karatbalancegr 20121118 1630150088Als das Album "Balance" 1997 erschien, rief es durchaus geteilte Meinungen hervor, denn es klang ganz anders, als man es bis dato von Karat gewohnt war. So mancher eingefleischte Karat-Fan konnte sich (teilweise bis heute) nicht so recht mit dieser Scheibe anfreunden, zumal die meisten Songs nicht unbedingt beim ersten Hören ansprechen. Oftmals hinterlassen diejenigen Dinge, die eine gewisse Zeit brauchen, um Gefallen zu erregen, aber auch einen besonders nachhaltigen Eindruck. So verhält es sich auch bei diesem Album. "Balance" beinhaltet fünfzehn kleinformatige, schlichte (hier positiv gemeint) aber elegante Songs, die durch ein relativ geschlossenes Gesamtarrangement vereinigt sind. Das Alben-Arrangement wird durch Akustik- bzw. leicht (im Blues-Style) angezerrte Gitarren, durch ein feingliedriges Schlagwerk unter dem Einsatz vieler Percussion-Instrumente, durch eine angenehme Dezenz der Synthie-Effekte (bei den "Tasteninstrumenten" spielt hier wirklich der gute alte Flügel eine vordergründige Rolle) und vor allem durch die Unterstützung des Sinfonie-Orchesters Babelsberg sowie Herbert Dreilichs warme Stimme in ‚Balance' gehalten. Schon der einheitliche ziemlich organisch geratene Sound zeigt, dass "Balance" als Gesamtwerk verstanden werden will. Auch die Textgestaltung befolgt das Einheitskonzept des Albums. Hier werden weniger Geschichten erzählt, als vielmehr die verschiedensten Gedanken, Stimmungen und Gefühle in nachdenklicher Form in der Regel aus der Perspektive eines selbst-reflexiven Ich's heraus dargestellt. (Ist trotz der großen Variabilität der verschiedenen Stimmungen ein einziges lyrisches Ich anzunehmen oder werden uns hier verschiedene Charaktere vorstellig? In Kenntnis dieser Frage überblicke man nun einmal das gesamte Libretto und denke über den Albumtitel nach!)
Das Album könnte möglicherweise Gefallen bei denen finden, die mit Karat-Musik sonst nicht so sehr viel anfangen können, die aber trotzdem immer gerne einmal wieder lyrisch-getragene Musik auflegen. Meine persönlichen Anspieltipps für diejenigen, die sich erst einmal hinein hören möchten: "Ganz egal", "Vielleicht", "Was wäre wenn" (!), "Das andere Ufer" und "Niemandsland". Insgesamt ein äußerst niveauvolles und reifes Werk voller Zwischentöne, das es verdient hat (wieder)entdeckt zu werden. Ich empfehle das Album unbedingt einmal am Stück zu hören, am besten zur abendlichen Stunde, bei gedimmtem Licht und einem Glas guten 99er Barolo.
(Patrick Baumbach)

VÖ: 1997; Label: K&P Music/BMG; Titel: Kein Wort · Ganz egal · Vielleicht · Was wäre wenn · Lebenszeichen · Der Ozean · Laß uns wie... · Stumme Schreie · Unerreichbar tief · Nur für Geld · Das andere Ufer · Notlandung · Es bleibt dabei · Niemandsland · Kristall; Bemerkung: seit Jahren nicht mehr erhältlich / wurde relativ kurz nach Veröffentlichung wieder aus dem Backkatalog gestrichen; Musiker: Herbert Dreilich (Gesang) · Bernd Römer (Gitarre) · Christian Liebig (Bass) · Martin Becker (Keyboards) · Michael Schwandt (Drums); Co-Produzent/Mastering: Ralf "Bummi" Bursy

   
   
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