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Bericht:
Thomas Müller

Fotos:
Gerd Müller


 

No-Man-Konzerte sind selten, sehr selten! Hierzu aber gleich mehr im Verlauf dieser Rezension.
Hinter No-Man verbirgt sich nichts Geringeres als das älteste Projekt von Mastermind Steven Wilson (Porcupine Tree, Blackfield, Bass Communion, Storm Corrosion, Solo usw.), das er im Jahre 1987 zusammen mit Sänger Tim Bowness ins Leben gerufen hat - damals noch unter dem skurrilen Namen No Man Is An Island (Except The Isle Of Man). Die Musikrichtung wird gerne mit Art Rock, Trip Hop, Ambient und Dream/Elektro Pop beschrieben. In ihren Anfängen wurden No-Man von der englischen Zeitung Melody Maker gar als die wichtigste englische Musikgruppe seit den The Smiths betitelt, schafften aber nie den Durchbruch.
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Wilson startete unterdessen mit Porcupine Tree durch, und vor allem deshalb blieben Auftritte von No-Man sehr rar gesät. Allerdings vergaß der Multi-Instrumentalist sein Herzensprojekt nie. In unregelmäßigen Abständen trafen und treffen sich Wilson und Bowness, um ein Album aufzunehmen - zuletzt "Schoolyard Ghosts" (2008), das sechste ‚reguläre' Album der Bandgeschichte. Im selben Jahr feierten No-Man mit einer Mini-Tour ihr Bühnen-Comeback nach sage und schreibe 15 Jahren - von einem einzigen Auftritt in Norwich (2006) abgesehen. Damals konnten sie u. a. bei Theateratmosphäre im Savoy in Düsseldorf bewundert werden oder in Londons Bush Hall, die als Kulisse für eine gelungene Live-DVD ("Mixtaped", 2009) diente (siehe dazu unten auch den eingefügten Video Clip sowie Gerds Musicpage, wo das Düsseldorfer Konzert ausführlich dokumentiert wurde).

Weil No-Man so selten und kurz touren, haben sich Fans aus halb Europa auf den langen Weg nach Unterfranken gemacht, u. a. aus der Ukraine, der Schweiz, aus Spanien und Schweden. Der Colos-Saal war mit etwa 300 Zuschauern zwar eher spärlich besucht, allerdings teilte Bowness zwei Tage später seinen Facebook-Fans mit, dass er mit der Zuschauerzahl zufrieden gewesen sei, besonders in Anbetracht dessen, dass kaum die Werbetrommel für den Gig gerührt und dieser sehr kurzfristig gebucht worden sei.

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Pünktlich um 20:00 Uhr drehte der Lichttechniker den Dimmer nach unten, und die Zuschauer wurden zunächst mit den unendlichen, ambienten Klangteppichen von Bass Communion in Stimmung gebracht. Kurz vor 20:30 Uhr betraten nacheinander alle sieben Bandmitglieder die Bühne und legten los. Nein - halt! Genauer gesagt begann das Konzert mit dem Titelsong des Albums "Together We're Stranger" (2003) eher ruhig und gemächlich. Bowness, der auf der Bühne in sich gekehrt, ja fast schon gelangweilt wirkt und oft mit geschlossenen Augen singt, nimmt die Zuschauer mit seiner unvergleichbaren melancholischen Stimme gleich von Beginn an mit in seine Welt - im Saal war es fast schon andächtig still. Im Folgenden wurde es durchaus auch rockig und verspielter. Vor allem das Ende von "All the Blue Changes" mit der fantastischen Violinen-Untermalung des sympathischen Steve Bingham sei hier speziell hervorzuheben.

Nach dem Oldie-Dreierpack "Pretty Genius", "My Revenge on Seattle" und "Carolina Skeletons" wurde mit "Warm-up Man Forever" ein brandneuer Song präsentiert, der erst einen Tag zuvor in Krakau Premiere feierte. Dieses fetzige, durchaus eingängige und von exzellenter Percussion begleitete Stück wurde sehr positiv vom Publikum aufgenommen. Möglicherweise ist hier bereits eine Tendenz erkennbar bzw. hörbar, wie das neue Album, das sicherlich irgendwann kommen wird, klingen könnte. Zwischenrein scherzten die diesmal sehr redefreudigen ‚Frontmänner' immer wieder miteinander. Vor dem Lied "Beaten by Love" fragte Bowness das Publikum, wo in Deutschland Mad Max leben würde. Wilson drückte sich weniger vornehm aus: "What's like the shittiest place to live in Germany?" Bei der demokratischen Abstimmung lag eindeutig Offenbach an erster Stelle (die Aschaffenburger werden schon wissen, warum!), was auch Wilson ein Lächeln entlockte.

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Ein persönliches Highlight war das letzte Konzertdrittel mit dem wunderbaren "Close Your Eyes" inklusive rockigem Instrumentalteil, "Wherever There Is Light" - Wilson gab zu, bei diesem Stück einen ziemlichen Bock geschossen zu haben; zu seiner Erleichterung schien dies aber kaum jemand bemerkt zu haben - oder dem langen, aber keineswegs langweiligen "Mixtaped". Mit "Things Change" und "Back When You Were Beautiful", das ebenfalls am Abend zuvor seine Feuertaufe auf einer Live-Bühne bestand, wurde das gut 110-minütige Konzert perfekt abgerundet. Die Engländer verbeugten sich artig und wurden unter begeisterndem Jubel verabschiedet.

Ein Fan aus Kiew besuchte als Bonus noch das Konzert in Köln am darauf folgenden Tag. Wenn man schon in der Nähe ist... Außerdem weiß ja jetzt jeder Leser dieser Rezension: No-Man-Konzerte sind selten, und eine Tour besteht aus nur sehr wenigen Terminen!

Die Band:
Tim Bowness (Gesang)
Steven Wilson (Gitarre)
Michael Bearpark (Gitarre)
Steve Bingham (Violine)
Stephen Bennett (Keyboard)
Pete Morgan (Bass)
Andrew Booker (Drums)

Setlist:
(Intro)
Together We're Stranger
All the Blue Changes
Pretty Genius
My Revenge on Seattle
Carolina Skeletons
Warm-up Man Forever
Only Rain
Time Travel in Texas
Lighthouse
Beaten by Love
Close Your Eyes
Wherever There Is Light
Days in the Trees
Mixtaped
Encore:
Things Change
Back When You Were Beautiful

 


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Bitte beachtet auch:
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- Homepage des Colos-Saal in Aschaffenburg: www.colos-saal.de

 


 

Video-Clip:
Mitschnitt des Songs "All The Blue Changes" aus The
Bush Hall in London vom 29. August 2008 (Sound-Beispiel)
 
 

 

Live-Impressionen:

 


   
   
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