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Ein Konzertbericht von Thomas Müller mit Konzert-
fotos von Gerd Müller (Textillustration: Pressematerial)




ANATHEMAS Promoter haben an Würzburg offenbar Gefallen gefunden. Schließlich war die Liverpooler Band schon 2010 und 2012 zu Gast in der Posthalle, um die damals neu erschienenen Alben "We're Here Because We're Here" und "Weather Systems" zu präsentieren. Am 19.10.2014 legten sie im Rahmen ihrer ausgedehnten Europa-Tour abermals Zwischenstation an gleicher Stelle ein - diesmal mit ihrem brandneuen Studioalbum "Distant Satellites" im Gepäck.a 20141027 1146783151 Vorgestellt werden soll ANATHEMA in dieser Rezension nicht, denn der Werdegang der tourfreudigen Briten kann im Konzert-Bericht von 2012 detailliert nachgelesen werden (siehe HIER).

Erneut geändert hat sich jedoch die Besetzung, wenn auch - und das ist durchaus nicht alltäglich - bandintern. So steht Daniel Cardoso (fast) nicht mehr am Keyboard, sondern macht es sich stattdessen am Schlagzeug gemütlich. Ex-Drummer John Douglas wurde zum Percussionisten "degradiert" und haut zusätzlich in die Tasten. Erwähnt sein muss allerdings auch, dass gegen Konzertende beide Musiker für ein paar Songs die Plätze tauschten.

Bevor es losgehen konnte, wurden die Musikfreunde auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Erst 45 Minuten nach geplantem Einlass öffneten sich die Tore. Etwas verwundert durfte man zudem über das eher verhaltene Interesse an diesem Gig sein. So war die Halle auch an diesem Abend zur Hälfte abgetrennt und man hatte dennoch genügend Luft zum Atmen. Die brauchte man auch, denn was die Support-Band mit dem etwas gewöhnungsbedürftigen Namen MOTHER'S CAKE ablieferte, war keine leichte Kost. Mit Hard-Funk-Rock inklusive psychedelischer Anleihen kann der Stil des voller Spielfreude strotzenden Dreiergespanns aus Österreich wohl am ehesten beschrieben werden.
Setlist ANATHEMA:

• The Lost Song, Part 1
• The Lost Song, Part 2
• Untouchable, Part 1
• Untouchable, Part 2
• Thin Air
• Ariel
• The Lost Song, Part 3
• Anathema
• The Beginning and the End
• Universal
• Closer
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• (Firelight)
• Distant Satellites
• A Natural Disaster
• Fragile Dreams
• (Twist and Shout (Beatles))
Spürte man zu Beginn des Auftritts noch den "Groove", stellte sich nach einiger Zeit allerdings eine leichte Ernüchterung ein, zumindest bei mir, da doch vieles sehr ähnlich klang. Kein Wunder jedoch, wenn einem das Portfolio der Band komplett unbekannt ist. Unterhaltsam war der Auftritt allemal, ebenso die "Sprungeinladen" von Sänger Yves Krismer und Bassist Benedikt Trenkwalder.

Nach der Umbaupause betraten endlich die drei Cavanagh-Brüder, die Geschwister Douglas und Daniel Cardoso die Bühne. Ohne das sonst übliche (lange) Intro, das Spannung aufbauen soll, ertönten die ersten Drum-Beats von "The Lost Song, Part 1" der neuen Scheibe, dem der zweite und später auch der dritte Part folgen sollte. Letzterer schien ziemlich deplatziert, klingt er doch zu sehr nach dem ersten Teil der "Trilogie". Durch dieses Déjà-vu hatte der aufmerksame Zuhörer den Eindruck, dieses Stück bereits zu Beginn gehört zu haben, was den Spannungsbogen fast bis zum Hallenboden durchhängen ließ. Zum Glück folgte gleich im Anschluss der Übertrack des neuen Albums mit dem Namen "Anathema", der die ein oder andere Facette der Band in knapp sieben Minuten vereint und genau den Spannungsbogen erzeugt, der vorher fast schon verloren gegangen war. Glänzend der gesangliche Auftritt von Vincent Cavanagh. Auch Multiinstrumentalist Danny Cavanagh, der bestens aufgelegt war, setzte tolle Akzente an Keyboard und Leadgitarre - nicht nur bei eben genanntem Song.

Fest im Set verankert ist nach wie vor der "Untouchable"-Doppelpack des Vorgängeralbums "Weather Systems", bei dem besonders die charismatische Sängerin Lee Douglas - wie immer gut bei Stimme und diesmal deutlich besser abgemischt als beim Soundbrei zwei Jahre zuvor - dem Konzert wie so oft das gewisse Etwas verleihen konnte. Nach dem beliebten "Universal" und dem Klassiker "Closer", bei dem es für einige der Fans kein Halten mehr gab, verabschiedeten sich die sechs Musiker sehr zeitig in eine kurze Pause. Leider wurde "The Storm Before the Calm" schon am Tag zuvor in Erfurt aus dem Hauptset gestrichen - aus welchen Gründen auch immer.

Während des Breaks ertönte bereits "Firelight" über die PA, das die Brücke zur ersten "richtigen" Zugabe und dem Titeltrack des aktuellen Albums bilden sollte. Das sehr elektronisch geprägte "Distant Satellites" kann live definitiv überzeugen, vielleicht auchcd 20141027 1801658271 - oder gerade deswegen -, weil die Drums nicht nur aus der Konserve kommen, sondern live eingestreut werden. Den Schlusspunkt setzten ANATHEMA mit dem Dauerbrenner, aber nie langweilig werdenden "A Natural Disaster", wieder mit Lee Douglas in der Hauptrolle, und dem ganz und gar nicht zerbrechlichen "Fragile Dreams".

Mit "Twist and Shout" von den Beatles als Outro geht ein fast perfekt abgemischtes Konzert (ja, das scheint sogar in der Posthalle möglich zu sein!) zu Ende, das mit nur ca. 95 Minuten leider viel zu kurz geraten ist, besonders im Vergleich zu 2012 (knapp zwei Stunden) und 2010 (fast zweieinhalb Stunden Spielzeit), aber auch zu einigen anderen Konzerten auf der selben Tour. Zudem wäre eine andere Songauswahl wünschenswert gewesen, um etwas mehr Abwechslung zu erzeugen. Möglicherweise war dies ein Grund dafür, dass der Funke von der Bühne zum Publikum nur zeitweise übersprang.

ANATHEMA sind noch bis Mitte November auf Europa-Tournee und kommen zu drei weiteren Terminen nach Deutschland (siehe unten). Im März 2015 folgt eine Mini-Akustik-Tour durch England in sakralem Ambiente. Das neue ANATHEMA-Album "Distant Satellites" ist seit Juni 2014 als Audio-CD, Deluxe-Edition (Audio-CD, DVD mit 5.1-Surround-Mix und Making-Of-DVD), Vinyl und MP3-Download erhältlich.



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Termine:

• 29.10.2014 - Hamburg - Grünspan
• 30.10.2014 - Berlin - Postbahnhof
• 11.11.2014 - Köln - Bürgerhaus Stollwerk

Alle Termine ohne Gewähr. Weitere Infos auf der bandeigenen Homepage.



Bitte beachtet auch:

• off. Homepage von Anathema: www.anathema.ws
• Homepage des Postbahnhof in Würzburg: www.posthalle.de





Fotostrecke:

 
 
Vorprogramm: Mother's Cake
 
 
 
 


Hauptprogramm: ANATHEMA
 
 
 
 
 


Videoclip:

"Untouchable"




   
   
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