Den Hauptteil des Stückes stellt Teil 2 "Das Bild" dar. Hier regiert Bombast pur, kommt der Chor zum vollen Einsatz und schwillt die musikalische Untermalung zu einem Sturm aus großartig in Szene gesetztem Instrumentarium an, der abrupt in einen leisen Teil übergeht und so gekonnt zu "Der Betrachter", dem finalen Part, überleitet. Der wiederum gibt sich betont rockig, bezieht sich auf die Hektik des Alltags, in der die Betrachtung des Bildes als Ruhepunkt zum Tragen kommt. Am Ende wird noch einmal bombastisch eine Zusammenfassung des Gehörten geliefert, nach deren Abschluß erst nach einer vollkommen ruhigen Sekunde der tosende Beifall einsetzt. Das textliche Konzept der "Madonna" - umgesetzt von Kurt Demmler - folgt in gerader Linie einem Schema, das die religiöse Bedeutung des Bildes konsequent negiert und dafür rein menschliche (und auch politische) Ansichten in den Vordergrund rückt, die im dritten Teil in einer Hommage an die Frau schlechthin gipfeln. Ob das den Intentionen des Malers Raffael entsprochen hätte, darf getrost bezweifelt werden, es richtete sich doch eher an den Gegebenheiten und Realitäten der DDR aus. Das mag mancher als aufgesetzt und nur allzu Regime-konform empfinden - es ist letztlich aber nur eine Interpretation von vielen möglichen. Und eine interessante dazu, die man schließlich nicht teilen muß. Der Haken an der Sache war vor allem die Dauer der Suite, die für eine LP-Seite zu lang, für zwei aber zu kurz geraten war. CDs gab es ja noch nicht und so mußte das Stück nach zwei Dritteln auseinandergerissen werden - der fließende Übergang von Teil 2 zu Teil 3 entfiel somit und raubte der Sache einiges an Überzeugungskraft, zumal das große Finale deshalb nicht am Ende der Platte, sondern mittendrin plaziert war, an das sich drei "normale" Electra-Songs anschlossen. Die sind nun zwar nicht als schlecht zu bezeichnen, passen mit ihren vergleichsweise profanen Alltagsthemen aber überhaupt nicht zum Madonna-Konzept und verhindern so eine nachhaltige Wirkung des eigentlichen Grundmaterials. Wer will schon auf einem "Jahrmarkt" über ein Gemälde nachdenken? Man hätte den freien Platz besser freigelassen oder der Suite noch einen vierten Teil hinzugefügt. Dennoch bleibt "Die Sixtinische Madonna" ein Meilenstein deutschen demokratischen Art-Rocks, der Electra auf dem Höhepunkt ihres musikalischen Schaffens zeigt und die Quintessenz aus zehn Jahren Bandgeschichte auf den Punkt manifestiert. Insofern bilden die drei "Bonustracks" bereits den Auftakt für ein neues Kapitel Electra-Musik, mit dem die Band ihr Repertoire dem Zeitgeist anpaßte, ohne sich dabei selbst zu verleugnen. (kf) |
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