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Ein Bericht mit Fotos von Reinhard Baer


Wie wir ja alle wissen, leidet der ehemalige Sänger der STERN-COMBO MEISSEN, Reinhard Fißler, seit mehreren Jahren an einer schweren und unheilbaren Nerven-Krankheit. Er ist faktisch an das Krankenbett bzw. an den Rollstuhl gefesselt und benötigt eine ständige Betreuung. Trotz allem hat "Reini", so nennen ihn alle, die ihn kennen, seinen Lebensmut nicht verloren, will so gut es geht schöpferisch tätig sein und sich seiner Berufung, der Musik widmen. Bekanntlich ist "Reini" Ehrenmitglied im Verein "Musik aus Deutschland e.V." und somit bei deutsche-mugge.de, wo er seiner Leidenschaft noch immer nachgehen kann.a 20140511 1137949426 Neben allen Unannehmlichkeiten, die eine Krankheit mit sich bringt, ist sie außerdem auch immer mit Kosten verbunden. Längst nicht alles wird von den Krankenkassen bezahlt und damit Reinhard Fißler nicht irgendwann in naher Zukunft dem Kostendruck weichend in ein Heim ziehen muss, sondern in seiner gewohnten Umgebung weiter leben kann, fand am Donnerstag, den 8. Mai 2014, für ihn ein Konzert statt, das Freunde für ihn ausgerichtet und gestaltet haben. Zahlreiche Künstler und Freunde waren an diesem Abend in das Restaurant "Neu Helgoland" an den Kleinen Müggelsee gekommen, um für ihn zu musizieren und aufzutreten, und somit Geld für den Freund und Kollegen zu sammeln.

Als ich etwa eine halbe Stunde vor dem Einlass auf dem Hof des Restaurants eintraf, traf ich neben einigen der an diesem Abend angesagten Künstlern, auch meinen Vereinskollgen Andreas Hähle. Er sollte heute das Programm moderieren und er klärte mich erst einmal auf, dass Reinhard Fißler noch nicht weiß, warum er heute hierher geholt wird. Ihm sei gesagt worden, hier tritt DIRK MICHAELIS auf. Gelogen hatte man damit nicht, denn Michaelis würde tatsächlich einen Auftritt haben ...

Kurz vor Beginn der Veranstaltung fuhr man "Reini" mit Bett in den Zuschauersaal auf seinen angestammten Platz vor der Plakatwand. Um 18:00 Uhr begrüßte Andreas Hähle die Gäste im Saal und bedauerte sagen zu müssen, dass DIRK MICHAELIS noch nicht da sei. Na, sowas ...?!b 20140511 1255879974 Er stehe noch im Stau, aber glücklicherweise waren ja einige Künstler anwesend, die auch DIRK MICHAELIS sehen wollten. Ganz "spontan" erklärten sich SIMONE KOTOWSKI und BERND BANGEL bereit, die Zeit mit etwas Musik zu überbrücken. Bernd nahm seine Gitarre und Simone ging ans Mikrofon und beide sangen "Stand By Me". Als zweiten Song wechselte man die Sprache und sang auf deutsch, "Als wir Kinder waren".

Nach dem Auftritt der beiden war DIRK MICHAELIS aber immer noch nicht da. Der Stau schien doch ziemlich heftig zu sein und so entschloss sich THOMAS PUTENSEN, der auch im Saal war und auch seine beiden Musiker Christoph Keck (drums) und Jörg Nassler (git) bei sich hatte, weitere Zeit mit etwas Musik zu überbrücken. PUTENSEN setzte sich an das Piano, seine beiden Kollegen plus noch ein Posaunisten, der sich spontan anschloss, ergriffen die Instrumente und los ging es. Mit "Graue Stadt", "Mann, das wird ein Sommer" und "Mecklenburg" verging weitere Zeit. Die beiden Musiker Jörg Nassler und Christoph Keck gehören auch zur Gruppe LIAISONG, und die Sängerin der Band, Dunja Averdung, gesellte sich jetzt zu ihnen. LIAISONG spielte drei Titel, zum Teil getextet von Andreas Hähle. Auch nach ihrem Auftritt war von DIRK MICHAELIS noch immer nichts zu sehen. Also mussten weitere Künstler die Wartezeit überbrücken.

Also sprangen Ivonne Fechner und Bodo Kommnick ein. Beide musizieren bekanntlich ja nicht nur bei LIFT, sondern haben mit BLACKBIRD ein eigenes Projekt an den Start gebracht. Ivonne spielt an der Geige und Bodo auf der Gitarre. Als erstes spielten sie ein Instrumentalstück. Dem schlossen sich noch drei weitere Songs an, die von beiden gespielt und auch gesungen wurden.c 20140511 1995383694 Danach trat Andreas Hähle wieder ans Mikrofon und "Reini" erfuhr jetzt, für den Fall, dass er es nicht schon längst selbst geahnt oder gemerkt hatte, dass das mit dem Stau, in dem DIRK MICHAELIS stecken würde, Unsinn sei. Dieser Abend galt ausschließlich ihm und es war ja nicht das erste mal, dass für ihn ein Konzert für den "guten Zweck" veranstaltet wurde. Daraufhin ließ sich "Reini" ein Mikrofon bringen. Sein persönlicher Betreuer Siggi Tieke, der auch an diesem Abend in jeder Hinsicht für "Reini" da war, hielt es so, dass der "Gast des Abends" sprechen konnte. "Reini" war gerührt und erfreut zugleich, und bedankte sich herzlich. Natürlich wollte er er diesen Anlass nutzen, und auch etwas singen. Also setzte sich THOMAS PUTENSEN nochmal an sein Piano. Am Schlagzeug nahm RENFT-Schlagzeuger Delle Kriese Platz und die kleine Band wurde noch vom MODERN SOUL-Trompeter Ferry Grott ergänzt. "Reini" sang "Georgia On My Mind", das inzwischen längst SEIN Lied geworden ist. Als weitere Überraschung wurde ein Videoclip eingespielt, auf dem ihn seine Tochter Judith aus Spanien grüßte. Sie konnte leider an diesem Tag nicht selbst da sein, darum entstand dieses Video.

Ein weiterer Gast war HANS DIE GEIGE, der den Gitarristen und Sänger Frank Müller bei sich hatte. Wir bekamen unter anderem eine Bearbeitung des QUEEN-Hits "Bohemian Rhapsody" zu hören. Frank Müller sang einen eigenen Titel und begleitete dann HANS bei seinem nächsten Titel auf der Gitarre. Auf der Bühne ging es jetzt Schlag auf Schlag. Der nächste Gast war EVA KYSELKA. Sie wurde auf der Gitarre von Roberto Schumann begleitet. Roberto ist der Sohn des Musikers THEO SCHUMANN, dessen Combo in den 60ern und 70ern zahlreiche Erfolge in der DDR feiern konnte. EVA sang - von ROBERTO begleitet - JOHN LENNONs "Imagine", dazu die Klassiker "Me And Bobby McGee" und "Summertime".

d 20140511 1960184255Eine Darbietung ganz anderer Art bot "Reinis" Tochter Vivien Maurer. Sie führte eine Akrobatik-Nummer mit einem Strandkorb vor. Damit und mit der Kunst, sich extrem verbiegen zu können, versetzte sie alle Anwesenden in Erstaunen. Nach Viviens beeindruckender Show war dann tatsächlich DIRK MICHAELIS da. Viele Anwesende glaubten schon nicht mehr daran, dass der Auftritt des Mannes, dessen Name an diesem Tag schon für einigen Schwindel herhalten musste, tatsächlich noch stattfinden würde. Umso größer war die Überraschung ... DIRK begleitete sich bei den ersten zwei Titeln "Vergessen wir die Welt" und "Eins" auf der Gitarre und beim dritten Titel "Felsenfest" am Piano.

Wo ein DIRK ist, ist manchmal auch ein zweiter. Und der hieß am Donnerstag DIRK ZÖLLNER. "Scholle", wie ihn seine Freunde und Fans nennen, spielte Gitarre und sang natürlich. Begleitet wurde er von Francis String auf der Gitarre, Ferry Grott auf der Trompete und Christoph Keck am Schlagzeug. Auch DIRK ZÖLLNER hatte für den Abend drei Titel aus seinem Repertoire vorbereitet, die er zusammen mit seinen Musikern für "Reini" und das anwesende Publikum live spielte. Die Wege von "Scholle" und "Reini" kreuzten sich schon oft, u.a. sind sie Anfang des neuen Jahrtausends gemeinsam mit vielen anderen Musikern auf eine Israel-Tournee gegangen - davon gibt es sogar eine DVD. Patti Heidrich mit ihrer Band UNBEKANNT VERZOGEN war danach an der Reihe. "Reini" und Patti verbindet auch eine gemeinsame Geschichte, denn "Reini" hat auf dem Album "Piratenbräute" bei einem der Songs im Chor mitgewirkt. Auch die "postalisch nicht Erreichbaren" spielten drei Ihrer eigenen Titel, u.a. "Immer wieder nur die halbe Miete".

e 20140511 1974653200Das nun folgende Duo ist ein Teil von HAASE & BAND. CHRIS LASTELLE stammt aus Australien und er sang zur Gitarre drei Lieder. Auf dem Cajon und mit andreren Rhythmusinstrumenten begleitet wurde er dabei von TINA POWILEIT, die schon in den 80ern bei der Mädchen-Rockband MONA LISE und später bei GUNDERMANNS SEILSCHAFT für den richtigen Rhythmus sorgte. Danach betrat ein kleines Mädchen die Bühne. Es war "Reinis" Tochter Marleen, die hinter einem auf ihre Höhe eingestellten Mikrofon Platz nahm und ihrem Vater etwas auf dem Akkordeon vorspielte. Marleen war am Donnerstag die jüngste Künstlerin auf der Bühne und machte mit ihrem Instrument und ihrem Vortrag eine gute Figur!

Es folgte ein kleiner und sehr zügiger Umbau auf der Bühne, denn jetzt war eine Band in größerer Besetzung an der Reihe. Ferry Grott hatte ja bereits bei einigen Vorträgen schon mitgewirkt. Nun traten er und seine Kollegen von der MODERN SOUL BAND auf. Ferry wollte gerade den ersten Titel "Casablanca" ansagen, als Bandchef Hugo Laartz noch ein paar Worte an Reinhard richtet: "Reini, mir ist noch nie ein Held begegnet. Aber Du bist für mich einer!" Worte, die den Empfänger erreichten! Die MODERN SOUL BAND spielte nach "Casablanca" und "Im Traum" auch einen neuen Titel. "Der eiserne Turm" heißt das Lied, und wurde vor wenigen Wochen hier im "Neu Helgoland" zum allerersten Mal live vor Publikum gespielt. Am Donnerstag kam das Stück das zweite Mal zum Einsatz. Die Sängerin TINA ROGERS betrat als nächstes die Bühne. Sie war extra aus Thüringen angereist, um an diesem Abend beim "Konzert für Reini" dabei zu sein. Ihr erster Titel hieß "Help", und ist im Original von den BEATLES. Bei ihrem Vortrag wurde sie von THOMAS PUTENSEN am Piano begleitet. Die beiden nächste Titel, die TINA sang, ließen sich nur im Halbplayback aufführen, "Proud Mary", im Original von IKE & TINA TURNER, und "That's What Friends Are For", den sie zusammen mit EVA KYSELKA sang.

Die Band von ANDREA TIMM bestand an diesem Abend aus Michael Behm (dr), Axel Stammberger (git) und Frank Gommlich (bg), der ersatzweise für Marcus Schloussen eingesprungen war. Andrea und ihre Musiker spielten mit "Burnout" und "Los über Null" zwei Songs vom 2008er Album "Halbes ganzes Leben". Dazu präsentierten sie mit "Barfuß" einen ganz neuen Titel, der auf der kommenden CD zu finden sein wird. Nach den drei Songs von ANDREA TIMM und ihrer Bandf 20140511 1395427378 ließ sich "Reini" nochmal zu einem Duett mit ihr überreden. ANDREA und Reinhard sangen das Stück "Long Black Vail", eine Country Ballade, die bereits Joan Baez und Johnny Cash gesungen haben. Reinhard hatte dieses Lied früher auch in seinem Soloprogramm, ebenso wie auch ANDREA TIMM ihn in ihrem Repertoire hat. Also lag es nahe, das Stück einmal gemeinsam zu singen, und am Donnerstag war Gelegenheit dazu. Im Anschluss setzte sich SIMONE KOTOWSKI ans Piano und sang von NAT KING COLE den Song "When I Fall In Love". Unterstützt wurde sie dabei von Ferry Grott an der Trompete.

Die nächsten Musiker, die für ihren Freund "Reini" auf die Bühne gingen, waren CHRISTIANE UFHOLZ und EBERHARD KLUNKER. Sonst in einer Duo-Besetzung spielend, hatten sie am Donnerstag die Harp-Spielerin und Gitarristin Beata Kosowska als Verstärkung bei sich. Auch von ihnen hörten wir ein paar Songs aus aus ihrem Repertoire. Inzwischen hatte sich "Reinis" Tochter Vivien Maurer wieder etwas von ihren Anstrengungen der Akrobatik-Nummer erholt, und sang uns nun zur Gitarre das Stück "Dust In The Wind" von KANSAS. Zum zweiten Song bekam sie auf der Bühne Verstärkung durch Manuel Schmid, dem aktuellen Sänger der STERN-COMBO MEISSEN. Beide trugen dann einen Song vor, der schon einige Jahre auf dem Buckel hatte, als die Beiden zur Welt kamen. Vom "Weißen Album" der BEATLES spielten sie das Stück "Blackbird". Hier schloss sich ein Stück weit auch der Kreis, als "Reinis" Nachfolger bei der Combo zusammen mit seiner Tochter auftrat. Auch die nächsten Generationen machen es den Alten nach und machen Musik. Nicht irgendeine Musik, sondern die der Väter (und Großväter). Das wird Reinhard sicher stolz machen.

Als letzte Künstler dieses Abends musizierten jetzt Manuel Schmid und die Tänzerin Dagmar Heinrich gemeinsam. Manuel spielte Piano, Dagmar sang zusammen mit Manuel den Titel "In jener Nacht", vor vielen Jahren von Franz Bartzsch geschrieben und zusammen mit Veronika Fischer gesungen. Der letzte Titel war "Du komm her" von der STERN-COMBO MEISSEN, gesungen von Manuel Schmid. Dagmar bewegte sich dazu tänzerisch in Richtung "Reinis" Krankenbett.

Damit hatte der Abend, der eigentlich spätestens um 23:00 Uhr beendet sein sollte, irgendwann nach 23.30 Uhr seinen Abschluss gefunden. Trotzdem jeder Musiker oder Band nur drei Lieder spielte, konnte der zeitliche Rahmen nicht eingehalten werden.g 20140511 1413844048 Das machte aber rein gar nichts, denn umso länger konnte man das Konzert genießen. Und es war definitiv ein Genuss! Alle zu dieser Zeit noch anwesenden Künstler kamen noch einmal auf die Bühne und bedankten sich beim Publikum und grüßten nochmal den Mann am Bühnenrand.

Nach dem musikalischen Teil hatte ich noch Gelegenheit, neben einigen anderen Gesprächen auch noch ein paar Worte mit Reihard Fißler zu wechseln. Er trug mir auf, einen ausführlichen Bericht zu schreiben. Ich glaube, das mit der "Länge" dürfte mir gelungen sein. Der Abend und die vielen Überraschungen haben ihm sehr gut gefallen. Viele Weggefährten und Freunde waren dabei, haben von der Bühne aus herzliche Worte an ihn gerichtet und neben ihren Auftritten auch noch etwas Zeit gefunden, zu ihm ans Bett zu kommen und ein wenig zu plaudern. Wohl dem, der so gute Freunde hat!

Der Saal leerte sich nun allmählich und auf der Bühne wurde abgebaut. Die Technik wurde an diesem Abend von Andy Krause betreut und viele Künstler äußerten sich zufrieden über seine Arbeit. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass das Licht in den Pausen nicht immer fast bis zur völligen Dunkelheit runter gedimmt und dann erst im Laufe der nächsten Darbietung wieder allmählich hochgefahren wurde. So verpasst der Fotograf möglicherweise Momente, die festzuhalten wert gewesen wären. Ansonsten haben die Jungs an der Technik aber wirklich ihren Job gut gemacht.



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