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Ein Konzertbericht mit Fotos von Bodo Kubatzki (+ Pressematerial im Text). Incl. Videoclip am Ende dieser Seite



Dass Vater-Sohn-Beziehungen immer etwas ganz Besonderes sein können, ist hinlänglich bekannt. Oft sind sie konfliktbeladen, wie es viele prominente Beispiele belegen. Schriftsteller Franz Kafka zum Beispiel stand unter dem Eindruck eines dominanten Vaters und hatte sehr darunter zu leiden. Popstar Michael Jackson musste das eiserne Regiment ertragen, welches sein Vater führte.a 20160229 1620585357 Mit Schlägen wurden Michael und seine Brüder, bekannt geworden als THE JACKSON FIVE, zu Höchstleistungen getrieben. Dass es auch anders ging, zeigt das Beispiel um Abraham Mendelssohn Bartholdy, der das musikalische Talent seines Sohnes Felix erkannte, ihm die erforderliche Unterstützung zukommen ließ und so dem jungen Musiker half, ein großer Komponist zu werden.

Bei dem Projekt THET À THET handelt es sich ebenfalls um eine besondere musikalische Vater-Sohn-Beziehung. Vater Sonny Thet dürfte den älteren Musikfreunden aus den neuen Bundesländern kein Unbekannter sein. Das Cellospiel des Kambodschaners prägte schon in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts maßgeblich den Sound der Weimarer Band BAYON. Mit Musikern aus mindestens drei Erdteilen entwickelte die Band seinerzeit einen ganz eigenen Stil mit Einflüssen aus Jazz, Rock, Klassik sowie asiatischer und lateinamerikanischer Folklore.

Der 1980 geborene Sohn Anthony wuchs folglich von Musik umgeben auf. Seit seinem 14. Lebensjahr spielt er Gitarre, beeinflusst von B. B. King, Mark Knopfler oder Albert Collins. Um ein sicheres berufliches Standbein zu haben, studierte er Wirtschaftswissenschaften an der TU Berlin. Gleichzeitig begann er, nebenberuflich als Gitarrist in verschieden namhaften Bands zu spielen. 2010 stellte er sich erfolgreich der TV-Casting-Show X-Factor, bei der er es unter die letzten vier Finalisten schaffte. Seither ist Anthony erfolgreich als Sänger und Gitarrist auf deutschen Bühnen unterwegs.

Das Projekt THET À THET gibt es schon einige Jahre. Bisher galt es für Vater und Sohn als wohltuender Ausgleich zu ihren sonstigen musikalischen und beruflichen Projekten. Ab und an ein Konzert schien für beide bisher ausreichend zu sein. 2016 soll sich das nun ändern.

Am 27. Februar 2016 hatten die Herren THET zur Live-Präsentation ihres ersten gemeinsamen Albums in das geschichtsträchtige Ellington Hotel nach Berlin geladen, in dem schon Größen wie eben Duke Ellington, Louis Armstrong, David Bowie, Lou Reed u.a. aufgetreten sind.b 20160229 1357613503 Es hat schon einen besonderen Reiz, zu einer Veranstaltung eingeladen zu sein, ohne zu wissen, was einen musikalisch erwartet. Das vorab veröffentlichte Video "I'm Yours" (siehe am Ende dieser Seite) ließ erahnen, wo es musikalisch hingehen könnte. Auch eine ältere Aufnahme von Sonny uns Anthony Thet aus dem "Café Größenwahn" der ZÖLLNER konnte man sich im Internet ansehen. Doch sagte das nicht viel über THET À THET aus.

Die kleine Lounge im Hotel war bis auf den letzten Platz belegt, als René Rennefeld, Freund und Manager der Band, das Programm eröffnete. Mit dem Hang, einem Musikinstrument, aus zwei miteinander verklebten Halbkugelsegmenten, das wie ein Wok aussieht, versuchte er, für gute Schwingungen im Saal zu sorgen. Dies gelang außerordentlich gut. Kein Wunder, wenn man von Hause aus Schlagzeuger ist.

Im Folgenden sollte es weiter um Schwingungen gehen. Nicht nur um Schwingungen der Saiten eines Cellos oder einer Gitarre, vielmehr um die guten Schwingungen, die zwischen Sonny und Anthony Thet herrschen. Wir erfuhren, dass die beiden bereits seit 2010 planten, gemeinsam eine CD zu produzieren, und dass sie sehr stolz auf das Resultat seien, welches den Anwesenden heute vorgestellt werden sollte.

Die siebenköpfige Band legte sich dann auch gleich mit dem Instrumentalstück "Frisco Breeze" so richtig ins Zeug. Der sehr rhythmische Titel sollte ein wenig an die Musik von BAYON erinnern, so Anthony Thet. Und das tat er auch. Vater und Sohn hatten dabei Gelegenheit, mit kurzen Soli auf ihren Instrumenten zu glänzen. Der sich anschließende Titelsong "I'm Yours" besitzt durchaus Hitpotenzial. Auch dieser Song wurde durch ein Cello- und Gitarrensolo veredelt. Das eingängige Gitarrenriff des Ohrwurms ließ musikalische Vorbilder erahnen. Dass die Musik von B. B. King einen großen Einfluss auf Anthony hatte, habe ich bereits erwähnt. Die Band belegte dies mit dem Cover des Songs "I Like To Live The Love".

Stefan Henning spielte in der Band nicht nur die zweite Gitarre, nein, er hat auch die CD produziert und weitere Instrumente eingespielt. Mit seiner wunderschöne Komposition "Only A Dream" hat er dem Repertoire von THET À THET eine weitere interessante Note hinzugefügt. Die Ballade im 6/8-Takt gab der bisherigen Mischung aus bluesigen Pop-Songs eine ganz eigene Farbe. Anthony bezeichnete diesen Song als i-Tüpfelchen.

c 20160229 1261413808Thet Junior zeigte sich an dem Abend als sehr sympathischer und auszeichneter Entertainer. Er gab viel Wissenswertes über sein bisheriges Leben und die Familie Thet preis, z.B. dass ihm erst sehr spät bewusst geworden ist, was die Aussage seiner Mutter bedeutete, er sei bei der Heirat seiner Eltern bereits auf der Welt gewesen. Demnach müsse sein Name wohl Anthony Schröder gewesen sein, was er schon sehr witzig fand. Dass er trotz kambodschanischer Wurzeln immer noch nicht in der Lage sei, in der Sprache seines Vaters zu kommunizieren, ärgere ihn manchmal. Doch er gelobte Besserung. Deutsch und englisch spricht er stattdessen ausgezeichnet, wie man sich an dem Abend überzeugen konnte.

Anthony hatte an dem Abend zwei Gitarren dabei. Das müsse reichen, meinte er, obwohl das Sammeln von Gitarren zu seinen Leidenschaften gehöre. Die Gitarre, die er beim nächsten Song spielen würde, wäre seine erste E-Gitarre gewesen, die er in Kalifornien bekommen hatte. Dort verweilte er einige Zeit, um zu arbeiten, nicht etwa als Musiker, nein, im Lager der Apotheke seines Onkels. Die Zeit in Kalifornien nutzte er auch, um sein Gitarenspiel zu verbessern. Auf dieser Gitarre spielte den Song "Heaven Help" von Lenny Kravitz, dessen Musik ihn auch stark beeinflusste.

Den im straighten Bluesrhythmus angelegten Song "Super Busy Woman" widmete Anthony seiner Frau, die viel in der Welt unterwegs ist. Zu seiner Schande wisse er oft nicht mal, wo sie sich gerade aufgehalten habe, wenn er sie vom Flughafen abholt. Mit "Always Gonna Make It" wurde es wieder etwas relaxter. Irgendwie erinnerte mich Anthonys Stimme nicht nur bei diesem Song ein wenig an Michael Jackson.

Der folgende Song sollte wieder ein besonderer werden. Schade, dass der sich nicht auf der CD befindet. Schlagzeuger Ilir Mulaj wechselte dazu an die Gitarre und stellte den Song "Circle" seiner Band MY INNER CIRCUS vor. Davon, dass der Song beim Publikum ankam, zeugte der frenetische Beifall. Auch mir gefiel das Stück sehr gut. Leider muss man auf mehr von Ilir und seiner Band noch warten, denn momentan konzentriert sich Ilir Mulaj mehr auf sein Refenrendariat als Lehrer. Anthony genoss den Song außerhalb der Bühne.

"Whatever Happened To You" kam dann wieder ganz relaxt daher, wie viele der Stücke von THET À THET. Das ist Musik, die nicht nur beim Zuhören Spaß macht, sie sorgt für positive Schwingungen und verleitet durchaus dazu, sich zu bewegen, was in dem rappelvollen Saal leider nicht möglich war. Der nächste Song "Wiser Than Before" sei in Kambodscha entstanden, in einem Land, welches man unbedingt mal besucht haben sollte. Der ganze Alltagsstress würde in der beeindruckenden Heimat seines Vaters von einem abfallen, meinte Antony: "Steuererklärung vergessen abzugeben, egal! Vergessen, die Tür abzuschließen, egal!" So entstand eine wunderschöne Ballade, die mit ihrem Cello-Ausklang gut an das Ende des Programms passte.

d 20160229 1187349168Als wirklich letzten Titel präsentierten THET À THET den "Wasting Time Blues", das Stück, welches auch den Abschluss der CD bildet. Dieser Song sei eher zufällig auf der CD gelandet. Anthony und Stefan Henning haben im Studio den Sound checken wollen und einfach drauf los gespielt, während die Bandmaschine aufnahm. So sind dann alles anderen Geräusche mit aufs Band gekommen, was dem Song auf der CD ein gewisses Live-Feeling vermittelt. Live kam dann das Blues-Feeling voll zur Geltung - Mitklatschen und Mitsingen inklusive.

Die Live-Band bestand aus überwiegend jungen Musikern, die mit Sonny und Anthony Thet schon seit einigen Jahren zusammen musizieren. Neben den bereits erwähnten Musikern Stefan Henning und Ilir Mulaj agierten auf der Bühne Sebastian Bertram an den Keyboards, der Mexikaner Pablo Turati am Bass und der Kubaner Justo Perez an der Querflöte und den Percussion-Instrumenten. Justo Perez ist ein treuer Wegbegleiter von Sonny Thet und mit ihm noch bei BAYON aktiv.

Die Präsentation der CD "I'm Yours" kann als durchweg gelungen angesehen werden. Die meist vom Blues inspirierten Popsongs, getragen von Anthonys eindrucksvoller Stimme, gehen ins Ohr und besitzen durch das Cellospiel von Sonny Thet besondere musikalische Farbtupfer. Ingesamt heben sie sich ab vom allgemein üblichen Einheitsklang radiotauglicher Musik. Anthony bildete als Sänger, Gitarrist und Entertainer den Mittelpunkt der Band, gab jedoch bereits zum Beginn des Konzertes zu verstehen, dass der Erstgeborene Thet das Sagen in der musikalischen Vater-Sohn-Beziehung habe. Trotz tosendem Beifall und Standing Ovations ließ sich die Band zu keiner Zugabe bewegen. Jedoch gab es anschließend ausreichend Gelegenheit, sich die gerade erworbenen CDs signieren zu lassen und mit den Musikern ins Gespräch zu kommen. Ich bin gespannt, welche Entwicklung das Projekt THET À THET nehmen wird. Potential für eine erfolgreiche Karriere ist jedenfals ausreichend vorhanden.


Live-Termine
• 10.06.2016 - Oldenburg - Oldenburgpromenaden
• 18.06.2016 - Berlin - Markus Kirche
• 06.07.2016 - Waldsieversdorf - Gartenkonzert
• 17.09.2016 - Colbitz - Kirche Colbitz
• 08.10.2016 - Berlin - Ellington Hotel
• 04.11.2016 - Bad Sulza - Therme Toskana
• 05.11.2016 - Bad Sulza - Therme Toskana

Alle Angaben ohne Gewähr! Nähere Infos und weitere Termine auf der bandeigenen Homepage.



Bitte beachtet auch:
• Offizielle Homepage von Thet à Thet: www.thet-a-thet.com
• Offizielle Homepage von Sonny Thet: www.sonnythet.de
• Offizielle Homepage von Anthony Thet: www.anthonythet.com
• Portrait über Sonny Thet bei Deutsche Mugge: HIER klicken




Fotostrecke:
 
 
 
 
 
 




Videoclips:




   
   
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