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Ein Bericht von Christian Reder mit Fotos von Adam Glagla




Seit über 40 Jahren steht die kurz und knackig nur HBB genannte HAMBURG BLUES BAND nunmehr auf der Bühne. Sie wurde 1982 vom Rhythmusgitarristen Gert Lange und dem 2004 verstorbenen Saxophonisten Dick Heckstall-Smith (vormals COLOSSEUM) in Hamburg gegründet. Ort des Geschehens war damals das "Onkel Pö", über das Udo Lindenberg einst in seinem Song "Alles klar auf der Andrea Doria" berichtete, es habe dort eine Rentnerband gespielt. Die HBB war damit jedoch nicht gemeint, zumal sie weder "Dixieland" spielt noch zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Lindenberg-Nummer geplant war. Abgesehen davon ist die Kapelle von Gert Lange so weit von einer Rentnerband entfernt, wie die Erde vom Mond, was am Sonntagabend seitens der aktuellen Belegschaft tatkräftig und lautstark unter Beweis gestellt wurde. Überhaupt ist die HBB seit ihren Anfängen eine angesagte und ausgesprochen kraftvolle Live-Band, die ihr Publikum mitreißen kann und deren Shows zu besuchen sich lohnt. Hier in Dortmund gaben die Herren aus den hohen Norden am letzten Wochenende ihre Visitenkarte ab und rockten den altehrwürdigen "Piano"-Musiktempel so heftig, dass der Seismograph beim geologischen Dienst NRW mächtig Ausschlag gehabt haben dürfte.


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Die Band um das letzte verbliebene Gründungsmitglied Gert Lange (Foto oben) ist für ihren harten Blues-Stil bekannt, der manchmal auch Einschläge des Hardrock in sich trägt. Er lebt insbesondere auch von den Gitarren ihres Bandchefs Gert, der am Samstag die Bühne mit einem Piratentuch als Kopfbedeckung betrat und damit schwer an den DEEP PURPLE-Bassisten Roger Glover erinnerte, und dem Kollegen daneben. Das waren in den Jahren schon einige, angefangen von Clem Clempson bis zu Miller Anderson. Inzwischen wirkt auf dieser Position ein anderer. An Gert Langes Seite standen und saßen am Samstag Reggie Worthy (u.a. Stoppok) am Bass, Eddie Filipp (u.a. Sweet, Clem Clempson Band) am Schlagzeug und an der zweiten Gitarre und der Harp Krissy Matthews, der mit seinen 29 Jahren von der Altersstruktur so gar nicht in die Band passen will. Dafür aber mit seiner Kunstfertigkeit an der Gitarre, denn hinter den eben genannten großen Namen, die seine Vorgänger waren, braucht sich Matthews auf keinen Fall verstecken. Als Gast kam im zweiten Teil des Konzerts noch Chris Farlowe als Sänger mit dazu, ein Weltstar, der als Stimme von ATOMIC ROOSTER & COLOSSEUM Generationen von Musikfreunden begeisterte und noch heute begeistert.

Ohne großartig Worte zu verlieren, griff Lange sofort spielfreudig und mit sichtbar viel Spaß an der Arbeit in die Saiten seiner Gitarre, und eröffnete den ersten Teil des sonntäglichen Abendprogramms. Das Ensemble wählte den Song "Rockin' Chair" von ihrem 1996er Album "Real Stuff" als Opener und gab uns damit gleich voll eins auf die Zwölf. Das zahlreich und nach zwei Jahren Abstinenz extremst ausgehungerte Publikum dankte es dem Ensemble umgehend mit guter Stimmung und großer Einsatzfreude vor der Bühne. Zeit zum Auftauen oder warm werden brauchte hier niemand, es ging sofort ab, und die Band kredenzte uns eine knackige Mischung aus eigenen und geliehenen Titeln aus dem Soul- und Blues-Bereich …

Gerade sprach ich noch den erst 29 Jahre alten Krissy Mathews an, der extrem gut an seinem Instrument agierte. Aber auch als Sänger trat er in Erscheinung und machte das nicht schlecht. Die Blues-Balladen "Is This The Love I Think It Is" und "Hairdrying Drummer Man" erweckte er gesanglich (und mit der Klampfe) zum Leben und schraubte speziell bei der zuletzt genannten Nummer ein feines Gitarrensolo ein, das uns Zuschauer mit offener Kinnlade stehen ließ. Der junge Mann ist phänomenal. Ebenso sein Kollege an den vier dicken Saiten, Reggy Worthy, übernahm bei einer Nummer das Mikrofon. Er gab seine Version von Tina Turners "Notbush City Limits" zum Besten und hinterließ damit ebenfalls einen ausgesprochen guten Eindruck. Abwechslung nicht nur am Mikro sondern auch mittels der dargebotenen Songs. Langeweile kam in keinem Moment auf!


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Ein Hauch internationaler Blues-Geschichte atmeten wir im zweiten Teil des Sets ein, als sich Chris Farlowe zum sich inzwischen gut eingespielten Kollegium dazu gesellte. Er gab einigen Nummern mit seiner markanten Stimme die besondere Note mit auf den Weg, z.B. dem entspannten Blues-Schleicher "Stormy Monday Blues". Dabei handelt es sich um eine Nummer, die schon von so vielen Bands gecovert wurde, die aber durch Farlows Gesang und die verschärften Soli auf den Gitarren eine feine Würzung und damit eine neue Geschmacksrichtung bekam. Überhaupt kam man gar nicht von Farlow weg und war schwer beeindruckt von dem, was der Mann da mit über 80 (er wird im Oktober 82 Jahre alt) auf die Bretter zauberte. Insbesondere beim letzten Song des regulären Teils, "All Or Nothing", feuerte der weißhaarige Blues-Barde nochmal aus allen Kanonen und machte manch jüngeren Herrn neidisch, der nicht mehr so gut auf den Beinen ist, wie er. Was für eine fantastische Leistung und Vorbild für alle, die sich auch im hohen Alter noch ihrer Leidenschaft, der Musik, hingeben möchten.

Natürlich kamen die Männer nicht ohne Zugaben aus dem "Piano", und waren damit auch nicht geizig. Am Ende der "Schicht" machten die Musikanten nochmals artig einen Knicks, die Gesellschaft vor ihnen jubelte ihnen aus vollem Herzen zu, und schon war ein weiterer Konzertabend zu Ende. Das Quartett aus der Hansestadt zündete schon in der ersten Minute das "Piano" an und legte bis zum Vollbrand 17 Brandbeschleuniger (ohne Zugaben) in die Glut. Diesem extrem heißen Blues-Rock-Orchester merkt man die 40 gelebten Jahre nicht an, insbesondere ihr Jungbrunnen Krissy Matthews lässt die komplette Belegschaft in jugendlicher Frische da stehen. Sollte das Unternehmen auch mal in Eurer Stadt oder näheren Umgebung seine Zelte aufschlagen, solltet Ihr Euch die Gelegenheit nicht nehmen lassen, meine hier getätigten Aussagen selbst überprüfen zu gehen und genauso viel Spaß zu haben wie jeder, der am Samstag in Dortmund dabei war.



Setlist:
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Termine:
• 23.06.2022 - Lindewerra - Gemeindesaal
• 24.06.2022 - Idstein - Scheuer
• 25.06.2022 - Freiburg - Jazzhaus
• 26.06.2022 - Nürnberg - Hirsch
• 27.06.2022 - Salzburg (AUT) - Rockhouse
• 28.06.2022 - Wien (AUT) - Reigen
• 16.07.2022 - Oetterdorf - Open Air Oetersdorf
• 17.07.2022 - Ahrensburg - Marstall Open Air
• 29.07.2022 - Altenburg - Jazzclub Altenburg
• 30.07.2022 - Bad Berka - Open Air

Tour wird fortgesetzt. Alle Angaben ohne Gewähr!


Bitte beachtet auch:
• Homepage der Hamburg Blues Band: www.hamburgbluesband.de
• Homepage des Piano in Dortmund: www.musiktheater-piano.de




 
 
 



   
   
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