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Ein Konzertbericht mit Fotostrecke von Elmar Rahn (Textillustration: Pressefotos)






Wir hatten vor, Bernd Rinser bei seinem Konzert am 14. März in Lünen im "Greif" anzuschauen und vor allem anzuhören. Doch ihm und uns machte eine Terminüberschneidung einen Strich durch die Rechnung. Dafür war Bernd für den 13. März im Dortmunder 'Elias Keller' angekündigt. Ganz ehrlich? Mich machte der Veranstaltungsort und auch sein Name eher skeptisch, vor allem auch deshalb, weil ich mit Dortmunder Lokalitäten eher feiernde Fußballfans in Verbindung bringe ...a 20140316 1387061624 Meine Skepsis wurde bei meiner Recherche im Internet zur Lokalität noch genährt: Der 'Elias Keller' gehört zur evangelischen Gemeinde in Dortmund-Dorstfeld. "Das kann heiter werden", dachte ich mir! Ich wähnte mich und meine Begleitung schon in einem Jugendkeller mit Teens und Twens, die während des Konzerts Tee trinkend ein Schwätzchen hielten oder sich dabei an irgendwelchen Kickern, Dartscheiben oder Tischtennisplatten vergnügten. Unstimmigkeiten herrschten wieder einmal über den Beginn der Veranstaltung. 20.00 Uhr oder 20.30 Uhr? Das war die Frage ...

Zum Glück konnten wir direkt gegenüber dem Eingang parken. Draußen wieß ein Plakatständer auf das Konzert hin, so dass man den Weg nicht verfehlen konnte. Das habe ich bei anderen Veranstaltungen schon anders erlebt. Einige Treppenstufen abwärts bot sich mir das bekannte Bild: Auf einer für die Räumlichkeit recht ansprechenden Bühne hatte Bernd sein Equipment schon aufgebaut. Ganze acht Gitarren, die - wie er später noch erklärte - auch zum Teil Namen hatten. Außerdem zwei Verstärker, davon einer mit 8 Watt (aus DDR-Beständen), der einen ausreichenden Bums hatte und voll aufgedreht werden konnte, ohne zu übersteuern oder ähnliches. Dazu seine Mundharmonikas und ein Bassdrum - da Bernd Rinser solo spielte, war quasi alles für die "One Man Band" angerichtet. Der Raum machte mit Barhockern, kleinen Tischen und einer kleinen Bar einen einladenden und gemütlichen Eindruck. Man konnte nicht unbedingt von überall sehen aber hören, was auf jeden Fall das Wichtigste war. Sehr positiv anzumerken waren auch die sehr moderaten Getränkepreise. Wer Lust darauf hatte, konnte sich auch eine Mettwurst und eine Brezel gönnen. Von wegen "Jugendheim-Charme". So kann man sich mit seinen Vorurteilen auch irren ;-)

Von Bernd war nach unserem Eintreffen noch nichts zu sehen, und nur eine Handvoll Leute waren bis dato anwesend. War er überhaupt da? Findet das Konzert womöglich gar nicht statt? Doch dann erschien er: Bernd Rinser! Er kam aus dem anscheinend für ihn zur Verfügung gestellten Backstagebereich. Er begrüßte uns herzlich und begann danach mit dem Soundcheck.b 20140316 1536681714 Der Raum füllte sich zusehends, so dass zum Beginn des Konzerts etwa 50 Leute, meist mittleren Alters, anwesend waren. Der hauseigene Fotograf war unabkömmlich, daher bat mich der Veranstalter darum, ihm im Nachgang des Konzerts ein paar Fotos zu schicken. Meine Zusage, ihm welche zukommen zu lassen, verband ich natürlich damit, ihm den Link zu unserer Deutschen Mugge-Homepage zukommen zu lassen. Es ging alles sehr locker und familiär zu, und man kam sehr schnell ins Gespräch über musikalische Dinge.

Dann begann endlich das, worum es eigentlich ging: Das Konzert! Und es sollte ein wirklich gelungener Abend werden, den aber nicht jeder bis zum Schluss verfolgt hat. Der am Donnerstag erschienene Pressevertreter war dem Anschein nach nämlich ziemlich in Eile. Schnell die Kamera ausgepackt, kurz vor der Bühne herumgeturnt, alles wieder eingepackt und sofort wieder verschwunden. Mich würde ja schon interessieren, wie sein Beitrag über den Abend ausgesehen hat, von dem er nur ein paar Minuten mitbekommen hat. Ein weiterer Fotograf war da anders unterwegs, denn er blieb bis zum Schluss. Das sei aber nur mal am Rande festgestellt und diese "McBerichterstattung" im Fastfood-Stil wohl beantwortet dann auch die Frage, warum immer mehr Redaktionen schließen?!

Doch kommen wir zum Wesentlichen: Nach einer kurzen Vorstellung des Veranstalters kam der Künstler endlich zu Wort (und Ton). Bernd hatte fast zu jedem Song eine Story parat, die auch manchmal etwas in den tieferen menschlichen Gefühlsregionen spielten. Ob er nun erzählte oder uns mit seiner Musik in denn Bann zog, man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so zog er das Publikum in seinen Bann.c 20140316 1809778748 Mit dem angebluesten Folk-Song "Split Pea Shell" eröffnete er den Reigen, und fast immer folgte auf eine härtere eine sanfte Nummer - bis auf wenige Ausnahmen. Bei "Burning On Both Sides", einer sanften Ballade, waren einige total von der Musik verzaubert. Mir gefiel das alles, was von der kleinen Bühne kam, besonders das, wo Rinser gesanglich und musikalisch die "Sau" raus ließ. Mit seinem gewaltigen Gesangsorgan, in das sich auch mal ein langgezogenes "hiiiii" oder ein Lachen einschlich, gelang ihm das mit Leichtigkeit, ebenso wie bei den sanften Balladen, bei denen seine rauchige Stimme sicher nicht nur mir Lust auf eine heiße Nacht mit einer Frau und einem guten Whisky weckte.

In der Pause nutzte ich die Gelegenheit, mit Bernd über den ersten Teil seines Konzerts zu plaudern. Von ihm bekam ich dann auch die bis dahin gespielten Songs auf einem Schmierzettel handschriftlich aufgeschrieben. Sobald Bernd seine erste Nr. 1 hat, kann man dieses Erinnerungsstück sicher gut versteigern ;-) Nach der Pause ging es im aus der ersten Hälfte schon lieb gewonnenen Muster weiter. Ich kann es nicht anders beschreiben ... es war reiner "Ohrensex", um es mal passend zum Blues auszudrücken.

Alles in allem war es ein Streifzug von den Wurzeln der Musik, mit Einflüssen von Willy De Ville, Marianne Faithfull und dem Grandmaster Jonny Cash, bis in die Neuzeit. Alle Einflüsse und verwendeten Elemente in Bernd Rinsers Musik aufzuzählen, würde hier schlicht den Rahmen sprengen. Irgendwie kam mir zwischendurch in den Sinn, dass Bernd und Crazy CHRIS KRAMER mit ihrem virtuosen Spiel und vor allem auch der artverwandten Stimmen ein wahnsinniges Duo abgeben würden.d 20140316 1435690887 Mit dem Song "Peace of Mind", den Bernd - wie den vorletzten Titel - als Zugabe akustisch spielte, endete der Abend, der keine Höhepunkte hatte, sondern ein einziger musikalischer Orgasmus war. Ich war nach dem Konzert so angesteckt, dass ich - wenn es zeitlich gepasst hätte - einen Tag später, am Samstag - wohl auch noch nach Remscheid gefahren, um Bernd noch einmal live erleben zu können. Es wird sich aber sicher bald wieder die Gelegenheit bieten, denn er ist ja viel unterwegs.

Wie gut der Abend war lässt sich an einer Sache besonders gut ablesen: Wir hatten Bernd am Anfang schon darauf hingewiesen, dass wir aus gesundheitlichen Gründen wohl nicht bis zum Ende seines Konzerts bleiben könnten ... Aber je länger das Konzert andauerte, desto weniger wollten wir gehen. Wir wollten uns Bernd und seine musikalische Darbietung einfach nicht entgehen lassen, denn wir hatten echt Angst, einen der vielen Höhepunkte zu verpassen. Wir konnten nicht anders, und blieben doch bis zum Schluss! Und das könnte Euch auch passieren! Jedem, der auf Blues, Folk und all die vielen Spielarten steht, die aus einem Konzert einen Höhepunkt der Woche oder des Monats machen, sei ein Konzertbesuch wärmstens empfohlen. Auch Liebhaber anderer Richtungen sollten ruhig mal reinschnuppern. Bernd Rinser ist wieder so ein gutes Beispiel dafür, dass es sich lohnt in der Welt die Augen und Ohren offen zu halten. Abseits des Mainstream und gleichgeschliffener Popnümmerchen der Kinder-Charts sind sie zu finden, die musikalischen Perlen, die einem das Leben so süß machen können!



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Termine:

• 16.03.2014 - Westerstede - Wunderbar
• 18.03.2014 - Oldenburg - Charly's Musikkneipe
• 19.03.2014 - Bremen - Gerken
• 20.03.2014 - Achim - Katakomben Musikkeller
• 21.03.2014 - Cuxhaven - Bei Gill
• 22.03.2014 - Twistringen - Kaktus
• 23.03.2014 - Schortens - FairCafe
• 28.03.2014 - Wolfratshausen - D'Amato/Schützenhaus
• 29.03.2014 - Weilheim - Verweilheim
• 02.04.2014 - München - Bürgerhaus Glockenbachwerkstatt
• 03.04.2014 - Aichach - Cananda
• 04.04.2014 - Nürnberg - Kakuze
• 05.04.2014 - Nördlingen - Plauderecke

Alle Angaben ohne Gewähr. Nähere Infos und weitere Termine auf Bernds Homepage



Bitte beachtet auch:

• Off. Homepage von Bernd Rinser: www.berndrinser.de
• Homepage des Veranstalters 'Elias Keller' in Dortmund: www.elias-keller.de




 
 

   
   
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