a 20130923 1917938392Bericht:
Torsten Meyer (Bericht 1)
Bodo Kubatzki (Bericht 2)



Bericht 1:
Autor Torsten Meyer
 
Wenn wir am Sonntag an die Wahlurnen treten, müssen wir uns entscheiden, wie und von wem wir uns in den kommenden vier Jahren regieren lassen wollen. Darf unsere "Polit-Diva" Angela weiterhin den Euro-Retter spielen und unvorstellbare Milliardenbeträge in die Wolken schießen, oder steht dem Volk der Sinn nach neuen Regierungsfarben? Schwarz, gelb, grün, rot, dunkelrot, orange - die Auswahl ist vielfältig. Ebenso vielfältig und bunt wie das Programm der neuesten Ausgabe des "Café Größenwahn". Und weil ich gerade das Wort Diva verwendet habe: davon gibt es natürlich in der Musik ungleich mehr als in der Politik, und wie der Zufall es wollte, bildeten die "Diven deluxe!" diesmal das Motto der "Größenwahn"-Party.

Zuhause bei "DIE ZÖLLNER", damit kann nur das Maschinenhaus gemeint sein. Hier genieße ich besonders gerne das Flair von Konzerten, und hier trifft sich - das ist unverkennbar - die ZÖLLNER-Fanfamilie. Man kennt sich untereinander, überall stehen größere Trauben von gesprächswütigen Leuten herum. Die Atmosphäre ist entspannt, die Vorfreude auf das Kommende spürbar. Natürlich ist der Laden schnell gefüllt, aber beileibe nicht dermaßen vollgestopft und aufgeheizt wie zur letztjährigen Weihnachtsausgabe, als man sich wie in einem Survival-Camp fühlte und das Atmen schon fast zu einer sportlichen Herausforderung wurde. Dennoch steigt die körpereigene Temperatur zwangsläufig an, als es dann irgendwann endlich losgeht, zunächst die Band und dann auch der Meister selbst unter beinahe schon ekstatischem Publikums-Geschrei die Bühne betreten.

DIRK "SCHOLLE" ZÖLLNER ist so etwas wie ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen. Ich weiß gar nicht, an wie vielen musikalischen Projekten er beteiligt ist, wo er schon überall als Gastmusiker mitgewirkt hat. Davor kann man nur den Hut ziehen. Mein Kollege RüLü würde sagen, "SCHOLLE ist omnipräsent". Das spiegelt sich auch in seiner Musik wider.b 20130923 1396197398 Bekanntermaßen liegt das Hauptaugenmerk auf einer wunderbar funkigen Ausrichtung, aber ZÖLLNER darauf zu beschränken wäre zu einfach. Und so bekommen wir auch diesmal wieder einen bunten Cocktail aus allen Schaffensperioden des DIRK ZÖLLNER serviert. Ganz alte, beliebte Klassiker wie "Rosarote Segel" oder "Lass mich rein" sind ebenso dabei wie etliche Stücke seiner letzten beiden Studio-Alben "7 Sünden" und "Uferlos". Dem von Beginn an sehr bewegungs- und tanzfreudigen Publikum ist das nur Recht. Textsicherheit ist sowieso kein Thema, überall wird fleißig mit geträllert. "Was geht ab" eröffnet den Abend - die Antwort darauf kann nur lauten: "Party!" Den "Schönen Tag", der als nächstes besungen wurde, haben wir sowieso. Zumal ich schon jetzt feststelle, meine persönliche Wahl für die Abendgestaltung ist genau die richtige. Hier wird Musik gemacht, die von Herzen kommt, die noch dazu soundmäßig keinerlei Wünsche offen lässt, und die auch den Akteuren auf der Bühne sichtbaren Spaß macht.

Das Konzept, welches das "Café Größenwahn" so einzigartig macht, finde ich bemerkenswert. Vor vielen Jahren hätte sowas auch durchaus als Livesendung im Fernsehen laufen können. Na ja, vielleicht nicht unbedingt auf ARD und ZDF, denn da regieren ja schon immer die Volksmusikdudelanten. Wobei ich ja eigentlich auch das Volk bin, von Musik aber glücklicherweise eine andere Vorstellung habe. Egal. Für diejenigen, die mit der Veranstaltung nichts anfangen können, eine ganz kurze Erklärung: DIRK ZÖLLNER lädt sich musikalische Gäste ein, die ihn entweder schon seit vielen Jahren begeistern, oder die er gerade erst kennengelernt hat, die aber großen Eindruck bei ihm hinterlassen haben. Dabei muss jeder Gast neben einer kleinen Talkrunde sowohl die Pflicht als auch die Kür durchlaufen. Soll heißen, ZÖLLNER wünscht sich einen Titel, den seine Gäste dann spielen müssen, und im Gegenzug dürfen sie einen Song ihrer Wahl im Soundgewand der ZÖLLNER-Bigband präsentieren. Das kann schon mal sehr amüsant werden, wie sich gleich bei den ersten Gästen des Abends herausstellt. Getreu dem Motto "Diven deluxe" betritt ein Urgestein der ostdeutschen Rockszene die Bühne: CHRISTIANE UFHOLZ.c 20130923 1036787610 Ihr ebenso erfahrener musikalischer Wegbegleiter EBERHARD KLUNKER darf natürlich nicht fehlen, auch wenn dieser mit einer Diva recht wenig gemein hat. Seit 2009 spielen die beiden als Duo zusammen und kommen sehr gut an mit ihren Akustik-Rock-Muggen. Von DIRK ZÖLLNER werden sie schelmisch als das "einzige ernstzunehmende 'Duo Infernale' neben ZÖLLNER/GENSICKE" angekündigt. Zugegebenermaßen blieben mir die Anfänge und Glanzzeiten der UFHOLZ-Karriere bei den BUTLERS, LIFT, KLAUS LENZ und GÜNTER FISCHER verborgen, denn damals war ich einfach noch zu jung. Aber wenn man die inzwischen 66-jährige heute singen hört, verneigt man sich respektvoll und ahnt, welche Power sie vor dreißig, vierzig Jahren gehabt haben muss. Neben einer eigenen Nummer ("Do you know") wünscht sich der Gastgeber den Gassenhauer "Marmor, Stein und Eisen bricht". Hm, darauf hätte ich persönlich verzichten können, aber natürlich sorgt das im Saal für ausgelassene Stimmung und Mitsing-Laune. Unterschlagen will ich natürlich auch nicht die spontan eingeschobene Nummer "Only the hippies will survive", mit denen UFHOLZ und KLUNKER auf ihre kommende Pop-CD hinweisen.

Beim "Café Größenwahn" muss man immer auf Überraschungen gefasst sein. Diesmal kommen diese in Form von zwei nagelneuen Songs, die als Vorgeschmack auf das zu erwartende neue ZÖLLNER-Album "Herzwinter" gedacht sind. Während "Wenn der Himmel" im Stile einer Russenpolka daherkommt, die die Dynamik und Wucht einer auf Dauerbetrieb eingestellten Dampframme hat, ist der Titelsong "Herzwinter" eine typische ZÖLLNER-Ballade voller Melancholie, mit einem sehr emotionalen Text und einem sich sofort ins Langzeitgedächtnis bohrenden Refrain. Das alles ist verpackt in einen wunderschönen, aber keinesfalls kitschigen Melodiebogen, so dass ich mal die Prognose wage, die Nummer wird ein Hit und in der ewigen ZÖLLNER-Top 10 ganz weit oben landen.

"Diven Deluxe" lautet bekanntlich das Motto des Abends. Würde mich vorher jemand gefragt haben, wer in diese Kategorie passen könnte, fiele mir spontan eigentlich nur MARIANNE ROSENBERG ein. Aber die ist leider nicht dabei, sondern stattdessen erzählt uns DIRK ZÖLLNER nun von einer Dame, die er auf einer AIDS-Gala in Wittenberg(e?) kennenlernte, und die er als "meine Kandidatin fürs Bundespräsidialamt" bezeichnete: BARBARA KUSTER.d 20130923 1893496973 Als "Eiserne Lady" rockt sie seit Jahren die Kabarett-Bühnen Deutschlands, sammelte aber ihre ersten Erfahrungen als Sängerin bei der MODERN SOUL BAND. Deren Chef HUGO LAARTZ wird es freuen, denn er weilt am heutigen Abend unter den Zuschauern. Ich hätte sicher mehr Spaß gehabt, wenn Frau KUSTER uns einen Wortbeitrag aus ihrem Bühnenprogramm anstatt des von ihr gewählten MARLENE DIETRICH-Medleys, welches sie mit eigenen Textpassagen garnierte, präsentiert hätte. Leider suche ich immer noch vergeblich den Witz darin, finde das Ganze ziemlich banal und eher unpassend, denn diese Klassiker wie "Ich bin von Kopf bis Fuß ..." als Comedy-Nummer zu verhunzen, trifft nicht unbedingt meinen Nerv. Aber das ist halt Kabarett und Satire, da ist alles erlaubt. Allerdings erobert BARBARA KUSTER mit ihrem zweiten Beitrag dann verlorene Sympathiepunkte zurück. In ihren Bühnenprogrammen covert und parodiert sie nämlich nicht nur die DIETRICH, sondern auch Rockgrößen wie RAMMSTEIN oder TINA TURNER. Das muss man schon können, sonst wird es peinlich. Und die KUSTER kann es! Deshalb erfreut sie uns mit dem allseits bekannten "Nutbush city limits", und ich staune Bauklötzer, welch enormes Stimmpotential in dieser Frau steckt. Das war großartig und rockte gewaltig. Wenn nur nicht wieder dieser eingedeutschte Text dazu wäre, der den Song dann "Potsdam city limits" heißen lässt ...

Den Musikern ist anzusehen, dass es doch mittlerweile recht warm ist im Maschinenhaus. Deshalb gönnen sie sich und dem Publikum eine zwanzigminütige Pause. Die Stimmung in der großen ZÖLLNER-Familie ist nach wie vor gut und steigert sich noch, als der zweite Teil des Abends mit dem "7 Sünden"-Song "Heute biste dran" beginnt, ehe DIRK mit dem wunderbaren "Idylle im Krieg" seinen ebenfalls anwesenden Vater begrüßt. Das ist einer von diesen Songs, die völlig zu Unrecht nur Eingeweihte kennen. "Idylle im Krieg" hat eindeutig höhere Weihen verdient. Es ist kompositorisch, textlich und gesanglich ein Edelstein, wurde noch dazu perfekt arrangiert. Live gespielt wirkt es noch eine Spur eindringlicher und intensiver als auf der CD - eine phantastische Nummer!

Und wieder wird es Zeit für einen Gast. Der heißt HANNES KREUZIGER und durchbricht ausnahmsweise die Reihe der Diven. Wieder einmal zeigt sich DIRK ZÖLLNERs Gespür für wirkliche Ausnahmemusiker.e 20130923 1021580513 KREUZIGER ist auf den ersten Blick bzw. ersten Ton ein Songwriter, wie es sie derzeit massenhaft gibt. Und doch sticht er aus der Masse hervor mit seinen Liedern und seiner Art zu singen, wie ich finde. Ich habe ihn schon einmal als Support von ERIC FISH erlebt und fand ihn beeindruckend. Zu seinem Song "Nie verloren", den er hier spielt, gibt es übrigens eine bewegende Geschichte. Das Lied hat nämlich tatsächlich geholfen, einen jungen Mann aus dem Koma zu erwecken. Nun, im Maschinenhaus muss er niemanden wecken, denn das Publikum ist hellwach und bedankt sich bei HANNES KREUZIGER mit viel Applaus.

Auch diese Ausgabe des "Café Größenwahn" ist ein voller Erfolg, das steht schon jetzt fest. Einen großen Anteil daran hat fraglos das zahlreiche musikalische Personal, mit dem DIRK ZÖLLNER sich umgibt. Sei es nun die Dresdner Rhythmusfraktion mit Heiko Jung (dr) und Oliver Klemp (bg), oder der mittlerweile fest integrierte Marcus Gorstein (keyb, perc). Die ZÖLLNER HORNS treten mal wieder in der Originalformation mit David "Skip" Reinhart, Gerald "Herr" Meier und Frank Fritsch an und sorgen mit ihren punktgenauen und kraftvollen Bläserattacken für den ZÖLLNER-typischen Bigband-Klang, ohne dabei den Sound zu dominieren. So soll es sein, das hat wirklich Klasse. Andre Gensicke hält wie üblich den Laden zusammen, streut hier und da auch mal einen Sololauf an seinem Keyboard-Piano ein. Und zu Herrn Bayless, der ansonsten bei den SÖHNEN MANNHEIMS die Klampfe zupft, muss man wohl keine großen Worte mehr verlieren. Der spielt eine funky Gitarre, dass es mir die Schuhe auszieht. Über allen thronen wie immer die ZÖLLNER-CHICKS, die selbstverständlich wieder ein wichtiger Baustein der Show sind. ZÖLLNER-Tochter RUBINI, die diesmal leider keinen eigenen Song beisteuert, ist am heutigen Abend mit Veronica und Fernando von zwei Mitstreitern ihrer Academy umgeben. Alle Genannten sind in bester Spiellaune und freuen sich mit mir auf den letzten Gast des Abends.

"Solo Sunny" war einer der erfolgreichsten DEFA-Filme. Den Titelsong sang aber nicht etwa Renate Krößner, die im Film die Hauptrolle spielte, sondern wie wir alle wissen, stammte die Stimme hinter dem Lied von REGINE DOBBERSCHÜTZ.f 20130923 1414919643 Natürlich hören wir "Solo Sunny" hier und heute, und ich muss sagen: Wow! Das ist schon irgendwie sehr berührend, dieses großartige Stück Musik nach so vielen Jahren endlich mal live zu erleben. Die Dame hat nach wie vor immer noch enorm viel Soul in der Stimme und lässt "Solo Sunny" zu meinem persönlichen Highlight des Abends werden. Die DOBBERSCHÜTZ selber plaudert danach ganz locker und ungezwungen über ihren 27-jährigen Aufenthalt in Frankfurt/Main und Brasilien, und man hört ihr gerne zu. Dass DIRK ZÖLLNER sie übrigens ebenso auf einer Trauerfeier (für REINHARD LAKOMY) kennenlernt wie CHRISTIANE UFHOLZ (Trauerfeier für FRANZ BARTZSCH), ist dabei eine nette Randnotiz. An ihre Zeit bei MODERN SOUL erinnert REGINE DOBBERSCHÜTZ dann abschließend mit dem fast 40 Jahre alten "Nochmal klein sein", und verschafft sich damit einen viel bejubelten Abgang von der Bühne.

Ein grandioses Konzert geht zu Ende. Aber natürlich nicht ohne das Grande Finale, zu welchem sich die Bühne noch einmal füllt, denn nun singen und musizieren sie alle zusammen. Die FRANZ BARTZSCH-Komposition "Komm doch einfach mit" und der ZÖLLNER-Klassiker "Viel zu weit" geraten zu einer Art Super-Session. Die Bühne erscheint fast zu klein für all die Künstler des Abends, aber die Enge und Nähe gibt das für eine ZÖLLNER-Mugge charakteristische familiäre Gefühl sehr gut wieder. Da noch immer niemand gehen will, hauen die ZÖLLNER noch einen raus und sehen dabei "Gut aus", ehe sich die Türen des "Café Größenwahn" bis zur nächsten Ausgabe am 22. Dezember endgültig schließen und viele lächelnde Gesichter in die Berliner Nacht entlassen.
 
 

 
Bericht 2:
Autor Bodo Kubatzki

Zu Gast im „Café Größenwahn“, da war doch was … Ja richtig, das „Café des Westens“ am Kürfürstendamm in Berlin, Künstlerlokal von 1898 bis 1915. Literaten, Maler, Musiker und andere aufstrebende Künstler wie Max Liebermann, Paul Lincke, Walter Kollo oder Friedrich Holländer, gaben sich hier ein Stelldichein. Außerdem steht die CD „Café Größenwahn“ von DIE ZÖLLNER in meinem CD-Regal. Aufgenommen wurden die Songs noch in den Popstudios des Rundfunks der DDR. Erschienen ist die CD 1991 im wiedervereinigten Deutschland. Neben dem gleichnamigen Titelsong enthält die Scheibe Zöllner-Hits wie „Viel zu weit“, „Rosarote Segel“ oder „Käfer auf dem Blatt“.

a 20130928 1497587689Der Name „Café Größenwahn“ wurde für DIE ZÖLLNER dann auch zum Programm. So erinnere ich mich, dass sie damit am 11. Februar 2005 in Rostocks sozialkulturellem Zentrum PUMPE gastierten. Anhand einer aufwendig gestalteten Menükarte konnten sich die Gäste das musikalische Festmahl selbst zusammenstellen. Somit gab es nicht nur Songs der Zöllner zu hören, sondern auch deutsche und internationale Titel aus den unterschiedlichsten Genres, dargeboten von Chefkoch Andrè Gensicke, Oberkellner Dirk Zöllner und Kaltmamsell Matze Mantzke.

Heute heißt das Programm „Café Größenwahn – Zuhause bei DIE ZÖLLNER“. Ein Konzerterlebnis der besonderen Art, das alle drei Monate von „Familie Zöllner“ in Berlin auf die Bühne gebracht wird. Zur Familie gehören neben Dirk Zöllner und Andrè Gensicke u. a. Matze Mantzke und Dirks Tochter Rubini.

Am 20. September 2013 machten sich meine Frau und ich also auf den Weg von Rostock nach Berlin ins Café Größenwahn in der Kulturbrauerei am Prenzlauer Berg. Der Abend stand unter dem Motto „Diven deluxe“ und wir waren gespannt, was uns erwartet. Jeder, der was auf sich hält, präsentiert sich hier der Welt, so heißt es im Song „Café Größenwahn“. Und tatsächlich waren in der Kulturbrauerei illustre Gäste anzutreffen. Die Lütte (Angelika Mann) oder Gerhard »Hugo« Laartz von der Modern Soul Band waren ebenso zu Gast wie mein Freund Andreas aus Schwedt, den ich hier überhaupt nicht erwartet hätte, da wir uns sonst nur bei Progressive-Rock-Events sehen. Seine Frau Petra hatte sich diesen Abend jedoch zum Geburtstag geschenkt und hatte sich damit eine große Freude bereitet. Noch illustrer waren die Gäste auf der Bühne, die von Dirk Zöllner und Andrè Gensicke präsentiert wurden. Aber der Reihe nach.

Um viertel Neun (20:15 Uhr) begrüßte Matze Mantzke das zahlreich erschienene Publikum und wies darauf hin, dass der Abend gefilmt wird und alle Anwesenden möglichst freundliche Gesichter aufsetzen sollten (Die Mitschnitte bisheriger Veranstaltungen kann man übrigens über die Webseite www.dirk-zoellner.de oder über den Lokalsender Alex-TV über www.alex-berlin.de/tv ansehen). Mit „Was geht ab“ und „Schönen Tag“ von der letzten CD „Uferlos“ legten die Zöllner in Bigband-Besetzung mit den Zöllner-Horns und den Zöllner-Chicks dann so richtig los. Die funkigen Songs ließen den Funken sofort auf das Publikum überspringen. Die Luft schien zu vibrieren und man spürte förmlich das „Good Feeling“ im Saal.

b 20130928 2029757224Nach „Lass mich rein“ und „Allein“, zwei älteren Zöllner-Stücken, kündigte Dirk die ersten Gäste des Abends an: Christiane Ufholz & Eberhard Klunker, beide sind Urgesteine ostdeutscher Rockmusik. Christiane sang u. a. bei den Butlers, Günter Fischer oder bei LIFT und Eberhard war Gitarrist u.a. bei Klaus Lenz, Theo Schumann und der Hansi Biebl Blues Band. Der erster Song „Do you know“ klang wie ein internationaler Hit und ging sofort ins Ohr. Es war jedoch ein eigener Titel aus dem aktuellen Konzertprogramm der beiden. Im Smalltalk mit Dirk Zöllner war zu erfahren, dass Christiane Ufholz und Eberhard Klunker an diversen eigenen Songs arbeiten, angesiedelt irgendwo zwischen Country, Blues und Pop. Nach der Pflicht folgt die Kür. Und als Kür hatte sich Dirk „Marmor, Stein und Eisen bricht“ gewünscht. Woher dieser Wunsch rührte, erschließt sich mir bis heute nicht, doch sorgte auch dieser Gassenhauer für gute Stimmung und animierte viele Gäste zum Mitsingen. Ganz spontan wurde dann mit „Only the hippies will survive“ ein weiterer neuer Song aus Christianes und Eberhards Live-Programm gespielt. Christiane Ufholz, kleine Frau mit ganz großer Stimme, kann ich nach diesem Auftritt nur sagen.

Dass die Zöllner immer für eine Überraschung gut sind, bewiesen sie mit den nächsten zwei Titeln. Neues Material von der zu erwartenden neuen CD war zu hören. „Wenn der Himmel …“ erinnerte mich etwas an den Song „Russendisko“, ruppig im Rhythmus und spaßig im Text. „Herzwinter“ war dann schon eher typische Zöllner-Kost, eine Ballade die unter die Haut ging.

Die nächste Überraschung ließ nicht lange auf sich warten: Barbara Kuster. Bisher hatte ich von dieser Frau noch nichts gehört. Doch was hier geboten wurde, haute mich völlig um. Postdamer Urgestein, Lehrerin, Rocksängerin, Kabarettistin kann man ihrer Vita entnehmen. „Die eiserne Lady“, so heißt ihr Soloprogramm, mit dem sie seit 2012 auf Tour ist. Bei ihrem Marlene Dietrich Medley machte sie uns die „Marlene“ mit bekannten Melodien aus den 1930er Jahren, gewürzt mit eigenen Textpassagen. Doch krasser war Titel zwei: „Potsdam City Limits”, das war Rock pur mit einem ironischen deutschen Text zur Tina Turner Nummer. Was für eine Performance und was für eine Rock-Röhre. Da machte das Zuhören und Zusehen Spaß.

c 20130928 1335575051Nach ca. 20-minütiger Pause, die sich die fantastische Band wirklich verdient hatte, eröffneten Die Zöllner Teil zwei der Show. Funkig ging es weiter mit „Heute biste dran“ vom Album „7 Sünden“. Vor dem nächsten Titel „Idylle im Krieg“, begrüßt Dirk seinen Vater, der als Gast im Publikum war und der beim Videodreh zu dieser fantastischen Ballade mitgewirkt hatte. Für mich einer der schönsten Titel des letzten Albums, der auch live eine enorme Wirkung hat.

Hannes Kreuziger wurde als nächster Gast angekündigt. Wieder ein deutscher Künstler, den ich bisher nicht kannte. Aufgeregt huscht er an mir vorbei auf die Bühne. Sein Piano ist erst nur über die Monitoranlage zu hören. Als Gensi „Aufhören!“ ruft, kam von Hannes nur: „Ich kann doch jetzt nicht aufhören!“. Das machte ihn mir sofort sympathisch. Und dann erst sein Song „Nie verloren“, eine Ballade, die mich sehr berührte. Ich hätte mir an diesem Abend noch einen weiteren Song von Hannes gewünscht. So empfehle ich einen Besuch auf seiner Internetseite. Da gibt es mehr von ihm zu hören und interessante Dinge zu lesen. „Rosarote Segel“ war nur ein kleines Zwischenspiel der Zöllner, bevor eine weitere Diva die Bühne betrat.

„Solo Sunny“, eine Komposition von Günter Fischer aus gleichnamigen, auch international erfolgreichen DEFA-Film, wurde nicht etwa von der Schauspielerin Renate Krößner gesungen ... Nein, den sang seinerzeit Regine Dobberschütz. Diesen Song in der Kulturbrauerei live erleben zu dürfen, war bewegend und ließ nicht nur bei mir die Augen feucht werden. Oh Mann, da wurden Erinnerungen wach. Danke Regine!!! Aus der kurzen Plauderei zwischen Dirk Zöllner und Regine Dobberschütz konnte ich erfahren, dass sie aus Frankfurt am Main in heimatliche Gefilde zurückgekehrt ist. Bleibt die Hoffnung, in Zukunft wieder neues Material von dieser tollen Interpretin hören zu können. Nach dem Titel „Noch mal klein sein“, einer alten Nummer der Modern-Soul-Band, verlässt eine offensichtlich überglückliche Künstlerin die Bühne.

d 20130928 1014866649Bei „La la la“ können Die Zöllner dann wieder zeigen, welches musikalisches Potenzial in ihnen steckt. Heiko Jung am Schlagzeug und Oliver Klemp an der Bassgitarre liefern ein solides rhythmisches Fundament auf dem Gitarrist Andreas Bayless, sowie Marcus Gorstein an Tasteninstrumenten und Percussion aufbauen können. Die Bläsersätze der Original-Zöllner-Horns, Gerald Meier an der Posaune, David "Skip" Reinhart an der Trompete und Frank Fritsch am Saxophon, setzen Akzente und die Zöllner-Chicks unter Leitung von Rubini Zöllner mit ihren beiden Kommilitonen Veronica und Fernando liefern einen soliden, gesanglichen und auch optischen Background für diese tolle Band. Das ganze Unternehmen steht unter musikalischer Leitung von Keyboarder und Hauptkomponist Andrè Gensicke, dem auch an diesem Abend ein ganz großes Lob gebührt. Dirk Zöllner singt mit viel Emotionen und macht auch als Moderator eine gute Figur.

Der LIFT-Klassiker „Komm doch einfach mit“, gesungen von Christiane Ufholz und Dirk Zöllner leitete das Finale ein, welches mit der Zöllner-Pflicht-Nummer „Viel zu weit“ seinen krönenden Abschluss fand.

Ein unvergesslicher Abend ging viel zu schnell zu Ende. Die begeisterten Reaktionen des Publikums und der Künstler des Abends lassen sich bis heute auf sozialen Netzwerken verfolgen. Das nächste „Café Größenwahn“ öffnet am 22. Dezember 2013 seine Türen. Ob wir wieder zu Gast sein werden, hängt letztlich nur noch von den Witterungsbedingungen so kurz vor Weihnachten ab.





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Bitte beachtet auch:

- Homepage vom Dirk Zöllner: www.dirk-zoellner.de
- Portrait über Dirk Zöllner: HIER
- Portrait über Regine Dobberschütz: HIER




Live-Impressionen:


Fotos von Rüdiger Lübeck:
 
 
 
Fotos von Bodo Kubatzki:
 
 
 
 
 




   
   
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