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Bericht:
Torsten Meyer

Fotos:
Torsten Meyer (alle Live-Fotos)
Pressematerial (Textillustration)





Abgenabelt und eigenständig
Normalerweise wäre es eine pure Verschwendung meiner und Eurer kostbaren Zeit, an dieser Stelle auch nur ein Wort über die allseits bekannte RTL-Telekom-Dauerwerbeveranstaltung namens DSDS zu verlieren.
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Und dennoch lässt es sich im Rahmen der folgenden Berichterstattung über das Konzert von THOMAS GODOJ nicht vermeiden. Aber ich mache es kurz, versprochen. Jener THOMAS GODOJ nämlich durfte sich 2008 die Siegerkrone dieses fragwürdigen Spektakels überstreifen. Der entscheidende Unterschied zwischen ihm und den anderen Gewinnern, die es im Laufe der Jahre gab, besteht allerdings darin, dass GODOJ den Popularitätsschub nutzte, um sich in akribischer Kleinarbeit eine eigenständige Karriere fernab des Bohlenschen Dunstkreises aufzubauen. Dabei kam ihm sicherlich zugute, dass er bereits vor DSDS zwei Bands hatte, von denen vor allem WiNK schon über eine ordentliche Fan-Base verfügte. Dieser Tage erschien bereits das vierte Solo-Album von THOMAS GODOJ, was auch der Grund für die derzeit laufende Tour ist.

Ich gestehe, dass besagter Herr GODOJ schon seit geraumer Zeit unter meinem Beobachtungsschirm Platz gefunden hat. Mir fiel durch einen simplen Zufall sein 2011er Album "So gewollt" in die Hände. Auf diesem Album befinden sich einige Nummern, die trotz anfänglicher Skepsis schnell mein Interesse, und nach näherer Beschäftigung mit der Materie auch einige Sympathien für diesen Typen weckten. Den DSDS-Schatten leugnet er nicht, warum auch? Diese Zeit gehörte halt zu seinem Leben. Aber er hat sich aus diesem Schatten freigekämpft, hat einen Schritt nach dem anderen gemacht auf dem Weg zu einem eigenen Profil und ist heute ein total eigenständiger, durchaus ernstzunehmender Musiker. Am gestrigen Dienstag schlug der GODOJ-Tross nun auch in der Hauptstadt auf, und ich dachte mir, geh einfach mal hin und schau Dir an, ob sein Ruf als exzellenter Live-Act gerechtfertigt ist.

a-cd 20130614 1080140284Der harte Kern war schon da
Ich war wie immer etwas früher vor Ort. Als ich am Postbahnhof eintrudelte, bot sich mir ein imposantes Bild: vor dem Eingang saßen bereits eine Menge Leute auf mitgebrachten Klappstühlen, Kisten oder einfach am Boden. Vermutlich hockten die schon seit geraumer Zeit da. Es war unschwer zu erkennen, dass es sich dabei um den harten Kern der GODOJ-Fans handelte. Interessant, dass die Altersstruktur dieser Fangruppe sich relativ breit streute. Von Anfang 20 bis jenseits der 40 war alles vertreten. Aus den geführten Gesprächen konnte man dann auch entnehmen, dass viele von ihnen ihrem Idol auf dieser Tour von Auftritt zu Auftritt hinterher reisen. Nun strandeten sie also auch in Berlin. Mich wunderte allerdings die dafür gewählte Location. In den Postbahnhof passen in der Stehplatz-Kuschelvariante ca. 800 Leutchen rein. Dann wird zwar die Luft knapp, aber das ultimative Erlebnis, inmitten eines schweißtriefenden Publikums ein Konzert erleben zu dürfen, hat man dafür gratis. Jedenfalls schaffen es im Event-verwöhnten Berlin nicht allzu viele Künstler, den Postbahnhof zu füllen. Ohne THOMAS GODOJ und seinen Fans zu nahe treten zu wollen, hätte ich wohl den Frannz-Club oder das Maschinenhaus für passender gehalten. Und siehe da: die Türen zum großen Saal des Postbahnhof blieben geschlossen, stattdessen war das Instrumentarium auf der Bühne des deutlich kleineren Saales aufgebaut. Eine weise Entscheidung, denn als ab 20:50 Uhr die unvermeidliche Vorband um die Gunst des Publikums buhlte, war der Raum sehr gut gefüllt.

Feiner Rock aus Lübeck
FOXVILLE nennen sich die fünf blutjungen Burschen aus dem schönen Lübeck. Im Einzelnen sind dies:

o Flix (Gesang, Gitarre)
o Marius (Gitarre, Backing Vocals)
o Sören (Synthesizer, Backing Vocals)
o Dodo (Drums)
o Mike (Bass)

Sie wollen scheinbar nur beim Vor- bzw. Spitznamen genannt werden, deshalb übernehme ich es mal so. Vor allem die mitreisenden GODOJ-Hardcorefans erfüllten den halbstündigen Auftritt der Jungs mit viel Leben, und das völlig zu Recht.b-fox 20130614 1703016135 Erfrischender, abwechslungsreicher Rockpop, dem sehr viele verschiedene Einflüsse zugrunde liegen, schallte in meine Ohren. Vor allem die Synthi-Klänge taten dem Sound gut und hoben FOXVILLE so ein bisschen heraus aus den vielen jungen Alternative-Bands, die es heutzutage gibt. Mir hat es gefallen und ich wünsche der Truppe, dass die frisch erhältliche EP nicht das einzige Material bleiben wird, mit dem FOXVILLE ihre Fans erfreuen. Das nötige Potential für mehr besitzen Flix & Co. auf jeden Fall. Aber wir wissen ja, wie schwer es selbst für überdurchschnittlich talentierte Bands ist, sich auf dem vom Kommerz regierten Musikmarkt eine eigene kleine Nische zu schaffen.

Intelligenter Deutschrock, tolle Stimmung
Mich ärgerte bei aller guten Laune, die ich mitbrachte, mal wieder diese unsinnige, auf 21:00 Uhr angesetzte Anstoßzeit. Man bedenke, es war ein Dienstag, noch dazu waren etliche Fans von außerhalb angereist. Warum zum Teufel muss man sich die halbe Nacht um die Ohren schlagen, anstatt den Konzertbeginn auf 19:30 Uhr oder 20:00 Uhr zu legen? So wurde es jedenfalls beinahe 22:00 Uhr, als endlich das Intro ertönte, nach und nach unter lautem Jubel die Musiker ihre Instrumente suchten und glücklicherweise auch fanden, und zu guter Letzt der eigentliche Grund meines Hierseins die Bühne betrat: THOMAS GODOJ himself. Aus dem Jubel wurde ein ohrenbetäubender Kreischalarm. Der THOMAS' Haupt schmückende Hut wirkte zwar auf mich etwas befremdlich, aber das soll nun wirklich kein Kriterium sein.

"Mein letztes Hemd", der Opener des neuen Albums "Männer sind so", eröffnete den Reigen der - ich darf es vorwegnehmen - wirklich geilen Show. Eine flotte Rocknummer, von denen es im Laufe des Abends noch etliche zu hören gab. Sofort wachte auch die Fanmeute auf. Den ersten Dauerapplaus, begleitet von heftigem Füssetrampeln, ernteten die Heroes auf der Bühne nach "Helden gesucht", dem ersten großen Hit von THOMAS GODOJ, zu finden auf seinem Debütalbum "Plan A!" (2008). Ansonsten beschränkte sich die Setlist im regulären Teil des Konzertes auf Songs des aktuellen Albums, welches bis auf zwei Nummern komplett durchgespielt wurde, und etliche Tracks der vorletzten CD "So gewollt" aus dem Jahr 2011 (Ausnahme: "Autopilot"), die ich persönlich richtig Klasse finde. Wer erstmals live dabei war - wie ich beispielsweise - wird fasziniert gewesen sein von der Atmosphäre im Publikum und der Vielfalt der Songs. Da wurde mal heftigst gerockt, dann gab es wieder leise und gefühlvolle Töne.c 20130614 1346007015 Letztlich überwogen aber die Nummern, die den Rock'n'Roller in THOMAS wecken konnten. Doch egal ob hart oder soft, immer wurde die Musik getragen von einem äußerst emotionsgeladenen, gut gelaunten THOMAS GODOJ. Wie ein Kapellmeister (es fehlte nur der Frack) stand er immer wieder am Bühnenrand und dirigierte die Aktionen seines Publikums, die das aber gar nicht gebraucht hätten, denn sie waren ohnehin total aus dem Häuschen und machten enorm viel Stimmung. Es wurde gekreischt, Arme hin- und hergeschwenkt, gehüpft, was eben so dazugehört. Textsicherheit war natürlich kein Thema, die war erwartungsgemäß vom ersten bis zum letzten Song gegeben. Selbst die neuen Nummern wurden fleißig mitgesungen, dabei ist das Album gerade mal 11 Tage auf dem Markt.

Es fällt schwer, irgendwelche Highlights aus dem Programm heraus zu picken, denn davon gab es einige. Vielleicht "Niemandsland", welches für mich zu den stärksten GODOJ-Nummern gehört. Hier setzt er sich kritisch mit unserer in vielen Dingen gleichgültigen Gesellschaft auseinander und verpackt das Ganze in eine von donnernden Gitarren dominierte Rocknummer:

"Rechts, links, rechts, links, taub rechts, blindlinks,
Augen zu und durch, so sieht's doch aus.
Sinkende Besucherzahl bei der Europawahl. Niemand da, alle schön zu Haus...
Die Mutter die ist geisteskrank, der Vater hat 'nen Waffenschrank,
hat irgendwer den Jungen heut' gesehen?
Mein Gott, das ist ein Niemandsland, das geht doch niemanden was an..."


f 20130614 1850725678Aber auch "Dächer einer ganzen Stadt", das geniale "Was wäre wenn", die ergreifende und hammermäßig gesungene Ballade "So wie die Sterne noch leuchten", "Ein Tag im Leben eines Anderen", "Wolken" - man könnte es beliebig fortsetzen. Vor allem fällt auf, hier hat einer was zu sagen. Keiner, aber auch wirklich kein einziger Song des Abends versinkt in textlichem Blabla, sondern hier wird Klartext gesprochen. Kein Thema ist zu heikel, Gesellschaftskritik wird genauso unverblümt angesprochen wie zwischenmenschliche Probleme, die Liebeserklärung an THOMAS' Ruhrpott-Heimat fehlt ebenso wenig wie die Aufarbeitung autobiografischer Erlebnisse. Da kann einer mit unserem deutschen Wortgut wunderbar umgehen, und zeigt das auch.

Erwähnen muss ich noch den Titelsong seines neuen Albums "Männer sind so". Die Nummer löste nach ihrem Erscheinen als Single-Auskopplung heftige und kontroverse Diskussionen unter den Fans aus. Klar, auf den ersten Blick bzw. Ton denkt man: Au weia, macht der GODOJ jetzt einen auf Musikantenstadl? Seichter Schunkel-Pop, den man so vom Meister eigentlich gar nicht kennt, da kann man schon erschrecken. Aber bei genauerem und mehrmaligem Hören erkennt man dann doch, dass auch hier viel mehr dahinter steckt. THOMAS GODOJ nimmt in sehr humorvoller Art die (vermeintlichen) männlichen Schwächen, und auch die oftmals übertriebenen weiblichen Reaktionen darauf, aufs Korn. Live entwickelt der Titel dann nochmal eine spezielle Eigendynamik, zumal die hier eingesetzte Ukulele für einen klanglichen Farbtupfer sorgt. Da brauchte THOMAS vorher gar nicht zu erklären, wie sehr ihm "Männer sind so" am Herzen liegt - das Publikum kann gar nicht anders, als auch hier ordentlich zu feiern.

e 20130614 1379625869THOMAS GODOJ rockte die Halle mit seiner ehrlichen, natürlichen Art. Das kann ich ohne jede Übertreibung sagen. Der soll mal das DSDS-Theater mitgemacht haben? Schwer zu glauben. Man könnte eher meinen, da steht einer auf der Bühne, der von je her mit der Rockmusik verwachsen ist und nie etwas anderes machen wollte. Seine Performance war authentisch und glaubwürdig, seine Mimik wirkte nie übertrieben oder aufgesetzt, sondern passt wie die Faust aufs Auge zur Musik und den Texten. Das ist schon beeindruckend. Der hervorragende Sound tat sein Übriges. Es klang einfach nur rockig und fett, man brauchte keine elektronischen Spielerchen von der Konserve. GODOJs Musiker

o Sebastian Netz (Gitarre)
o Tobias Born (Gitarre)
o Sebastian Naas (Bass)
o Torsten Bugiel (Drums)

sind handverlesen und harmonieren prächtig miteinander. Logisch, spielen sie doch teilweise schon seit Jahren zusammen. Tolle Männer, die sichtbar Spaß an ihrem Job hatten.

Mit dem "Papierflieger" vom neuen Album endete der offizielle Teil. Die Fans hatten sich dazu eine besondere Choreografie ausgedacht. Zum Refrain flogen nämlich ganz viele selbstgebastelte - na was wohl? - Papierflieger auf die Bühne, sehr zum Spaß der Band.
 
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Beim Zugabenteil brillierten die Musiker dann nochmal so richtig. "Wenn ich geh" ist eine großartige Rocknummer, die eingeleitet wurde durch ein Schlagzeug-Solo von Torsten Bugiel, zu dem sich nach und nach die Gitarre von Sebastian Netz einklinkt, ehe dann der Rest dazu stieß. Mit "Liebe zur Sonne" gab es den nächsten Burner gleich hinterher - was für ein geiler Song! Da wurden so richtig alle Bremsen gelöst und sämtliche Rocker-Säue durch's Dorf getrieben. Der Track stammt übrigens noch aus THOMAS' Leben vor DSDS, als er nämlich Sänger bei WiNK war. Mein persönlicher Wunsch: rauf damit auf's nächste Album! Den Schlusspunkt setzte "Wenn Du tanzt". Noch so eine Powernummer. Keine Ahnung, auf wessen Mist der Titel gewachsen ist, aber er ist als "Hidden Track" auf dem neuen GODOJ-Album zu finden.

Es war ein gelungener Schlusspunkt unter ein wirklich tolles Konzert eines Mannes, der es verdient hätte, mit seiner Musik mehr Beachtung zu finden. Das ist vielschichtiger, kraftvoller, aber dennoch ungeglätteter Deutsch-Rock mit intelligenten Texten, der aber wahrscheinlich für die hiesigen Radiostationen schon wieder zu anspruchsvoll ist und damit vermutlich dem immer gleichen amerikanischen Chartsoßenbrei gefährlich werden könnte. Egal, dieser THOMAS GODOJ, wie ich ihn am Dienstag im Konzert erlebt habe, und wie er sich auf seinen CDs präsentiert, ist eine exzellente Bereicherung der deutschen Musikszene. Das muss sich nur endlich herumsprechen.



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Termine:

14.06.2013 - Hannover - Musikzentrum
15.06.2013 - Dresden - Puschkin
17.06.2013 - Düsseldorf - Zakk
18.06.2013 - Lübeck – Riders Cafe
11.07.2013 - Bochum - Bochum Total (Ringbühne)
09.08.2013 - Solingen - Echt.Scharf.
31.08.2013 - Kaiserslautern - Kammgarn

Alle Angaben ohne Gewähr. Nähere Infos auf der Homepage des Musikes



Bitte beachtet auch:

- off. Homepage von Thomas Godoj: www.thomasgodoj.de
- Von Thomas unterstützte Fanseite: www.thomas-godoj.de
- off. Homepage von Foxville: www.foxville.de
- off. Homepage von Thomas' Agentur: www.kick-management.de




Live-Impressionen
 
Foxville:
 
 
 
Thomas Godoj & Band:
 
 
 
 

Videoclips:


Thomas Godoj






Foxville









   
   
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