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Ein Konzertbericht mit Fotos von Reinhard Baer



Der Ort Milow liegt im brandenburgischen Landkreis Havelland, etwa zwei Kilometer westlich der Stadt Premnitz. Seit der Gemeindegebietsreform bilden mehrere Dörfer die Gemeinde Milower Land. In Milow befindet sich der Verwaltungssitz und in diesem Ortsteil leben etwa 1.340 Einwohner. Carsten Fröhlich betreibt hier im Ort eine Gaststätte "Zur Scheune". Davor war er der Inhaber der "Hör-Bar", einer Gaststätte, in der er einmal im Jahr Bands und Musiker der Blues-Szene einlud und Veranstaltungen durchführte.a 20140818 1418878972 Inzwischen ist er nichtmehr der Betreiber der "Hör-Bar", aber den Namen für die Veranstaltungen behielt er bei und diese finden seitdem auf dem Freizeitgelände am Havelufer in Milow statt. Für dieses Jahr hatte Carsten drei Bands angeheuert, die beiden Musiker von BLUES M'R JET aus Köln, die JORIS HERING BLUES BAND aus Berlin und - ebenfalls aus Berlin - die JONATHAN BLUES BAND & FRIENDS.

Der Einlass zum Gelände hatte um 18:00 Uhr begonnen. Ich war kurz nach 18:00 Uhr dort und hatte somit noch die Gelegenheit, mit Mitgliedern der drei Bands einige Worte zu wechseln und auch Fotos zu machen. Auf dem Freizeitgelände, wozu auch eine Badestelle gehört, stand eine kleine Bühne, die man nach der Veranstaltung einfach zusammenklappen und als Anhänger wieder abtransportieren konnte. Die Musiker bauten ihre Technik und die Instrumente auf, die Ton- und Lichttechnik war soweit einsatzbereit, und das Gelände begann sich mit Gästen zu füllen. Für das leibliche Wohl war gesorgt und so konnte der Abend seinen Lauf nehmen. Bis auf einige wenige Regentropfen am Anfang hielt sich auch das Wetter.

Kurz nach 19:00 Uhr eröffnete dann Carsten Fröhlich die Veranstaltung. Als erstes war die Band BLUES M'R JET an der Reihe. BLUES M'R JET, das sind Klaus Hölper (git, voc, alle Texte und Kompositionen) und Martin Langen (bg, Bass Drum). Beide Musiker kommen aus Köln und singen ihre Texte im kölschen Dialekt. Was Hölper und Langen machen, steht kurz und bündig auf ihrer Visitenkarte: "Zwei Männer, eine Gitarre, ein Bass, kleine Bass Drum mit Tamburin - fertig". Ihre Musik nennen sie Kölsch-Blues. Es war sicherlich kaum jemand im Publikum, der Kölsch versteht, aber Sänger Klaus übersetzte vor jedem Song die Titelzeile ins Hochdeutsche, und teilweise gab es auch noch ein paar Erläuterungen, worum es da geht. Bei einigen Titeln holten sie sich mit Timon Fröhlich, der Sologitarre spielte, Verstärkung auf die Bühne. Timon ist der Neffe von Carsten Fröhlich und kommt aus Premnitz.b 20140818 1828160686 Als er irgendwann nach Köln zog, lernte er dort die beiden Musiker Klaus und Martin kennen und er überzeugte seinen Onkel, die beiden einmal nach Milow einzuladen. BLUES M'R JET spielten fast 90 Minuten und dem Publikum schien es zu gefallen. Wenn man genau hinhörte, verstand man von den Texten sogar etwas. In einem Text hieß es, "Du kannst alles von mir haben, nur das Sofa, das bleibt hier." In einem anderen Text hieß es, "20 Kölsch sind zu viel, die Leute haben recht." Die Band bekam für ihren Auftritt viel Beifall, bevor es nach einigen Umbauten mit der nächsten Band weiter ging.

Über die JORIS HERING BLUES BAND hat ja bei Deutsche Mugge der Kollege Hartmut Helms schon das Album "Zwei Null Dreizehn" rezensiert und einen kurzen Live-Bericht von Volker Tonn gab es auch schon. Die JORIS HERING BLUES BAND, das sind der Bandleader, Gitarrist und Sänger Joris Hering, am Bass sein Bruder Thomas Hering und am Schlagzeug Hans-Jürgen Beier, der auch bei TRANSIT der Herr der Trommeln, Becken und sonstiger Schlaginstrumente ist. Als Gastmusiker hatte die Band noch Thomas Schied aus Halle mitgebracht, der die Mundharmonikas blies. Er hatte extra seinen Urlaub um einen Tag nach hinten verschoben, um bei dieser Mugge dabei sein zu können. Sein Mundharmonika-Spiel war zu den klasse gespielten Bluesnummern der JORIS HERING BLUES BAND noch eine echte Bereicherung. Bei seinem Spiel hörte ich im Hinterkopf Bob Hite oder Alan Wilson von Canned Heat ihre Harp spielen. Gut für uns Zuschauer, dass man ihn zum Verschieben seines Urlaubs überreden konnte, denn er war eine echte Bereicherung! Die JORIS HERING BLUES BAND begann ihren Part mit dem "Fishtone Blues", einer Instrumental-Nummer. Die weitere Titelfolge bestand zum Teil aus deutschsprachigen Songs, die aus eigener Feder stammen, und englischsprachigen Bluesstandards, wie z.B. "Hoochie Coochie Man" (geschrieben von Willie Dixon und aufgenommen von Muddy Waters), "I Ain't Superstitious" (von Willie Dixon), "Folsom Prison Blues" (von Johnny Cash) oder "Cabin Down Below" (von Tom Petty). Gegen 22:00 Uhr wurde das Konzert kurz unterbrochen, denn jetzt begann ein Feuerwerk. Nachdem am Himmel reichlich Pyrotechnik für eine ganz besondere Stimmung sorgte, spielte die JORIS HERING BLUES BAND noch einige Titel aus ihrem Programm. Als Zugabe spielte die Band den Song "Feierabend", der aus eigener Feder stammt und auf eben erwähntem Album zu finden ist.c 20140818 1169570191 Dieses Album konnte man an diesem Abend kaufen und der, der den Koffer mit den CDs trug, stellte sich mir als "Der Blueser" vor. Er heißt eigentlich Matthias Ziegert, hat aber nichts mit unserem gleichnamigen Kollegen zu tun, und betreibt unter www.blueser54.de eine Seite im Internet, welche für Bluesfreunde im ganzen Land interssant sein dürfte und die ich auch schon gelegentlich besucht habe.

Als dritte Band bereitete sich jetzt die JONATHAN BLUES BAND auf ihren Auftritt vor. Auch beim Auftritt dieser Band gab es sowohl eigene, deutschsprachige Titel, als auch Blues- und Rockstandards. Gitarrist und Sänger Peter Papst (git, voc), Bassist Hagen Dyballa und Schlagzeuger Mathias Fuhrmann (er spielt übrigens auch bei der MODERN SOUL BAND) hatten noch zwei musikalische Freunde mitgebracht, die im Laufe des Konzert zur Band stießen. Als erstes kam Bernd "Kuhle" Kühnert von MONOKEL KRAFTBLUES mit dazu. Nachdem schon einige Titel gespielt waren, ging es mit zwei Gitarren weiter. Ein Blues-Standard, der nicht fehlen durfte, war der auch von der JORIS BLUES BAND bereits zelebrierte Klassiker von Muddy Waters, "Hoochie Coochie Man". Aus eigener Feder bekamen wir dann "Daddy's Boogie" zu hören. Den Titel findet man übrigens auf der Zusammenstellung "Bye Bye Lübben City", einem Querschnitt mit weiteren DDR-Blues- und Rocktiteln. Das Stück "Crossroads" kennt man von CREAM bzw. ERIC CLAPTON. Geschrieben hat ihn aber Robert Johnson. Ihn gab es ebenso zu hören wie das Lied "Oh Well", das in den 70ern von FLEETWOOD MAC gespielt wurde, als Peter Green noch dabei war. Beide Gitarristen zeigten am Freitagabend im Laufe des Konzerts, was sie drauf haben. Sie ließen es ordentlich krachen und streuten hier und da ihre Soli ein. Schließlich stieß dann der zweite Gastmusiker zur JONATHAN BLUES BAND dazu: der Sänger von ROCKHAUS, Mike Kilian. Er sang und übernahm auch in seiner etwas ironischen, aber durchaus herzlich gemeinten Art die Vorstellung der einzelnen Musiker. So sagte er Mathias Fuhrmann mit den Worten an, dass man sich glücklich schätze, diesen berühmten Musiker dabei zu haben. Er sei in den 70ern oft im Fernsehen zu sehen gewesen, als er in einer ganz bekannten Band spielte. Nämlich der in der Muppet-Show. Scheinbar war diese Vorstellung spontan und bisher von Kilian noch nicht verwendet worden, denn Mathias lachte herzlich darüber. Mit Mike Kilian als Sänger spielte die Band u. a. noch das Stück "Whole Lotta Love" von LED ZEPPELIN, und auch von den ROLLING STONES gab es was zu hören. Mike ist schließlich auch der Sänger der STARFUCKER, und überzeugt dort immer wieder in der Rolle des Mick Jagger.d 20140818 1326929658 "Brown Suggar" vom Album "Sticky Fingers" und "Gimme Shelter" vom Album "Let It Bleed" brachte er perfekt über die Rampe. "Kuhle" Kühnert hatte neben mehreren E-Gitarren, die in einem Ständer neben ihm standen, auch eine sogenannte Lab Steel-Gitarre (in der Tanzmusik nennt man sie auch Hawai-Gitarre) vor sich stehen. Darauf spielte er aber nur bei einem der beiden Stones-Titel, danach "legte er sie wieder schlafen", wie Mike Kilian so schön anmerkte - d.h. er zog den Stecker. Nach den beiden Stones-Nummern intonierte Mike noch eine italienische Schnulze, deren Titel mir nicht bekannt ist, und zeigte, wie lange er mit seiner Stimme einen Ton halten kann. Das war schon sehr beeindruckend. Irgendwann nach 0:00 Uhr verabschiedete sich dann auch die JONATHAN BLUES BAND vom Publikum. Die Zugabe durften die beiden etwas jüngeren Musiker alleine bestreiten: Bernd Kühnert und Mike Kilian gaben noch einen Stones-Klassiker zum Besten, ebenfalls vom Album "Sticky Fingers", nämlich das Lied "You Gotta Move". Kuhle glitt mit dem Bottleneck über die Saiten und Mike sang und intonierte mit der Stimme eine Mundharmonika. Danach war das Blues Open Air 2014 zu Ende und die drei Bands hinterließen ein begeistertes Publikum.

Der eine oder andere ging anschließend noch ein Bier trinken, andere gingen zu fortgeschrittener Stunde nach Hause. Auf dem Platz begann man schon nach dem Abpfiff aufzuräumen und abzubauen. Auch ich machte mich dann zufrieden und voller positiver Eindrücke auf den Weg nach Hause, der dieses Mal für mich sehr kurz war. Gut, wenn man Verwandte hat, die am Veranstaltungsort wohnen und bei denen man unter kommen kann!



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Bitte beachtet auch:

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• Off. Homepage der Joris Hering Blues Band: www.joris-hering.de
• Portrait über die Jonathan Blues Band: HIER klicken
• Homepage des Veranstalters "Hör-Bar": www.zur-scheune-milow.de




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