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Bericht:
Patrick Baumbach

Fotos:
Patrick Baumbach (alle Live-Bilder)
Pressematerial / Reinhard Baer (Textillustration)


 

KARAT symphonisch im Kieler Schloss...

Es war im Sommer 2010, als Karat im Programm der "Kieler Woche" zum ersten Mal mit dem Philharmonischen Orchester Kiel aufspielte und einen beachtlichen Erfolg bei Publikum und Presse verbuchen konnte. Irgendwie muss es da gefunkt haben zwischen den beiden musikalischen Ensembles, denn eine weitere, tiefergehende Zusammenarbeit wurde verabredet. Etwa zwei Jahre hat es gedauert, bis die Pläne am 7. Oktober 2012 nun endlich öffentlich in die Tat umgesetzt wurden, und Karat und das Orchester in den hohen Norden nach Kiel zu "Karat's Symphony" luden. Als Gäste holte sich die Band zusätzlich den Kieler Mundharmonika-Künstler Marc Breitfelder sowie die Sängerin Carla Nelson auf die Bühne. Doch damit nicht genug: das Konzert wurde auch aufgezeichnet, um in Bälde als Live-CD zu erscheinen.

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Pünktlich um 18:00 Uhr ging es im fast ausverkauften, ca. 1.200 Zuschauer fassenden Saal des Kieler Schlosses los. Der erste Programmteil des Abends gehörte ausschließlich den Gästen Marc Breitfelder und Carla Nelson, selbstverständlich tatkräftig von den Kieler Philharmonikern und deren Band unterstützt.

Nach einer kurzen, beschwingten Ouvertüre aus dem Ballett "Estancia" und einigen moderierenden Worten des Dirigenten Georg Fritzsch, betrat die thüringische Sängerin Carla Nelson die Bühne, um mit den Jazznummern "Fly me to the moon" und "Killing me softly" zu glänzen. Als charmant und unaufdringlich ist die Art ihrer Bühnenpräsenz, als warm und transparent und mit einem sehr guten Gefühl auch für feine Nuancen der Melodik ihr Gesang zu charakterisieren.
Ungemein imponierende Klänge brachte alsdann der "Kieler Jung'" Marc Breitfelder mit seiner Mundharmonika hervor. In einer flammenden Version des Liedes "Amazing grace" bewies er sein Können im polyphonen Spiel der Mundharmonika: es klang tatsächlich so, als ob da mehrere Mundi-Spieler zusammen spielen würden. Herausragend auch die Art seiner Phrasierung; der große Applaus war absolut verdient! Zum Abschluss des ersten, kürzeren Programmparts gab es noch eine schöne Version des Songs "It ain't necessarily so" aus der Jazz-Oper "Porgy and Bess", einfühlsam von Carla interpretiert und geschmackvoll mit Marcs Mundharmonika-Einlagen gewürzt. Wünschenswert wäre, wenn auch dieser Konzertteil mit auf dem Live-Album erscheinen würde, vielleicht als eine Art Bonus-CD. Schließlich ist Kohärenz mit dem Karat-Programm durch die Gäste gegeben und schließlich würde der gelungene Abend von "Karat's Symphony" als geschlossenes Ganzes einfach besser wiedergegeben werden.

Nach einer kurzen Umbaupause begann der zweite Programm- und eigentliche Kernpunkt von "Karat's Symphony". Aufwallender Applaus, als die vier Herren aus dem Backstagebereich kamen und durch den Konzertsaal zur Bühne schritten. Mit einem relativ wuchtigen, aber nicht übertriebenen Orchesterarrangement stürmten sie sogleich mit den "Gefährten des Sturmwinds" los, nach deren instrumentalem Vorspiel dann auch Claudius unter Beifall die Bühne betrat. Es folgten "Gewitterregen" und "Ich liebe jede Stunde", bei dem Marc Breitfelder außergewöhnlich dynamische Mundharmonika-Passagen beisteuerte und sich in eine Art "Call-and-Response" mit Bernd Römers Gitarre begab. Eine der bekanntesten Balladen Karats, bei der Band und Orchester perfekt miteinander harmonierten, war danach an der Reihe - der "Schwanenkönig". An diese Reihe von Karat-Klassikern schlossen sich zwei der neueren Titel an. Zunächst "Verloren", das durch das sinfonische Arrangement noch getragener und majestätischer als auf der Platte wirkte und meiner Meinung nach deshalb einiges gewann. Hierauf folgte der etwas "fluffige" Titelsong des aktuellen Karat-Albums "Weitergeh'n" mit aktiver Unterstützung von Carla Nelson. Zugegeben - der Titel erschien mir als eine etwas überraschende Wahl für den orchestralen Konzertrahmen, auf der anderen Seite brachte er aber auch etwas Abwechslung ins Programm.

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Dann kam er - der Übertitel dieser Band - der "Albatros". Die Darbietung des Albatros' an diesem Abend lässt sich kaum in Worte fassen und vermutlich würde man entweder zu viele oder zu wenige Worte verlieren. Ich verliere vielleicht zu wenige und sage nur: ein Genuss! Sowohl Orchester als auch Band spielten unvergleichlich einfühlsam und perfekt aufeinander abgestimmt. Toll gesungen: Claudius Dreilich. Minutenlanger Applaus!
Die "Musik zu einem nichtexistierenden Film" durfte selbstredend nicht fehlen, ist sie doch eines der herausragenden Beispiele für ein sinfonisches Karat-Arrangement. Diesem instrumentalen Leckerbissen folgte eine der wunderbarsten Balladen dieser einzigartigen Gruppe: "König der Welt", eingeleitet von einer kleinen Extra-Ouvertüre und würdevoll interpretiert. Langsam sollte sich das "offizielle" Konzertprogramm nun auch schon dem Ende zuneigen, wobei die wohl bekanntesten Karat-Hits, quasi die Schlachtrösser der Band, zum Einsatz kamen: "Der blaue Planet" und "Über sieben Brücken" samt Reprise. Laut Programmheft wäre nun Schluss gewesen.

Nach langen Ovationen kehrten Karat und ihre beiden Gäste aber noch einmal auf die Bühne zurück, um "Blumen aus Eis" in der seit einiger Zeit live etablierten "akustischen Version" vorzutragen. Abwechselnd sangen Claudius und Carla je eine Strophe. Drollig war dabei, dass Carla die "Blumen aus Eis" mal von der weiblichen Seite her beleuchtete ("Ich hab ihn angesehen, und er war anders als die anderen ..."). Insbesondere im Refrain trieb Marc Breitfelders Mundharmonika das Lied noch einmal so richtig voran. Das wird sich auf der Live-Platte sicher ausgezeichnet machen!
Nun sollte ein wahrer Höhepunkt des Konzertabends folgen: die "Abendstimmung". Bei diesem Song schien mir die Entscheidung für ein Duett mit Carla Nelson am wohlsten überlegt. Nicht nur die harmonischen, zweistimmigen Passagen bereicherten das Lied. Vor allem auch die kanonartig vorgetragene zweite Strophe gab der "Abendstimmung" ein Mehr an Wärme. Endgültiger Schlusspunkt und letztes Lied des Abends war dann das "Magische Licht".

Insgesamt war "Karat's Symphony" eine mehr als gelungene Veranstaltung. Die Kieler Philharmoniker waren deutlich intensiver in das Klangbild integriert, als vor vielen Jahren die Babelsberger bei dem Projekt "Karat in Classic" zum 25-jährigen Bandjubiläum. Was die Songauswahl betrifft, hätte ich mir persönlich noch ein paar "versunkene Perlen" wie "Was wäre wenn" oder Ähnliches gewünscht. Aber man kann eben nicht alles haben.
Die Bühnenshow und Beleuchtungseffekte waren an diesem Abend übrigens im Vergleich mit "herkömmlichen" Karat-Konzerten ein wenig reduziert, was dem Rahmen der Veranstaltung aber gerecht wurde. Der Klang im Konzertsaal des Kieler Schlosses war nicht an allen Ecken ganz perfekt, was freilich an der Schwierigkeit lag, Band und Philharmoniker (wobei letztere nicht aus der PA-Anlage kamen) in eine angemessene Lautstärkebalance zu bringen und Übersprechungen zu vermeiden.
Meine abschließende Meinung: Gut gemacht Jungs! Chapeau Carla und Marc!

Titelliste:
Erster Konzertteil:
1. Malambo (aus dem Ballett Estancia)
2. Fly me to the moon
3. Killing me softly
4. Amazing/ Amazing grace
5. It ain't necessarily so (aus Porgy and Bess)

Zweiter Konzertteil:
1. Gefährten des Sturmwinds
2. Gewitterregen
3. Ich liebe jede Stunde
4. Schwanenkönig
5. Verloren
6. Weitergeh'n
7. Albatros
8. Musik zu einem nichtexistierenden Film
9. König der Welt
10. Der blaue Planet
11. Über sieben Brücken musst du gehen
12. Blumen aus Eis
13. Abendstimmung
14. Magisches Licht


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KARAT live - Die nächsten Termine:
13.10.2012 - Zittau - Westpark Center
18.10.2012 - Saalfeld - Meininger Hof
19.10.2012 - Bernburg - Kursaal
20.10.2012 - Jena - Volkshaus
21.10.2012 - Greiz - Vogtlandhalle
22.10.2012 - Berlin - Stage Theater des Westens (Künstler gegen AIDS)
26.10.2012 - Leipzig - Arena (Ost Rock - das Konzert)
Nähere Infos und weitere Termine auf der bandeigenen Homepage

Bitte beachtet auch:
- Off. Homepage von KARAT: www.karat-band.de


Live-Impressionen:

 

 


   
   
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