mk-n8 20130627 1908164400 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Titel:
"N8WACHE"
Mike Kilian
Killingkilian Records
21. Juni 2013

1. Pech
2. Panik
3. N8WACHE
4. Qual der Wahl
5. Licht
6. Guter Rat ist teuer
7. Abschied
8. Apfeltraum
9. Lass es nicht zu
10. Kein Happy End
11. Lass uns leben
12. Mut





Wenn man die Stimme von Mike Kilian hört, möchte man meinen, dass da ein Superstar singt. Einer, der in Deutschland und auch international alles abräumt, was es abzuräumen gibt. Aber dem ist nicht so. Ein Superstar ist er für seine Fans. Und das im aller positivsten Sinne. Aber leider haben weder er, noch seine Band ROCKHAUS, in Deutschland einen hohen Bekanntheitsgrad. Zumindest keinen, den sie verdient hätten. In den östlichen Bundesländern kennt man sowohl Kilian als auch ROCKHAUS sehr gut, aber zwischen Frankfurt und Xanten, Flensburg und Konstanz muss man die Leute schon mit der Lupe suchen, die mit den Namen etwas anfangen können. Kilians Stimme gehört - wenn es in Deutschland mit rechten Dingen zuginge - auf die großen Bühnen und ich empfinde es ehrlich gesagt als Schande, dass es nicht so ist. Die Frage nach dem Warum stelle ich mir schon lange nicht mehr. Darauf gibt es keine Antwort, denn dann könnte man etwas unternehmen, um diesen eben beschriebenen Umstand zu verändern. Aber ich will nicht schon wieder meckern, denn eigentlich gibt es einen großen Grund zur Freude. Mike Kilian hat mit "N8WACHE" sein neuestes Soloalbum veröffentlicht. Und was für eins...

Mit ROCKHAUS wird Mike Kilian frühestens 2015 wieder ins Studio und auf die Bühnen gehen, so hört man aus Bandkreisen. Die freie Zeit wird aber nicht mit Sonnenbaden, Fernsehgucken und Couchplattsitzen verplempert, sondern es wird fleißig an anderen Dingen gewerkelt. Die Jungs von ROCKHAUS haben in der Beziehung eine richtig "juckende Kiste", wie man hier zu sagen pflegt. Herr Repke tourt gerade mit seinem CLUB DER TOTEN DICHTER durch die Lande, Herr Petereit ist mit SILLY unterwegs und Herr Beathoven hat zusammen mit PLOITOTOR im April den Song "Honeymoon" veröffentlicht. Ein komplettes Album soll folgen. Er und Heinz Angel Haberstroh begleiten derzeit außerdem einen Musikerkollegen auf seiner Jubiläumstour. Da lässt sich Mike Kilian natürlich nicht lumpen und hat in den letzten Wochen fleißig an neuen Songs für sein erstes Solo-Album nach sechs Jahren gewerkelt. Die Fans auf seinen Solokonzerten hätten ihn zu dieser CD ermutigt, sagt er. Seit Jahren spielt Kilian schon zusammen mit Christian Sorge in der Duo Besetzung, die er witziger Weise "Mike Kilian & Band" genannt hat, eigene Konzerte. Akustisch und sehr intensiv bekommt man dort die Musik präsentiert. Das kommt an bei den Leuten vor der Bühne und die Nachfrage nach dieser Musik, bei der eigentlich die Stimme des Sängers und die Inhalte seiner Songs im Vordergrund stehen, war so groß, dass Kilian diese Wünsche nun in Form einer CD umgesetzt hat.

Ein Blick ins Digipack der CD lässt einen gleich staunen. Bis auf einen Coversong hat Kilian alle Songs geschrieben und betextet. Damit nicht genug: Er hat sämtliche Instrumente, die auf dieser CD zu hören sind, selbst eingespielt. Außer bei "Lass uns leben". Dieser Song wurde von Rainer Oleak geschrieben, der übrigens auch für die Mischung dieser Scheibe verantwortlich ist. Zudem sind in dem Song mit Volker Schott und Torsten Scholz weitere Musiker zu hören. Eine respektable Leistung, (fast) alles selbst in die Hand zu nehmen und dann sowas abzuliefern. Das Album beginnt mit dem Song "Pech". Eine sanft gezupfte Gitarre leitet den Song ein. Kilians Gesang setzt ein und sofort jagt der Sänger einem die volle Wirkung seiner Stimme unter die Haut. Irgendwie erinnert das Gehörte an die großen Songs von Cat Stevens. Eine zweite Gitarre setzt ein und ein wunderschönes Lied nimmt seinen Lauf. Inhaltlich ist "Pech" ein Mutmacher ("Ich kann Dir zwar nicht alle Last abneh'm / aber versuch in mir einen Freund zu seh'n / der eine Hand Dir reicht wenn Du fällst / ein Zuhörer ist wenn Du erzählst / von so viel Pech / Doch das hast Du nicht / denn jemand glaubt an Dich"). Diese positive Energie, die der Text sowie Kilian als Sänger hier ausstrahlen, werden durch die akustische Gitarrenmusik herrlich in Szene gesetzt. Was für ein Opener. Großartig!
Auf "Pech" folgt im Leben nicht selten auch mal die "Panik" und das ist auf Kilians CD nicht anders. Der zweite Song heißt nämlich "Panik". Ein wenig folkig geht's hier zur Sache, irische Einflüsse sind unüberhörbar und inhaltlich geht's um die Panik... Die Panik vor der Hochzeit, die Panik, die einen Teil des Brautpaares noch vor dem Traualtar packt. Die "Panik" ist begründet, denn nach der Hochzeit ist man ja "für immer und ewig im goldenen Käfig". Zum Refrain setzt dann kräftiges Fußstampfen ein und in der zweiten Strophe war die Panik in der ersten Strophe nur ein Traum. Trotz diesem Alptraum wird beschlossen, dass man diesen Weg irgendwann doch gehen wird. Interessant bei diesem Lied wäre es, zu erfahren, wieviel Biographisches in dieser Nummer steckt ;-)
Als dritten Song hören wir die Nummer, die dem Album auch seinen Namen gab: "N8WACHE". Das Stück könnte die Fortsetzung des Openers sein, denn auch hier ist wieder diese positive Grundbotschaft, dieses Mutmachen und das Angebot, jemandem zur Seite zu stehen ("Ich halte N8WACHE für Dich / Verlass Dich nur auf mich"), zu hören. In diesem Fall eben die "N8WACHE" zu halten. Auch musikalisch schippert das Stück - genauso wie Lied Nummer 1 - in ruhigeren Gewässern. Ein Lied zum Hinhören, zum Trösten, zum Träumen und Entschleunigen.
Der Song "Qual der Wahl" kommt inhaltlich wie musikalisch ganz anders daher. Auch wieder mit zwei Gitarren und in akustischer Form, diesmal aber zusätzlich mit einem Banjo und dem doppelten Gesang von Kilian im Refrain (er bildet seinen eigenen Backgroundgesang zusätzlich zu seinem Hauptgesang - nicht nur in diesem Stück) geht's hier um die Qual der Wahl bei den Frauen. Es wird davon erzählt, dass es gleich mehrere Herzdamen gibt, die allesamt auch geliebt werden. Allerdings "wird es langsam schwierig / ja, denn sie werden gierig" und wollen mehr. Schließlich kommt es, wie es kommen muss, nämlich zum großen Knall. Aber das Lied-Ich wird aus Schaden nicht klug, wie man am Ende des Stücks dann erfährt. Eine Nummer zum Schmunzeln, pfiffig arrangiert und mit einer richtig schön erzählten Geschichte.
Und so musiziert sich Mike Kilian weiter durch seine 12 neuen Songs. Dabei überrascht er immer wieder mit neuen Ideen und füllt die Lieder so mit Leben. Mal leise Töne anschlagend ("Guter Rat ist teuer", "Lass es nicht zu"), mal positiv und entspannt ("Lass uns leben") oder mit viel Poesie und seinen Hörern damit Bilder in den Kopf zaubernd ("Mut"). Mit "Apfeltraum" ist auch eine Hommage an Cäsar Peter Gläser und Gerulf Pannach enthalten. Zwar ist dieses Stück im Original von RENFT und es ist die einzige Fremdkomposition auf der CD, aber Mike Kilian hat mit seiner Art eine ganz eigenständige Version erschaffen, die ebensolche Schönheit und Anziehungskraft besitzt, wie das Original. Cäsar und Gerulf hätte das sicher gefallen.

Überhaupt hat Mike Kilian viele kleine Kunstwerke geschaffen, die allesamt einzigartig in ihrer Art sind und dabei musikalisch trotzdem einem roten Faden folgen. Die Lieder brauchen keine große Anlaufphase, man muss sich hier keins der Stücke erst "schön hören". Sie erreichen den Hörer sofort. Kilian stellt mit "N8WACHE" deutlich unter Beweis, dass akustische Musik für seine Schöpfer offenbar noch viele Möglichkeiten bereithält. Sänger nur mit Klampfe bewaffnet gibt's eine Menge. So eine Vielfalt an Tönen und Arrangement-Möglichkeiten ausschöpfend, sind allerdings nicht viele unterwegs. "N8WACHE" ist ein Album, das einen krassen Gegensatz zu Mike Kilians Arbeit mit ROCKHAUS bildet. Es hat auch nicht sehr viel mit seinem Vorgängeralbum zu tun. "N8WACHE" ist kein Rockalbum, es ist kein Popalbum und es ist schon gar nicht ein Liedermacheralbum. Durch die vielen Facetten in Wort und Ton scheint sich Kilian viel mehr eine eigene kleine Nische zu suchen und hat diese wohl gefunden. Er spielt ideenreich mit irischen Folkelementen, nimmt Anleihen bei anderen "Volksmusiken" und er scheut sich auch nicht, mal den einen oder anderen angejazzten Ton in seine Songs einzustreuen. Vor allem begeistert er aber mit seiner Stimme als zusätzlichem Instrument. Sein Album ist ganz sicher nichts für den Partykeller oder die nächste Grillparty. "N8WACHE" möchte gehört, genossen und erkundet werden. Die vielen kleinen Geschichten, die vielen kleinen Botschaften, mal feinsinnig und poetisch, mal spitzbübisch und mit einem Augenzwinkern, halten eine Menge Stoff für eine entspannte Stunde Musik bereit. Ich weiß, ich schreibe das gelegentlich unter eine Rezension... Aber selten habe ich unseren Lesern ein Album so nachdrücklich ans Herz gelegt wie dieses Mal: "N8WACHE" müsst Ihr einfach haben!!!
(Christian Reder)


 

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Videoclips:

Off. Video zu "Lass uns leben"


Making of "N8WACHE"





   
   
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