker/EV
20. September 2013

1. Junge Vögel
2. Schnee überm See
3. Tod der Liebenden im Meer
4. Wind, Wind
5. Juninacht
6. Irrende Lichter
7. Kleiner schöner Engel
8. In der Hitze der Stadt
9. Herbes Glück
10. Der Gott der Stadt





Vor einigen Tagen veröffentlichten Wolfgang Becker und Christoph Keisers ihr Album "Herbes Glück". Streng genommen handelt es sich dabei um ein Debüt-Album, auf den zweiten Blick jedoch offenbart sich, dass wir es hier mit zwei gestandenen Musikern zu tun haben, die schon seit mittlerweile 18 Jahren den kreativen Mittelpunkt der Rock- & Bluesband SCHWARZBRENNER aus Düsseldorf bilden. Rock & Blues. Nun ja, ich gebe zu, von letztgenannter Musikrichtung weder Kenner, noch absoluter Liebhaber zu sein, was mich noch neugieriger auf die Scheibe machte. Also ab mit ihr in den CD-Player ...

Zu meiner absoluten Überraschung höre ich da Musik, die ich so eigentlich gar nicht erwartet hätte. Statt purem Rock und Blues präsentieren Becker und Keisers kleine, aber sehr feine Songs in akustischer Version, die von Akustikgitarren, Percussions und natürlich Wolfgang Beckers' Gesang geprägt sind. Nur zu gern betätigte ich nach dem ersten Hören die "Replay"-Taste, verging die Zeit mit den zehn Stücken auf dieser CD doch wahnsinnig schnell.

Langeweile ist im Zusammenhang mit dieser Veröffentlichung ein absolutes Fremdwort. Stattdessen gilt es, musikalische und textliche Facetten en masse zu entdecken und auf sich wirken zu lassen. Die beiden Musiker verstehen es, den Hörer mit ihrer Musik, die mal folkig, mal bluesig und ein anderes Mal verzaubernd balladenhaft daher kommt, zu fesseln. Die Musik lässt sich in keine Schublade - die in unserem Land doch all zu gern benutzt werden - einordnen, auch wenn ich mich schon hin und wieder bei einigen Songs selbst ertappte, Vergleiche zu ziehen oder dass mich ein Song an den Stil anderer Musiker erinnerte. Dies jedoch nicht im negativen Sinne, sondern viel mehr voller Freude, dass wirkliche Kunst nach wie vor auch mit einfachen Mitteln und ohne jeglichen technischen Klamauk entstehen kann. Auch denen, die im Genre guter "Liedermacher" zu Hause sind, dürfte diese Veröffentlichung gefallen. So fielen mir beim Hören beispielsweise Namen wie PENSION VOLKMANN oder auch ARNO SCHMIDT ein ...

Die Texte des Albums stammen bis auf zwei Ausnahmen aus der Feder von Andreas Hähle, dessen Zeilen eine beeindruckende und harmonische Symbiose mit den Kompositionen von Wolfgang Becker bilden.
Kein leeres Versprechen ist die Aussage im Booklet: "Und hier sind nun unsere Lieder über Liebe und Trauer, Kraft und Vergänglichkeit, Freundschaft und Einsamkeit - oder mit anderen Worten: Unsere Songs über das Herbe Glück!"
Die Themen der Songtexte sind tatsächlich so breit gefächert und werden musikalisch erstklassig dargeboten. Unser Lebensweg mit all seinen Erfahrungen, freudigen und traurigen Ereignissen, spiegelt sich in den Liedern wider. Sei es beispielsweise im ersten Song "Junge Vögel"

"Doch Du, Du hast mich erkannt,
weißt Du noch, damals am Strand?
Doch Du, Du hast mich erkannt,
nur angesengt, nicht ganz verbrannt.
Die Nacht war tot, der Tag blieb schwach,
doch junge Vögel singen frei und wach."


oder auch "Schnee überm See", die beide mit herrlichen Bildern die innige Vertrautheit zweier Menschen zeichnen:

"Schnee überm See, wie ein eisiger Weg,
ganz weit hinaus, ein weiß lockender Steg.
Tief ins Meer könnten wir schauen,
komm nur her, schenk uns Vertrauen."


Kindheitserinnerungen sowie das Nachdenken über den selbst eingeschlagenen Lebensweg werden in "Wind, Wind" eindrucksvoll beschrieben:

"Wind, Wind, jage die Blätter über den See,
er ist nicht mehr da, ist verschollen, so wie das Reh,
das ganz dicht bei mir stand, ich war noch klein,
Wind, Wind, jag' übers Land, hol's wieder heim."


Besonders ergreifend und einfühlsam wird im Song "Kleiner schöner Engel" das Thema "Abschiednehmen", welches uns alle irgendwann und irgendwie betreffen wird oder auch schon betraf, aufgegriffen:

"Kleiner schöner Engel,
bitte nimm mich heut nicht fort.
Denn Du bist ein Teil vom Himmel,
der ist für mich ein fremder Ort.
Kleiner schöner Engel,
die Erde ist so wunderschön.
Lass mich bitte noch verweilen,
beginn' doch jetzt erst, sie zu verstehen."


Perfekt abgerundet wird der Song durch ein Gitarrensolo, welches die gewisse Melancholie unterstreicht. Meisterhaft ...

"Herbes Glück" - ein wunderbares Werk mit aussagekräftigen und tiefgehenden Texten, absolut überzeugend produziert, nicht hektisch oder gar aggressiv, sondern beruhigend weich, ohne dabei auch nur ein einziges Mal in bereits abgenutzte Klischees abzugleiten. Das Album strahlt eine unbeschreibliche und wohltuende Wärme aus. Eine Wärme, die ich ohne "Wenn und Aber" jedem Freund guter Musik weiterempfehlen kann.
(Mike Brettschneider)




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