a 20121216 1990253645Bericht:
Fred Heiduk

Fotos:
Matthias Ziegert,
Sebastian Ziegert

 

Ein Wiedersehen mit den "FUSION-Bands"
Mal wieder ein Freitag und mal wieder ein Termin, den man auf gar keinen Fall unbeachtet verstreichen lassen durfte. Freitag der 5. Oktober in Magdeburg. Ein Termin der schon seit Monaten auf meiner Konzertbesuchsliste ganz oben stand. Die STERN-COMBO MEISSEN, die ich mit Werther Lohse und Bodo Kommnick am Mikrofon vor ein paar Wochen in Dresden gesehen hatte, hatte jetzt nach Magdeburg eingeladen. Das allein ist zwar durchaus immer eine Reise wert, aber im Grunde nicht wirklich ein Grund, dabei sein zu müssen. Das "Muss" ergab sich aus anderen Gründen. Zum einen waren neben den Sternen aus Meißen die Magdeburger Urgesteine KLOSTERBRÜDER avisiert und wie um dem die Krone aufzusetzen, wurde gemunkelt, dass beide Bands das Konzertprogramm aus dem Jahr 1976 nochmals - zumindest in Teilen - aufführen würden, mit dem sie damals zusammen als FUSION durch die Lande tourten. Das wäre für den Ostrockfan etwa so etwas gewesen, wie die Aufführung von "The Wall" vor einem guten Jahr für die Musikfans allgemein. Zwar zeichnete sich bereits früh ab, dass aus dem ehrgeizigen Projekt doch nichts werden würde, aber es blieb dennoch ein weiterer guter Grund neben dem Wiedersehen mit den KLOSTERBRÜDERN am Freitagabend nach Magdeburg zu reisen: Die STERN-COMBO MEISSEN hatte angekündigt, eventuell einen Teil des Abends mit einem neuen Sänger bestreiten zu wollen. Jede dieser Aussichten ein guter Grund, im Magdeburger Alten Theater dabei zu sein.

Das "Alte Theater" ist, wie der Name sagt, ein ehemaliger Theatersaal mit einer gewaltigen Bühne, vor der sich ein großer unbestuhlter aber trassierter Saal öffnet. Auf 5 der 6 Stufen des Saals waren an diesem Abend Stuhlreihen aufgebaut, so dass etwa 200 Gäste das Konzert sitzende verfolgen konnten und dennoch eine sehr große Fläche unmittelbar vor der Bühne frei blieb, die sich bis zum Konzertbeginn recht gut füllte. Die, die es bis 21:00 Uhr ins "Neue Theater" schafften, haben einen durchaus denkwürdigen Konzertabend erleben dürfen. Zum einen begeisterten die KLOSTERBRÜDER mit einem großen Auftritt, und zum anderen bestand Manuel Schmid, eben erwähnter neuer Sänger der Combo, seine große Feuertaufe mit Bravour. Aber der Reihe nach.

Kurz nach 21:00 Uhr ging das Licht im Theatersaal bis auf die Bühnenbeleuchtung aus und Dietrich Kessler, Jörg "Matze" Blankenburg, Bernd Schilanski, Andreas Kuhnt sowie ein fünfter, mir bis dahin nicht bekannter Musiker nahmen ihre Plätze auf der Bühne ein. Zu den ersten Klängen erschien dann unverwechselbar im schwarzen Ledermantel, mit wehendem Haar HaJo Kneis und der Saal tobte zum ersten Mal. Eine ganze Reihe der Zuschauer war ganz offensichtlich vor allem wegen der Gelegenheit, die KLOSTERBRÜDER noch einmal live spielen zu sehen, gekommen. Und sie sollten ein tolles Konzert der Magdeburger Urgesteine geboten bekommen. Nach HaJos Auftritt, gab es sofort das erste musikalische Achtungszeichen, gesetzt von Dietrich Kessler, der auf Basis des Intros der Band sein Markenzeichen, die Querflöte, ertönen ließ, was das Publikum erneut zu Jubel animierte.

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Wie die Band es machte, kann ich nicht sagen. Auch die Musiker wussten nach dem Konzert keine rechte Antwort, lächelten vielmehr ein wenig verlegen und vielleicht auch ein wenig froh, womöglich gar dankbar über den allgemeinen Zuspruch zu ihrem Auftritt und die Frage, wie das geht, dass man nach nur einem Tag intensiver Proben so ein gelungenes Konzert spielen kann. Und das ist ja in der Tat geradezu unbegreiflich. Es mag mit dem mir bisher unbekannten fünften Mann in der Band, den Keyboarder Peter Eichstädt, zu tun haben. Der spielte, als habe er nie etwas anderes als diese Musik gespielt, und gab der gesamten Band irgendwie sowas wie einen melodischen Rahmen, in dem jeder der anderen Musiker erst richtig zur Geltung kam. Zusammen mit dem einmal mehr bewundernswert guten Spiel von Bernd Schilanski am Schlagzeug, der gemeinsam mit Andreas Kuhnt am Bass die Band rhythmustechnisch auf Linie hielt, war das für mich die Grundlage auf der Dietrich Kessler mit seinem Saxophon oder der Querflöte und Matze Blankenburg immer wieder brillieren konnten. Das war das 4. Konzert der Klosterbrüder in 3 Jahren, Zahlen über die die echten Altfans nur müde lächeln werden, doch so gut wie am Freitag, hab ich die Band noch nicht erlebt.

Mit jedem Lob zu einem der Musiker würde man einem anderen aus der Band Unrecht tun. Doch was HaJo Kneis gesangstechnisch ablieferte, grenzte an Zauberei. Der Mann ist jenseits der 60, hat sicher ein bewegtes Rockerleben und einiges mehr hinter sich, und singt die Höhen so locker wie ein Junger. Dazu legt er seine gesamte Lebens- und Bühnenerfahrung in seinen Vortrag - das muss man schlicht gehört haben. Jeder Versuch einer Beschreibung ist hier unzureichend. Als ich Hajo so bescheiden wie eh und je habe singen hören, ging mir der Gedanke durch den Kopf, dass jeder Zweite irgendeinen Preis bekommt - der eine die Henne, der andere 'nen Löwen und wieder ein anderer einen Bambi oder 'ne Goldene Kamera, hier ein Award und da ein Pokal. Nur die, die wirklich was drauf haben, die was geleistet und bewegt haben, die gehen leer aus. Von denen wird heute keine Notiz mehr genommen. Ok - die Ungeehrten legen meist keinen Wert mehr auf derartige Orden und Ehren. Ihnen ist es genug zu wissen, tief in den Herzen derer zu sein, die sie und ihre Geschichten kennen. Aber mir ist es ein fortwährender Quell grüngelben Zorns, dass großen Musikern wie HaJo Kneis, Stefan Trepte, Reinhard Fissler oder einem Cäsar Peter Gläser (die Liste ließe sich ja fast beliebig fortsetzen) nicht die Anerkennung zu Teil wird, die ihnen zusteht. Doch zurück zum Konzert der KLOSTERBRÜDER.

Das begann ohne große Vorreden mit "Untreue Freunde". Den Titel brachte die Band genau so rüber, wie die Zuschauer es erhofft haben. Die Erinnerungen waren sofort wieder da. 11 Töne unterbrochen von 2 Pausen - das Grundmotiv, das, getrieben vom Bass Kuhnts im Zusammenspiel mit Matzes Gitarre leicht variiert, mehrfach wiederholt wird und dann in den Refrain mündet, von dem es heißt, er wäre wegen des Wechsels der Musiker Gisbert Piatkowski und Ritchie Barton zu CITY geschrieben worden und hätte wegen befürchteter textlicher Zweideutigkeiten - untreue Freunde passte zu DDR Zeiten ja wirklich auf unglaublich Vieles - sowohl als Metapher als auch ganz direkt - neu geschrieben werden müssen. Bereits in diesem ersten Stück wurde deutlich, dass der Mann an den Tasten ein richtig Guter ist. Sein Spiel trug die Melodie mehr oder weniger, so dass sich Dietrich Kessler zum Beispiel erneut eine kleine Soloeinlage auf seiner Querflöte leisten konnte. Der Applaus nach dem Stück konnte sich hören lassen. Es war, als wäre Magdeburg nach Wochen erstmals wieder mit guter Musik beschenkt worden. Schlicht und einfach - Euphorie.

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Für ihr zweites Stück, bekamen die Herren dann gleich zu Beginn Szenenapplaus, da der eine oder andere Konzertbesucher den Song "Walking in the Park", eine der Colosseum Nummern, für deren Cover die Band vor Jahr und Tag berühmt war, erkannt hatte. Und da ging auch 2012 die Post ab. Man spürte, wie wohl sich die KLOSTERBRÜDER in diesem Metier fühlen. Was für ein Sound, wenn Didi Kessler die paar sich immer wieder wiederholenden, kurzen Töne auf seinem Saxophon anbläst, die Hajo Kneis Gesang so großartig unterstützen. Jazzrock vom Allerfeinsten. Dass auch die Musiker Spaß an dieser Musik hatten, zeigten die Vokalisen die Hajo Kneis einflocht und mit denen er sich ein kleines, kurzweiliges Gesangsduell mit Matze Blankenburg lieferte. Allerdings kam gerade an der Stelle etwas Wehmut auf. Was wäre das für ein Konzert geworden, hätte man die Fusions-Idee umgesetzt. Daraus wurde aber nichts, und so musste sich das Publikum mit zwei normalen Konzerten zufriedengeben und hatte dadurch das Vergnügen, auch die alten, deutschsprachigen Klösterbrüderklassiker, zu Gehör gebracht zu bekommen.

Vielleicht weil er so gut ankam, folgte mit "Stormy Monday" ein weiteres Cover. Dieses Mal ein waschechter Blues, der der Band nur so aus dem Herzen zu wachsen schien. Auch bei dem Titel konnten sich wieder ein paar Musiker auf der Bühne besonders auszeichnen. Matze spielte einen traumhaften Gitarrenpart und Peter Eichstädt legte einen Tastenpart hin, der zum einen an alte Hammond Orgel-Zeiten erinnerten und zum anderen zeigte, wie stark er in die KLOSTERBRÜDER-Gedankenwelt eingetaucht ist. Eichstädt ist ein echter Gewinn für die Band. Diesen beiden englischen Titeln folgte nun wieder ein deutschsprachiges Stück. "Wenn ich zwei Leben hätt" ist zweifelsohne ein Klassiker des Ostrock und wurde zumindest im Refrain kräftig mitgesungen.

Dann wurde es wirklich spannend. Denn die Keys setzten unverkennbar zu "Locomotive Breath" ein und man hätte meinen können, gleich die echten "Tulls" erleben zu können. Dietrich Kessler trieb mit der wohl bekanntesten Melodie für eine Querflöte, eben dem bekannten Motiv aus "Locomotive Breath", die Spannung auf die Spitze, die gelöst wurde, als die übrige Band mit den 5 Tönen, die wohl jeder Rockfan im Schlaf wiedergeben könnte, in den Song einstieg und Andreas Kuhnt die erlösenden Worte ins Mikro sang: "In the shuffling madness of the locomotive breath ...". Dann spielte die Band das gesamte Stück, vor einem Publikum, das wie in Trance war. So muss es wohl auch vor 40 Jahren gewesen sein, wenn dieses Lied gespielt wurde. Ein Stück der großen Welt, die man damals nicht erreichen konnte. Heute gerät das Publikum ob der Erinnerungen, aber auch wegen der Klasse der Band, in Verzückung. So auch bei Kesslers großem Solo auf der Querflöte, das mit bekannten Motiven nur so gespickt war, bevor er einen Titel der KLOSTERBRÜDER "Heiß und kalt" anriss, der deutlichst zeigte, welche Klasse die Eigenkompositionen der KLOSTERBRÜDER hatten. Die stehen den zuvor angespielten großen Rockklasikern in nichts nach.

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HaJo Kneis kündigt dann auch einen der jüngeren KLOSTERBRÜDER-Titel an, der allerdings auch 30 Jahre auf dem Buckel haben dürfte - "Vorsicht Glas", bei mir der absolut stimmige Satzgesang zwischen Kessler und Kneis besonders auffiel. Bei den KLOSTERBRÜDERN geriet an diesem Abend selbst die Vorstellung der Band zum Spektakel. Nicht nur, dass jeder gebührend gefeiert wurde, es gab auch noch einen richtig guten Gag. HaJo stellte Matze Blankenburg als das Urgestein der Band vor, dass immer wieder vorgeholt würde und auf das man nach wie vor bauen würde, worauf hin Matze einwarf "...aber nicht aus der Kiste. Doch wenn wir noch ein paar Jahre machen...". Das war derart schlagfertig... Der Saal lachte lauthals, auch wenn das in gewisser Weise ein Lachen gegen die Zeit war. Doch an diesem Abend war es eher ein Auslachen der Zeit, denn die Band wirkte geradezu frisch und voller Tatendrang, als könne ihr auch die Zeit nichts anhaben. Wie um das zu bestätigen, folgt mit dem Freddi King Klassiker "I'm tore down", der später als Cover von Eric Clapton bekannt gemacht wurde, ein Stück, bei dem die KLOSTERBRÜDER noch einmal alle Register zogen und Feuer in der Hütte machten. Man muss es erlebt haben, wie scheinbar mühelos sich HaJo Kneis hier in Höhen schwang, die manchem seiner Kollegen selbst bei größten Anstrengungen verwehrt bleiben und die Töne dabei locker und dennoch voller Power gegen die Band hielt. In einigen Passagen in denen er voll aussang, konnte man auf den Gedanken kommen, der Raum sei zu klein für so viel geballte Energie und die Spielfreude der Band. Die dokumentiert sich nicht zuletzt auch in einem beeindruckenden Gitarrenpart von Matze Blankenburg, bei dem er wieselflink seine Finger über den Gitarrenhals laufen ließ. Das war toll anzusehen und ein Fest für die Ohren.

Jedem im Saal war wohl klar, dass nun langsam aber sicher das Ende dieses fulminanten Konzertblocks nahte. So kündigte HaJo dann auch das letzte Lied an. "Was wird morgen sein" wurde dann noch einmal zu einem Galaauftritt der 6 Musiker. Deutlicher als bei vielen der zuvor gehörten Titel zeigte die Band wie gut sie harmoniert. Da übernahm das Keyboard die Tonlage von Hajos Gesang, um die Melodie an Dietrich Kesslers Saxophon weiterzugeben, von wo aus sie Matze Blankenburg mit seiner Gitarre übernahm um nochmals groß aufzuspielen. Das war musikalisch und handwerklich einfach gekonnt. Eine tolle Idee super umgesetzt.
Natürlich ließ das Publikum die alte Garde nicht so ohne weiteres gehen. Nach gefühlten 5 Minuten tosendem Applaus kam die Band zu einer Zugabe zurück auf die Bühne und erbot Magdeburg mit "Verkehrte Welt", der Geschichte der Magdeburger Halbkugeln, ihre Reminiszenz. Doch dann war nach einer guten Stunde wirklich Schluss mit den KLOSTERBRÜDERN, die einen ganz starken Eindruck hinterlassen haben und entsprechend gefeiert wurden. Ich wünschte mir, die Band nicht erst wieder in einem Jahr erleben zu dürfen und vielleicht doch irgendwann nochmal eine große Jazzrock Mugge mit Kneis und Co, da heute keine andere Band so authentisch diese Musik rüberbringen kann. Die KKLOSTERBRÜDER jammen zu sehen, denn was sie machen ist mehr als nur ein Konzert spielen, kann ich nur wärmstens anempfehlen, denn das ist ein Fest für die Ohren.

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Nach einer kurzen Umbaupause kam dann die zweite Band auf die Bühne. Die STERN-COMBO MEISSEN war angetreten, und mit ihr ein neuer Sänger. Manuel Schmid, ein junger Mann von noch nicht einmal 30 Jahren hatte in Magdeburg seine Feuertaufe in einem großen Konzert. Zuvor hatte er die Band intern überzeugt, und war mit einigen Liedern bereits in Torgau an der Seite Werther Lohses zu erleben gewesen. Da Werther Lohse an diesem Abend aber kurzfristig ausfiel, musste Manuel Schmid unplanmäßig das gesamte Konzert bestreiten.

Die STERN-COMBO MEISSEN eröffnete das Konzert mit TNTK, so dass der junge Mann noch nicht auf die Bühne musste. Manuel Schmid wurde nach dem Titel von Martin Schreier, dem großen alten Bandleader der Combo, angekündigt. Doch diese Ankündigung geriet aus meiner Sicht zum Fiasko, auch wenn das keinen Einfluss auf das Konzert hatte. Ich nehme an, Martin Schreier wollte witzig sein bei seiner Präsentation. Aber im Grunde redete er sich um Kopf und Kragen. Denn er verstieg sich sinngemäß zu der Äußerung: "...viele wissen, wir hatten nach Reinhard Fißler etwas Pech mit unseren Sängern. Jetzt haben wir einen neuen, jungen Sänger und sind optimistisch, dass er gut zur Band passt." Das ist jetzt nicht wort-wörtlich wiedergegeben, aber inhaltich kam diese Aussage und der dahinter versteckte Gedanke an - nicht nur bei mir! Und dazu kann ich nur sagen: Falsch Martin - ganz falsch! Ihr hattet mit euren Sängern immer ein Bärenglück. IC Falkenberg komplett zu vergessen, der immerhin für die kommerziell erfolgreichste Phase der Band stehen dürfte und ganz maßgeblich Anteil daran hat, dass die STERN-COMBO MEISSEN das Jahr 2000 aktiv noch erlebt hat, ist schwach - um es nicht drastischer auszudrücken. Und dass nach der Trennung von der halben Band samt IC Falkenberg, Larry B. das Mikro der nunmehrigen STERN-COMBO MEISSEN in die Hand nahm, das darf getrost ebenfalls als Glücksfall für die Band betrachtet werden. Ich behaupte, dass er der Band sogar den Hintern gerettet hat. Musiker sind irgendwie doch alle irgendwie ersetzbar. Aber einen Frontmann ersetzen zu müssen, also Gesicht und Stimme einer Band, das hat so manch' große Kapelle aus der Bahn gehauen. Ihr habt es geschafft, nicht zu kentern. Aber ganz gewiss auch Dank eines Larry B, dessen Stimme in einigen Facetten der von Reinhard Fißlers sehr ähnelt, was bei vielen Fans gut ankam und den Zorn über die Trennung von IC Falkenberg deutlich milderte. Kaum ein anderer Sänger hätte den Stilwechsel in dem nicht unkomplizierten Umfeld derart souverän bewältigt, behaupte ich. Zudem war er bei den Fans überaus beliebt. Der von vielen unverstandene Abgang Larrys und seiner Kollegen, den man sicher in seiner Art und Weise hinterfragen darf, steht auf einem ganz anderen Blatt. Larry war in den Augen der meisten Fans ein Glücksfall für die Band. Die bandinternen Probleme interessieren dabei die Fans herzlich wenig. Die derart polarisierende und dumme Äußerung hat Manuel Schmid den Start sicher nicht erleichtert, auch wenn er das vielleicht gar nicht so verstanden hat. Die Frage ist - was sagen die Fans zu diesem Lapsus? Ich für meinen Teil kann nur sagen: Manuel Schmid ist in dieser Hinsicht nichts, aber auch gar nichts anzulasten. Martin Schreier hat sich verbal vergaloppiert und ausschließlich er. Man sollte da nichts der Band und schon gar nicht Manuel anlasten. Der hat sich bemüht einen guten Einstand zu geben, das Publikum zu überzeugen und genau davon möchte ich im Folgenden berichten.

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Das erste Lied, das ich von dem Neuen hörte, war "Die Sage". Dabei fiel sofort auf, dass Manuel Schmids Stimmlage vergleichsweise hoch ist. Dadurch wirkte das bekannte Lied doch verändert. Außerdem sang Manuel hier vergleichsweise rund. Er verschliff sozusagen die meisten Wortenden, wo man früher gewohnt war, den Gesang eher zackig, eckig ein wenig dem Trommelschlag folgend zu hören. Wie gesagt, das war ungewohnt, was aber nicht heißt, dass der Vortrag schlecht gewesen wäre. Manuel war ruck zuck im Lied und traf jeden Ton. Die brachen auch in erstaunlichen Höhen nicht - ganz im Gegenteil, dort wirkte er sogar fast sicherer. Was zudem auffiel, der Stimme schien etwas Volumen, vor allem bei den tieferen Tönen, zu fehlen, worauf ich allerdings nichts gab, denn das war für den jungen Mann schließlich das erste Lied als Sänger einer Kultband vor einem großen Publikum. Ich kann mir vorstellen, dass viele bei dem Gedanken weiche Knie bekommen hätten, und das vielleicht unterschwellig auch Manuel nicht kalt ließ. War vieles bei diesem ersten Lied neu und ungewohnt, so fielen zwei Dinge jedoch sehr positiv auf. Zum einen der Satzgesang mit Martin Schreier. Das war absolut wohlklingend, stimmig und rund. Zum anderen hatte ich das Gefühl, die Band spielt besonders präzise und nimmt sich dabei in dem Maß zurück, wie der Sänger das brauchte. Ich hatte das Gefühl, man musizierte ganz bewusst zusammen und arbeitet zu keinem Zeitpunkt nach dem Prinzip, Gesang und Instrumente liefern sich einen Wettstreit. Dem Publikum gefiel ganz offensichtlich was es zu hören bekam. Dazu machte Manuel Schmid eine recht gute Figur auf der Bühne. Sein Outfit war prima. Schlicht aber sehr passend und gepflegt. Seine Gestik verbesserte sich von Ton zu Ton und mit seiner Mimik überzeugte er von der ersten Sekunde an. Ein ungemein sympathischer Typ, wie er da so stand und sich an einem großen Lied mühte, dass weit älter als er selbst ist. Ob es seine bereits gesammelte Bühnenerfahrung war oder etwas anderes, vielleicht nur ein glücklicher Umstand und ein wenig Wohlgefühl, da offensichtlich alles halbwegs lief und große Katastrophen ausblieben - er machte seine Sache richtig gut. Ich glaube, nach dem ersten sehr kräftigen und aufmunternden Beifall, der als Anerkennung nur Manuel galt und ihm symbolisch ein "Das hast Du gut gemacht" übermitteln sollte, war das Eis gebrochen, und er konnte sich noch besser auf seinen Part, den Gesang, und die teilweise für ihn recht neuen Lieder konzentrieren. Das Publikum stand erkennbar hinter dem jungen Mann und gab ihm so bestimmt etwas Selbstvertrauen.

Mit Spannung erwartete ich dann den zweiten Titel. die "Zeder von Jerusalem". Das verbinde ich komischerweise stark mit Larry B., wohl weil es von der neuen CD ist und er im Refrain dem Titel seinen Stempel in einer ungewohnten Stimmlage aufdrückte. Wie würde sich das bei Manuel Schmid anhören? Es war zu erahnen, dass das gut klingen würde, war doch der Satzgesang bei der Sage schon bemerkenswert. Bei der Zeder, wo er ja wesentlich mehr Druck in den Gesang bringen muss und zudem alles etwas höher angelegt ist, konnte Manuel Schmid daher geradezu spielerisch überzeugen, auch wenn ich fand, dass er noch immer damit beschäftigt war, schön und richtig zu singen, statt in der Musik sozusagen aufzugehen. Dennoch war es wirklich überzeugend was er anbot. Wie ich im Nachhinein feststellen konnte, lässt die Interpretation hoffen, dass das Lied zu einem der kommenden Höhepunkte der Combo-Konzerte wird. Das ist seine Stimmlage, das ist das was er richtig gut kann, und das wird er demnächst singen, dass man richtig angerührt sein wird. Dass es so kommen kann, zeigte der Beifall nach dem Song, der sogar noch kräftiger ausfiel als bei der Sage.

Stand Manuel, der neue Frontmann, bisher eher einfach so auf der Bühne, animierte er nach dem zweiten Titel erstmals das Publikum. Und das machte, was der junge Mann erwartete. Es ging mit, ganz wie Manuel Schmid es wünschte. Für mich war es der Moment, an dem der neue Sänger in der Band endgültig angekommen war. Vor der Bühne stand sein Publikum, und er hatte es. Großen Respekt. Nach nur zwei Titeln einen großen Saal gepackt zu haben, ist eine reife Leistung, auch wenn der Neuling-Bonus sicher ein wenig eine Rolle spielte. Doch der eigentliche Grund, weshalb das Publikum ihm nach so kurzer Zeit mehr oder weniger ergeben war, ist die Leistung, die er bei den ersten zwei Titeln brachte, und seine natürliche unkomplizierte und ehrliche Ausstrahlung auf der Bühne.

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Was auch immer es war, den folgenden Titel "Stundenschlag" sang Manuel nicht mehr nur "schön" und richtig, sondern mit bewusstem Ausdruck hier und da. Dadurch wirkte er irgendwie natürlicher als speziell beim ersten Titel, und gab dem Stück etwas von sich mit. Das gefiel mir und zeigte in gewisser Weise, dass Manuel Schmid nur ein paar Konzerte mehr spielen muss, um spätestens dann allen Songs seine persönliche Note zu verleihen - weil er dann auch alle Stücke verinnerlicht haben wird. Das war jetzt wohl noch nicht in jedem Fall so, auch wenn jedes Stück mehr als akzeptabel war. Ich bin mir sicher, dass er in Zukunft die Band und ihre Musik mit seiner Frische bereichern wird. In einzelnen Textzeilen, teilweise sogar bei einzelnen Worten konnte man aber am Freitag schon erkennen, welche Kraft, Energie und Leidenschaft er in seine Interpretationen legen kann. Die erste Zeile des Refrains vom "Stundenschlag" wurde so zu einem Moment, wo es sich genauer hinzuhören lohnte. Hier wurde besonders deutlich, dass Manuel nicht schematisch singt, sondern mit Seele. So gleicht er sogar teilweise das geringere Stimmvolumen gegenüber Larry B. aus und kann sich, wenn man ihn sich entwickeln lässt, ganz nahe an Fißlers große Interpretationen heranarbeiten. Das Potential dazu hat er, wie ich noch erfahren sollte.

Der Moment kam schon beim nächsten Titel. "Was bleibt" wurde zu einem ganz großen Moment in der Bandgeschichte, denn da zeigte der neue Sänger wie es sich anhört, wenn er ein Lied lebt. Wahnsinn, wie er das Lied, speziell den Refrain, interpretiert hat. Je höher die Melodie wurde, je voller wurde der Gesang und der ausgehaltene hohe Schlusston - zum Niederknien. Manuel hat dem Titel seine Seele mitgegeben. Natürlich darf man hier das perfekte Zusammenspiel der Instrumente und der Stimmen, sowie den zum wiederholten Mal zu erwähnenden Satzgesang nicht vergessen. Bei "Was bleibt" dachte ich noch so bei mir: "So baut man einen Frontmann auf." Nach diesem großartigem Stück hatte den Neue erst einmal Pause. Dafür konnten die Keyboards richtig brillieren. "Der Frühling" war angesagt und wurde wie üblich von Thomas Kurzhals im Zusammenspiel mit Sebastian Düwelt geradezu zelebriert. Danach wurden beide gefeiert. Es ist ja auch immer wieder ein Erlebnis Kurzhals bei diesem Stück zu erleben und seine fliegenden Finger zu beobachten.

Im folgenden Stück "Reiter durch die Nacht" kann man noch einmal die ungeheure Präzision der Band bewundern. Da sitzt jeder Ton, da passt jeder Schlag, das ist einfach gigantisch. Ich kann nur wiederholen, die STERN-COMBO MEISSEN ist aktuell wohl eine der besten Livebands, allen gegenteiligen Behauptungen und Beschuldigungen zum Trotz.

Dem "Reiter" folgte die kurze Version vom "Weißen Gold", das rundum zu einem Highlight des Abends wurde. Die Band, speziell die Keyboards, zauberten fantastische Töne, und Manuel Schmid bestand seine Feuertaufe bei diesem schwierigen Stück. Und wie ... Das klang gar nicht mehr dünn oder "schön", da war alles was ein großes Stück braucht. Voll ausgesungene Töne, ein ordentliches Volumen, eine echte Dynamik und vor allem jede Menge Seele. Ich kann mir vorstellen, dass die Interpretation des Stücks einmal genau so gedacht war.

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Ein Blick auf die Uhr und das "Weiße Gold" kündigten das Ende des Konzerts an, das natürlich ohne "Was soll aus mir" werden und dem "Südpol" nur schwer vorstellbar ist. Und so wurden sie dann auch in dieser Reihenfolge gespielt. Bei "Was soll aus mir werden" wurde noch einmal die Stärken des neuen Sängers deutlich. Nach diesem Titel folgte der "Kampf um den Südpol", und da glaubte ich meinen Ohren kaum trauten zu können. Da stimmte alles. Das war, als ob Manuel Schmid den Titel schon immer sänge. Er legt da Gefühl hinein, dass man glaubten konnte, die körperlichen Anstrengungen von Amundsen und Scott spüren zu können. Mit so viel Inbrunst hat das zuvor nur Fißler gesungen, und das kann man hören. Der "Südpol" ist mein Favorit der Abends gewesen.

Mit gigantischem und richtig langem Beifall ging die Band danach von er Bühne, wurde aber für eine Zugabe wieder hervor geklatscht. Der erste Titel der Zugabe war "Wir sind die Sonne!", der Schmid durchaus liegt und wieder prima klang. Ein sehr lustiges Bild gab es, als zum Ende des Titels Martin Schreier im Takt der Melodie von der Bühne tanzte. So beschwingt er bei diesem Lied war, so betreten schaute er aus, als beim geplanten Medley eigentlich gar nichts klappen wollte, so dass der Titel abgebrochen werden musste. Sattdessen gingen die Sterne zu ihrem letzten Lied über: "Eine Nacht". Auch wenn es keine Überraschung mehr sein dürfte, Manuel Schmid meisterte auch diesen letzten Titel sehr ordentlich, und setzte ein letztes Ausrufezeichen mit einem sehr lang gehaltenen Ton, fast einem Schrei, der dort allerdings richtig gut wirkte und zeigte, er hätte sicher noch weiter singen können.
Doch dazu kam es nicht, obwohl das Publikum das klatschend forderte. Stattdessen betraten alle Musiker noch einmal die Bühne und jammten gemeinsam in bestem Blues- und Jazzstil, dass es eine wahre Freude war. Gleichzeitig wurde man so aber auch noch einmal erinnert, was man nicht erlebt hat, nämlich das erhoffte "Fusion Konzert".

Mit der Alternative, dass die KLOSTERBRÜDER und die STERN-COMBO MEISSEN jeweils einen eigenen Programmteil bestritten, konnte man jedoch durchaus zufrieden sein, denn beide Bands spielten richtig gute Konzerte und begeisterten das Publikum. Das tat auch und vor allem der neue Sänger der Combo, Manuel Schmid.
Weit nach Mitternacht machten wir uns dann auf den Heimweg in der Gewissheit, dass das nicht das letzte STERN-COMBO MEISSEN-Konzert gewesen sein, das wir besucht haben. Dass die Band noch ein paar Konzerte brauchen wird, bis alles wieder perfekt ablaufen wird, liegt in der Natur der Sache. Immerhin hat sie vor kurzem drei wichtige Musiker verloren, die es zu ersetzen galt. Das haben sie sehr gut gelöst, und der neue Sänger hat schon nach seinem ersten kompletten Konzert bleibenden Eindruck hinterlassen.


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Live-Impressionen:
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Klosterbrüder

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