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Ein Konzertbericht mit Fotos von Bodo Kubatzki
Foto in der Überschrift von J. Konrad Schmidt
+ Videoclip zu "Circus" am Ende der Seite



Diesen 'Freitag den 13.' werte ich als Glückstag, was vor allem dem gelungenen Abend zu verdanken ist. Das Rostocker Stadt-Kulturmagazin 0381, welches in der Printausgabe leider immer recht spät zu bekommen ist, lenkte meine Aufmerksamkeit durch ein Interview mit dem Hamburger Duo HUNDREDS auf ein Konzert dieser Band. Ich las da etwas von Elektropop mit einem musikalischen Spektrum von melancholisch trüb bis freudig wild.a 20150217 1101507250 Diese Musik soll bei den Konzerten der Tour auf ihre akustischen Ursprünge reduziert werden, um den Melodien mehr Raum zu geben. Das klang vielversprechend. Schnell noch ein Paar YouTube Videos gesichtet, und ich war vollends überzeugt: "Da musst du hin!" Selbst die kurzfristige Akkreditierungsanfrage wurde positiv beantwortet. Dafür noch mal ein Dankeschön an Johanna von der Agentur "Four Artists".

Die Heiligen-Geist-Kirche in Rostocks kulturell buntestem Stadtviertel wartete mit einer riesigen Menschentraube am Eingang auf. Erstaunlicher Weise fand ich noch Plätze in der ersten Reihe. Freitag der 13. ist also doch ein Glückstag!?

Als Support agierten vier junge Musiker aus der norditalienischen Stadt Ravenna, die Band RONIN. Ihre Musik, dargeboten in der klassischen Beat-Band Besetzung mit zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug, erinnerte mich an den "Gitarrentwist" oder an "Ghost Riders In The Sky", eine Musik mit Ursprüngen in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, versehen mit Western-Elementen, alles rein instrumental. Mediterrane Einflüsse wurden ebenso hörbar, wie Balkan-Rhythmen und punkige Gitarrenriffs. Das Klangkonglomerat vermochte mitzureißen und sorgte für wohlige Wärme in der ausgekühlten Kirche.

Nach einer kurzen Umbaupause betraten das Geschwisterpaar Eva und Philipp Milner, alias HUNDREDS, die spärlich in blaues Licht getauchte Bühne und verzauberten ihr Publikum für gut 90 Minuten mit ihrer ganz eigenen Art von Musik. Bereits der erste Song "Foam Born", bei dem Eva zu den dezenten Piano-Staccati ihres Bruders Philipp sang, ließ mich tief eintauchen in eine entspannte Stimmung. Dieses musikalische Kleinod ist die Cover-Version eines Songs des Musikers Ludwig Plath, der als TOUCHY MOB mit seinem Mix aus Folk und Techno durch die Welt zieht. Bei einer gemeinsamen Tour haben HUNDREDS diesen Song lieb gewonnen und mit ins Repertoire aufgenommen.

b 20150217 1147607773Das Programm setzte sich vorrangig aus Songs der beiden bisher veröffentlichten CDs "Hundreds" (2010) und "Aftermath" (2014) zusammen. Die Stücke klangen in den Akustik-Versionen zart und minimalistisch, getragen von Evas wunderschöner Stimme. Phillip am Yamaha-Flügel, am Fender-Rhodes sowie am Computer blieb mit seinen Instrumenten verhalten im Hintergrund, und auch Schlagzeuger Florian Wienczny gab den Songs lediglich ein dezentes rhythmisches Gerüst, wenn dies erforderlich schien. Hin und wieder kamen Loops und Sequenzer zum Einsatz und sorgten für kräftige Beats, wie bei "Rabbits On The Roof", doch war das eher die Ausnahme. Es überwogen balladeske Songs.

Dass sich die zierlich wirkende Eva barfüßig über den zur Bühne umfunktionierten Altarraum bewegte, fand ich mutig, angesichts der kalten Temperaturen. Bei längeren Instrumentalpassagen tanzte sie leichten Fußes - beinahe wie in Trance - über ihren Teppich oder bewegte sich in Richtung Keyboard-Arsenal ihres Bruders. Hier befand sich auch eine Autoharp, die hin und wieder von Eva bespielt wurde.

Perkussive akustische Schnipsel verschiedenartiger Saiteninstrumente, die ich im Einzelnen nicht ausmachen konnte, verliehen Songs wie "Aftermath" besondere Farbtupfer. Die Musik, kombiniert mit spärlich eingesetztem Licht, erzeugte die verschiedensten Bilder im Kopf. Die Heiligen-Geist-Kirche mit ihren wechselnd farbig beleuchteten Säulen, verstärkte die ganz besondere Atmosphäre zusätzlich. Apropos Kirche - Eva wusste zu berichten, dass ihre Mutti hier als zehnjähriges Mädchen schon Posaune gespielt hätte. Dies sei schon etwas Besonderes für das Geschwisterpaar.

d 20150217 1552065689HUNDREDS ließen es sich nicht nehmen, den Song "Who Is It?" der Isländerin BJÖRK zu covern. Auch dieses Lied wurde in der Akustik-Version zu etwas Eigenem.

Bevor HUNDREDS ihr reguläres Set mit "Please Rewind" beendeten, wurde es bei "Happy Virus" noch mal laut und rhythmisch, ja fast poppig. Auch Schlagzeuger Florian gesellte sich dabei an die Keyboards.

Die Band ließ ihr Publikum nicht lange auf Zugaben warten. Der Hit "Wonderful Life" der Gruppe BLACK fiel schon etwas aus dem Rahmen des bisher Gehörten, sorgte jedoch für zusätzlichen Gesang beim Publikum in der Kirche. Das letzte Stück "Little Heart" wurde von Eva in einer schwierigen Lebenssituation geschrieben und man würde es dem Lied auch anhören, berichtete sie. Vor dem Lied ließ sie uns noch wissen: "Genießt euren Liebeskummer, so tief fallt ihr nie wieder!"

Viel zu schnell verging die Zeit des Konzertes. Kaum zu glauben, dass HUNDREDS 19 Songs zu Gehör gebracht haben. Diese empfand ich als eine Reihe musikalischer Perlen, wie man sie selten hört, ein akustisches Erlebnis der besonderen Art. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein und kann diese Band nur jedem empfehlen, der seine Seele mal baumeln lassen möchte - ganz dem Motto der Tour entsprechend: "Tame The Noise - Zähme den Lärm."

Setlist:
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set



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Termine:

• 17.02.2015 - Nürnberg - Neues Museum
• 18.02.2015 - Dresden - Schauburg
• 20.02.2015 - Berlin - HAU 1 ausverkauft!!!
• 21.02.2015 - Berlin - HAU 1
• 05.03.2015 - Lörrach - Between The Beats Festival
• 23.04.2015 - London (UK) - The Garage
• 24.04.2015 - Dingolfing - Redbox Festival

Alle Angaben ohne Gewähr! Nähere Infos auf der bandeigenen Homepage.


Bitte beachtet auch:

• Off. Homepage von Hundreds: www.hundredsmusic.com
• Off. Homepage der Gruppe Ronin: www.ronintheband.com




Fotostrecke:

 
Vorprogramm: Ronin
 
 
 


Hauptprogramm: Hundreds

 
 

 

 



Videoclip:

"Circus"



   
   
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