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Die Freude am Beherrschen des Klang-Chaos


Wenn eine Band stolz darauf ist, bei ihren Konzerten unter dem Publikum einen Frauenanteil von nahezu 10 % zu haben und selbst meine rockmusikbegeisterte Frau meint "Die sind nicht so mein Ding", mir jedoch die Bassisten-Finger kribbeln, sobald ich die Jungs live erlebe, dann kann es sich nur um das PANZERBALLETT handeln.a 20131111 1121425938 Als ich diese Band 2008 bei der Zappanale auf der Trabrennbahn in Bad Doberan zum ersten Mal live erlebte, wurde es mir warm ums Herz. Und das nicht, weil das Konzert bei strahlender Mittagssonne stattfand, sondern vielmehr wegen der Komplexität ihrer Musik, die mit so scheinbarer Leichtigkeit gespielt wurde. "Die würden doch gut zur Reihe Bogart's Music im Rostocker Ursprung passen", dachte ich mir, und tatsächlich schaffte ich es, den Veranstalter zu überzeugen, die Band einzuladen. Mit ihrem Auftritt am 8. November 2013 waren PANZERBALLETT bereits zum dritten Mal im kleinen, aber atmosphärisch feinen Rostocker Ursprung bei Bogart's Music zu Gast.

Pünktlich um 20:30 Uhr begann das Jazz-Rock-Metal-Spektakel. Die Veranstaltung war mit knapp 100 Gästen gut besucht, die Band hatte eigene Lichttechnik aufgebaut und füllte die kleine Bühne mit ihrem Equipment gut aus. Jan Zehrfeld, Gitarrist und Kopf der deutsch-österreichischen Band, betrat die Bühne, wie immer bei Konzerten mit seiner zerfransten Panzerhaube. Der Panzer konnte losrollen ...

Mit dem Cover des Jazz-Klassikers "Birdland" zum Beginn des Konzertprogramms nahm der Jazz-Rock-Koloss sofort Fahrt auf. Doch, was heißt hier Cover? Jan Zehrfeldt nennt die Art, wie PANZERBALLETT mit Stücken der Musikliteratur umgeht, "Verkrassen". Und als krass kann man das schon bezeichnen, was ich an diesem Abend live erleben durfte. In der für das PANZERBALLETT typischen Art und Weise wurde die bekannte Komposition von Joe Zawinul mit brachialen Heavy-Metal-Riffs versehen und in einen neuen Klang-Kosmos überführt.b 20131111 1359684010 Es folgte "Aspirin Smoke", ein Titel vom bereits vergriffenen ersten Album der Band. Diese Komposition begann mit einem ruhigen Thema, gespielt von Gitarre und Saxophon, und entwickelte sich zu einer rockig-funkigen Mid-Tempo-Nummer mit Saxophon- und Bass-Solo.

Als erstes Stück des aktuellen Albums spielte die Band "Mustafari Likes di Carnival", eine Jan Zehrfeld Komposition, bei der eine orientalisch klingende Grundmelodie mit Metal-Versatzstücken unterlegt wurde. Mitten im Titel dann ein kurzer Wechsel zu einem Raggae-Thema mit einer wunderschönen Saxophon-Improvisation, bevor die Ausgangsmelodie wieder aufgegriffen wurde, um schließlich in eine Gitarrenimprovisation zu münden. Genial!

Beim Titel "Zehrfunk" hatte Bassist Heiko Jung Gelegenheit zu zeigen, dass er auf seinem Sechs-Saiter-Bass neben schnellen Rockläufen oder swingenden Grooves auch die Slap-Technik hervorragend beherrscht.

Das Programm des Abends zeigte, dass das PANZERBALLETT vor keiner Art von Musik Halt macht, um diese zu "verkrassen", außer vielleicht vor der Klassik!? Neben Eigenkompositionen wurden Jazz Standards, Rock-Klassiker oder wie folgend die bekannte Filmmusik "The Time Of My Life" aus Dirty Dancing gespielt. Abwechselung pur, jedoch alles immer unverwechselbar im Stil des PANZERBALLETTs.

Nach einer kurzen Pause erläuterte Jan Zehrfeld, dass der folgende Song völlig neu sei und die Musiker deshalb vom Blatt spielen würden. Außerdem sei der Titel nicht gerade einfach, denn er basiere auf Quintolen.
Setlist:

o Birdland
o Aspirin Smoke
o Mustafari Likes di Carnival
o Zehrfunk
o Time of My Life
--
o Euroblast
o Take Five
o Some Skunk Funk
o Vulgar Display of Sauerkraut
o The Simpsons

Zugaben:
o Der Saxdiktator
o Thunderstruck
Für Nicht-Musiker erläuterte er den Unterschied zwischen Sechszehntel-Noten, Triolen oder eben Quintolen. Er selbst hätte "Quintolenforschung" betrieben und eben auf diesen beruhe die Komposition "Euroblast". Ist die Komplexität dieser Musik also auf höhere Mathematik zurückzuführen? Scheinbar ja.

Es folgte "Some Skunk Funk", eine Komposition des Jazz-Trompeters Randy Brecker. Diese Funk-Nummer wurde ebenfalls mit Metal-Elementen gemischt. Während Saxophon, Bass, Schlagzeug und eine Gitarre neben funkigen Unisonoläufen mit diversen Improvisationen aufwarteten, bretterte die zweite Gitarre immer wieder harte Metal-Riffs in den Titel hinein. Das Ganze wurde mit solch traumwandlerischer Sicherheit zelebriert, dass es fast an ein Wunder grenzte. "Some Skunk Funk" befindet sich auf dem aktuellen Album der Band, das den Namen TANK GOODNESS trägt. Auch wieder so ein Wortspiel, übersetzt man "Thank goodness" doch mit "Gott sei Dank!". Auf dem Album gibt übrigens Randy Brecker bei diesem Titel eine Gastrolle an der Trompete. Alle Stücke des Konzertes ließen viel Platz für Improvisationen der einzelnen Bandmitglieder. Schlagzeuger Sebastian Lanser spielte sein umfangreiches Drum-Kit äußerst präzise, was die Tempi anbelangt, sehr druckvoll mit Drive, aber auch mal ganz leise. Saxophonist Alexander von Hagke hatte, wie bereits erwähnt, ebenfalls Gelegenheit, verschiedenste Soli beizusteuern. Gitarrist Joe Doblhofer brillierte mit filigranen Gitarrenläufen und harten, irrwitzig schnellen Soli. Er korrespondierte aber auch gekonnt mit dem Gitarrenspiel von Jan Zehrfeld. Dieser spielte auf seinen 6-, 7- oder 8-Saiter Gitarren krumme Rhythmen, rasante Läufe und abwechselungsreiche Soli. Mit humorvollen Ansagen bewies er, dass er auch ein ausgezeichneter Entertainer ist.

Das Thema der Fernsehserie "Die Simpsons" sollte das offizielle Programm beenden, doch ließ das begeisterte Rostocker Publikum nicht locker und schaffte es, zwei Zugaben zu erklatschen. Auch hier war mit "Der Saxdiktator" eine neue Komposition zu hören, bevor der Abend mit dem AC/DC-Stück "Thunderstruck" zu Ende ging.

Das PANZERBALLETT lebt von der Experimentierfreudigkeit und der absoluten Spielfreude seiner brillianten Musiker. Es wäre die "Freude am Beherrschen des Klang-Chaos", so Jan Zehrfeld, die die Band vorantreibt. Die Freude solche Bands wie das PANZERBALLETT live erleben zu dürfen, treibt mich immer wieder zu Konzerten und gibt mir Kraft, den Alltag zu meistern. Und auch meine Frau war von der Live-Performance der Band beeindruckt. Bleibt die Vorfreude auf das nächste PANZERBALLETT-Konzert bei Bogart's Music.

Bericht:
Bodo Kubatzki

Fotos:
Bodo Kubatzki (alle Live-Fotos)
Pressematerial (Textillustration)




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Termine:

12.11.2013 - Regensburg - Leerer Beutel
13.11.2013 - Köln - MTC
14.11.2013 - Hamburg - Logo
15.11.2013 - Frankfurt/M. - Das Bett
21.11.2013 - Wien (AUT) - Szene
20.12.2013 - München - Backstage Halle
21.12.2013 - Zürich (CH) - Exil

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere Infos und Termine auf der Homepage der Band



Bitte beachtet auch:

- Off Homepage vom Panzerballett: www.panzerballett.de
- Homepage von Bogart's Music: www.bogartsmusic.de




Live-Impressionen:
 
 
 
 

Videoclips:

"Zehrfunk" (live)


"Take Five" (live)


 

   
   
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