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Bericht:
Jens Lorenz,
Ronny Pabst

Fotos:
Jens Lorenz (alle Live-Fotos)
Ronny Pabst (alle Live-Fotos)
Pressematerial (Textillustration)


 

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The Biggest Pink Floyd
Experience Ever!

 

VORBERICHT
(David Gilmour, Roger Waters & Co)
 
 
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Alles eine Frage des Geldes?
Wer sich auf die Fahnen schreibt, Pink Floyd zu covern, sollte schon eine Menge musikalisches Talent zu bieten haben. Wer allerdings den Anspruch erhebt, eine ganze Pink Floyd-Show zu covern, muss neben einer gehörigen Portion Mut vor allem eines mitbringen: Eine ganze Menge Geld.

Leider war es mir in der Kürze der Zeit nicht möglich, das P.U.L.S.E.-Konzert von Pink Floyd zu analysieren, was meines Erachtens noch immer das gigantischste Event der Konzertgeschichte war (auch wenn es mittlerweile über acht Jahre zurückliegt). Aber damit der interessierte Leser einen ungefähren Eindruck von den Dimensionen bekommt, über die wir sprechen, möchte ich hier einen kurzen Überblick über die Technik von Roger Waters' "The Wall" geben. Allein die Produktion der Show kostete 60.000.000 Dollar.

DIE MAUER
Die Mauer hat eine Breite von knapp 80 Metern und ist fast 11 Meter hoch (bei Konzerten in Fußballstadien ist diese sogar über 150 Meter breit). Sie besteht aus 346 Steinen, 245 davon werden erst während der Show in die Mauer eingefügt. Ein Stein ist 1,50 Meter breit, 75 Zentimeter hoch und 45 Zentimeter tief.
Im Inneren der Mauer fahren Stabilisatoren nach dem Einsetzen einer Reihe hoch und geben der Mauer so Halt. An den Enden der Stabilisatoren sind Hämmer angebracht, die zum Schluss des Konzertes nach vorne und hinten schwingen und so die Mauer mit zum Einsturz bringen. Hinter der Mauer gibt es fahrbare Arbeitsbühnen, die teilweise auch mit in die Show eingebaut werden (Plattform für Flaggenträger oder um die Musiker während des Konzertes, an den oberen Rand der Mauer zu bringen).

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VIDEOTECHNIK
Es werden Hochleistungsbeamer eingesetzt, die die volle Breite der Mauer ausleuchten können. Das Videobild hat eine unglaubliche Auflösung von 8.560 x 1.080 Bildpunkten. Zum Vergleich: Ein IMAX-Kino kommt noch nicht einmal auf die Hälfte der Bildpunkte (knapp 4.000 in der Breite)!
Bei einer solchen Auflösung ist das Rendern zum Erstellen der Animationen auch extrem aufwendig. Um EINEN Frame einer Animation zu Rendern, benötigen 10 zusammengeschlossene MAC-Pro Rechner mit jeweils 16 Prozessorkernen eine knappe halbe Stunde. Allein die Animationen eines einzigen Songs umfassen rund 4.000 Frames.
Da die verwendeten Barco FLM HD20 Beamer lediglich eine Auflösung von 1.920 x 1.080 Bildpunkten bieten, ist es notwendig, das Gesamtbild in fünf Sektionen zu unterteilen, die dann auf der Mauer nebeneinander projiziert werden.
Auch wenn die Projektoren eine Lichtleistung von jeweils 20.000 Lumen haben, ist es für die beeindruckende Leuchtkraft der Bilder auf der Mauer notwendig, dass die Bilder von drei Projektoren übereinander gelegt werden. Somit wird die Bühne von vorne von 15 Projektoren beleuchtet. Hinzu kommen drei weitere Barco FLM R22 Projektoren, die "Mr. Screen" (die kreisrunde Leinwand im Bühnenhintergrund) von hinten beleuchten. Das justieren der Projektoren nimmt vor jeder Show einige Stunden in Anspruch.
Die sechs Videosignale werden von Catalyst Mediaservern geliefert und über AJA HDSD Signalkarten an den Macs, die die Signale verarbeiten, synchronisiert.
Um jeden einzelnen Stein der Mauer individuell beleuchten zu können, werden die Videosignale durch eine Maske gefiltert, die einzelne Steine ausblenden kann. So können nicht nur während des Aufbaus der Mauer je nach Baufortschritt einzelne Steine zur Projektionsfläche hinzugefügt werden sondern auch die Anpassung an lokale Besonderheiten beim Aufbau durch andere Tribünenwinkel ist damit möglich.

BELEUCHTUNG
18 seitlich installierte VL3500 VariLights dienen als primäre Bandbeleuchtung. Dazu kommen 24 VL3000, die um "Mr. Screen", der einen Durchmesser von neun Metern aufweist, gruppiert sind.

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An einer Konstruktion oberhalb der Bühne sind 32 Barco / High End Systems Cyberlight 2.0 angebracht. Jeder einzelne dieser Scheinwerfer hat eine Lichtleistung von 30.000 Lumen, die über einen digital gesteuerten Spiegel gezielt eingesetzt werden können. Zwei Syncrolite XL10 Einheiten dienen als "Flakscheinwerfer".
Zwei Lycian M2 Medium-Throw Truss Spots sind an beweglichen Kränen aufgehängt und können so auch vor der Mauer herabgelassen werden, um die Band aus optimalen Positionen heraus mit Spotlights zu beleuchten ohne Schatten auf die Mauer zu werfen. Sie werden auch für Effekte, wie den Suchscheinwerfer des Hubschraubers eingesetzt.
Diese und zahlreiche weitere Scheinwerfer und Stroboskopeinheiten werden von einer grandMA1 Konsole gesteuert.

PUPPEN UND EFFEKTE
Neben den beeindruckenden Video-, Licht- und Soundeffekten. Gibt es noch zahlreiche andere Showelemente. Der Eröffnungssong "In The Flesh" beispielsweise endet in einer wahren Feuerwerksorgie, intern "the opening finale" genannt. Innerhalb von 16 Sekunden werden 730 Pyro-Effekte abgefeuert. Zum Abschluss verschwindet ein riesiges Modellflugzeug in einem Feuerball das zuvor - ebenfalls mit Pyro-Effekten bestückt - an einem Seil hängend über das Publikum fliegt und beim Einschlag in die Mauer einige Steine mit herunterreißt.
Das Flugzeug ist nicht das einzige fliegende Objekt der Show. Auch das bekannte fliegende Schwein dreht seine Runden über dem Publikum. Dabei handelt es sich um ein ferngesteuertes Helium-Miniluftschiff von Mobile Air Ships of Canada.
Neben dem Schwein gibt es noch drei weitere aufblasbare Figuren die von Air Artists hergestellt wurden: Die über zwölf Meter große Mutter, der neun Meter große Lehrer sowie die ebenso große Ehefrau. Die letzteren beiden sind ausgestattet mit mehreren Gelenken, so dass sich die Puppen über ein elektronisch gesteuertes Seilzugsystem bewegen können.

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SOUND
Die Beschallung der Halle erfolgt von der Bühne her durch weiterentwickelte Prototypen von Clair Brothers i5D Line Arrays. Sie werden unterstütz von BT218 Subwoofern und FF2 Front-Fill-Lautsprechern, die einen perfekten Sound auch in der ersten Reihe ermöglichen.
Für die Surround-Effekte sind auf halber Höhe der Halle links und rechts Cluster mit klassischen Clair Brothers R4 Lautsprechern installiert, ebenso eine Einheit auf der Rückseite der Halle, die zusätzlich von BT218 Subwoofern unterstützt wird. Alle Lautsprechereinheiten werden von Crown Verstärkern versorgt.
Abgemischt wird der Sound vom FOH mit zwei analogen Midas XL4 Mischpulten (eines für die Hauptbühne, eines für die Bühne vor der Mauer) und einem digitalen Yamaha PM5D Pult, das sich für die Effekte des Live-Sounds und die vorproduzierten Soundeffekte verantwortlich zeichnet.
Als Mikrophone auf der Bühne kommen die klassischen Shure SM58 zum Einsatz.

SYNCHRONISATION
Die Musiker bekommen einen Click-Track über ihre In-Ear-Monitore zusammen mit "Regieanweisungen" und dem Monitorsound eingespielt.
Der Click-Track und die MIDI-Steuersignale mit den Timecodes werden dabei vom Digital-Performer, einer Software ähnlich wie das bekannte Pro Tools, gesteuert. Die Software läuft dabei synchron auf zwei G5 Macs, damit beim Ausfall eines Systems die Show nahtlos weitergehen kann. Über dieses System werden auch kleinste Details wie Filmeinspielungen gesteuert.
In gewissem Rahmen ist das System durchaus flexibel. Verpasst Roger Waters zum Beispiel seinen Einsatz um ein paar Takte (was doch leider immer mal wieder vorkommt), orientiert sich die Band gewöhnlich an ihm. Vom FOH werden Timecodes und Click-Track dann entsprechend angepasst.
Über Digital-Performer werden auch die Kanäle für die Surround-Effekte und die vorproduzierten Orchesteraufnahmen an das Mischpult geschickt und dort in den Gesamtmix integriert.
Zuviel Fachchinesisch? Okay, auf den Punkt gebracht. Neben den Produktionskosten von 60.000.000 Dollar kostet ein Konzert inkl. Gage für die Künstler und allen anderen Nebenkosten ca. 1.500.000 Dollar. Also nur eine Frage des Geldes...

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...oder doch des musikalischen Genies?
Dass sich Pink Floyd des Öfteren mit dem Vorwurf auseinandersetzen musste, ihre Musik sei bei Konzerten lediglich der begleitende Teil zu einer fulminanten Licht- und Lasershow, mag teilweise sogar berechtigt sein. Zumindest wenn man die Sache oberflächlich betrachtet. Dass es sich bei Gilmour und Waters aber um musikalische Genies handelt, steht ebenso außer Frage. Auch die Qualitäten von Mason (Drums) und Wright († 2008) galt als unbestritten, wobei es bei Letzterem häufig zu Aussetzern kam, was zeitweise sogar zum Rauswurf aus der Band führte. Noch der harmloseste Vorwurf Waters war, Wright sei zum Spiel zu ausgebrannt.
300 Millionen Alben sprechen eine eigene Sprache. Dass die Briten, die im Laufe der Jahre immer wieder wegweisende Technik einsetzten, aber auch bei Musikerkollegen allerhöchsten Respekt besitzen mag folgende Episode belegen.
Bei der Produktion zu dem Konzertfilm "When in Rome" (Genesis) plante Phil Collins mit einem Lift zum oberen Rand der Bühne zu fahren und dort ein Solo zu singen. Nach den ersten Proben wurde die Idee begraben. Mike Rutherford (Genisis / Mike & The Mechanics) kommentierte damals trocken: "Das kannst du machen, wenn du David Gilmour heißt und das 'Comfortably Numb'-Solo spielst, aber nicht als Phil Collins um ein Liedchen zu singen..."
Während sich Waters (Gesang, Bass) vor allem als Songwriter und kreativer Kopf der Band einen Namen machte, zählt Gilmour bis heute zu den besten Gitarristen der Welt (Auf der Rolling Stone Liste der besten 100 Gitarristen aller Zeiten rangiert Gilmour derzeit auf Platz 14). In seinen Spielweisen wird er sowohl vom Blues und vom Rock'n'Roll als auch von der Folkmusik beeinflusst. Typische Bluestechniken wie Bendings und Slides ziehen sich durch seine berühmten Soli. Auf seinen Soloalben nähert er sich mit seinen komplexen Harmoniefolgen auch dem zeitgenössischen Fusion-Jazz.
So wie Waters (bis zur Trennung Mitte der 80er) die Pink-Floyd-Musik lyrisch und konzeptionell prägte, so bestimmte Gilmour neben Wright das musikalische Gesicht von Pink Floyd.

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Der für Gilmour typische "Cleansound" basiert vornehmlich auf seinem Hiwatt-Signature Amp (der Hiwatt gilt als einer der besten Gitarrenverstärker für saubere, unverzerrte Sounds), der zusätzlich über Effektwege verfügt, die kanalmäßig zu routen sind. Seine bekannten "Zerrsounds" und die vielfältigen Soundmodi bei seinen Soli sind Produkte verschiedener Effektgeräte (Polychorus, Smallstone Phaser, Boss Flanger etc.).

Und für alle Interessierten:
Gilmours Hauptgitarren sind Instrumente des Typs Fender Stratocaster und Fender Telecaster. Sein mit Kreuzen bestickter Gitarrengurt übrigens gehörte einst Jimi Hendrix. Er bekam ihn zu seinem 60. Geburtstag von seiner Frau Holly geschenkt.
Dass die Musik für die Band keinesfalls nur Nebensache ist zeigt die Vielzahl der hochkarätigen Gastmusiker, die auf der letzten P.U.L.S.E.-Tour Gilmour, Wright und Mason begleiteten (Waters geht nach Reibereien mit Gilmour längst eigene Wege). Drei Backing Vocals (Sam Brown, Claudia Fontaine, Durga McBroom), ein zusätzlicher Keyboarder (Jon Carin), ein zusätzlicher Gitarrist (Tim Renwick) und ein zusätzlicher Drummer (Gary Wallis) verstärkten neben Guy Pratt (Bass) und Dick Parry (Saxophones) das Team. Insgesamt standen also elf Musiker auf der Bühne. Dass für einige "ungeübte" Fans die Musik eine Nebenrolle spielte, lag wohl eher an der Reizüberflutung, denn an mangelnder musikalischer Qualität. 1994 gab Pink Floyd (ohne Waters) sein letztes Konzert und nach dem Tod von Wright gilt es als unwahrscheinlich, dass ein weiteres folgen wird.

 

Als echter Pink Floyd-Fan beobachtet man natürlich immer auf's Genaueste die Szene. Es könnte ja sein, dass ein David Gilmour doch noch einmal auf Tournee geht - Roger Waters' "The Wall" ist auch 2013 ohnehin Pflicht - und so liegt es in der Natur der Sache, dass man dabei immer wieder über Pink Floyd-Tribute Bands stolpert.
So dann auch wieder Anfang 2013 geschehen: FLOYD RELOADED. Eigentlich ist es schon beinahe unmöglich, nicht auf die Frankfurter aufmerksam zu werden. Durch ein offensives Marketing sind sie - zumindest online - fast überall präsent. Neugier und Skepsis hielten sich die Waage, als ich mich anfing, mit der Band näher zu beschäftigen.

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Schnell wurde klar, dass es sich hierbei keineswegs nur um ein Freizeitprojekt handelte, sondern eine ganze Menge Geld in die Hand genommen wurde. Hauptverantwortlich dafür zeigte sich Familie Klenz, die Eltern von Gitarrist Philip Michael Klenz, und ihres Zeichens Betreiber von online-Plattformen wie "fluege.com", "mietwagen.de", "nurflug.de", "Ypsilon.net AG" und "reisen.com". Ein offensives Marketing ist auch von Nöten, denn keiner wird auf Dauer ein Projekt finanzieren wollen, welches nur rote Zahlen schreibt. Anzumerken ist, dass es sich bei aller Offensive nie in Aggressivität wandelt, was einmal mehr beweist, dass auch auf dieser Schiene absolute Profis am Werk sind.

Den Fehler die exzentrischen Engländer original covern zu wollen, begehen FLOYD RELOADED Gott sei Dank nicht. Dabei kann man nur verlieren. Allerdings erscheint mir der Anspruch, "Pink Floyd frisch und zeitgemäß zu spielen, so wie sie klingen würden, wenn sie noch einmal jung wären.", doch sehr gewagt. Zum Ersten ist die Musik eh zeitlos, von daher kann man sie gar nicht zeitgemäß spielen und erst recht nicht... muss man sie aus der "Mottenkiste" hervorkramen. Und wenn schon überhaupt zeitgemäß, dann sollte man, zum Zweiten, diesen Part doch besser Gilmour oder Waters überlassen, die beide noch mehr oder weniger im Musikgeschäft aktiv sind, auch wenn wir sie alle (leider) nicht jünger machen können.

Wenn man diesen Anspruch noch dem jugendlichen Übermut zuschreiben kann, wirkte der deklarierte brachiale "Wall of Sound" nach dem ersten Anschauen der Videos doch sehr befremdlich auf mich. Zwar machten sämtliche Konzertmitschnitte einen hyperprofessionellen Eindruck, allein der Sound war alles andere als brachial. Und nein, es lag ganz bestimmt nicht an meinen Computerlautsprechern, denn extra für solche Sachen habe ich eine Denon Dolby Digital Anlage über einen optical-Anschluss an meinem Rechner "hängen".
Auf mich wirkte der Sound teilweise steril. Ja, schlimmer noch: manchmal hatte ich das Gefühl, als hätte mir der Tontechniker nur den Monitorsound eingespielt und den Gesamtmix vergessen. Es blieb zu hoffen, dass es sich dabei tatsächlich um ein solcherart geartetes Problem handelte und die Liveauftritte wesentlich lebendiger daherkamen.

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Wie auch immer, als wir uns am 12. Januar 2013 auf den Weg in die Columbiahalle machten, überwog die Skepsis.

Line-Up
Margit Garbrecht (back voc)
Kati Luft (back voc)
Helen Pfaff (back voc, voc)
Julie Düschar (back voc, voc)
Philip Michael Klenz (g)
Erik Jünge (g)
Colin Dodsworth (voc, g)
Christian *Nachname nicht bekannt* (g)
Thomas Wimmer (dr)
Mats Roli alias Mathias Caroli (dr)
Mark Schwarzmayer (key, sax)
Bernd Pfeffer (key)
Chris Umbach (bg)
Wolfgang Tuppeck (voc)
Special Guest: TOTO's Bobby Kimball (voc)

Als sich die Tore der Columbiahalle kurz nach 19:00 Uhr öffneten, wurde eines sofort klar. Hier hatte das Marketing von FLOYD RELOADED richtig danebengegriffen. Es sei dahingestellt, ob es die Angst vor der eigenen Courage, um schlechte Recherche oder schlichtweg um eine Notlösung handelte... Fakt ist: die Halle war viel zu klein. Offiziell hat sie eine Kapazität von 3.500 Zuschauern, aber nur wenn sie nicht bestuhlt ist. FLOYD RELOADED bestuhlte alles, was die ausgewiesene Kapazität schon einmal arg einschränkte. Zudem kostete das überdimensionale FOH gut die Hälfte des Platzes im Parkett-Bereich.

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Zu allem Überfluss passte auch die Bühne der Band überhaupt nicht in die Halle (zumindest auf den Videos war eine deutlich größere Bühne zu sehen - was dann auch die Dimensionen des FOH erklären würde). So machte alles von vornherein einen sehr (schlecht) improvisierten Eindruck. Dazu passt, dass sich die Band am Folgetag bei den Fans entschuldigte, die keine Karten mehr bekamen. Ausverkauft, trotzdem sich der eine oder andere freie Platz noch fand. Aber sitzen ist auch nicht jedermanns Sache und es gab mehr als nur einen, der das Konzert lieber im Stehen genoss.

Die nächstgrößere Location wäre die Arena mit einem Fassungsvermögen von 7.500 Zuschauern gewesen, doch die befindet sich derzeit in Insolvenz. Danach kommen schon das Velodrom und die Max-Schmeling-Halle mit je 12.000 potentiellen Zuschauern. Es bleibt offen, ob FLOYD RELOADED eine dieser Locations hätte füllen können, aber zumindest hätte die Bühne nicht einen gar so mickrigen Eindruck gemacht. Von einer fulminanten Licht- und Laser-Show war man meilenweit entfernt. Mr. Screen, die kreisrunde Videoleinwand, fehlte ganz, von aufblasbaren Puppen - insbesondere von dem kultigen Schwein - war weit und breit nichts zu sehen und an ein über die Köpfe der Zuschauer fliegendes Modellflugzeug war gar nicht erst zu denken. Nun gut, man muss es ja auch nicht gleich übertreiben, Puppen und Flugzeug habe ich bei FLOYD RELOADED noch nie gesehen, aber insbesondere über Ersteres sollte man sich schon mal Gedanken machen, wenn es in den finanziellen Rahmen passt.

Als Fotografen durften wir uns in der Halle zwar frei bewegen, allerdings war der Platz vor, neben und auf der Bühne tabu. Letztlich blieben uns die wirklich interessanten Blickwinkel damit verwehrt. Daran änderte auch nichts, dass man uns zumindest das ganze Konzert zum Fotografieren beließ. So ersparte man uns wenigstens den "Wahn der ersten drei Titel".
Kurz nach 20:00 Uhr, und damit ziemlich pünktlich, ging es dann los.

 

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Aus der Notwendigkeit heraus - und um wenigstens das eine oder andere brauchbare Foto zu machen - setzten wir uns in die erste Reihe. Ein riesiger Vorhang versperrte die Sicht auf die Bühne und suggerierte unwillkürlich den Slogan "Der Vorhang fällt". Es war nicht schwer zu erraten, dass genau dies mit den ersten Takten geschehen würde.
Leicht amüsiert zog ich die Augenbraue nach oben. Na mit frisch und zeitgemäß hatte das wohl nichts zu tun. Der fallende Vorhang stammt ja noch aus Urzeiten, als irgendeinem gewitztem Bühnentechniker das ewige und lang andauernde Aufziehen der Vorhänge zu langweilig wurde. Tatsächlich fiel der Vorhang dann auch.
Aber nicht bevor ein durchaus witziges Intro FLOYD RELOADED ankündigte. Und wenn schon nicht in echt, doch so zumindest als Trickfilm, der das berühmte Schweinchen in der Halle erschienen ließ.

"In The Flesh" fungierte als Opener, gefolgt von "Learning To Fly". Mit "In The Flesh" (Waters '79) wurde gleich zu Beginn musikalisch das berühmte "The Wall"-Thema aufgegriffen, welches in der Version von FLOYD RELOADED von allen vier Gitarren getragen wurde. Insgesamt tummelten sich 14 Musiker auf der Bühne, die am Beginn und am Ende des Konzertes gesanglich zudem von Bobby Kimball verstärkt wurden. Als Sänger und Gründungsmitglied der US-Rockband TOTO hat er bis heute 6 Grammies gewonnen und schätzungsweise 30 Millionen Alben verkauft. Nach Angaben der Band war Robert Troy Kimball (so sein bürgerlicher Name) so von dem Projekt überzeugt, dass er unbedingt mitmachen wollte. Dass er nebenbei auch als zugkräftiger Publikumsmagnet fungiert, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Der Auftakt jedenfalls war grandios.

Bei "Learning To Fly" gab Philip Michael sein erstes Gitarrensolo zum Besten. Durchaus ansprechend und stark an das Original angelehnt wirkte es letztlich aber doch noch ein wenig flau. Ganz anders im darauffolgenden "Have A Cigar", wo dann das erste Mal so etwas wie ein echtes Pink Floyd-Feeling aufkam. Den Gesangspart übernahm jetzt Wolfgang Tuppeck. Eine durchaus gelungene Nummer.

Mit "Hey You" wurde es dann zunächst etwas ruhiger. Erleichtert stellte ich fest, dass der Sound live bei weitem nicht so steril wirkte, wie auf den Videos. Von einem waschechten Pink Floyd-Sound konnte natürlich nicht die Rede sein, aber diese Ambitionen hegte FLOYD RELOADED ja auch gar nicht. Mit insgesamt vier Gitarristen angetreten, blieben sie trotz alledem hinter einem David Gilmour und Tim Renwick (der neben Pink Floyd u.a. mit David Bowie, Mike Rutherford, Elton John, Mike Oldfield und Eric Clapton zusammenarbeitete) zurück, was ich aber nicht unbedingt als Manko ansehen würde. Gilmour und Renwick spielen eben in einer anderen Liga.

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"Sorrow" und "Time" folgten. Dass alle Musiker die Läufe von Pink Floyd beherrschten, stand schon nach den ersten Titeln außer Frage. Sie interpretierten die Musik unkomplizierter und damit sicherlich auch mehr dem Mainstream angepasst. Während echte Pink Floyd-Fans schon ein ganz spezielles Publikum sind, gelingt es FLOYD RELOADED auch den Durchschnitts-Musikfan anzusprechen, der Pink Floyd sonst lediglich von Nr. 1 Hits wie "The Wall" oder "Wish You Where Here" kennt.

Leider blieb im ersten Teil des Konzertes die angekündigte fulminante Licht- und Laser Show weit hinter den Erwartungen zurück. Den größten Teil der Zeit war die Bühne in ein tristes Blau getaucht, in der die ab und an aufleuchtenden Scheinwerfer und selten eingestreute Laser allenfalls das Niveau einer besseren Lichterkette erreichten. Dass auch auf einer kleinen Bühne wesentlich mehr herauszuholen ist, bewiesen sie letztlich selbst im zweiten Teil des Konzertes. Vielleicht lag es einfach daran, dass die Lichttechniker noch nicht genug Erfahrung mit unterschiedlich großen Bühnen haben. Man sollte die Sache auch nicht zu kritisch betrachten, schließlich war ja Anfang 2013 erst der offizielle Tourauftakt, und bekanntlich lernt man aus allen Erfahrungen - aus guten, wie auch aus schlechten.

Mit "Great Gig In The Sky" folgte dann auch der erste Solo-Einsatz einer der Background-Sängerinnen: Kati Luft. Im Original teilen sich diesen Part drei Damen. Mit nur einer Solo-Stimme wirkte das Stück teilweise etwas langatmig, zudem fehlten die Lap Steel völlig.

Die beiden Video-Leinwände links und rechts der Bühne wirkten ein wenig verloren in der Halle. Vielleicht wäre hier eine akzeptable Lösung gewesen, das Format auf Hoch zu ändern und sie in der Größe zu verdreifachen. Die professionelle Kameraführung und die Technik hätten es sicher hergegeben, auch wenn die Leinwände so oder so nicht notwendig gewesen wären. Aber es hätte einen wesentlich monströseren Eindruck abgegeben.

Bei "Money" flogen bergeweise "Geldscheine", die mit den Bildnissen der Musiker und den Tour-Daten versehen waren (siehe unten bei "Live-Termine"), durch die Gegend. Neben dem schon anfangs erwähnten witzigen Intro die zweite originelle Idee der Show. FLOYD RELOADED beweist hier durchaus kreatives Potential.

Nach "Keep Talking" und "Shine on..." ging es in eine zwanzigminütige Pause. Zeit für ein erstes Fazit.

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Wer Pink Floyd musikalisch Tribut zollt, muss sich immer an ihnen messen lassen, auch wenn wir wissen, dass das alles andere als gerecht ist. Vom musikalischen her boten FLOYD RELOADED das, was man erwarten konnte. Kein Original, aber durchaus hörenswerte Interpretationen der Songs, die auf das breite Publikum zugeschnitten waren. An der vom Original angestrebten und fast erreichten Perfektion müssen sie allerdings noch ein wenig arbeiten.

Auffallend war, dass der Sound in den vorderen Reihen bei weitem nicht so gut war, wie weiter hinten. Hier hätten ein paar zusätzliche Subwoofer und Frontlautsprecher sicher Wunder gewirkt. Auch die Bühne wirkte insgesamt unausgewogen. Während aus dem Parkett das Bühnenbild durchaus akzeptabel war, wirkte dieses aus dem Rang völlig anders. Da "Mr.Screen" in der Columbiahalle wohl keinen Platz hatte, wurden alle Video- und Filmsequenzen auf eine Leinwand hinter der Bühne projiziert. Nur... dass man von oben die Hälfte der Leinwand gar nicht sehen konnte und man teilweise das Gefühl hatte in einen Keller zu schauen.

Wenn man bedenkt, wie zum Beispiel ein Roger Waters sämtliche Videotechnik bei jedem einzelnen Konzert in stundenlanger Arbeit neu justieren lässt, so dass man von allen Plätzen eine optimale Sicht hat, bleibt FLOYD RELOADED hier noch eine Menge Potential.

Nach der Pause hatte man das Gefühl, dass eine andere, eine bessere Band die Bühne betrat. Mit einer 12-minütigen Version von "Pigs" ging es in die zweite Runde und eigentlich auch erst wirklich richtig los. Spätestens mit dem darauffolgenden "Another Brick In The Wall" war die Sitzordnung in der Halle völlig aufgehoben. Trotz einer sehr eigenwilligen Interpretation, sangen die Fans laut mit, tanzten und brachten den Saal schließlich zum Beben.

Dies setzte sich fast nahtlos bei "Welcome To The Machine" fort, und schließlich wurde aus der besseren Lichterkette doch noch eine - wenn man die Größe der Bühne bedenkt - annehmbare Licht- und Lasershow, die in der Folge auch kräftig von Nebel und Feuer begleitet wurde.

Bei "Comortably Numb" schloss sich auf recht ironische Weise der Kreis zum Vorwort. Anmerkend sei erwähnt, dass dieses Vorwort schon vor dem Konzert geschrieben wurde. Wir wollen davon absehen, das Zitat von Mike Rutherford hier noch einmal zu widerholen. Und auch wenn Philip Michael Klenz Triebkraft, Mitgründer und in gewisser Weise auch Finanzier von FLOYD RELOADED ist... was für einen Phil Collins gilt, sollte auch für ihn gelten. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass er trotz seiner jungen Jahre schon sehr viel auf der Gitarre und im Showbusiness erreicht hat. Manchmal ist weniger eben mehr, zumal Eintrittspreise von über 40,00 Euro (die Aufgrund des Aufwandes und der gebotenen Show als durchaus gerechtfertigt anzusehen sind), ein grölendes und trunkenes Mallorca-Ballermann-Publikum nahezu ausschließt, bei dem solche Aktionen wohl eher ankämen.
Michael an der weißen Strat spielte das erste Solo des Songs übrigens auch richtig gut und verdammt nah am Original. Respekt.

Im darauffolgenden "One Of These Days" bewies Klenz dann auch, dass er durchaus in der Lage ist die Lap Steel zu beherrschen. Den größten musikalischen Lapsus des Abends lieferten die Frankfurter dann aber leider mit einem 20-minütigen Versuch "Echoes" zu interpretieren. Neben den eigenwilligen Soundeffekten, die wenig mit dem Original oder gar mit Originalität zu tun hatten, wurde viel zu ungeduldig und zu vorschnell auf diese unnötigen Effekte hin gerast, so dass das wahre Gesicht dieses wunderschönen Werkes zu keiner Zeit wirklich zur Geltung kam.

Überhaupt lässt sich ein Gilmour ja nie hetzen. Statt hektisch an irgendwelchen Reglern seine Gitarre nach jedem Song neu zu stimmen, lässt er sich schon mal einen Tee (typisch Engländer halt) auf die Bühne bringen, setzt seine Lesebrille auf und dreht geruhsam an seinen Amps, während er sich mit dem Publikum unterhält.
Das Hinarbeiten auf die Höhepunkte der Songs ging FLOYD RELOADED völlig ab. Das ist in der Regel auch nicht wirklich schlimm, denn sie spielen ja die Stücke auf ihre eigene Weise. Bei "Echoes" allerdings wirkte es schon störend und unausgereift.

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Mit "Sheep" machte die Band diesen Fauxpas im Anschluss aber sofort wieder mehr als gut. Die beste Nummer des Abends brachte das Publikum noch einmal so richtig in Wallung, und als sich FLOYD RELOADED danach verabschieden wollten war klar, dass es keinesfalls ohne Zugaben abgehen würde. Es dauerte auch nur gut zwei Minuten bis die 14 Musiker nebst Bobby Kimball noch einmal die Bühne betraten, um "Wish You Where Here" und als finalen Abschluss "Run Like Hell" zu spielen.

Die Setlist war ausgewogen, auch wenn man darüber streiten kann, ob neben den beiden letztgenannten Songs auch "Another Brick In The Wall" in den Zugabeblock geschoben wird, um das Ende des Konzertes noch ein wenig effektvoller zu gestalten. Für die frei werdenden sieben Minuten gibt es ganz sicher genug Material um den Platz zu füllen.

Letztlich war es, trotz einiger Pannen, ein rundum gelungener Konzertabend. Wenn in diesem Bericht auch eine Menge Kritik zu lesen war; man muss sich einfach von der Vorstellung lösen, Pink Floyd zu erleben. FLOYD RELOADED sind etwas Eigenes, und auch wenn sie die Lieder ihrer Idole spielen, eben doch etwas ganz Anderes. Sie wollen es so und sie können auch gar nichts Anderes sein. Pink Floyd brauchte viele Jahre um zu dem zu werden, was sie sind - nämlich nahezu unerreichbar. Kreative Genies wie Gilmour oder Waters fallen nicht einfach so vom Himmel.

Mit Philip Michael Klenz hat ein Musiker die Bühne betreten, der viel Lust auf die Musik von Pink Floyd hat, der die entsprechenden Musiker um sich geschart und glücklicherweise auch die finanziellen Rückhalt hat, um seine Träume zu verwirklichen. Er hat noch einen weiten Weg vor sich und es bleibt zu hoffen, dass das Publikum und die Szene ihm die Gelegenheit gibt, sich und FLOYD RELOADED weiter zu entwickeln. Denn wie hörte man es so oft von den Zuschauern in der Columbiahalle? "Wenn das Original schon nicht mehr auf der Bühne steht, dann ist FLOYD RELOADED eine sehr gute Alternative!"

 


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Live-Termine:

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Bitte beachtet auch:
- Off. Homepage der FLOYD RELOADED: www.floydreloaded.com
- Homepage der Columbiahalle in Berlin: www.columbiahalle.de
- Homepage der Agentur POSITION: www.position.de

 



   
   
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