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Ein Bericht mit Fotos von Bodo Kubatzki
 
 

 

Dorfrock Schmadebeck XXV - 1. Juli 2022
Zwei Jahre mussten Veranstalter und Fans warten, um die 25. Jubiläumsausgabe des mittlerweile traditionellen Dorfrock Schmadebeck gebührlich begehen zu können. Was 1996 mit einem Konzert der legendären Band RENFT im Kleinen begann, hat im Laufe der Jahre Kultstatus erlangt. Chef-Organisator Rüdiger Kropp und der eingetragene Verein Land-Projekt-Gemeinschaft (L.P.G.) haben damit das kleine Dorf Schmadebeck, nahe der Stadt Kröpelin gelegen, weit über die Grenzen Mecklenburg-Vorpommerns hinaus bekannt gemacht, zumindest im Kreis derer, die Rockmusik, insbesondere den sogenannten Ost-Rock lieben. Nahezu jede namhafte Band des Ostens hat schon auf der Bühne am Sportplatz im "Rockdorf" Schmadebeck gespielt, einige sogar mehrmals. Aber auch die Band TORFROCK fand schon den Weg in den kleinen Ort. Doch das liegt schon 20 Jahre zurück. Konzeptionell gestaltet sich der Dorfrock Schmadebeck inzwischen so, dass bei jeder Ausgabe eine Band aus der ehemaligen DDR auftritt und im Anschluss ein bis zwei Coverbands spielen. Hin und wieder erhalten auch Bands aus der Region die Chance, sich beim Dorfrock zu präsentieren. Zum 25. Jubiläum waren die Berliner Band PANKOW, die BEATLES-Coverband PANGEA sowie die STONES-Coverband STARFUCKER mit dem ROCKHAUS-Frontmann MIKE KILIAN als Sänger und Gitarrist eingeladen. Jeder weiß, weshalb diese Jubiläumsveranstaltung erst in diesem Jahr stattfinden konnte.

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Am Freitagnachmittag postete Rüdiger Kropp auf der Facebook Seite des Dorfrocks noch folgenden Hinweis, der sicherlich der Schlechtwetterprognose geschuldet war: "Für alle die noch zweifeln ..... der XXV Jubiläums-DORFROCK findet statt ..... das Wetter wird besser und vor der Bühne steht ein großes Zirkuszelt wie ein großer Regenschirm ....." Das wäre wahrscheinlich nicht nötig gewesen, denn zahlreiche Fans befanden sich schon vor Ort, als wir im "Rockdorf" eintrafen. Bereits auf der Fahrt dorthin fuhr ein PKW mit Greifswalder Kennzeichen vor uns, den ein großer STERN-COMBO MEISSEN-Aufkleber in der Heckscheibe zierte. Wir wussten, wer die Insassen des Fahrzeugs sind, schließlich kennen sich viele Ostrock-Fans untereinander. Entsprechend groß war die Wiedersehensfreude.

b 20220707 1540518128Um 19.00 Uhr begrüßt Rüdiger Kropp die Gäste und bittet um etwas Geduld, da sich der Beginn der Veranstaltung um einige Minuten verzögern wird. Er nutzt die Gelegenheit, um den Sponsoren und Unterstützern des Dorfrocks zu danken. Dabei handelt es ich um eine lange Liste von Betrieben, Organisationen und Einzelpersonen, ohne deren finanzielle Unterstützung solch ein Events wohl nicht möglich wäre.

Zwanzig Minuten nach sieben nehmen die Jungs von PANKOW ihre Plätze auf der Bühne ein. "Jungs" stimmt nicht mehr so ganz. Ich muss wohl eher "die Herren von PANKOW" schreiben. Schließlich sind über 40 Jahre vergangen, seit sich die Berliner Band mit damals provozierend kritischen Texten, ehrlichem, erdigen Rock und einer Portion New Wave in einer neuen Generation von DDR-Bands einen Namen machte. Eine starke Band ist PANKOW immer noch, wie sich jeder an diesem Abend überzeugen konnte. Gradliniger Rock, geprägt von Jürgen Ehles Art, Gitarre zu spielen, getrieben von einer präzise agierenden Rhythmusgruppe, sind ebenso Markenzeichen der Band, wie André Herzbergs ausdrucksstarker Gesang. Nicht zu vergessen die Texte, die in den 80er Jahren in der ostdeutschen Kulturbürokratie für heftige Diskussionen sorgten und staatliche Zensoren auf den Plan riefen. Viele der Zeilen der PANKOW-Texte haben leider auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren. "Steh auf, geh raus, es gibt keine besseren Zeiten", mit diesen Zeilen eröffneten PANKOW ihr geniales Konzert und nahmen uns für knapp 90 Minuten mit auf die Reise in ihren musikalischen Kosmos. Songperlen wie "Ich mach 'ne Liste", "Neuer Tag in Pankow" und "Aufruhr in den Augen" standen ebenso auf dem Programm wie die Songs "Freitag" oder "Stille" aus den Rockspektakeln "Paule Panke" und "Hans im Glück". Das Cover "Was willst Du mehr", geschrieben von den ehemaligen RENFT-Musikern Christian Kunert und Gerulf Pannach in West-Berlin, kurz nach dem Mauerfall, hat auch so einen Text, den man genauer hören muss. Spiegelt er doch das damalige Gefühl in der wiedervereinten Stadt wider. Gesungen wird dieses bluesige Lied von Jürgen Ehle. André Herzberg bläst die Blues-Harp dazu. Als Frontmann beweist Herzberg auch an diesem Abend, dass er ein hervorragender Sänger und Entertainer ist. "Ich bin" mit einstudierter Choreografie von Herzberg, Ehle und Drechsler macht ebenso Spaß wie "Langeweile" oder "Rock'n'Roll im Stadtpark". Trotz immer wieder einsetzender Regenschauer halten die Fans vor der Bühne aus und lassen sich von der Musik in ihren Bann ziehen, bis sie letztlich bei "Die wundersame Geschichte von Gabi" gemeinsam mit André Herzberg und der Band abheben und in den Himmel aufsteigen.

An dieses fantastische Konzert schließt sich eine Sache an, die inzwischen auch schon Tradition geworden ist. Rüdiger Kropp gedenkt der sechzehn Musiker, die in den letzten 25 Jahren schon auf der Bühne in Schmadebeck gestanden haben, jedoch leider nicht mehr unter uns weilen. Dies sind im Einzelnen: Klaus Renft, Heinz Prüfer, Peter "Piotr" Kschentz, Peter "Cäsar" Gläser und Marcus "Basskran" Schloussen von der Gruppe RENFT, Reinhard Fißler, Norbert Jäger und Thomas Kurzhals von der STERN-COMBO MEISSEN, Klaus Selmke von CITY, Herbert Dreilich von KARAT, Peter "Mampe" Ludewig und Stephan Trepte, ehemals ELECTRA, Carsten "Beathoven" Mohren von ROCKHAUS,c 20220707 1074518391 Egon Linde von TRANSIT, Hans Joachim Kneis, Sänger der Band KLOSTERBRÜDER sowie Jörg "Speiche" Schütze von MONOKEL. In Gedenken an die Verstorbenen wird auch in diesem Jahr für jeden eine Rakete gezündet und in den Himmel geschossen. Die Aktion wird Mike Kilian später dazu veranlassen, zu mutmaßen, dass auch für ihn schon eine Rakete angeschafft worden wäre, denn immerhin stünde er schon zum vierten Mal in Schmadebeck auf der Bühne. Doch noch sei es nicht so weit.

PANGEA - The BEATLES Revival Band aus unserem Nachbarland Tschechien lässt nach einer kurzen Umbaupause in authentischem Outfit und mit dem identischen Instrumentarium der Fab Four aus Liverpool die Ära der Beatlemania und der Livekonzerte der BEATLES wieder aufleben. Mit Pilzkopffrisuren und gut geölten Stimmen weckt die Band bei vielen Anwesenden Erinnerungen an ihre Jugendzeit, Erinnerungen an die Musik einer Band, die wohl kaum jemand, der diesseits der Elbe aufgewachsen ist, je live hat erleben können. Die Jugendlichen in der DDR sollten solche Musik damals nicht einmal hören dürfen. Ich erinnere an den Ausspruch von Walter Ulbricht auf dem XI. Plenum des ZK der SED 1965: "Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der vom Westen kommt, kopieren müssen? Ich denke, Genossen, mit der Monotonie des Je-Je-Je, und wie das alles heißt, sollte man doch Schluss machen." Doch dazu kam es nicht. Diese Musik ließ sich nicht aufhalten. Im Gegenteil, sie leitete eine neue Jugend- und Musikkultur ein, deren Entwicklung wir alle irgendwie miterlebt haben.

PANGEA begeistern das Publikum mit Hits wie "She Loves You", "A Hard Day's Night", "Help!" usw. Die Band hat aber auch eher selten gehörte Stücke im Programm, die selbst ich als BEATLES-Fan nicht im Ohr hatte. Die vier Musiker gehen mit äußerster Professionalität zu Werke, wofür sie vom Publikum mit enthusiastischem Beifall belohnt werden. Dass die Band nach knappen 40 Minuten ihre Instrumente beiseitelegt, überrascht mich kurz. Doch schnell wird mir klar, dass sie von den ROLLING STONES verdrängt wird. Was in den frühen 60er Jahren unmöglich gewesen wäre, hier in Schmadebeck funktioniert es. THE BEATLES und THE ROLLING STONES auf der gleichen Bühne, natürlich nicht tatsächlich, doch in Form von Cover-Bands. STARFUCKER, die STONES-Cover-Band um ROCKHAUS Sänger Mike Kilian zeichnete ab sofort für härtere Beat-Klänge verantwortlich. Mit einer wilden Performance vor allem von Frontmann Kilian, wird ein STONES-Hit nach dem anderen durch die Boxen gepustet. Auf der Fläche vor der Bühne wird getanzt und mitgesungen. Da stört kein Regen. Mit Christian Sorge an der Gitarre, Bernd Haucke an den Drums und Volker Hopfner am Bass hat Mike Kilian eine Truppe von versierten Musikern um sich geschart. Doch im Zentrum der Band steht eindeutig ihr Frontmann, mit einer Stimme, die der von Mick Jagger in nichts nachsteht. Dazu überzeugt Kilian mit ebenfalls hervorragendem Gitarrenspiel, einer fast akrobatischen Bühnenshow und mit markigen Sprüchen. Das kommt an bei den Leuten, und ihm gefällt es auch, so dass er sich ein Bad in der Menge nicht nehmen lässt. Selbst vor recht aufdringlichen, weiblichen Fans schreckt er dabei nicht zurück. Auch STARFUCKER spielen zunächst nur ein kurzes Set. Einige Minuten später stehen PANGEA wieder auf der Bühne, diesmal in schwarzen Anzügen, statt der grauen. Wieder sehe ich tanzende und singende Fans. Wir hören uns noch einige Songs an, bevor wir uns auf den Heimweg machen. Doch die Party in Schmadebeck ist längst nicht zu Ende. Auch STARFUCKER werden ein weiteres Set spielen, bis schließlich beide Bands den Song "I Wanna Be Your Man" gemeinsam interpretieren. Doch das erleben wir nicht mehr. Wir sitzen im Auto und hören PANKOW.

Die 25. Jubiläumsausgabe des Dorfrock Schmadebeck ist nun Geschichte. Ein Dank geht an Rüdiger Kropp und alle Beteiligten, die an der Organisation und Durchführung der Veranstaltung beteiligt waren. Gut gemacht und weiter so, kann ich da nur sagen.

 


 

Fotostrecke

 

  

PANKOW 

 

 

 

PANGEA & STARFUCKER 

 

 


   
   
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