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Ein Bericht mit Fotos von Ulli Neumann und Videoclip von Petra Meißner




a 20220319 1388396376In den letzten Jahren ist das Berliner Ausflugslokal "Neu Helgoland" ja so was wie meine zweite Heimat geworden. Dieses Hotel und Restaurant, welches sich seit 100 Jahren in Familienbesitz befindet, herrlich an der Berliner Müggelspree gelegen, hat sich in der kalten Jahreszeit seit vielen Jahren ein zweites Standbein geschaffen. Von September bis April finden in dem gemütlichen Saal Woche für Woche zahlreiche Veranstaltungen statt. Gerade interessant für mich, dass Bands aus der Ostrockszene dort viele Auftritte haben. Hinzu kommt noch, das Team um Chefin Dagmar Tabbert sorgt für ein gemütliches Ambiente, was ja für einen Konzertbesuch dieser Art auch für mich sehr wichtig ist.

Nun schon zum dritten Konzertbesuch im "Neu Helgoland" in diesem Jahr freute ich mich, Quaster & Friends live erleben zu dürfen. Schon rechtzeitig Karten besorgt, hatte ich einen guten Sitzplatz in der Nähe vom Bühnenrand. Pünktlich um 20:00 Uhr ging es los, aber nicht gleich mit Live-Musik, sondern mit einem Statement von Frank Töffling, vielen als "der Schatten" bekannt. Er äußerte sich zum Krieg in der Ukraine und über die Corona Pandemie. Ich werde es mal sinngemäß wiedergeben: "Wir wollen heute, im Gegensatz zu anderen öffentlichen Veranstaltungen, zu beiden Themen nicht Stellung beziehen. Nichts ist schlimmer, als eine Meinung zu haben, die auf gefährlichen Halbwissen basiert. Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille. Wir wollen euch heute auf zwei Stunden musikalische Reise in die Vergangenheit bis hin zur Gegenwart mitnehmen, um für diese Zeit die Schrecken des Tages mal kurz zu vergessen. Spätestens morgen früh an der Tanksäule hat uns der Alltag wieder." - Ich sage nur Respekt.

Aber dann ging es musikalisch mit dem Song "Ich bereue nichts" los, dem Bühnenthema von Quasters Show. Statt ein Buch zu schreiben bringt er sein Leben musikalisch auf die Bühne. Eine sehr gute Idee. Kurz möchte ich noch die Friends vorstellen: Peter Rasym am Bass, bei dem - wie festgestellt wurde - ",,, jeder Basslehrer bei seinem Spiel vor Neid erblasst!" Stefan Schirrmacher an der Gitarre, ein Meister seines Fachs. Und natürlich das Multitalent, der Schatten, der für Rhythmus, Flöte und Mundi zuständig war. Quaster und die Friends sind in der Zeit zu einem echten Team zusammengewachsen. Kontinuität zahlt sich eben aus.

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Dann begann die Reise in Quasters Vergangenheit, konkret in den 60er Jahren und mit Titeln, die er in dieser Zeit live gespielt hat. Von den Bee Gees "To love somebody", der Spencer Davis Group "Keep on running" und von Manfred Mann "Mighty Quinn". Schon bei diesen ersten Songs merkte man, dass der 77-jährige Quaster nichts von seiner einzigartigen Stimme verloren hat. Weiter ging es mit dem zweiten Medley und darin gleich einem Song, den ich besonders mag: "While My Guitar Gently Weeps" von George Harrison. Ein anspruchsvoller Song, aber gut gespielt und sauber gesungen, Dazu die Hollies mit "Sorry Suzanne" und natürlich Mungo Jerry mit "In the Summertime" - wenn ich mich recht erinnere, haben die Puhdys den guten Mungo mal auf einer Tour begleitet.

Dann ging es im dritten Medley weiter mit den 70er Jahren.Da spielte Quaster ja schon bei den Puhdys und in den frühen Jahren wurde noch viel gecovert. Songs wie "Hotel California" von den Eagles, "Boat on the River" von STYX und "Lady In Black" von Uriah Heep folgten. Nach diesen 10 englischsprachigen Titeln ging es dann weiter mit deutschen Songs an denen Quaster, aber auch Peter Rasym aktiv beteiligt waren - ob nun während ihrer Zeit bei den Puhdys oder bei Quasters Soloprojekten. Gleich am Anfang ging es mit dem Titel "Unterwegs" los, einem rockigen Song von der letzten Soloscheibe von Quaster. Es folgte "Mein Elixier", ein Titel von der Puhdys-CD "Zeiten ändern sich", die zum 25-jährigen Jubiläum der Band entstanden ist. Besonders berührt hat mich das Stück "Lied für Generationen". Schon bei seinem Erscheinen im Jahre 1975, geschrieben von den unvergessenen Harry Jeske (Musik) und Wolfgang Tilgner (Text), war ich begeistert und jetzt ist es für mich erschreckend, wie viele Generationen dieses Songs ich in meinem Leben schon selber erlebt habe. Aber daran kann man sehen, wie zeitlos er ist. Natürlich durfte auch der Puhdys- Klassiker "Geh zu ihr" nicht fehlen, und Quaster erwähnte beim darauf folgenden Stück "Regen", dass Dieter "Maschine" Birr ihn für Quaster und seine Frau Liane geschrieben hat.

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Erwähnt habe ich noch nicht, dass im Vorfeld zwei Gäste für den Abend angesagt waren. Einer davon sollte Hans Wintoch, den ja viele als Hans die Geige kennen, sein. Über Hans' musikalisches Leben könnte ich ja auch schon einiges schreiben, aber ich will es kurz machen. Es war für mich eine große Freude, ihn an diesem Abend erleben zu dürfen. 1987, zur ersten Soloscheibe, ist ja ein Video von Quaster und Hans im DDR Fernsehen produziert und ausgestrahlt worden. Mit diesem Song ging es los - "So nah". Man merkte, die beiden hatten gut geprobt, er kam super rüber. Kritisch möchte ich anmerken, dass ich Hans hinter den Musikern stehend etwas eingeklemmt empfunden habe. Vielleicht sollte man beim nächsten Mal einen fünften Hocker hinstellen. "Liebe Pur" war bekanntlich der Titelsong zur LP aus dieser Zeit, den Hans auch begleitet hat. Ich fand es eine tolle Idee, Hans die Geige einzuladen. Ich hoffe, es gibt eine Wiederholung. Einfügen möchte ich noch die Info, dass man die Zusammenarbeit von Quaster mit Farfarello und Hans die Geige ab sofort im neuen Titel "Stark" erleben kann (siehe auch den folgenden Clip).



Anschließend wurde mit "Lebenszeit" wieder ein Puhdys-Klassiker gespielt. Damit waren es schon 19 Titel und als 20. folgte ein Song, der leider aktueller denn je ist: "Hiroshima". Gedanklich war ich dabei tief versunken, hervorragend der Gesang und ebenso die musikalische Umsetzung. Als nächster Gast sollte eigentlich Peter Meyer kommen, stattdessen gab es nur eine Videobotschaft von ihm. Leider konnte er nicht teilnehmen, was er sehr bedauerte. Ein Sturz und ein deshalb geschientes Bein verhinderten seinen Auftritt. Aber wenn ich es richtig verstanden habe, wird es ein nächstes Mal geben. Direkt im Anschluss folgte ein Song, dessen Text so ziemlich mein Lebensmotto ist: "Die Welt ist ein Wunder". Wunderschön ihn wieder zu hören. Dann ging es mit dem Puhdys-Titel "Es war schön" langsam dem Ende entgegen. Aber ein Titel durfte an diesem Abend nicht fehlen: "Alt wie ein Baum". Es dauerte gar nicht lange, da sangen die Fans lautstark mit. Es war schön.

Lautstark wurden dann auch Zugaben gefordert, und die Band ließ sich nicht lange bitten. "Mach dir um mich keine Sorgen" von der letzten Puhdys-Scheibe "Heilige Nächte" wurde zelebriert und fast zum Schluss wurde es mit "Hey, wir wollen die Eisbären sehen" noch mal richtig rockig. Die Fans feierten den Song und sangen lautstark mit. Zum Ende wurde es sentimental, denn Quaster kam noch mal mit Stefan Schirrmacher auf die Bühne, um seinen leider viel zu früh verstorbenen Ziehsohn Carsten "Beathoven" Mohren zu gedenken. Man merkte Quaster die Emotionen an, aber mit dem Song "Stolz" stellte er nach zwei Stunden unter Beweis, war für eine einzigartige Stimme er hat.

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Erwähnen möchte ich auch noch, dass sich Quaster auf seine originelle Art bei seinen Technikern Floh und Luki bedankt hat, die wieder einmal hervorragende Arbeit geleistet haben. Zusammenfassend möchte ich sagen, es war ein Mega-Abend, die Band hat es verstanden einen zwei Stunden die Alltagsprobleme vergessen zu lassen. Zu Quaster möchte ich sagen, er ist sich in seiner langen musikalischen Karriere treu geblieben - er ist und bleibt der freundliche und fröhliche Musiker ohne Startallüren. Seine Show ist musikalisch mitreißend, aber es fehlt auch nicht an witzigen Small-Talks. Jedenfalls habe ich für den 3. Dezember wieder Karten gebucht.

P.S. Bedanken möchte ich mich bei Petra Meißner. Sie hat - in alt gewohnter Weise - aus unseren Videoschnipseln einen tollen Clip zusammengebastelt.






Seh- und Hör-Bar:












   
   
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