000 20161220 1598406003



uesc1216 20161220 1420085719
Ein Bericht von Sibylla & Bodo Kubatzki mit Konzertfotos von Bodo Kubatzki

 

Seit Anfang der 80er Jahre begleitet mich die Musik der Kölner Band BAP nun schon, obwohl ich es bisher nie geschafft hatte, den "Kölner Bob Dylan" Wolfgang Niedecken und seine Band live zu erleben. Eine Episode im Zusammenhang mit der Musik von BAP hat sich mir eingebrannt, und ich muss sie an dieser Stelle erzählen.a 20161220 1128871151 Wir schreiben 1984. Als Bassist der jungen, aufstrebenden Neubrandenburger Band PORTO hatte ich das Glück, mit diesem "hervorragenden Amateurtanzorchester", wie es damals offiziell hieß, zu einer Tournee nach Bulgarien fahren zu dürfen. Diese Tournee war eine Auszeichnung im Rahmen des Kultursommers der FDJ. Da wir nicht genügend eigenes Material hatten, coverten wir auch Songs von BAP. Mit Stücken wie "Kristallnaach" konnten wir uns voll identifizieren. Die drei BAP-Songs in unserem Programm spielten wir in Bulgarien jedoch nur ein einziges Mal. Gleich nach dem ersten Konzert wurde uns, unter Androhung der sofortigen Rückreise in die DDR, klargemacht, dass Titel dieser westdeutschen Band in unserem Programm nichts zu suchen hätten. Das ist inzwischen "Verdamp lang her" ...

Donnerstag, 15. Dezember 2016, 20:00 Uhr - Stadthalle Rostock: Die Glocken des Kölner Doms läuten das Konzert von NIEDECKENS BAP ein. Die Band betritt unter tosendem Beifall die Bühne und legt sich mit "Frau, ich freu mich" und "Ne schöne Jrooß" gleich richtig ins Zeug. Das sorgt von Beginn an für ausgelassene Stimmung im Saal. Und so sollte es weitergehen. "Nach 40 Jahren haben wir endlich auch in Rostock eine Steckdose gefunden ...", begrüßte Wolfgang Niedecken die ca. 1.400 Fans in der Stadthalle, die gekommen waren, um gemeinsam mit ihm und seiner Band abzurocken. Unter dem Motto "Die beliebtesten Lieder" gab es Stücke aus der gesamten Schaffensperiode der Band zu hören.b 20161220 2075276225 Spätestens beim Reggae "Aff un zo" gab es kein Halten mehr. Ein bisschen Jamaika-Feeling in Ton und Bild, und die Ersten riss es von ihren Plätzen, um zu tanzen und lauthals mitzusingen.

Da stand jemand auf der Bühne, "... met 'ner Band, die immer noch rockt ...", und erzählte mit kratzig-sanfter Stimme seine Geschichten. Niedeckens Lieder handeln von der Liebe, von seinem Leben oder seiner rheinischen Heimat. Und er spricht mit seinen Liedern gesellschaftspolitische Themen an, bezieht Stellung, auch immer wieder gegen rechts. Davon zeugten unter anderem die Stücke "Absurdistan" und "Vision von Europa" vom aktuellen Studioalbum "Lebenslänglich", oder "Arsch huh, Zäng ussenander", das im Jahr 1992 vor dem Hintergrund der ausländerfeindlichen Übergriffe im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen entstanden ist.

Dass NIEDECKENS BAP tatsächlich noch rocken können, stellten sie lautstark und druckvoll unter Beweis. Beim Bluesrock "Diego Paz wohr nüngzehn" versetzten mich Gitarrist Ulrich Rode und Keyboarder Michael Nass mit ihrem Battle zwischen Gitarre und Hammond-Orgel glatt in die Atmosphäre eines Deep Purple Konzerts. Der junge Schlagzeuger Sönke Reich sorgte für den richtigen Beat und Bassist Werner Kopal zupfte unter anderem am "Motörhead-Gedenkbass" die tiefen Töne dazu. Bei Anne de Wolff wäre es einfacher, die Instrumente aufzuzählen, die sie an dem Abend nicht gespielt hat.c 20161220 1675900658 Die folgenden habe ich mir gemerkt: Gitarre, Steel-Gitarre, Mandoline, Geige, Cello, Posaune, Percussions ... und Gesang. Annes Spiel brachte Abwechslung in den Sound von NIEDECKENS BAP.

Dass Niedecken auch "gefühlvoll" kann, zeigten er und seine Band mit einem Akustik-Set aus vier Stücken. Bei "Jraaduss" erhielt das überwiegend norddeutsche Publikum Nachhilfe in Kölscher Mundart, zeigte sich jedoch lernfähig und sangesfreudig. Die Ballade vom "Wellenreiter" hatte die Band am Nachmittag extra für das Rostocker Publikum eingeübt. Die Fans belohnten dies mit einem Extraapplaus. Mit "Kristallnaach" leitete die Band zu einem Finale über, welches mit "Verdamp lang her" sein furioses Ende fand. Der Refrain erschallte aus hunderten von Kehlen. Doch damit war das Konzert noch längst nicht zu Ende. Die Band spielte noch zwei Zugaben-Blöcke mit insgesamt acht Songs.

In "Dausende vun Liebesleeder" beschrieb Niedecken die Liebe zu seiner Heimatstadt Köln, aber auch seinen Standpunkt zur Kölschtümelei, die im Karneval ihren Höhepunkt findet. Das Ganze wurde mit Filmsequenzen vom Kölner Karneval unterlegt. Video-Einspielungen und eine ausgeklügelte Lichtkonzeption ließen das Konzert auch optisch zu etwas Besonderem werden. "Alexandra, nit nur do" mit beeindruckendem Schlagzeugsolo heizte die Stimmung im Saal noch mal so richtig an. "Like a Rolling Stone/Wie ein Stein", ein Bob Dylan Cover, und "Amerika" ließen wieder etwas Ruhe einkehren. "Stell dir vüür" animierte noch mal zum Mitsingen, bevor es mit "Noh all dänne Johre" in die Zielgerade ging. Nach über drei Stunden fand ein fantastisches Konzert seinen krönenden Abschluss.

Das war ehrliche Arbeit eines meiner wenigen deutschen Rock-Idole und seiner fantastischen Band. Danke an Wolfgang Niedecken, Anne de Wolff, Michael Nass, Werner Kopal, Ulrich Rode und Sönke Reich.


Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von BAP: www.bap.de
• Homepage des Veranstalters Semmel Concerts: www.semmel.de





 
 




   
   
© Deutsche Mugge (2007 - 2018)
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen