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Ein Konzertbericht mit Fotos von Bodo Kubatzki

 

Tag zwei in Castrop-Rauxel überrascht uns mit Sonnenschein und fast frühlingshaften Temperaturen, obwohl wir uns am 28. Januar noch mitten im Winter befinden. Das schöne Wetter verleitet uns zu einem kurzen Einkaufsbummel ins Zentrum der Stadt. Wir müssen uns beeilen, denn ab dreiviertel zwölf (viertel vor zwölf) hat Christian von Deutsche Mugge eine "Stadtrundfahrt" gemeinsam mit Manuel Schmid und Mike Brettschneider, dem Betreuer der STERN-COMBO MEISSEN Webseite, versprochen. Beim Shoppen kommen wir mit einem Verkäufer ins Gespräch, berichten woher wir kommen und dass wir wegen der Konzerte der STERN-COMBO MEISSEN und von Manuel Schmid im Ruhrpott sind.a 20170201 1432126499 Natürlich werben wir gleich für das Solo-Konzert von Manuel am heutigen Abend. Dem Verkäufer sind die Plakate in der Stadt aufgefallen, doch kannte er weder die STERN-COMBO noch Manuel Schmid. Also würde er wohl heute Abend auch nicht zum Konzert kommen. Er wünschte uns viel Spaß und meinte, wir sollen nicht enttäuscht vom Haus Oestreich sein, in dem Manuel auftreten wird. Diese Location sei mit ihrem Charme der 60er Jahre schon sehr speziell.

Die Zeiger der Uhren bewegen sich in Richtung zwölf. Pünktlich fährt Christian an unserem Hotel vor. Unser Auto haben wir schnell startklar. Christians Frau Nicola gesellt sich mit Hund Raffi zu uns und ab geht es zur besagten Stadtrundfahrt. Nachdem wir im Schritttempo am Park mit der stillgelegten Zeche Erin vorbeigefahren sind, stelle ich die Frage, ob wir im Fahrzeug sitzen bleiben werden oder ich die Chance bekomme, ein Paar Eindrücke mit dem Fotoapparat einzufangen. Zum Glück wird die Anfrage bejaht. Zunächst geht es jedoch vorbei am Wasserschloss Bladenhorst im gleichnamigen Stadtteil. Auch hier hätte es das eine oder andere Fotomotiv gegeben. Doch wir fahren weiter zum alten Schiffshebewerk Henrichenburg. Dieses wurde gemeinsam mit dem Dortmund-Ems-Kanal im August 1899 von Kaiser Wilhelm II. in Betrieb genommen, dient inzwischen jedoch nur noch als Ausflugsziel. Das neue, sich noch in Betrieb befindliche Schiffshebewerk liegt nur wenige hundert Meter entfernt. Endlich machen wir einen Stopp und ich habe einen kurzen Moment Zeit zum Fotografieren. Den "Flugplatz" (für Modellflugzeuge) sehen wir im Vorbeifahren. Weiter geht die Rundfahrt durch die verschiedenen Stadtteile von Castrop-Rauxel zurück ins Zentrum.

Beim gemeinsamen Mittagessen darf ich Manuel ein wenig besser kennenlernen. Da sitzt mir ein sympathischer und selbstbewusster Künstler gegenüber, der für sein jugendliches Alter ausgesprochen vernünftige Ansichten zum Leben und zu seiner Arbeit als Musiker und Sänger vertritt. Es bleibt zu wünschen, dass er sich diese Bodenständigkeit bewahrt.b 20170201 1537825657 Etwa sechs Stunden später befinden wir uns im Haus Oestreich, dem Veranstaltungsort. Ja, das Haus ist speziell. Es steht schon über 114 Jahre. Auf den ersten Blick ist es eine typische Eckkneipe mit einer Bierbar, einem Raum mit Billardtisch und Dartspiel sowie einem kleinen Saal, in dem Manuel auftreten wird. Die Technik ist aufgebaut, der Sound gecheckt, alles dank fleißiger Helfer, die als Fans der STERN-COMBO und von Manuel mit in den Ruhrpott gereist sind. Trotz intensiven Bemühungen lassen sich die Bühnenscheinwerfer nicht in Betrieb nehmen. Folglich wird Manuel nur von einer Neonröhre beleuchtet werden. Schade, denke ich als Fotograf, nur kaltes Licht. Apropos kalt, die Jacken behalten wir erstmal an. Heißer Tee hilft beim Aufwärmen.

Es kommen Gäste, nicht viele, aber immerhin bleiben wir extra angereisten Fans nicht unter uns. Manuel betritt die Bühne, begrüßt sein Publikum und erläutert, was ihn bewogen hat, als Solist aufzutreten. Neben eigenen Songs will er vor allem Musik aus dem reichhaltigen Schaffen ostdeutscher Künstler spielen. Es ist ihm ein Anliegen, dass diese tolle Musik mit ihren meist lyrischen Texten erhalten bleibt. Manuel eröffnet sein Programm mit dem Song "Das Paradies" von seiner aktuellen CD "Seelenparadies". Der Text von Andreas Hähle ermuntert, mit sich im Reinen zu bleiben und im Hier und Jetzt zu leben. Das Paradies muss jeder für sich selbst definieren. Ein schöner Song mit starkem Text. Es folgten Klassiker des "Ostrock", obwohl Manuel darauf hinweist, dass er von dieser Kategorisierung nichts hält. Wir Deutschen brauchen wohl für alles eine Schublade. Es folgt Holger Bieges wohl bekanntester Song "Sagte mal ein Dichter". Von Manuel interpretiert, geht mir dieser gleich tief unter die Haut.

Manuel überrascht mich mit der Aussage, dass ihm die Musik der Band LIFT noch besser gefällt, als die seiner STERN-COMBO. Das von Wolfgang Scheffler komponierte und von Henry Pacholski getextete Lied "Nach Süden" folgt. Der Text drückt verklausuliert die Sehnsucht der Menschen in der damaligen DDR nach Freiheit aus. Auch für mich ist dies einer der schönsten LIFT-Songs. Den LIFT Song "Am Abend mancher Tage" hat Manuel ebenfalls in seinem Programm. Dieser sei musikalisch sehr anspruchsvoll,c 20170201 1065483117 weil es durch verschiedene Tonarten ginge, erklärt Manuel. Doch stellt das für ihn offensichtlich kein Problem dar. Die Harmonien fließen ihm aus den Fingern und den großen Tonumfang der Gesangsmelodie bewältigt er mit Bravour. Mit diesem Stück verarbeitete LIFT den tragischen Unfall im Jahr 1978 bei dem Sänger Henry Pacholski und Bassist Gerhard Zachar ums Leben kamen und Keyboarder Michael Heubach schwer verletzt wurde. Die Franz Bartzsch Komposition "Niemals mehr", seinerzeit gesungen von Veronika Fischer, befasst sich mit diesem Unfall. Der Song wird von Manuel sehr berührend interpretiert. Hier macht er noch mal deutlich, wie toll er Klavier spielen kann.

Geschickt streut Manuel seine eigenen Lieder ins Programm ein, die sich hinter den großen Hits der ostdeutschen Musikgeschichte nicht zu verstecken brauchen. "Worte sind wie Bilder" oder "Die Lichter meiner Stadt" fügen sich nahtlos zwischen KARATs "Albatros" oder KARUSSELLs "Als ich fortging" ein. Manuels chansonhaftes Lied "Das Spiegelbild" und Manfred Krugs "Sonntag" zeugen von stilistischer Vielfalt. ELECTRAs "Sixtinische Madonna" haut mich fast um.

In der Pause finde ich Gelegenheit, mich mit einem Gast zu unterhalten, den ich bereits am Vorabend bei der STERN-COMBO entdeckt hatte. Natürlich bin ich neugierig, was jemanden aus dem Westen zu Konzerten unserer Idole aus dem Osten führt. Ich erfahre, dass die Oma des Gastes aus Düsseldorf in Thüringen gelebt hat, und dass er als Jugendlicher mit seinen Eltern oft dorthin zu Besuch gefahren ist. Da er sich schon immer für Musik interessierte, kaufte er von den Ostmark die er durch den Zwangsumtausch zur Verfügung hatte, Amiga-Schallplatten. Dadurch entwickelte sich ein zunehmendes Interesse an der Musik der Bands und Künstler aus dem Osten mit ihren deutschen Texten. In Castrop-Rauxel hatte er dann endlich Gelegenheit, eine dieser Bands, die er bisher nur von den Platten kannte, live erleben zu können.

e 20170201 1426336951Der zweite Konzertteil verläuft ähnlich wie der erste. Manuel bleibt seinem Konzept treu und mischt Hits aus der DDR mit eigenen Songs. Er berichtet davon, wie stolz es ihn machte, als ihm ein so renommierter Textdichter wie Kurt Demmler eine Zusammenarbeit anbot. Die Texte seines ersten Albums "Leben" aus dem Jahre 2009 stammen ausschließlich von Demmler. Der hörenswerte Text zu "Leben nur wieder leben" soll hier als Beispiel benannt werden.

Bei Manuels Programm werden bei mir viele Erinnerungen wach. Lieder wie "Nachtigall" von der Gruppe 4 PS oder "Asyl im Paradies" von SILLY scheinen bei mir wohl schon in der Versenkung verschwunden gewesen zu sein, wohingegen ELECTRAs "Nie zuvor", KARATs "Über sieben Brücken" oder "Schwanenkönig" und KARUSSELLs "Wie ein Fischlein unterm Eis" noch allgegenwärtig sind. Manuel blättert durch sein Liederbuch und findet immer noch ein Stück, dass er präsentieren will. Den Wunsch nach LIFTs "Sommernacht" erfüllt er erst, nachdem er zuvor noch drei Stücke aus seinem Repertoire zu Besten gibt. Dafür singt er die wunderschöne Ballade "Sommernacht" a cappella und erzeugt auch damit wieder eine Gänsehaut bei mir.

Nach zwei Stunden reiner Spielzeit verabschiedet sich ein immer noch gut aufgelegter Manuel Schmid von einem Publikum, das seinen Liedern mit beharrlicher Aufmerksamkeit gefolgt ist und dies mit viel Beifall honoriert. Manuel verkauft noch einige CDs und kommt mit Gästen ins Gespräch. Ich genieße noch ein Schnäpschen zum Warmwerden und ab geht's ins warme Hotelzimmer,d 20170201 1422134998 voll von Erinnerungen, die Manuels Konzert in mir wachgerufen hat. Ich brauche Zeit, diese Eindrücke zu verarbeiten. Eine Flasche Wein hatten wir kaltgestellt. Bei einem Gläschen lassen wir den Abend Revue passieren und stoßen um null Uhr auf den Geburtstag meiner Frau an, die von dem Konzert ebenso begeistert ist wie ich. Danke Manuel für die schönen Stunden!




Termine:
• 11.02.2017 - Meuselwitz - Lutherhaus (mit Colours of Soul)
• 16.02.2017 - Berlin - Neu Helgoland (Gedenkkonzert für Reinhard Fißler)
• 09.04.2017 - Garbisdorf - Quellenhof (mit Colours of Soul)
• 14.05.2017 - Altenburg - Bachsaal
• 09.06.2017 - Pirna - Musikklub Q24 (solo-konzert)

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere Termine und Infos auf Manuels Homepage


Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Manuel Schmid: www.manuel-schmid.com
• Homepage des Haus Oestreich in Castrop-Rauxel: www.haus-oe.de
• Portrait über Manuel Schmid auf Deutsche Mugge: HIER




 
 




   
   
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