saffer2013 20130907 1426413987 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Titel:
"This Is Not A Dark Ride"
Stefan Saffer
Cactus Rock Records
September 2013

1. This Is Not A Dark Ride
2. Surrender And Rejection
3. This Is Mine And This Is Yours
4. Into The Dark Heart Of My Country
5. The Hard Road
6. Number On Your Wall
7. No Easy Way To Freedom
8. And She Said
9. When Justice Walks On Death Row
10. Between High Seas And Dark Cities





Hätte man mir das Booklet weggenommen und nur die nackte CD in die Hand gedrückt, hätte ich beim ersten Hören von "This Is Not A Dark Ride" auf Bruce Springsteen als Interpreten getippt. Der Titelsong, mit dem das neue Album eröffnet wird, bringt alles mit, um ein weiterer heißer Rocksong vom Boss zu sein. Einzig bei der Stimme des Sängers würde ich stutzig werden. Verdammt, geht die Nummer gut ab. Aber es ist nicht der Boss, es ist Stefan Saffer, der hier singt und in die Saiten greift. Der 48-jährige Leipziger Singer/Songwriter und Gitarrist hat nur 1 1/2 Jahre nach seiner letzten CD "From Rebellion To Redemption..." schon ein neues Album fertig. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Der starke Einstieg in die Scheibe mit dem Song "This Is Not A Dark Ride" setzt sich in den folgenden neun Liedern fort.

Aber erst mal startet das Album mit dem Song, dem es auch seinen Titel verdankt. Eine richtig knackige Nummer, in deren Mittelteil sich Saffer in einem total geilen Gitarrensolo zu verlieren scheint, um dann kurz neu einzählend in den Verbund der Band wieder einzusteigen. Was für ein Song, was für ein fulminanter Start in ein Album. "Surrender And Rejection" ist ein ebenso flott angelegter Rocksong, in dem man ein weiteres Mal das perfekt aufeinander abgestimmte Bandgefüge bei der Arbeit hören kann. Im Refrain steigen die Kollegen mit Backgroundgesang ein und unterstützen Frontmann Saffer beim Vortrag dieser extrem gut gelungenen Nummer, die sich im Verlauf des Tages bei mir zum Ohrwurm entwickelte. Auf Hochglanz polierte Studioproduktionen, denen durch die glatt geschliffenen Arrangements oft die Seele fehlen, findet man auf der CD nicht. So klingt "This Is Mine And This Is Yours" gerade so, als hätte man es live im Proberaum aufgenommen. Das Lied klingt echt, stellenweise rotzig und überzeugt erneut durch ein ausgesprochen gutes Arrangement und eine perfekt aufeinander abgestimmte Band. Die Rhythmus-Abteilung, bestehend aus Jimmy Warwas (Bass) und Marcus Heinzig (Schlagzeug), liefert einen soliden Teppich, auf dem sich die beiden Gitarristen Alex Wurlitzer und Stefan Saffer gepflegt ausbreiten können. Saffer versteht es zudem, im Verlauf des Stücks mehrere Stimmungen mit seiner Stimme auszudrücken und überzeugend zu vermitteln. Dies fällt auch in dem eher ruhig arrangierten Folk-Song "In The Dark Heart Of My Country" auf. Hier ist weniger der Shouter, als mehr der Erzähler gefragt und auch diese Rolle bringt er überzeugend rüber. Der Song, der den Hörer durch den Einsatz einer Pedal-Steel Guitar in die Südstaaten Amerikas versetzt, kracht im Refrain richtig los und überrascht im Mittelteil mit einem weiteren, extrem geilen Gitarrensolo. Ein Anwärter für die neue Kuschelrock, aber darauf findet sich heute leider alles andere, als Rock wieder. Die 6:30 Minuten gehören jedenfalls zu den stärksten Songs dieser Platte.
Nach etwas ruhigeren Tönen, lässt es Stefan Saffer im Song "The Hard Road" wieder richtig krachen. Drummer Marcus Heinzig gibt einen flotten Beat vor, der Rest der Crew rockt sich so richtig in die Nummer rein. Und da ist er wieder ... der Shouter Stefan Saffer und das Gefühl, einer neuen Bruce Springsteen-CD zu lauschen, auf der der Boss zu seinen Wurzeln zurückgekehrt ist. Aber an dieser Stelle beuge ich schnell der Entstehung eines Gerüchts vor: Saffer klingt vom Gesang her keineswegs, wie der Boss. Er hat schon seinen eigenen Stil und Stimmfärbung. Aber die Verwandtschaft seiner Musik mit der vom Boss lässt sich wirklich nicht überhören. Saffer klaut aber nicht, Saffer musiziert lediglich in diesem Stil. Das ist ein Unterschied, den ich an dieser Stelle deutlich unterstreichen möchte. "The Hard Road" ist ein Brett - ein echter Rocksong mit Haltbarkeit. Auch "Number On Your Wall" schließt sich hier an. Wieder scheint der Song im Proberaum oder Studio live aufgenommen zu sein. Die Mischung macht das Lied erdig und kantig, lässt einen irgendwie nicht in Ruhe. Saffer selbst zeigt sich erneut wandelbar. Wie Michael Stipe von R.E.M. klingend, gibt er dem Refrain eine unverwechselbare Note, um im nächsten Moment wieder wie Saffer, damit aber nicht weniger gut, zu klingen. Auch in dieser folkigen, mit Country-Elementen versetzten, Nummer gibt's wieder ein Gitarrensolo. Hier sitzt einfach alles. Eine schreiende Gitarre eröffnet den Song "No Easy Way To Freedom". Mit der Nummer lassen Saffer und seine Musiker die Herren von Bon Jovi alt aussehen. So was habe ich schon lange nicht mehr gehört. Die Nummer ist ein klassischer Rocksong, der zwischen Hardrock und AOR keine direkte Zuordnung finden möchte! Zeitlos, satt im Sound, verspielt im Detail und ganz im Stile von Héroes del Silencio oder eben erwähnten Bon Jovi (zu ihrer Glanzzeit) auf ganz hohem Niveau eingespielt. Glaubte man schon, mit dem ersten Song auf dieser Platte alles gehört zu haben und von nichts mehr überrascht werden zu können, steht einem spätestens während der ganzen 6:30 Uhr von "No Easy Way To Freedom" die Kinnlade auf halb acht.
Etwas farblos erscheint dagegen der folgende Song. "And She Said" ist handwerklich einwandfrei, auch vom Gesang und vom Arrangement weiß er zu gefallen, kann gegen den Song davor aber leider nur verlieren. Eine undankbare Aufgabe für das Lied, an dieser Stelle der Platte zu stehen.
Ein Hauch Johnny Cash weht dann mit "When Justice Walks On Death Row" ins Haus. Die Mischung aus Rock, Folk und Country geht musikalisch eine ganz andere Richtung, als die Stücke davor. Trotzdem wird hier nicht mit Gitarren gespart. Dezent gesetzte Soli ergänzen den sonst im Rhythmus einer Eisenbahn vor sich hin bewegenden Beat des Songs. Das Stück besitzt durch sein bis ins Detail liebevoll arrangierten Arrangements eine atemberaubende Schönheit, dass einem die etwas mehr als 9:00 Minuten Laufzeit viel zu kurz erscheinen lässt. Es krachen, schreien und wimmern die Gitarren und der immer gleichbleibende Beat versetzt einem beim Hören mit dem Kopfhörer fast in eine Art Trance. Was für eine Hammernummer! Besonders im Zusammenhang mit der Story hinter dem Lied. Dazu gleich mehr ...
Entlassen werden wir mit "Between High Seas and Dark Cities". Wie könnte es anders sein? Saffer und seine Jungs lassen wieder die Gitarren sprechen. Eine aufgeräumte und optimistische Grundstimmung ist das Markenzeichen des Stücks. Flott daher kommt es und bildet den etwas über dreiminütigen Schlusspunkt eines sagenhaft guten Albums!

Nun habe ich viel über die Musik geschrieben, die man auf der CD hören kann. An dieser Stelle noch ein paar Worte zum Inhalt. Es ist etwas schade, dass Saffer seine Musik nicht mit deutschen Texten versieht. Er bedient sich stattdessen der englischen Sprache, spricht inhaltlich aber Themen an, die viele Menschen hier in Deutschland betreffen. Der negativen Entwicklung unserer Gesellschaft mit Werteverfall und Egoismus begegnen wir darin ebenso, wie dem Thema "Arbeitslosigkeit" und der sich immer weiter öffnenden Schere zwischen arm und reich. Über den Tellerrand Deutschland hinaus blickt das Lied "When Justice Walks On Death Row". Hier wird die Geschichte von Rob Will, einem jungen Texaner, der seit 11 Jahren unschuldig im Houstoner Gefängnis sitzt, erzählt. Der Text und die Musik, die wie eine Einheit verschmolzen sind, garantieren einen Gänsehautschauer nach dem anderen. Und wie schon angesprochen, bedient sich Stefan Saffer verschiedener Gesangsweisen zu seinen Geschichten, die er erzählt. Verpackt hat er sie in lupenreinem Rock, den er wahlweise mal mit 80er Sounds, Country, Folk oder auch Anleihen beim Hardrock anreichert, manchmal sogar ausufern lässt. Über die Dramaturgie der CD, also darüber, wie die einzelnen Lieder auf dem Album positioniert wurden, lässt sich sicher streiten. So hätte ein Titel wie "And She Said" an anderer Stelle sicher eine andere Wirkung gehabt, als jetzt. Aber so hat die Wand aus geballtem Rock namens "No Easy Way To Freedom" dem Stück die Luft zum Atmen genommen. Trotzdem überzeugt das Album mit jedem Ton. Es gibt keine Ausfälle, denn jeder einzelne Song erzählt eine Geschichte und trägt ein äußerst anziehendes Soundkleid. Die Produktion ist astrein, an keiner Stelle hat man das Gefühl, die Arrangements kämen aus dem Computer. Der Sound ist satt und glasklar. An dieser Scheibe dürften Musikfans vieler Genres ihre helle Freude haben. Stefan Saffer hat ein absolut empfehlenswertes Album abgeliefert, das ich an dieser Stelle wärmstens empfehlen möchte.
(Christian Reder)


 

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Videoclip:

"The Hard Road"





   
   
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