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Bericht: Rüdiger Lübeck, Fotos: Torsten Meyer


Als wäre es gestern gewesen, ist das Konzert zum 35. Bandjubiläum von ENGERLING noch in (guter!) Erinnerung (wir berichteten: HIER klicken). Umso mehr staunt man, dass inzwischen viereinhalb Jahre ins Land gegangen sind. Viereinhalb Jahre, in denen die Band fleißig getourt ist, wie eh und je. Aber auch viereinhalb Jahre, in denen die Fans weiter vergeblich auf eine neue, vage angekündigte Plattenproduktion warteten. So what - live sind die Mannen um Bandchef Boddi Bodag einfach immer noch unschlagbar.

Wie damals wurde das Kesselhaus der Kulturbrauerei für die Geburtstagsparty auserkoren, und es bedarf eigentlich keiner gesonderten Erwähnung, dass jenes selbstredend ausverkauft war. Ein großes Banner "Wir spielen für Sie! 40 Jahre Engerling", quer über die Bühne gespannt, sollte wohl etwas augenzwinkernd an alte Zeiten erinnern, als man noch allwochenendlich als "Engerling Salon Orchester" auf den Bühnen der Kreiskulturhäuser sein Stelldichein gab. Ein gefühltes Dutzend bunt bestückte Gitarrenständer säumten bereits ungeduldig das Parkett, und es konnte losgehen!

Auch wenn ENGERLING keine Partyband sind (O-Ton Boddi), wurde - dem Anlass angemessen - mit "Moll's Party" gestartet, gefolgt vom "Herbstlied". Aufmerksame Leser werden jetzt womöglich feststellen, dass das Konzert zum 35. identisch begann. Aber keine Bange, es handelte sich mitnichten um eine schlichte Wiederholung. Denn bereits bei "Da hilft kein Jammern" gesellte sich mit Beata Kossowska die erste Gratulantin hinzu. Von der polnischen Mundi-Virtuosin werden wir sicher noch viel hören, das ist sicher. Einmal von der Leine gelassen, beherrscht sie ihr Instrument wie kaum eine Zweite.

MASTERPIECE indes ist ein neues Projekt von Tobi Hillig und Steffi Breiting (MOODS OF ALLY). Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich dabei um ein Dylan-Tribut, auch wenn Hillig an diesem Abend ein "Exile On Main Street"-T-Shirt trug. Mit Bernd Römer und Alt-Engerling Christian Liebig konnten zudem zwei mehr als namhafte Mitstreiter gefunden werden. "Forever Young" und "It Ain't Me Babe" gaben uns dann zwei hymnische Klassiker auf die Ohren, Szenenapplaus für Römers Gitarrensoli inklusive.

Nun waren die ENGERLINGe wieder am Zuge. Die vorangegangene MASTERPIECE-Vorlage aufgreifend konnte sich natürlich nur "Es kommen andere Zeiten" anschließen, in diesem Falle in der Begleitung der israelischen Violinistin und Sängerin Shir-Ran. Weiter ging's mit "Lewy träumt" - und ab sofort auch mit der Bläserfraktion der POLKAHOLIX Andy Wieczoreck, Ferry Grott und Stefan Bohm. Die nachfolgenden, im übrigen äußerst selten live gespielten Songs ("Grüne Insel", "Schwarze Polster" und "Pfeif drauf") durfte dann WALDI WEIZ mit seiner Gitarre begleiten - der übrigens auch von 1989 bis 1992 selbst mal ein Engerling gewesen ist.
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Gleiches gilt für Drummer Friedemann "Frieda" Schulz, der ganz ohne vorherige Probe aus der sprichwörtlichen "Kalten" spielte. Und ja - er kann es noch! Ebenso Rainer "Lello" Lojewski aus der ENGERLING-Urbesetzung, der sich sodann ans Schlagwerk machte und MONOKEL-Kraftblueser Bernd "Kuhle" Kühnert den Takt vorgab. Mit Lutz Kerschowski betrat ein weiterer Gast das Podium - er war bereits vor viereinhalb Jahren dabei.

Nun wurde es richtig gemütlich. Jürgen Ehle hatte seine Mandoline rausgekramt und mit Cathrin Pfeifer eine Akkordeonistin im Gepäck. Die wunderschöne alte Stones-Nummer "Backstreet Girl" - seinerzeit selbstverständlich Bestandteil des hochgelobten Stones-Programmes von ENGERLING - musste es dann schon sein, unter dem tritt man nicht an. Der Original-Song ist übrigens auf keiner regulären Stones-LP zu finden, sondern lediglich auf dem 67er Sampler "Flowers". Egal. Ehle machte bei der "Weißen Ziege" dann auch als Sänger eine gute Figur. Und wo ein Ehle ist, kann bekanntlich ein Herzberg nicht weit sein. Zwei Nummern waren für ihn und seine Begleiter reserviert - "Was willst Du mehr" und "Das Spiel der Fliegen". Völlig zu recht zeigte sich das Publikum geradezu überschwänglich begeistert - so langsam näherte sich die Temperatur im Kesselhaus dem Siedepunkt.

Und jetzt ward es JAZZ! Mit Uschi Brüning und dem mittlerweile 81(!)-jährigen Ernst-Ludwig "Luten" Petrowsky begaben sich zwei wahrliche Legenden auf die Bühne und legten sich ins Zeug, als wären sie nicht von dieser Welt ("Comparde To What"). Rhythmen verschwammen, taumelten scheinbar orientierungslos umher, um sich schlussendlich wieder in Eintracht und Harmonie zu finden. Ohne jede Einschränkung darf deren Auftritt wohl als Höhepunkt des gesamten Konzertabends bezeichnet werden - derart impulsiv und frenetisch wurde hier gearbeitet,
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und das selbstverständlich auf einem Niveau, das auch ruhig einmal beim Namen genannt werden darf: Weltklasse! Außer der Reihe und offenkundig überrascht mussten beide sogar zu einer Zugabe ("Stormy Monday") ran, begleitet von Frank "Gala" Gahler an der Mundi.

Wie immer, wenn es bei ENGERLING auf die Zielgerade geht, wird sich noch einmal ausgiebig den Klassikern gewidmet, seien es nun die eigenen oder aber die des Genres ("Mama Wilson", "Honky Tonk Woman", "Like A Rolling Stone"). Nahezu alle Beteiligten durften noch mal ran und sich in einer schier ausufernden Session produzieren, Trompeter Ferry Grott gar als Rapper! Boddi wünschte allen noch einen schönen Sonntag wie auch Sommer und das war's. Vorerst. Denn einer fehlte noch - der "Narkose Blues", den die Band zuletzt immer wieder adaptiv und ergreifend dazu nutzt, an nahestehende Kollegen zu erinnern, die nicht mehr unter uns sind. In diesem Falle Johnny Cash ("Ring Of Fire"), Jack Bruce ("White Room") und - natürlich - Cäsar und den "Apfeltraum".

Ein dreistündiger Konzertabend war zu Ende, und damit auch ein Bandgeburtstag, der besser kaum hätte gefeiert werden können. Viele Kollegen gratulierten und machten das Konzert damit kurzweilig und bunt. Wenn man denn resümierend einen Vergleich mit dem 35. Jubiläum machen muss, gibt es natürlich viele Parallelen in Konzept und Gestaltung. Tendenziell muss man dennoch reinräumen, dass Stimmung und insbesondere auch Leidenschaft der Beteiligten vor viereinhalb Jahren insgesamt noch einen Tick ausgeprägter waren. Aber das ist Jammern auf ausgesprochen hohem Niveau. Schließlich werden wir alle älter ... Und freuen uns auf 45 Jahre Engerling 2020!


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Setlist:
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Termine:
• 30.04.2015 - Dresden - Zeitgeist
• 01.05.2015 - Dresden - Bärenzwinger
• 09.05.2015 - Döbeln - KL17/Kleinstadt Klub
• 13.05.2015 - Wriezen - Scheune Haselberg
• 15.05.2015 - Erfurt - Museumskeller
• 16.05.2015 - Heuthen - Schwarzer Peter
• 06.06.2015 - Lübbenau - Kulturhof
• 12.06.2015 - Glauchau - Schloss
• 13.06.2015 - Perleberg - 18. Perleberg Festival
• 20.06.2015 - Berlin - Schlossinsel Köpenick

Alle Angaben ohne Gewähr. Nähere Infos auf der bandeigenen Homepage



Bitte beachtet auch:
• off. Homepage von Engerling: www.engerling.de
• Portrait über Engerling bei Deutsche Mugge: HIER klicken




Fotostrecke:

 
 
 

   
   
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