000 20150318 1637920194
Ein Bericht mit Fotos von Torsten Meyer





Was haben HELENE FISCHER, CHRIS DE BURGH, VICKY LEANDROS, PETER MAFFAY, MATTHIAS REIM, SCOOTER, JAN JOSEF LIEFERS und MAX RAABE gemeinsam? Auf den ersten Blick scheinbar nichts. Und doch gibt es da etwas, das sie eint. Sie alle haben nämlich irgendwann einmal einen Song von KARAT gecovert.a 20150318 1573742085 Wenn man die KARAT-Vita aufschlägt, entdeckt man noch viel mehr Beeindruckendes. Man weiß eigentlich gar nicht, wo man anfangen soll. Sie haben bisher 12 Millionen Platten verkauft, erhielten als einzige DDR-Band noch vor dem Mauerfall eine Goldene Schallplatte in der BRD. Ebenso waren sie die Ersten und Einzigen, die es als Ost-Band damals zu "Wetten dass ...!?" schafften. Sie füllten in den 80er Jahren die Waldbühne in Westberlin mit 20.000 Zuschauern. Und so könnte man es fortführen.

Unter den ROCKLEGENDEN, also dem "Trio Grande" im Gebiet zwischen Ahlbeck und Zittau, gelten sie als die "Jüngsten", sind aber deshalb nicht einen Deut weniger erfolgreich. Wobei "jung" in diesem Falle ein dehnbarer Begriff ist, denn immerhin begehen KARAT in diesem Jahr ein Jubiläum, welches die anderen beiden Teile der ROCKLEGENDEN, also CITY und die PUHDYS, längst hinter sich haben: man wird 40! Das ist für eine Band im Haifischbecken Rockmusik eine äußerst respektable Zahl. Gehört man deshalb automatisch zum alten Eisen? Mitnichten. Dafür stehen die Herren Römer, Schwandt, Liebig, Becker und Dreilich jun. noch viel zu sehr im Saft und unter Strom, wovon sie am Montagmittag auf einer offiziellen Pressekonferenz Zeugnis ablegten.

Es gibt gleich zweierlei zu feiern. Zum einen wären da die erwähnten "40 Jahre KARAT". Und als Bonbon präsentiert man den geladenen Medienvertretern nach fünf Jahren mal wieder ein neues Studioalbum, welches den gehaltvollen Namen "Seelenschiffe" trägt. So einen Albumtitel kann eben nur eine Band wie KARAT erfinden. Noch dazu erscheint die Platte bei einem Majorlabel, nämlich bei ELECTROLA, welche in diesem unergründlichen Dschungel an Firmenfusionen im Musikverlagsgewerbe zum weltweit größten Label UNIVERSAL MUSIC gehört.b 20150318 2090161740 Was liegt also näher, als sich zu diesem Anlass auch gleich in die heiligen Hallen der UNIVERSAL MUSIC Deutschland zu begeben, in wunderbarer Lage direkt an der Oberbaumbrücke, dem Übergang zwischen Ost- und Westberlin, von Friedrichshain nach Kreuzberg. Ursprünglich hieß dieses Gebäude im Volksmund mal das "Eierkühlhaus", weil dort ab 1929 tatsächlich Millionen von Eiern, aber auch andere verderbliche Lebensmittel gelagert wurden. Nachdem das Kühlhaus 1991 stillgelegt und im Jahr 2000 zum Bürogebäude umgebaut wurde, verlegte UNIVERSAL MUSIC im Jahr 2002 seine Deutschland-Zentrale von Hamburg nach Berlin und zog dort ein. Das nur nebenbei.

Bis es losgeht, kann man den herrlichen Blick aus dem achten Stock über die Spree und auf Berlins Mitte genießen. Mit leichter Verspätung eröffnet Wolfgang Martin kurz nach 11:00 Uhr die Veranstaltung. Der Mann dürfte den Hörern der DDR-Jugendmusiksendungen noch ein Begriff sein. Auch auf vielen AMIGA-Plattencovern steht rückseitig sein Name zu lesen. Heute ist er Musikchef bei Antenne Brandenburg, schrieb kürzlich DIETER BIRRs Autobiografie "Maschine" und moderierte die Pressekonferenz am Montag. Wie es sich für ein solches Format gehört, marschierten die Hauptpersonen des Abends unter dem Applaus des Publikums ein und erhielten die ihnen gebührende Einzelvorstellung durch Wolfgang Martin. Ebenso herzlich wurden als Ehrengäste die KARAT-Managerin Adele Walther, der Promotionchef von ELECTROLA/UNIVERSAL namens Heiner Peschmann sowie Ute Werler, die die Konzertagentur Semmel vertritt, begrüßt.

Wie üblich auf den meisten Pressekonferenzen - wenn es sich nicht gerade um die Chartstürmer aus Übersee handelt - darf sich nun die Fotografenmeute um das beste und gelungenste Bandfoto bemühen. Es wird geschoben, gedrängelt, lautstarke Anweisungen in Richtung Musiker gerufen, und irgendwann hat jeder Fotograf seine ersten Schnappschüsse im Kasten. Das ist immer der Moment auf einer PK, bei dem ich mir im Stillen dazu gratuliere, dass ich damit nicht mein Geld verdienen muss, denn so ein professioneller Pressefotograf hart wirklich ein hartes Stück Brot zu kauen.

c 20150318 1823068494"40 Jahre KARAT" lautete der erste Programmpunkt. Bevor die Musiker dem Moderator jedoch Rede und Antwort standen, wurde ein Video gezeigt, welches in etwa fünf Minuten einen Abriss der KARAT-Geschichte zeigte. Erinnerungen wurden wach, als man zu Beginn beispielsweise Hans-Joachim "Neumi" Neumann "Suche ein Zimmer" singen sah, ein Song aus der KARAT-Steinzeit. Auch alle eingangs des Berichtes schon erwähnten Stationen und Höhepunkte wurden genannt und gezeigt. Besonders gelungen fand ich die Würdigung des geistigen Vaters der vielen genialen KARAT-Songs, Ed Swillms. Als Ed sich in dem Beitrag selber die Frage stellt: "Bin ich KARAT?" beantwortet er diese auch gleich mit einem glasklaren "Ja, ich glaube schon!", was niemand der Anwesenden auch nur ansatzweise in Frage stellte. Leider konnte Ed Swillms selbst nicht bei dieser PK dabei sein, da er noch an den Folgen eines häuslichen Unfalls mit anschließendem Krankenhausaufenthalt zu knabbern hat. Sehr schade, aber die Gesundheit hat natürlich immer Priorität.

Nun endlich brachte Wolfgang Martin auf amüsante Weise in einem 20-minütigen Frage-Antwort-Spiel Licht in viele Phasen der 40-jährigen KARAT-Geschichte. Wir erfuhren, dass Bernd Römer vermutlich Trendsetter für die Bühnengarderobe eines gewissen Keith Richards war, denn als der KARAT-Gitarrist bei einem Auftritt in der ZDF-Hitparade eine rote Hose und ein pinkfarbenes Jackett trug, coverte besagter STONES-Musiker ein Jahr später genau diesen Dresscode. Micha Schwandt erzählte die Story von seinen gezwungenermaßen hochgebundenen Haaren vor einem Fernsehauftritt, da zu der Zeit lange Haare im DDR-TV verboten waren, während Claudius uns noch einmal teilhaben ließ an den Momenten, als er die Entscheidung treffen musste, die Nachfolge seines Vaters am KARAT-Mikrofon anzutreten, oder doch lieber in Innsbruck zu bleiben und dort seine begonnene Karriere bei einem allseits bekannten schwedischen Einrichtungshaus fortzusetzen. Im Grunde sind das alles keine neuen Geschichten und bahnbrechende Enthüllungen, aber diese Zeitreise gemeinsam mit den eigentlichen Protagonisten zu unternehmen, war doch nochmal etwas ganz anderes, als all das in einem Buch zu lesen.

Nachdem nochmals die besondere Rolle vom Chefkomponisten der großen Hits, Ed Swillms, hervorgehoben wurde und auch hier wieder der Satz fiel: "Ed Swillms war und ist die Seele von KARAT", befragt Wolfgang Martin die einzelnen Bandmitglieder, wie sie selber ihre Zeit bei KARAT empfinden. Interessant fand ich Micha Schwandts Bemerkung, dass er sich gemeinsam mit Bernd Römer als eine Art Bewahrer der früheren KARAT-Musik sieht und man dennoch versucht, diese alten Sounds mit den heutigen Mitteln zeitgemäß darzubieten. Somit wird also das Erbe aus den 80ern nicht nur verwaltet, sondern - nicht zuletzt dank Claudius - auch ausgebaut und erweitert. Ich hätte mir an diesem Punkt der Show vielleicht noch ein, zwei Sätze in Richtung Herbert Dreilich gewünscht, aber möglicherweise war der Zeitplan zu eng.

d 20150318 1914294494Der zweite Anlass, sich an diesem 16. März 2015 vor die Presse zu stellen, ist das am 27. März erscheinende neue Album "Seelenschiffe". Wahrscheinlich wissen viele gar nicht, dass es bereits das 20. offizielle KARAT-Album ist. Ein Grund für Wolfgang Martin, die Musiker nach ihren jeweiligen KARAT-Lieblingsalben zu fragen. Die Antworten verteilten sich auf ziemlich alle Phasen der KARAT-Geschichte. Am meisten imponierte mir Michas Wahl, die auf "Die sieben Wunder Welt" (1984) fiel, weil man dort der Zeit meilenweit voraus war, was den Sound und die Kompositionen betraf.

Zeit für das Video zum Titelsong des neuen Albums, ehe man detailliert auf die Entstehung der Platte eingehen würde. Mutig und ehrlich zugleich fand ich die Äußerung von Claudius, man wollte diesmal keine großen Experimente wagen, sondern mehr in Richtung Mainstream gehen, was man der Platte auch wirklich anhört. Zunächst war es aber wichtig, einen guten Produzenten zu finden, da die Band sich bewusst war, dass sie ein komplett neues Album allein nicht wuppen können. Die Wahl fiel auf Ingo Politz. Der wiederum stellte den KARAT-Leuten einige junge Musiker wie Marcus Gorstein oder Constantin Krieg zur Seite, die sich auch kompositorisch in die Arbeit zum Album einbrachten. Für die gestandenen und kampferprobten KARAT-Recken eine völlig neue Erfahrung, die sich aber im Nachhinein als goldrichtig erwies, wie Claudius bestätigte. Die Fäden in Sachen Arrangements und Sounds behielt man aber schon noch selber in der Hand. Man gibt Claudius sicher auch Recht, wenn er noch die Bemerkung nachschiebt, dass man nach so vielen Jahren im Geschäft irgendwie betriebsblind wird und leicht die Objektivität gegenüber dem eigenen Schaffen verliert. Das umging man diesmal durch die völlig andere Sichtweise, die die am Album mitwirkenden musikalischen Gäste auf die KARAT-Musik hatten. Nicht zuletzt wäre ohne den Einfluss der jungen Leute auch niemals das Video zu "Seelenschiffe" entstanden.

Apropos musikalische Gäste. Natürlich wurde auch über die anstehende Tour, vor allem aber über das am 20. Juni in der Berliner Waldbühne stattfindende Jubiläumskonzert gesprochen. Drei Gäste stehen bereits fest. Dass UTE FREUDENBERG dabei sein wird, mag man ja noch geahnt haben, da man um die Freundschaft zwischen Herbert Dreilich und der einstigen ELEFANT-Sängerin weiß.e 20150318 1304362297 Dass jedoch ein MATTHIAS REIM zu KARAT auf die Bühne gerufen wird, wird sicher für einige überraschte Gesichter sorgen. Und letztlich ist auch der derzeitige Shooting-Star am deutschen Pophimmel dabei - GREGOR MEYLE. Wir bekamen an dieser Stelle den Trailer einer neuen Fernsehsendung von und mit GREGOR MEYLE zu sehen ("Meylensteine"), die demnächst auf VOX laufen wird. Der genaue Sendetermin wurde noch nicht verraten, aber in einer Folge wird es auf jeden Fall um KARAT gehen. Zurück zum Jubiläumskonzert. Natürlich hofft man, dass auch Ed Swillms bis dahin wieder soweit hergestellt sein wird, dass er auf der Bühne stehen und beim einen oder anderen Song mitspielen kann. Nachdem nun noch einige Journalisten ihre Fragen stellen dürften, die z.B. dahin gehen, ob KARAT auch mal einen oder mehrere Songs in anderen Sprachen aufgenommen haben (Antwort: Ja, "Ay ay que verano" anlässlich der Weltsfestspiele1978 in Havanna), war der offizielle Teil der Pressekonferenz beendet. Noch einmal dürften die Fotografen die Bands in diverse Posen stellen und ihre Fotos schießen. Selbst ein kurzes Shooting auf dem Balkon wurde gestattet, nachdem zunächst Bedenken von Seiten des Managements bestanden, denn man darf sich jetzt kurz vor der Tour natürlich nicht erkälten oder sonst wie krank werden. Abschließend stellten sich die Musiker den Rundfunk- und Presseleuten für Einzelinterviews zur Verfügung, ehe nach ca. zwei Stunden alle zufrieden wieder nach Hause oder in ihre Büros fuhren.

Was nehmen wir mit? KARAT lebt, daran besteht kein Zweifel. Mit diesem Album gehen sie sicher neue Wege, weil es deutlich Radio-lastiger ausfällt als man es von den bisherigen Alben der Band gewöhnt ist. Aber ich bin mir sicher, sie werden damit Erfolge feiern, denn die Musik klingt sehr zeitgemäß, die Kompositionen sind wie immer sehr vielschichtig, die Texte sind weit entfernt von Banalität und flachen Phrasen (kein Wunder bei einem Micha Sellin als Texter). Wie heißt es im Pressetext zum Album: "Qualität auf höchstem Niveau, doch gleichzeitig durchzogen von diesem einfachen Pop-Appeal, mit dem Mehrheiten abgeholt werden". Dem ist nichts hinzuzufügen.



NEU: Interview mit Christian Liebig vom 16.03.2015: HIER klicken





KARAT auf Tour 2015:

• 10.04.2015 - Erfurt - Alte Oper
• 11.04.2015 - Erfurt - Alte Oper
• 09.05.2015 - Freyburg - Rotkäppchen Sektkellerei
• 16.05.2015 - Merkers - Erlebnisbergwerk (500 Meter unter Tage)
• 17.05.2015 - Merkers - Erlebnisbergwerk (500 Meter unter Tage)
• 06.06.2015 - Müllrose - Live im Schlaubetal
• 13.06.2015 - Schirgiswalde - Festzelt am Gondelteich
• 20.06.2015 - Berlin - Waldbühne (Jubiläumskonzert)
• 27.06.2015 - Thale - Bergtheater
• 01.08.2015 - Doberlug-Kirchhain - Rock am Schloss

Alle Angaben ohne Gewähr. Nähere Infos und weitere Termine auf der KARAT Homepage


Bitte beachtet auch:

• Off. Homepage von KARAT: www.karat-band.de
• Interview mit Christian Liebig vom 16.03.2015: HIER
• Portrait über KARAT bei deutsche-mugge.de: HIER




Fotostrecke:

 
 
 



   
   
© Deutsche Mugge (2007 - 2018)
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen