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Interview vom 5. Mai 2022



Lutz Heinrich ist Musiker. Genauer gesagt, er ist Gitarrist und Sänger. In Zeiten, in denen es nicht so einfach möglich war, sich auf eine Bühne zu stellen und Rockstar zu werden, wurde er noch ganz klassisch "entdeckt", und zwar von keinem Geringeren als der RENFT-Legende Cäsar Peter Gläser. Er zog vom Land in die große Stadt, machte den Weg von der Amateurband zur eigenen Rockgruppe und wurde vom jungen Talent zum angedachten Nachfolger großer Frontmänner in etablierten Kapellen. Lutz, der gelernte Schmied, hat so einiges erlebt und durchlebt. Zu DDR-Zeiten auch Unbequemes. Seit fast 30 Jahren ist er nun der Frontmann seiner eigenen Band EISENHEINRICH und auch abseits dieser Gruppe ein vielbeschäftigter Mann mit Ideen und Plänen. Unser Kollege Christian hatte jetzt die Gelegenheit, mit Lutz Heinrich über all das eben Beschriebene, aber auch über Gerüchte, Spitznamen, Kollegen, Pläne und ganz viele andere Dinge zu plaudern. Lest selbst ...

 


 

003 20220515 1124679425Du wurdest in den 50ern in Gröditz bei Riesa geboren. Woran erinnerst Du Dich noch, wenn Du an Deinen Geburtsort denkst?
An eine ganze Menge. Ich hatte dort eine wunderschöne Kindheit. Meine Mutter war sehr musikalisch und sie hat mich mit dem Lied "Mein Hut, der hat drei Ecken" scharf gemacht, um Gitarre spielen zu lernen. Dieses Lied konnte man nämlich mit nur zwei Griffen spielen. Meine Mutter brachte mir das bei, was für mich der Zündeffekt war, damit weiterzumachen. Damals musste man sich noch alles selber beibringen und das tat man meistens, indem man sich das Nötige bei den Großen abguckte.

Hast Du denn später noch Unterricht genommen oder hat Dir Deine Mama alles beigebracht?
Nein, ich habe mir alles selber beigebracht, bin also Autodidakt. Ich hatte den großen Vorteil, dass mein Vater ein Spulentonbandgerät vom Typ "Smaragd" hatte. Auf dem Ding hat mein Bruder, der sechs Jahre älter war, immer die "Schlager der Woche" aufgenommen. Auf die Art konnte ich mir das immer mal anhören, probieren und im besten Fall herausfinden, wie die anderen das so machten. Ich spielte das dann dank meiner Vorstellungskraft nach. Und es gab natürlich auch ein paar ältere Kumpels, die mir ein paar Griffe gezeigt haben. Irgendwie ging das bei mir alles ganz schnell. Erst ganz am Ende, als ich schon fast Profimusiker war, hatte ich mal einen Lehrer, doch der sagte nur, er braucht mir nichts mehr beizubringen.

Für einen Techniktrottel wie mich: Was war der "Smaragd" für ein Apparat?
Wie gesagt, das war ein Spulentonband, welches mit einer Bandgeschwindigkeit von 9,5 und 19,05 cm/s lief. Mechanisch war das total robust. Dieses Tonband hatte den großen Vorteil, dass ich mir die ganzen Songs, die mein Bruder aufgenommen hatte, jederzeit nochmal anhören und analysieren konnte. Ich versetzte mich mit regelrechter Ekstase in die Lieder, das war unglaublich.

Du bist in beruflicher Hinsicht aber nicht gleich Musiker geworden, sondern hast Schmied gelernt. War das Dein Traumjob?
Nein, weiß Gott nicht. Ich stand schon mit 13 oder 14 Jahren auf der Bühne. In der DDR musste man in diesem Alter aber spätestens um 22:00 Uhr von der Bühne verschwunden sein. Da wurde richtig kontrolliert. Also habe ich mir eine lange Schnur an die Gitarre gebastelt, bin in einen hinteren Raum gegangen und habe von dort weitergespielt. Aber zurück zu Deiner Frage nach dem Traumjob. Nein, das war keineswegs mein Traumjob. Ich wollte eigentlich studieren, dazu musste man aber mindestens drei Jahre bei der Volksarmee dienen. Ich war allerdings der festen Ansicht, dass ich mit dem Musikmachen genug für den Frieden tue. Natürlich waren die Stasi-Leute darüber stinksauer und man sagte mir klipp und klar, dass ich gar nicht nach Dresden an die Hochschule fahren brauche. Mein Vater, mit dem ich ausgiebig über das Thema sprach, meinte, ich solle endlich mal einen Beruf machen, der schnell geht, nur um erstmal einen Beruf zu haben. Studieren könnte ich ja immer noch gehen.

Und dann bist Du Schmied geworden?
Genau, was auch gar nicht mal so übel ist. Das ist nämlich eins der ältesten Handwerke auf der Welt, gleich nach der Prostitution lacht. Ich habe dort eine Menge über Material gelernt und wie man es bearbeitet. Ich war sowieso vorbelastet, denn mein Vater war Stahlwerker, und nicht nur das, denn in unserem Nest war er der Stahlwerkschef, was dazu führte, dass man mich immer ganz besonders beobachtete, auch politisch. Kein Wunder, denn ich machte nicht immer das, was man von mir erwartete und wollte. Deshalb wählte ich den Weg, zuerst einen Beruf zu lernen. Die Prüfung machte ich auf der Abendschule, habe aber nebenbei immer gearbeitet.
 

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Grupppe CLUB 5


Du hast erzählt, dass Du schon in Deiner Jugend in Bands gespielt hast. Ich habe auf meinem Zettel die Gruppe CLUB 5 stehen. Später nannte man sich in PROGRESSIV um. War das Deine erste Band? Und was war das für eine Kapelle, wie bist Du dahin gekommen?
Ich war nicht nur einer der Gründungsmitglieder, sondern ich war auch mit Abstand der Jüngste. Die anderen waren meistens drei, vier Jahre älter als ich. In Gröditz gab es damals noch ein paar Bands mehr und in jeder Band gab es einen, der etwas anderes gut konnte. Also einer konnte gut Schlagzeug spielen, woanders konnte jemand gut Gitarre, in der nächsten Band gab es einen guten Sänger usw. Nun hatten wir in Gröditz auch ein Kulturhaus, das sogenannte "Kulti". Dort gab es eine schöne große Theaterbühne, wo man proben konnte. Hier trafen sich die besten Musiker aus Gröditz und daraus entstand irgendwann CLUB 5. Die Band war ziemlich bekannt in der Gegend und dem erweiterten Umland, wir spielten überall. Als dann erst einer und dann noch einer von CLUB 5 zur Armee musste, driftete die Band auseinander und aus den Resten entwickelte sich PROGRESSIV FALKENBERG. Hier wurde die Musik deutlich härter. Ich ging jedenfalls zunächst nach Röderau, weil hier schon viel bekanntere Kapellen gespielt haben. Dort war der größte Beatschuppen der DDR. Als eines Tages RENFT in Röderau spielte, bin ich natürlich auch hin. Ich versuchte immer wieder, mit irgendeinem Musiker ins Gespräch zu kommen, was mir dann mit Cäsar auch gelang. Ich fragte Cäsar, ob er mir mal den Text von "Wer die Rose ehrt" aufschreiben kann, was er auch handschriftlich tat. Witzigerweise schrieb er mir den Text auf die Rückseite eines Fotos von CLUB 5. Dieses Foto mit dem handgeschriebenen Text von Cäsar habe ich heute noch! Er meinte dann zu mir, seine Jungs wären eh gerade an der Bar, also sollten wir, also CLUB 5, mal auf die Bühne gehen und was spielen. Der Saal war rappelvoll, wir waren aufgeregt, aber wir haben drauflos gespielt. "Suzi Q." und solche Nummern. Wir haben scheinbar so gut abgeliefert, dass die Leute ausgerastet sind vor Begeisterung. Cäsar meinte anschließend, so jemand wie ich müsse unbedingt nach Leipzig.

Das war also diese legendäre Geschichte, dass Cäsar Dich gehört und nach Leipzig gelotst hat. Meines Wissens muss das 1971 gewesen sein. Wie muss man sich das vorstellen, hat er einfach zu Dir gesagt, du kommst jetzt mit mir nach Leipzig, oder wie ist das abgelaufen?
Das war so: Ich gab Cäsar meine Adresse, woraufhin er sagte, dass er umgehend etwas unternehmen würde. Was er auch wirklich machte. Zunächst schrieb er mir einen Brief, in dem er mir ankündigte, demnächst würde sich ein Uli Walter oder jemand aus seiner Band bei mir melden. Nun muss man wissen, die ULI WALTER KAPELLE war seinerzeit in Leipzig genauso berühmt wie RENFT, vielleicht sogar noch ein wenig berühmter, weil da die namhafteren Leute mitgespielt hatten. Drei Wochen später schrieb mich die Band an und wir machten einen Termin für ein Treffen aus. Ohne großes Gerede drückten die Jungs mir gleich eine Gitarre in die Hand und schon ging es los mit allen möglichen Classic-Rock-Songs. Kurz darauf haben sie den alten Uli Walter aus der Band geworfen und die übriggebliebenen, zumeist jungen Musiker machten weiter. Das waren meine Anfänge in Leipzig.

Wie hast Du denn damals den Umzug vom platten Land in die große Stadt nach Leipzig erlebt? Wie bist Du klargekommen, wie lief es für Dich?
Also ich bin jahrelang mit dem Moped nach Riesa gefahren, dort in den Zug gestiegen und zu den Muggen gefahren. Jedes Wochenende, bis Anfang der 80er Jahre. Zunächst musste ich ja in Gröditz noch meine Lehre fertigmachen und anschließend ein Praktikum hinter mich bringen. Das war in der DDR so. Und später bin ich nicht nach Leipzig gezogen, weil es zu diesen Zeiten unmöglich war, in Leipzig eine Wohnung zu bekommen. Es gab keine Chance auf Zuzug, denn Du musstest einerseits nachweisen, dass Du in Leipzig arbeitest, und wenn Du in Leipzig arbeiten wolltest, musstest Du belegen, dass Du in Leipzig eine Wohnung hast. Also völlig irre. Am Ende half mir mein Vater, der einen kannte, der einen kannte… Vorher besorgte mir aber jemand aus der Kapelle ein möbliertes Zimmer, damit ich offiziell eine Bleibe in Leipzig hatte, um da arbeiten zu können. Aber bis dahin fuhr ich jahrelang immer von Leipzig nach Dresden und zurück, von Dresden nach Riesa und von da mit dem Moped zurück nach Gröditz, bei Wind und Wetter, bei Nacht und Nebel, es war katastrophal. Das würde sich heute niemand mehr antun.


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Du warst also damals schon ein Pendler.
Ja, ein echter Rock'n'Roll-Pendler. Aber es hat trotz allem unheimlich Spaß gemacht und war für mich enorm wichtig. Für mich stand jedenfalls schon ganz schnell fest, dass ich unbedingt in Leipzig unterkommen muss. Ich habe es eben schon angedeutet, dass mir letztlich mein Vater half. Sein Kollege kannte eine Frau beim Wohnungsamt, die war früher mal Olympiasiegerin im Brustschwimmen. Wenn man als Sportler früher ausgedient hatte, wurde für die berufliche Zukunft gesorgt, indem man die Leute irgendwo in den Ämtern unterbrachte. Und diese Schwimmerin landete eben beim Wohnungsamt in Leipzig-Lindenau und schrieb mir eine Zuweisung, die natürlich getürkt war, denn normalerweise hätte ich dort niemals eine Chance auf eine Wohnung gehabt. Mit viel Glück klappte es aber und so konnte ich meine erste Wohnung in Leipzig beziehen.

brief1971 holte Cäsar Dich nach Leipzig und im Mai 1972 hast Du Dir schon Dein erstes Spielverbot eingefangen. Was war passiert?
Ja, das hängt eingerahmt bei mir zuhause an der Wand. Am 15. Mai 1972 wurde das Spielverbot ausgesprochen vom Herrn Eckert, Leiter der Abteilung Kultur in Bad Liebenwerda. Ich lese Dir das mal vor:
"Werter Herr Heinrich, wir erhielten vom VEB Stahl- und Walzwerk Gröditz ein Schreiben mit der Forderung, Ihnen die erteilte Genehmigung zur Ausübung von Tanzmusik zu entziehen. In diesem Schreiben wird Ihre praktische und theoretische Leistung in der Lehrlingsausbildung und Ihre Einstellung zu unserem Staat sehr kritisch eingeschätzt. Wir entsprechen der Forderung des Betriebes und verbieten Ihnen ab sofort die Ausübung von Tanzmusik. Ihre Spielerlaubnis haben Sie bis zum 25. Mai 1972 an uns einzusenden."
Das ist mir also widerfahren.

Das ist etwas, was sich junge Musiker heute gar nicht vorstellen können, dass es so etwas mal gegeben hat. Hattest Du konkrete Hinweise, wie das passieren konnte? Klingt irgendwie vorgeschoben …
Das kann ich Dir ganz genau sagen: ich wollte nicht für drei Jahre zur Armee gehen! In meiner Naivität habe ich denen damals gesagt: "Ich mache Musik und damit kann ich am besten etwas für den Frieden machen". Dazu muss ich erwähnen, dass ich zu der Zeit auch nochmal als Frontmann bei einem Singeklub meines Betriebes mitgewirkt habe. Plötzlich war ich da auch nicht mehr tragbar. Und wieder half mein Vater, diesmal in seiner Funktion als Stahlwerkschef. Der kannte natürlich den Chef der Betriebsberufsschule und sprach sich gegen das Spielverbot für mich aus. Es dauerte dann auch nicht mehr lange, bis ich einen Anruf vom Rat des Bezirkes erhielt und mir meine Spielerlaubnis wieder abholen durfte.


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Autogrammkarte der Gruppe SET (Fotograf unbekannt)


Kurze Zeit später wurde dann nämlich auch aus der ULI WALTER KAPELLE die Gruppe SET. Daran warst Du ja aktiv beteiligt. Wie ging das vonstatten? Wie kam es dazu, dass ihr den alten Bandnamen, der ja eigentlich bekannt war, abgelegt und Euch einen neuen zugelegt habt?
Ich bin zunächst in eine andere Band gewechselt, und zwar in eine sogenannte Tanzband mit Namen DIE MILANOS. Ich musste ja wieder irgendwas machen. Das war 1972 eine Zeit, in der alles Schlag auf Schlag ging. Das mit der Gründung von SET ging relativ schnell über die Bühne. Nur waren meine Kollegen allesamt studierte Leute, die hatten alle ihr Staatsexamen. Hendrik Kralle zum Beispiel war ein erstklassiger Flötist und Saxophonist, der konnte wirklich alles spielen. Der hatte bereits eine richtige Vita, denn er stammte aus einer Hallenser Musikerfamilie. Später wurde Kralle dann Orchesterleiter in Neubrandenburg am Staatstheater. Auch der Bassist Helmut Schulze war ein richtig Guter. Thomas Riehl an den Keyboards darf man nicht vergessen. Leider ist er schon tot. Der Schlagzeuger kam aus der RENFT-Ecke, war also auch kein Schlechter. Jedenfalls verkörperte diese Band schon eine gehobenere Klasse. Die konnten zum Beispiel alle vom Blatt abspielen, was ich aber überhaupt nicht beherrschte. Das habe ich mir später selber beigebracht. Anfangs haben wir einigermaßen fleißig geübt und hatten nach einem Vierteljahr ein Programm von zehn bis zwölf Songs zusammen. Eines Tages wurde dann in der Stadthalle Taucha eine Einstufungsveranstaltung extra für uns abgehalten, da die Gruppe SET noch keine Einstufung hatte, diese aber in der DDR vorgeschrieben war. Und was soll ich Dir sagen? Wir haben sofort die Einstufung "Sonderklasse" bekommen. Das war damals die höchstmögliche Stufe, die man erhalten konnte. Jedenfalls war das absolut unüblich, so hoch eingestuft zu werden und ich glaube, SET war die einzige Kapelle, die von dieser Kommission jemals auf Anhieb so bewertet wurde. Das war umso bemerkenswerter, weil in der Kommission richtige Musikkoryphäen saßen.

Da habt Ihr also von den musikalischen Größen der Gegend Euern Ritterschlag bekommen?
Ganz genau. Dadurch war SET natürlich sofort in aller Munde. Nun war es so, dass es in Leipzig im Corso immer um zwölf Uhr ein Treffen gab, zu welchem alle kamen, die eine gewisse Bedeutung hatten. Unser Schlagzeuger Jürgen Schachmann kam ja wie gesagt aus dem Dunstkreis von RENFT. Jürgen rannte also immerzu mit den Jungs von RENFT rum, wenn sie sich zum Klatsch und Tratsch im Corso trafen. Witzig war, dass die Jungs alle irgendwelche Pseudo-Jobs hatten. Der alte Renft zum Beispiel war Tischler und motzte alte Möbel wieder auf. Und Schachmann war ein sehr begabter Grafiker, aber auch ein Lebemann vor dem Herrn. Der zeigte mir Landei alles, was man in Leipzig kennen und wissen musste, auch das Nachtleben. Und er führte mich in die Szene ein, machte mich mit anderen Musikern und Bands bekannt. Von dem Zeitpunkt an hatte ich übrigens meinen Spitznamen weg. Ich hatte nämlich eine richtig schöne Jimi Hendrix-Wuschelmähne und wurde ab da nur noch "Sauerkraut" genannt. Selbst in der Biographie vom alten Renft, also von Klaus Jentzsch, steht an einer Stelle die Zeile: "…da tauchte plötzlich Sauerkraut auf".

Ihr habt mit SET relativ schnell eigene Songs gemacht. Eure erste Single kam zwar erst 1975 raus, aber davor habt Ihr schon viele Lieder gemacht. Mit Songs wie "Eisen" oder "Lied für Freunde" habt Ihr aber in einer ganz anderen Richtung gearbeitet als nachher auf Euren Singles. Ihr habt quasi einen echten Stilbruch hingelegt, denn "Huscha" zum Beispiel ist ja eigentlich eher eine Partynummer. Wie kam es denn zu diesem Bruch innerhalb der Musik?
Es gab ja bei AMIGA den Chefproduzenten Walter Cikan, der auch unser Produzent war. Cikan war damals relativ neu auf diesem Posten und suchte demzufolge nach neuem Material, um sich einen Kreis an Kandidaten für seine Produktionen aufzubauen. Da er zwei Musiker der SET-Mannschaft persönlich kannte, standen wir auf seinem Zettel. Das Lied "Eisen" - nur mal nebenbei erwähnt - hieß übrigens zuerst "Messingrohr". Und diesen Song hörte er live und war beeindruckt, wie heavymäßig das klang. Also nahmen wir "Eisen" mit ihm als Produzenten auf und soweit ich mich erinnere, tauchte der Song auch mal auf irgendeiner Platte auf. Und diese Heavy- bzw. Hardrock-Ausrichtung war auch die, die wir draußen bei den Konzerten gespielt hatten. Das Besondere bei "Eisen" war übrigens, dass dort ein echter Jazzer an der Posaune zu hören war, nämlich Ralf Stolle, der in der DDR eine Legende ist und nicht nur bei PANTHA RHEI oder in der VERONIKA FISCHER BAND gespielt hat, sondern eben auch bei SET.



Ihr macht also eigentlich richtigen Hardrock, es gibt auf den Konzerten richtig eins auf die Zwölf, im Gegenzug nehmt Ihr aber auch Lieder wie "Huscha" auf, was ja überhaupt nicht mit den anderen Sachen zusammenpasst.
Das war mehr oder weniger ein Spaß. Ich habe das Lied mal auf die Schnelle in einer Pause geschrieben und wir haben dem Cikan das einfach mal mit angeboten. Und was sagt Walter Cikan dazu: "Das will ich haben, das müssen wir unbedingt aufnehmen!" Wir haben das dann also im Studio in der Nalepastraße aufgenommen, mit viel Blödelei und ich glaube, wir waren da auch noch ziemlich betrunken. Jedenfalls war das der Hintergrund für das "Huscha"-Lied. Ernstzunehmen war das nicht, ganz im Gegenteil, wir haben uns alle totgelacht darüber.

Aber wie das manchmal so ist, wurde aus dem Spaß dann schnell bitterer Ernst, dann anstatt einer Eurer Hardrock-Nummern landete dann diese Klamauk-Nummer auf einer Schallplatte. Wart Ihr denn trotzdem stolz darauf?
Na klar! Irgendwie mussten wir uns ja nun damit arrangieren. Außerdem hatten wir ja unglaublich viele Live-Auftritte, da spielte dieser Song überhaupt keine Rolle. Wir spielten auf den Konzerten COLOSSEUM und andere raffinierte Sachen, teilweise richtige Werke. "Huscha" kannte keiner, das wollte niemand hören, das kam alles erst viel später. Unser Ansehen als Live-Band war ein ganz anderes. Da ging es richtig zur Sache mit knallharten Gitarren, langen Gitarren-Soli, Orgeleinlagen a la Rick Wakemann, insgesamt also alles auf einem hohen handwerklichen und musikalischen Niveau. Dieses "Huscha" kannst Du übrigens auf eine Ebene setzen mit Michael Heubachs "Du hast den Farbfilm vergessen". Das war ebenfalls nur als Spaß gedacht , so als Nebenbei-Produkt.

Ein Unfall sozusagen…
Na ja, Heubach hatte ja andererseits solche tollen Songs wie "Tagesreise" in seiner Vita zu stehen, da war der "Farbfilm" wirklich nur ein Spaß. Es konnte sich zur damaligen zeit auch wirklich niemand vorstellen, dass so etwas Erfolg haben könnte. Und plötzlich fanden das alle gut oder lustig oder wie auch immer.

Du hast ja für SET einige Lieder geschrieben. Welche davon findest Du auch heute noch gut und welche würdest Du heute anders schreiben oder sogar ganz verwerfen?
Ich hatte tatsächlich vor, unsere Songs wie "Windlied" oder "Wer ist das Mädchen" nochmal neu aufzunehmen, würde das natürlich heutzutage völlig anders klingen lassen.


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SET im Jahre 1978 (Foto: Volker Ettelt)


Du bist bei SET bis 1979 aktiv gewesen, dann aber ausgestiegen. Als Mitbegründer einer Band geht man ja sicher nicht ohne triftigen Grund. Warum bist Du also bei SET raus?
Das kann ich Dir genau sagen. Zunächst einmal nahm Walter Cikan mich beiseite und bereitete mich darauf vor, dass demnächst eine bekannte Band auf mich zukommen würde. Bei dieser Band handelte sich um KARAT, deren Mentor Cikan war. KARAT wollte sich aus bestimmten Gründen, die wir hier nicht nennen müssen, von Herbert Dreilich trennen. Henning Protzmann fand mich sowieso irgendwie gut und da haben die mich also eines Tages angesprochen. Nun wurde aber vom Rat des Bezirkes Leipzig verfügt, dass man dort auch eine Band wie SET benötigt. Außerdem glätteten sich bei KARAT die Wogen mit Dreilich wieder, so dass sich das erledigt hatte.

Gab es denn einen direkten Kontakt zwischen Dir und Henning Protzmann, seid Ihr schon in Verhandlungen getreten oder war das KARAT-Interesse am Ende nur ein laues Lüftchen?
Wir haben uns getroffen und unverbindlich unterhalten. Es war eine Art Smalltalk. Jedenfalls sagte Protzmann nicht direkt, dass wir es mal miteinander probieren wollen. Diese Dinge ließ er über Walter Cikan an mich herantragen. Unabhängig davon hatten wir uns sehr oft bei Veranstaltungen wie "rund" gesehen. Bernd Römer ist auch heute noch ein guter Freund von mir und mit ihm sprach ich kürzlich nochmal über diese Dinge. Ein konkretes Angebot gab es jedenfalls zu keiner Zeit.

Wenn eine Band wie KARAT an einen herantritt und Interesse an einer Zusammenarbeit zeigt, fühlt man sich natürlich gebauchpinselt. Hättest Du Dir diese Aufgabe denn zugetraut, denn KARAT war ja wieder etwas völlig anderes als das, was Du mit SET gemacht hast?
Auf jeden Fall! Außerdem verehrte ich Ed Swillms für seine genialen Kompositionen. Ich hätte es mir auf jeden Fall gut vorstellen können, diese Aufgabe anzugehen und natürlich hätte ich dann auch mal eigene Songs einbringen wollen.

Na gut, aus KARAT wurde nichts, bei SET warst Du raus - wie ging es denn Anfang der 80er Jahre bei Dir weiter? Warst Du anschließend sofort als Solist tätig?
Ich hatte ja sowieso schon einen Solistenausweis als Sänger. Ich nahm mir mein Material zur Hand und machte daraus ein neues Programm als Solist, welches "Zwischen Tag und Tag" hieß. Die erste Hälfte dieses Programms trat ich als Solist auf, für den zweiten Teil holte ich mir mit Michael Korreck einen Multiinstrumentalisten ins Boot, der nicht nur eine Rhythmusmaschine bedienen konnte, sondern auch mehrere Keyboards. Leider ist der auch schon tot. Mit Michael bin ich durch das ganze Land gefahren, habe über die Konzert- und Gastspieldirektion Tourneen gemacht und habe auch schon eigene Lieder als Solist geschrieben. Gleich mein erstes Lied mit Namen "Mitternachtslied" reihte sich in den Wertungssendungen vor den PUHDYS ein. Insgesamt produzierte ich als Solist wohl um die zwölf Lieder.

Die sind aber sicher niemals auf Platte erschienen, oder?
Nein, davon erschien kein einziges auf Platte.

Welche Art Musik hast Du denn als Solist gemacht? War das noch Rockmusik oder tendierte das schon zum Schlager?
Ich würde sagen, das war Pop. Okay, das "Mitternachtslied" kannst Du überall hinstecken, denn das ist ein ruhiges Lied. Dann gab es von mir das "Wogenlied", "Nacht für Nacht", "Dreißig Jahre" und noch einige mehr. Mit dem "Mitternachtslied" war ich zum Beispiel in der Fernsehsendung "bong", aber auch beim Interpretenwettbewerb anzutreffen.


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Du warst 1984 ja sogar Teil dieser 200-Gesangssolisten-Geschichte, die eine Single aufgenommen haben. Aber das war definitiv ein Projekt der Schlagerszene…
Das stimmt, aber das war eine Schweineveranstaltung. Die wollten von jedem, der da mitgemacht hat, eine Kartei anlegen. Der eigentliche Sinn dessen war aber das Interesse der Stasi an der Sache. Die wollten wissen, wer alles da rumspringt und mitmacht. Und da nahmen sie diese Veranstaltung zum Anlass, um herauszukriegen, wer überhaupt noch da ist. Jeder einzelne Solist, der dabei mitmachen wollte, sollte vor die Kamera treten und was über sich erzählen. Bei den Aufnahmen zu diesem Videoband habe ich mich allerdings auch geweigert mitzumachen. Das haben sie mir wahrscheinlich schwer übelgenommen, aber heute spielt das für mich keine Rolle mehr. Alles in allem war die ganze Sache ein totaler Blödsinn.

Lass uns über KARUSSELL reden. Als Cäsar 1983/84 raus war und man nicht sofort einen neuen Sänger fand, hatte KARUSSELL Dich auf dem Zettel. Die wollten Dich haben und Ihr habt Euch wohl auch schon zu Probeaufnahmen getroffen, richtig?
Ja, das stimmt. Tom Leonhardt war auch schon dabei. Oschek, also Reinhard Huth, wollte ebenfalls aufhören, war aber bei den Proben noch dabei. Und selbst Cäsar war noch da, wenn ich mich recht erinnere. Die saßen alle da, Claus Winter und Jochen Hohl nicht zu vergessen, und dann machten wir eine ganze Stunde lang Session. Am Ende stiegen dann Tom Leonhardt und Lutz Salzwedel als neue Mitglieder bei KARUSSELL ein.

Und Du durftest nicht, weil Du kein Reisekader warst …
So wurde mir das gesagt, ja.

Mit KARUSSELL wurde es also nichts. Du warst dann als Solist unterwegs und hast 1985 gemeinsam mit Peter Kschentz, den man ja auch von RENFT kennt, die LUTZ HEINRICH BAND gegründet. Wie kam es denn dazu und wie haben sich die Wege von Dir und Peter beruflich gekreuzt?
Wir kannten uns gefühlt schon immer. Man nennt uns auch DIE SPONTANIS. Wir konnten uns hinstellen und schon fielen mir drei Lieder ein, zu denen Peter dann spontan die Texte beisteuerte. Wir passten aber nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich richtig gut zusammen. Deshalb haben wir auch privat viel Zeit miteinander verbracht. Peter war einfach ein wirklich guter Mensch.

Ihr habt allerdings nur zwei Jahre lang zusammen Musik gemacht, dann war die LUTZ HEINRICH BAND schon wieder am Ende. Was habt Ihr für Musik gemacht? Und warum ging es mit Euch nicht weiter?
Wir haben uns darauf vorbereitet, Walter Cikan unsere Lieder anzubieten. Leider stand ich zu dem Zeitpunkt schon auf der "schwarzen Liste". Ich habe nämlich in Jena dank meiner Freundin, die dort studiert hat, immer wieder mal Muggen in Studentenklubs gemacht. Dafür kam ich eben auf diese ominöse schwarze Liste. Aber um den Kreis Deiner Frage zu schließen: Walter Cikan sagte ziemlich kühl auf unser Angebot mit den neuen Liedern: "Das können wir nicht gebrauchen". Er hätte auch einfach nur zu sagen brauchen: "Du bist nicht mehr tragbar". Und Peter "Pjotr" Kschentz war erst recht und sowieso nicht tragbar, denn der hatte zu keiner Zeit eine Sozialversicherung, der hatte nie einen Berufsausweis, der hatte einfach gar nichts und galt deshalb immer als Asozialer in der damaligen Gesellschaft.

Was ist denn aus dem Liedmaterial geworden, was Ihr beide erarbeitet habt? Ist das in der Versenkung verschwunden oder hast Du noch Zugriff darauf?
Das liegt noch rum. Und schon bringst Du mich auf eine Idee…

Du sagtest gerade, Du bist in Ungnade gefallen und warst offiziell nicht mehr tragbar. Das war um 1987 herum. Wie ging es denn bis zur Wende für Dich weiter? Das stelle ich mir nicht so einfach vor.
Ich bekam Berufsverbot. Das sah so aus: man hat mir einfach keine Muggen mehr gegeben, bis ich hingegangen bin und gesagt habe, dass es mir jetzt reicht und ich abhauen werde. Und plötzlich hat man mir Muggen in einer Barkapelle besorgt, und zwar spielten die im "Schorschl", einem berühmt-berüchtigten Laden in Leipzig, wo zur Messe die Nutten rumrannten. Da verdiente ich zwar eine Menge Geld, aber es war die Hölle für mich! Es war eine superschlechte Kapelle, aber ich musste ja von irgendwas leben.


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Ansichtskarte vom "Sächsischen Haus" in Leipzig-Connewitz, dem späteren "Schorschl" (Quelle: Wikipedia)


Also war das für einen Musiker wie Dich quasi die Höchststrafe…
Absolut.

Wie hast Du denn die Wendezeit erlebt? Dann war die Wende für Dich wohl eher eine Befreiung?
Totale Neugier. Zuerst habe ich natürlich meinen Plan fallengelassen, in den Westen abzuhauen. Ich war hier zuhause, meine Familie lebte hier und es war nicht mehr nötig, sich zu verdrücken. Wäre die Wende aber etwas später gekommen, wäre ich weg gewesen. Ich konnte mir nach der Wende jedenfalls ein Haus kaufen und baute mir dort ein Studio ein. Alles in allem empfand ich diese Zeit als riesengroßes Abenteuer. Ich lief ja im Vorfeld auch auf den Montagsdemos mit und hatte im Nachhinein das Gefühl, jetzt ändert sich endlich was. Allerdings merkte ich auch ganz schnell, dass sich in Sachen Musik machen erstmal nichts weiter tun würde bei mir. Also habe ich unter anderem für eine Brauerei Bier ausgefahren, um wenigstens ein bisschen Geld zu verdienen.

Es ging dann aber doch weiter für Dich, denn von 1990 bis 1993 warst Du Teil der reformierten Gruppe RENFT. Wie bist Du denn dazu gekommen? Du warst ja vorher nie bei RENFT.
Ich bin eingeladen worden. Zuerst wurde natürlich bei Cäsar angeklopft und gefragt, ob er wieder bei RENFT einsteigen will, doch Cäsar sagte, er lässt das lieber bleiben. Er wusste wohl schon, dass diese Stasi-Geschichte auffliegen würde. Ansonsten wäre er sehr gerne dabei gewesen. Als nächstes wurde ich dann gefragt. SET und RENFT hatten ja früher oft gemeinsame Auftritte, daher kannten wir uns schon. In der Band wurde also abgestimmt und man war sich schnell einig, dass man "Sauerkraut" nehmen würde.

Das Interesse der Leute an RENFT nach 1990 schien aber schnell wieder abgeebbt zu sein, oder täusche ich mich?
Stimmt. Es ging in erster Linie auseinander, weil es innerhalb der Band einfach zu viele Streitereien gab. Bis 1993 haben wir die Sache aber immerhin durchgezogen. Nachdem das dann vorbei war, fing ich wieder an, als Solist zu arbeiten und mein eigenes Ding zu machen.

Bist Du in der Nachwendezeit nur musikalisch unterwegs gewesen oder hast Du die Zeit genutzt, um beruflich umzusteigen?
Ich habe alles Mögliche gemacht, um zu überleben. Ich trug Prospekte aus, habe für irgendwelche Magazine Akquisen gemacht, ich war Brauereivertreter und vieles mehr. Ans Musikmachen war jedenfalls vorerst nicht zu denken.

Hattest Du in dieser Zeit Existenzängste?
Na klar. Es war eine wirklich schlimme Zeit, niemand wusste so richtig, wie es weitergehen würde. Aber ich war ja schon immer recht einfallsreich, kratzte alles verfügbare Geld zusammen und holte mir einen Passat. Damit konnte ich zumindest kleine Transportaufträge erledigen. Ich fing aber auch bald an, wieder Musik zu machen. Plötzlich wollten auch alle Kneipen Livemusik machen. So kam es, dass ich unter anderem 1994 beim allersten Honky Tonk in Leipzig dabei war. Durch diese Kneipenfestivals und sonstige Liveauftritte kam ich zum Glück wieder zurück ins Musikgeschäft.

Wie kam es denn 1995 zur Gründung von EISENHEINRICH? Das war ja dann Deine neue Band.
Es gab vorher schon ein EISEN TRIO. Da entstanden schon neue Songs. Ich hatte inzwischen durch die vielen Auftritte wieder ein bisschen Geld in der Hand und sagte mir, jetzt müsste ich mal wieder eine Platte machen. Da die Band dafür aber noch nicht komplett war, gründeten wir eine neue Band, die letztlich EISENHEINRICH hieß. An dieser Stelle stieß auch mein Freund und Schwiegersohn Hans "Erbse" Moser dazu. Das Album hieß ebenfalls "Eisenheinrich" und erschien bei AM Music. Wir hatten dann auch wieder mehr Muggen, weil 1995 auch das Interesse des Publikums langsam wieder erwachte und man wissen wollte, was denn inzwischen in der heimischen Musikszene passiert war. Später stieß auch noch Bernd Fleischer, den man von BERLUC kennt, zu uns, und auch Danny Dziuk war mal dabei. Wir hatten also durchaus ein Konzentrat von guten Musikern. Insgesamt haben wir immerhin vier Platten mit EISENHEINRICH aufgenommen, die aber allesamt nicht mehr erhältlich sind. Der Höhepunkt für uns war erreicht, als wir den Support von SWEET machen durften anlässlich deren Europatournee.


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Eisenheinrich


Du hast Dir dann irgendwann Dein eigenes Studio aufgebaut, das Sternburg-Studio. Gibt es das noch?
Ja, das gibt es noch. Wir haben in dem Studio hunderte Hörbücher produziert, aber natürlich waren auch diverse Bands bei mir zu Gast. Da bin ich aber gerade schlecht vorbereitet, deshalb fallen mir spontan keine Namen ein.

Und sogar ein Musical hast Du gemacht, nämlich "Julia". Was ist daraus geworden?
Das wurde bislang noch nicht aufgeführt, obwohl das Werk fix und fertig bei mir in der Schublade liegt. Ich hatte einfach keine Lust mehr, die Sache zu Ende zu bringen. Ein paar Lieder aus dem Musical habe ich aber hin und wieder mal gespielt. Des Weiteren haben wir mit dem Musiklabel "Das Hörwerk" zusammengearbeitet. Die haben uns benutzt, wir haben das Label benutzt, und so haben wir eine Menge Veranstaltungen zusammen gemacht. Ach ja, dann gab es ja auch noch die Platte "Ein einzelnes Lied". Darauf habe ich Lyrik der letzten 500 Jahre vertont. Hölderlin, Goethe und viele mehr. Das war eine sehr interessante Geschichte, mit der wir auch durch die Lande gezogen sind.

Ich höre, Du bist sehr umtriebig, Du machst eine Menge und hast noch einiges in der Schublade, was Du machen könntest.
Absolut richtig.

Lass mich zum Abschluss unseres Gespräches noch die Frage klären, wie Du die Corona-Zeit erlebt und hinter Dich gebracht hast.
Mich hat das gar nicht so sehr gestört. Ich habe zum Beispiel während Corona eine ganz liebe Freundin kennengelernt. Ansonsten habe ich ein bisschen an meinen Instrumenten rumgebastelt. Auf keinen Fall hatte ich Bock darauf, irgendwelche spektakulären Corona-Konzerte zu geben. Kurz und knapp: ich habe die Corona-Zeit für mich als heilsam empfunden. Nun muss ich dazu sagen, dass ich seit 2020 Rentner bin und somit keine finanziellen Sorgen habe. Gut war natürlich, dass ich schon immer selber etwas für die Rente eingezahlt hatte. Ich bin nämlich seit 1976 freiberuflich unterwegs und dafür musste man selbst in der DDR Steuern zahlen. Ach Mensch, etwas ganz Wichtiges habe ich ja vergessen zu erwähnen: Ich habe doch auch noch Musikschule gemacht! Das war unheimlich anstrengend, zumal ich ja nebenbei auch noch viele Muggen zu spielen hatte. Ich gebe übrigens heute noch Unterricht für Leute, die gerne mal ein Instrument lernen wollen zu spielen.


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"Eisenheinricfh" (1995) | "Ärger" (1997) | "Live" (2000) | Hälfte des Lebens (2004) | "Fe" (2005)


Also bist Du nur auf dem Papier Rentner, aber nicht im Leben?
Genauso kann man das sagen.

Was sind denn Deine nächsten Pläne? Kannst Du darüber schon etwas sagen?
Ich habe vor, endlich eine neue Platte zu machen, denn es ist genügend Material vorhanden. Vor allem suche ich einen guten Bassisten für meine Band.

Ich wünsche Dir alles Gute für vielen Pläne.
Dankeschön, das kann ich gebrauchen.



Interview: Christian Reder
Übertragung: Torsten Meyer
Fotos: Lutz Heinrich PR, Volker Ettelt



   
   
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