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Bericht: Thomas Müller
Fotos: Gerd Müller





Chartstürmer Steven Wilson mit seiner
"Superband" wieder zu Gast in München


Seit der sehr erfolgreichen zweiteiligen Solo-Debüt-Tour von Mastermind Steven Wilson (Porcupine Tree, No-Man, Blackfield) im Herbst 2011 und Frühjahr 2012 hat sich viel getan. Die ersten beiden Solo-CDs "Insurgentes" und "Grace for Drowning", die bei diesen Auftritten live präsentiert wurden, kamen nicht nur bei der wachsenden Prog Rock-Fangemeinde, sondern auch bei Rezensenten angesehener Publikationen hervorragend an. Kein Wunder also, dass der Multiinstrumentalist und Produzent Wilson eine weitere CD "nachlegte": "The Raven That Refused to Sing (And Other Stories)", mit keinem geringeren als Alan Parsons (u.a. Produzent von Pink Floyds "Dark side of the Moon" oder The Beatles' "Abbey Road" und "Let it Be") als Strippenzieher. Die fast unglaubliche Kreativität katapultierte ihn mit diesem Kunstwerk bis auf Platz 3 der deutschen Albumcharts.

a 20130403 1097026112Die Fahrt nach München über vereiste Autobahnen mit Schneefall und Berufsverkehr inklusive Staus erreichte ihr Ziel gegen 19:15 Uhr bei der Alten Kongresshalle. Die nebenan gelegene "Wiesn", die ab Ende September wieder zu einem weltweiten Bierspektakel generieren wird, lag in tiefem März-Schnee versunken. Vor dem Eingangsbereich gegenüber dem Verkehrszentrum des Deutschen Museums bildete sich eine lange Warteschlange. Die 1952/53 erbaute Halle auf der Theresienhöhe ist innen einem Theaterbau nachempfunden und war mit rot bezogenen Sitzgelegenheiten elegant bestuhlt - und mit 850 Zuschauern ausverkauft.
Apropros bestuhlt: Wilson war nie ein Fan von bestuhlten Konzerten und kommunizierte dies auch hin und wieder in Interviews oder auf der Bühne. Dass nun ausschließlich alle Gigs auf der Europa-Tour bestuhlt waren, ist sicherlich kein Zufall. Woher dieser plötzliche Sinneswandel kommt, bleibt wohl Wilsons Geheimnis, auch wenn er in München beteuerte, nichts mit der "Sitzordnung" zu tun zu haben. Wer's glaubt!

Unter tosendem Applaus der Fans aller Altersklassen betraten pünktlich um 20:00 Uhr die Musiker die große Bühne, die diesmal (noch) nicht mit einem transparenten Vorhang verhüllt war. Neben Wilson bestand die Band wieder aus bekannten Meistern ihres Faches: Marco Minnemann (Schlagzeug), Nick Beggs (Bass-Gitarre, Chapman-Stick), Theo Travis (Flöte, Saxophon, Mellotron) und Adam Holzman (Keyboards) - lediglich an der Lead-Gitarre fand mit Guthrie Govan zu den Studio-Aufnahmen für die aktuelle Scheibe ein erneuter (vorerst letzter?) Wechsel statt. Govan und der Deutsche Minnemann spielen übrigens zusammen in der Rock/Fusion-Instrumental-Band THE ARISTOCRATS, die momentan noch ein Geheimtipp für alle Fans vertrackter Töne ist.

Den Konzertauftakt machte "Luminol", ein Zwölfminüter aus der neuen CD und den meisten bereits von der 2012er-Tour bzw. der in Mexiko aufgenommenen Live-DVD/-Blu-ray "Get All You Deserve" bekannt, der vor allem von Beggs an der Bassgitarre brilliant interpretiert wurde (siehe Video unten). Im weiteren Verlauf wurden auch die anderen aktuellen Kompositionen eingestreut, also "Drive Home" mit seinen unverkennbaren Blackfield-Anleihen, "The Pin Drop", "The Holy Drinker", "The Watchmaker" und der Titelsong "The Raven That Refused to Sing" (siehe Video unten). b 20130403 1243096191Zwischendurch war der gut gelaunte Wilson immer wieder zu Scherzen aufgelegt und reagierte spontan auf Zwischenrufe aus dem Publikum. Sehr amüsiert schien er über einen Zuschauer, der sich während eines Songs ob der hohen Lautstärke die Ohren zuhielt. Nichts Ungewöhnliches, jedoch trug der Mann ein Fan-Shirt der Band AMPLIFIER (zu Deutsch: Verstärker), was Wilson gleich als Steilvorlage benutzte: "This is the loudest band on the planet!" - natürlich mit einem Augenzwinkern zu verstehen.

Eine beeindruckende Lightshow mit tollen Hintergrundprojektionen umwob den glasklaren Sound, der immer wieder mit Dolby Surround-Effekten im gesamten Saal angereichert wurde. Selbst die Decke, die Seitenwände und natürlich das Publikum wurden mit kunstvoll verschlungenen runden Lichtornamenten überzogen. Eine Augen- und Ohrenweide! Ein Stück wurde ausschließlich mit Trickfilmsequenzen auf den Bühnenvorhang projiziert und ließ die Band beinahe im Nichts verschwinden.

Vor seiner wohl populärsten Solo-Komposition "Harmony Korine" animierte Steven Wilson die Zuschauer zum Stehen. Dem wurde gern entsprochen, und nicht wenige drängten jetzt vor die Bühne. Wieder etwas ruhiger - naja, zumindest zu Beginn - wurde es mit dem epischen Stück "Raider II", welches sowohl der Band als auch den Zuschauern alles abverlangte. Die obligatorische Zugabe musste natürlich sein und wurde frenetisch bejubelt, als die ersten Orgelklänge von Holzman den Saal ausfüllten: "Radioactive Toy" in seiner zwölfminütigen Vollversion! Wilson schrieb dieses Stück für "Porcupine Tree", das ursprünglich als Solo-Projekt angedacht war und sich erst nach einiger Zeit zu einer "richtigen" Band mit ersten Live-Auftritten entwickelte.

c 20130403 1764354120Nach einem derart engagierten, über zwei Stunden dauernden Konzert auf höchstem musikalischen Niveau stellt man sich zwangsläufig die Frage, was aus ebendieser Band werden wird. Komplett zu Grabe getragen hat Wilson "Porcupine Tree" natürlich noch nicht, schenkt man seinen Aussagen in diversen Interviews Glauben. Allerdings hört man auch immer wieder heraus, wie überaus glücklich er mit seiner Solo-Karriere und seiner neuen "Superband" ist. Somit ist in absehbarer Zeit nicht mit einer Rückkehr zu den alten Wurzeln zu rechnen. Aber wer könnte es ihm schon verdenken?

Die Setlist:
(Raven Artwork Video)
1. Luminol
2. Drive Home
3. The Pin Drop
4. Postcard
5. The Holy Drinker
6. Deform to Form a Star
(Watchmaker Intro Video)
7. The Watchmaker
8. Index
9. Insurgentes
10. Harmony Korine
11. No Part of Me
12. Raider II (ohne Outro)
13. The Raven That Refused to Sing
Encore:
14. Radioactive Toy (Porcupine Tree)



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Bitte beachtet auch:
- off. Homepage von Steven Wilson: www.swhq.co.uk




Live-Impressionen

Videoclip







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