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Ein Bericht mit Fotos von Bodo Kubatzki


Für eine schwedische Band macht es schon Sinn, in Rostock eine Tournee zu starten. Der M.A.U. Club liegt direkt am Stadthafen und wäre beinahe mit der Fähre zu erreichen. Eine Underground Band mit Kultstatus, wie SIENA ROOT, lockte sogar mitten in der Woche die hartgesottenen Rock-Fans aus dem Haus, auch wenn es sich hierbei nur um vielleicht 100 Personen handelte. Diese kamen jedoch in den Genuss von zwei beeindruckenden Konzerten.

Die Eröffnung des Abends übernahm eine junge Band aus der sächsischen Landeshauptstadt: WUCAN. Die Band um die Gitarre und Flöte spielende Sängerin Francis Tobolsky hat sich dem Sound der 60er und 70er Jahre verschrieben. Es freut mich immer wieder, dass die Musik, mit der ich groß geworden bin, auch unter jungen Musikern noch Anhänger findet und so weiter leben kann. Bassist Patrik Dröge, Gittarist Tim George und Drummer Ollie Baer zelebrierten mit ihrer äußerst präsenten Frontfrau eine Mischung aus Folk/Progressive/Psychedelic und klassischem Krautrock. Zu hören gab es Songs ihrer im November 2014 erschienenen Debüt-EP 'Vikarma', sowie neues Material des ersten Albums, welches noch in diesem Jahr veröffentlicht werden soll. Besonders die charismatische und facettenreiche Stimme von Francis vermochte mich zu begeistern. Mal sang sie elfenhaft zart, mal mit kräftiger Rock-Röhre. Ihr Flötenspiel, teilweise unisono zur Gitarre gespielt, verlieh einigen Songs eine weitere interessante Farbe.

Der deutschsprachige Song zum Abschluss des Konzertes, der wohl auf der ersten LP erscheinen wird, fiel im Vergleich zu den anderen Titeln ein wenig aus dem musikalischen Konzept. Mit seinen Folk-Einflüssen klang er sehr reizvoll. Leider war der gesprochene Text am Ende des Songs aufgrund der Lautstärke der Band nicht zu verstehen. WUCAN überzeugten mit handwerklichem Können und Spielfreude. Eine junge Band, fernab vom Mainstream, von der man sicher noch hören wird.

Die Umbaupause zog sich ein wenig in die Länge, bevor SIENA ROOT zu einem Intro von der Konserve die Bühne betraten. Es folgten zwei Stunden allerfeinster Hardrock im Stil der 70er Jahre. Die Einflüsse meiner Helden der Jugend, wie DEEP PURPLE oder DOORS, wollen die fünf Herren aus Schweden nicht verleugnen. Im Gegenteil, sie zelebrieren die Art Musik, die ich - östlich der Elbe geboren und aufgewachsen - in meiner Jugend nie live erleben durfte. Ich fühlte mich zurückversetzt in die Zeit, als ich am Kassettenrekorder saß, um diesen urwüchsigen Rock wenigsten zu konservieren, um ihn dann oft genug hören zu können.

Bühnenbild, Instrumentarium und das Outfit der Musiker trugen mit dazu bei, dass ich mich irgendwie in eine andere Zeit zurückversetzt fühlte. Solch eine Orgel hatte ich noch nie gesehen. Farfisa- oder doch eine uralte Hammond-Orgel, ich weiß es nicht. Sie schien von damals irgendwie ins Heute rüber gerettet worden zu sein. Zum Glück, denn sie erzeugte einen authentischen Sound. Das gute alte Hohner Clavinet D6 mit seinen perkussiven Sounds habe ich ebenfalls seit Ewigkeiten auf keiner Bühne mehr gesehen.b 20150308 1709498397 Rickenbacker Bass, Gibson 'Les Paul' und das Schlagzeug mit dem unterschiedlich farbig leuchtenden Bandlogo im Fell der Bass-Drum rundeten den Retro-Look ab. Doch war es vor allem die Musik, die begeisterte. Zunächst gab es einige Songs des aktuellen Albums 'Pioneers' zu hören, was auch Sinn machte, denn diese wurden von Sänger Jonas "Joe Nash" Åhlén eingesungen. Immerhin ist er der vierte Vokalist der Band, was bei lediglich fünf Studioalben ziemlich beachtlich ist. Er erledigte seinen Job an diesem Abend sehr überzeugend. In brauner Fransen-Wildlederjacke gewandet, interpretierte er die Songs sehr eindrucksvoll mit rockig rauer Stimme. Zwischenzeitlich wurden Band-Klassiker, wie das instrumentale Stück 'Bhimpalasi' eingeschoben. Dieser Song verbreitete seine Wirkung auch ohne Sitar und gab den Musikern Raum zum Improvisieren.

'Root Rock Pioneers' ist dem Geist der Pioniere des Hardrock gewidmet, das drückt schon der Text aus. Die stilistische Ähnlichkeit zu 'Lazy' von DEEP PURPLE ist sicher beabsichtigt. Auf jeden Fall bestach der Song durch das Gitarren-Orgel-Intro, seinen treibenden Rhythmus, seinen eingängigen Refrain und vor allem durch die faszinierenden Orgel- und Gitarrensoli im Mittelteil. Gitarrist Matte Gustafsson und Keyboarder Erik Petersson prägten den Sound der Band überhaupt sehr deutlich. Aber auch Bassist Sam Riffer trug - nomen est omen - mit seinen Riffs auf dem Viersaiter genauso mit zum kompakten Bandsound bei, wie Schlagzeuger Love "Billy" Forsberg. Alle vier Instrumentalisten gingen mit äußerster Spielfreude zu Werke, das konnte man ihnen ansehen. Das hatte etwas emotional Urwüchsiges. Gelegentliche, kleine Ungenauigkeiten bei Tempowechseln überspielten die Jungs mit einem Lächeln oder einem Schulterzucken. Präzision ist zwar wichtig, kann aber auch steril wirken. Bei SIENA ROOT lebte die Musik, da gab es ekstatische Action auf der Bühne, die Schwingungen erzeugte, die sich wiederum auf ein begeistertes Publikum übertrugen.

Das fantastische neue Stück 'In My Kitchen' strahlte einen Hauch Psychedelic aus, mit E-Piano-Solo und Gitarrenimprovisation versehen. Anschließend griffen SIENA ROOT in die Truhe mit älterem Material. 'Wishing For More' und 'Long Way From Home' aus dem Jahre 2008 wurden gesungen von "Joe Nash", ebenso zu eigenen Interpretationen, wie 'There And Back Again' von ihrem Album aus dem Jahr 2006.

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'Spiral Trip' vom aktuellen Album endete mit einem ausgiebigen Jammen, bei dem vor allem Sam Riffer Gelegenheit bekam, seinen Bass ausgiebig zu bearbeiten. Das Highlight des Abends - im wahrsten Wortsinn - war wohl das Stück 'Words' aus dem Jahre 2004. Hier zündeten die Jungs nicht nur musikalisch ein Feuerwerk, sondern auch das Schlagzeug und die Orgel an. Da gab es dann auch etwas fürs Auge geboten. Dass die Drums mit brennenden Schlegeln bespielt wurden und die Orgel in Flammen stand, peitschte die Stimmung noch mal so richtig an.

Während der Rauch auf der Bühne langsam verflog, ließ sich die Band zu zwei Zugaben bewegen. Mit einem magischen Duell zwischen Orgel und Gitarre leitete sie den Abschluss eines fantastischen Konzertabends ein. Das war pure Rock-Power. Ein Blick auf die Uhr zeigte den Anbruch des neuen Tages an. Der Wecker am nächsten Morgen würde erbarmungslos sein. Doch die zeitlose Musik der zwei tollen Bands war es wert, mitten in der Woche mal etwas länger aufzubleiben.

 

Termine:

• 08.03.2015 - Dresden - Beatpol
• 13.03.2015 - Esslingen - Hell Over
• 14.03.2015 - Frankfurt/M. - Das Bett
• 25.03.2015 - Fürth - Kofferfabrik
• 25.03.2015 - Köln - Yard Club
• 28.03.2015 - Osnabrück - Westwerk

Alle Termine ohne Gewähr. Weitere Infos und Termine auf der Homepage von SIENA ROOT



Bitte beachtet auch:

• Off. Homepage von Siena Root: www.sienaroot.com
• Homepage vom M.A.U. Club in Rostock: www.mauclub.de




Fotostrecke:

 
 
Vorprogramm: WUCAN
 
 
 
 


Hauptprogramm: SIENA ROOT




   
   
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