000 20140919 1673320099

Ein Bericht von Rüdiger Lübeck mit Fotos von Sandy Reichel


 

Sonntag Nachmittag. Wer diese beiden Worte bislang mit gepflegter Langeweile in Verbindung zu bringen meinte, dem kann geholfen werden. Vor den Toren der Hauptstadt, genauer gesagt im nordöstlich davon gelegenen Örtchen Zepernick, gibt es etwas, was bisweilen als Geheimtipp bezeichnet wird.b 20140919 1357942185Bert Eulitz, selbst Musiker und daneben seit vielen Jahren im Kulturmanagement tätig, betreibt hier das "Studio 7 Panketal", ein beinahe wohnzimmerartiges Kunststübchen, in dem sich jeden Sonntag um Punkt 17.00 Uhr sowohl etablierte Musiker als auch Kabarettisten und Comedians die Klinke in die Hand geben. Das Programm liest sich wie das "who is who" der Szene. Und da auch das Ende der diesjährigen Gartensaison in Sichtweite ist, sei allen Sonntag-Nachmittag-Gelangweilten (und natürlich auch jenen, die sich gleichwohl zu beschäftigen wissen) dieses kleine, aber durchaus feine Örtchen der gepflegten Unterhaltung schon einmal dick anempfohlen!


Am vergangenen Sonntag traf man sich dort zu Jule Werner nebst Band. Jule wer?? Die aus dem Harz stammende junge Sängerin hat da schon so einiges vorzuweisen. Nach ersten Erfahrungen in Jugendbands und Gospelchor gründete sie gemeinsam mit Gitarrist Wolfgang Maiwald im Jahre 2010 ihre heutige Band REHAB. Und im vergangenen Jahr dann bereits der - vorläufige - Höhepunkt einer bemerkenswerten Karriere: Jule Werner entschied aus über 800 (!) Einsendungen beim 31. Rock & Pop-Preis in Ludwigshafen die Kategorien "Deutscher Funk & Soul-Preis", "Beste Soulsängerin" und "Beste neue Nachwuchskünstlerin Rock & Pop" jeweils für sich. Glückwunsch! Und damit dürfte auch klar sein, welcher Affinität die Sängerin bevorzugt nachgeht, welchen Genres sie sich verpflichtet fühlt. Zur besten Kaffeezeit also gestaltete sich der Einstieg des Konzertes denn auch zunächst als musikalische "Club 27"-Laudatio. Winehouse, Cobain, Hendrix, (Brian) Jones, Morrison und - natürlich - Joplin: die Künstlerin deutete ihr von Volumen und Leidenschaft geprägtes Stimmpotential vorsichtig an. Hinzuzufügen ist zudem,

dass hierbei die Klassiker nicht schlicht gecovert wurden, wie wir es von zahllosen Tributband-Exzessen leidig gewohnt sind, sondern sich in fein adaptierten Soul-Arrangements wiederfanden. Und ausgerechnet die musikalisch ausgesprochen anspruchsvollen Janis Joplin-Stücke,a 20140919 1210104084 an die sich Jule Werner nach eigener Aussage lange Zeit nicht heranzutrauen wagte, wirkten in besonderem Maße authentisch. "Paint It Black" hingegen verkam leider zur regelrechten Schunkelnummer.

Erfreulich, dass es nach der Pause merklich innovativer zur Sache ging, denn nun standen die eigenen Songs auf dem Spielplan. Dass es erst das dritte Konzert sein sollte, bei welchem man sich hierin versuchte, war nicht auszumachen. Wie von der Leine gelassen präsentierten die Musiker endlich ihre eigenen "Babys", die teils demnächst auch als EP erhältlich sein werden. Stilistisch fühlt man sich dabei gelegentlich an Anette Humpe zu besten IDEAL-Zeiten erinnert; es geht demnach betont anspruchsvoll und dynamisch, aber gleichwohl eingängig und funky zur Sache. Die wenigen dargebotenen rockigen Nummern kennen indes nur eine Richtung - geradeaus. Gut so!

Nicht verschwiegen werden soll natürlich, dass sich die Künstlerin insoweit ausschließlich deutscher Texte bedient - in diesem Fall dargereicht von Tausendsassa Andreas Hähle im (zumeist) eingängigen 4-Vers-Schema. Da lohnt es sich bekanntlich einmal mehr, zwischen die Zeilen zu schauen. Scheinbare Banalitäten entpuppen sich in zweiter Lesung häufig als großer Wurf. Bei "Gegenverkehr" etwa heißt es "ich stehe rum und wart - auf den nächsten bus - so ganz allein und hätt - so gerne einen kuss ... ich bin nicht anspruchsvoll - es muss kein grosser sein - es muss kein langer sein - für mich allein ...". Das bloße Wiedergeben von Texten in Rezensionen ist allerdings per se ein fragwürdiges Unterfangen, da diese hier in Ermangelung von Musik nicht "klingen". Oder vielleicht doch?



Über diesen Bericht könnt ihr in unserem Forum diskutieren.




Termine:

• 20.09.2014 - Wolfsburg
• 26.09.2014 - Brunsbüttel
• 27.09.2014 - Königs Wusterhausen
• 02.10.2014 - Meisdorf
• 03.10.2014 - Wolfsburg
• 08.11.2014 - Wismar
• 06.12.2014 - Helmstadt-Bargen
• 13.12.2014 - Schöneiche
• 31.12.2014 - Aschersleben

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere Termine und nähere Angaben auf Jules Homepage



Bitte beachtet auch:

• Off. Homepage von Jule Werner & Band: www.rehab-rockt-live.de
• Off. Homepage von Jule Werner: www.julewerner.de
• Homepage des Studio 7 in Panketal: www.studio7panketal.de




Fotostrecke:

 
 




   
   
© Deutsche Mugge (2007 - 2016)

Login Form