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Zuweilen fragt man sich, wo sie nur geblieben sind - all die jungen musikalischen Talente, die sich früher regelrecht im Plattenstudio die Klinke in die Hand gaben. Weshalb die sogenannten "Massenmedien" nicht mehr ihrer ureigensten Aufgabe nachkommen und diese ungeborgenen Schätze an die Öffentlichkeit heben.a 20131029 1612143145 Weshalb solch hochbegabte "Gören" wie Beate Wein aus Potsdam und Annett Lippske aus Dresden nun seit 10 Jahren gemeinsam musizieren, ohne das die Welt hiervon hinlänglich Notiz genommen hat. Womöglich, dass das Projekt "Deutsche Mugge" gerade auch aus dieser Motivation heraus entstanden ist ...

Doch zurück zu den vorstehend bereits erwähnten Damen: Beide Jahrgang '81, beide aus Musikerfamilien stammend und folglich von der Pike auf am Instrument dabei, in diesem Fall dem Klavier. HAND IN HAND haben sie sich genannt und liefern seither erfrischend swingige, leicht angejazzte Melodien mit klugen, zumeist augenzwinkernden Texten. Instrumentiert wird vorzugsweise sparsam mit Federbesen-Schlagwerk und Tasten (Fender Rhodes), auf der Bühne übrigens auch gern permanent untereinander wechselnd. Mit "Back to Dreck" erschien dieser Tage das dritte Album des Duos (Rezension HIER), und jenes will natürlich zünftig record-release-mäßig befeiert werden, in diesem Falle auf dem beschaulichen Theaterschiff an der Alten Fahrt in Potsdam.

HAND IN HAND stellen sich mit ihrem Intro (zugleich Opener der neuen Platte) und einer ordentlichen Portion Lampenfieber im Gepäck vor, gleichwohl souverän und vom ersten Ton an auf den Punkt perfekt. Die halbe Miete eines gelungenen Konzertes, mindestens. Von Anfang an bei einzelnen Titeln sporadisch als Gastmusiker mit dabei sind Michael Gramm (Trompete, Percussion, Triangel) und Beates Bruder Christoph (Gitarre).

b 20131029 1805041668Noch aus beider gemeinsamen Frühwerk stammt das Stück "Dahin wo der Pfeffer wächst", dessen Vortrag den Einstieg gibt. "Feuerwehr" hingegen ist brandneu und vermag sofort zum unwillkürlichen Mitwippen in Bossa-Nova-Manier zu animieren. Die leidlichen Erfahrungen beider während ihrer nahezu parallelen (was sonst?) Schwangerschaft vor etwa drei Jahren wurden höchst amüsant im folgenden Titel "(prenatale) Musikfrühförderung" verarbeitet. "Seitdem Du bei mir wohnst" beschreibt den Zustand danach, also nach der Geburt ihrer Sprösslinge. Und der "Radioblues" nimmt sich mit dem omnipräsenten Einheitsgejaule der heutigen Radiolandschaft eines Themas an, über das man nicht oft genug schimpfen kann, ja muss.

Beate Wein scheint dabei - zumindest unterschwellig - das Zepter des Ensembles zu schwingen. Ein Energiebündel, voller Rhythmus, mitunter vielleicht sogar einen sympathischen Tick überdreht, vermag sie das Publikum sofort in ihren Bann zu ziehen, es zu begeistern, ja mitzureißen. Der Spielball wird dankend aufgenommen, etwa bei "Du" vom Vorgängeralbum "Kuscheln mit den Riesen", bei dem der Zuschauer fast schon unaufgefordert und ohne die sonst üblichen Mühen seinen eigenen Gesangspart übernimmt. Annett Lippske hingegen erscheint eher als der musikalische Ruhepol des Projektes, wenngleich wirkliche Ruhe nicht Bestandteil des Programms ist, glücklicherweise. Die studierte Musiklehrerin ist in ihrem Metier - den Tasten - schlicht eine Virtuosin vor dem Herrn. Einige Längen schlichen sich dann ein, als die ausschweifende Thematisierung des beiden eigenen Hobbys "Sperrmüll" und der dabei aufgelesenen Harmonika "Hugo" nicht enden wollte. Jedoch kein Drama, gemessen am Niveau des übrigen Abends.

c 20131029 1899894276Die Bandbreite der in den Texten verarbeiteten Themen lässt sich wohl am trefflichsten mit dem alltäglichen Wahnsinn umschreiben, dem sich ein jeder von uns ausgesetzt sieht, der aber mitunter auch ganz schön sein kann. Dabei gelingt HAND IN HAND der häufig schwierig zu umschiffende Spagat zwischen einfacher Sprache und feinsinnigem Wortwitz, ohne den Blick auf die Pointe zu vernachlässigen.

Auf der Homepage der Band können die einzelnen Songs angespielt werden - der geneigte Musikliebhaber sei hiermit ausdrücklich ermutigt, dies zu tun, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Der Live-Performance von HAND IN HAND kann diese Möglichkeit jedoch nicht das Wasser reichen. Letzte rudimentäre Nüchternheiten, die einer jeden Studioaufnahme mehr oder weniger anhaften, sind nicht mehr auszumachen - im Gegenteil: Die Bühne strotzt nur so vor Spielfreude, vor Professionalität, vor Energie. Und ganz nebenbei hat man auch noch ein Menge Spaß. Die perfekte Rezeptur für einen ganz wunderbaren Konzertabend. Gut gemacht, Mädels!

Anmerkung: Beate Wein vom Duo HAND IN HAND ist am 30. Oktober 2013 (www.babelsberg-hitradio.de) und am 8. November 2013 (www.fliedertee-radio.de) jeweils um 20:00 Uhr zu Gast in der Sendung "Deutsche Mugge - die Radioshow". Dort gibt's dann auch die Möglichkeit das neue Album "Back To Dreck" zu gewinnen!

Bericht:
Rüdiger Lübeck

Fotos:
Rüdiger Lübeck (alle Live-Fotos),
Band (Foto in der Überschrift)





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Termine:

23.11.2013 - Dresden - Dreikönigskirche
19.12.2013 - Dresden - Bar Paradox

Alle Angaben ohne Gewähr. Nähere Infos auf der bandeigenen Webseite



Bitte beachtet auch:

- Off. Homepage von Hand in Hand: www.duohandinhand.de
- Homepage des Theaterschiffs Potsdam: www.theaterschiff-potsdam.de




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