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Die erste Musiksendung für Jugendliche kam - wie immer betont wird - aus dem Westen. Die Rede ist natürlich vom Beat Club. Der Beat Club war für viele Jugendliche aus Ost und West in den 60ern der Gradmesser, was in der Welt der Beatmusik gerade so abgeht. Um sich deutlich von dem Genre Schlager zu distanzieren, in dem es gerne mal um "kleine Italiener", "Seemänner" und "Strand-Bikinis" ging, wurde Beat Musik in der Bundesrepublik pauschal in englischer Sprache gemacht. Und wenn mal jemand wie Drafi Deutscher mit seinem Megahit "Marmor, Stein und Eisen bricht" meinte, er müsse Beat Musik in seiner Muttersprache machen, dann wurde er gleich ins Schlager-Genre abgeschoben.014_Bernd Maywald 2015 an seinem Schnittplatz fuer alte und neue Filme So war das eben in der Bundesrepublik. Anders ging man damit im anderen Teil Deutschlands um. Statt Beat Club gab es dort die Notenbank, und wer dort auftreten wollte, musste es mit Liedern auf Deutsch tun. Das war die Voraussetzung. Erfinder dieser Sendung ist Bernd Maywald, der sie knapp drei Jahre produzierte und ins Fernsehen der DDR brachte. Maywald schaffte mit nur acht Sendungen etwas, was andere mit 50 Ausgaben nicht schafften: Er blieb im Gedächtnis der Musikfreunde. Außerdem war er Wegbereiter für die Rockmusik ... die deutschsprachige Rockmusik wohlgemerkt! Auch fast 45 Jahre später erinnert man sich noch an die Sendung und an Bands wie JOCO DEV, Die SKALDEN, SCIROCCO oder die KLOSTERBRÜDER, die in der Notenbank ihre ersten TV-Auftritte hatten. Die Geschichte der Notenbank gibt es jetzt auf einer DVD aus dem Hause Sechzehnzehn, auf der man vieles noch einmal nacherleben kann. Aus Anlass dieser DVD-Veröffentlichung sprachen wir mit dem Erfinder und Macher der Notenbank, Bernd Maywald ...



Wenn Ihnen Ihr Vater 1955 zum bestandenen Abitur statt einer Kamera eine Gitarre geschenkt hätte, wäre dann aus Ihnen möglicherweise ein Rockstar geworden?
Eher nicht, ich war perfekt unmusikalisch.

Dann war die Kamera also genau das Richtige?
Ja, ich glaube schon. Ich höre zwar sehr gut falsche Töne heraus, aber die Ambition, ein eigenes Instrument zu spielen, hatte ich nie.

Sie hatten ja offenbar auch gleich ganz konkrete Ideen, was man mit so einem Ding anstellen kann. Sie haben nämlich nicht nur Filme von Familienfeiern gedreht, sondern wie ich gelesen habe, hatten Sie ganz eigene Vorstellungen, die Sie dann auch umgesetzt haben. Was waren das für Filme, die da Ende der Fünfziger, Anfang der Sechziger entstanden sind?
Die eigenen Ideen begannen bereits vor Erhalt der ersten Kamera. Den ersten Film, der hieß "Schularbeiten", habe ich noch vor dem Abitur gedreht, und zwar mit einer geborgten Kamera eines Mitschülers. Dieser Film hatte seine Uraufführung zum Abi und lief vor kurzem auch noch mal im Berliner Kino "Arsenal" in einer Veranstaltung mit allen meinen Filmen von damals. Das nur mal so als Vorrede. Ideen … die hat man oder man hat sie nicht. Ich weiß nicht, wie man das begründen soll, dass man Ideen hat.

002Sie sagen gerade, da gab es im Kino eine Vorführung Ihrer Filme? Gab es einen besonderen Anlass dafür?
Ja, Maywalds Filme. Ich war der Star des Abends. Der Titel der Vorstellung hieß "Auf ins frohe Jugendleben", sich beziehend auf die Filme von damals. Da liefen dann zwar nicht alle, aber zumindest die in der DDR preisgekrönten Filme von mir.

Gibt es diese Kamera eigentlich noch, die Sie damals geschenkt bekommen haben?
Ja, die Kamera, die ich von meinem Vater geschenkt bekam, gibt es noch. Und die andere Kamera, mit der ich dann diese Playbackfilme gedreht habe, gibt es auch noch. Allerdings ist die jetzt in der Verwahrung des Filmmuseums Potsdam.

Die Kamera brachte Sie auf den Weg zum Filmemacher. Wie sah Ihr Werdegang aus und wie sind Sie dann letztendlich zum Fernsehen gekommen?
Ich war vorher Maschinenbauer, Technologe, habe dann in Ludwigsfelde im Industriewerk den Amateurfilmzirkel geleitet. Ich wollte aber schnell da weg, weil ich merkte, Maschinenbauer ist nicht das Richtige für mich. Ich habe mich dann als absoluter Amateur beim Fernsehen beworben. Man nahm mich als Ton-Assistent. Anfangs durfte ich die Mikrofone anschrauben, dann durfte ich auch mal ans Mischpult. Ich habe mich dann im Laufe von fünf Jahren vom Assistenten zum Mischtonmeister hochgearbeitet, und habe mit verschiedenen Kapellen im Synchronstudio Adlershof Musikaufnahmen gemacht. Diese Aufnahmen wurden zwar auf Tonband gemacht ("Schnürsenkel"), die fertigen Fernsehfilme mit Lichttontechnik. Heute weiß gar keiner mehr, wie das eigentlich funktioniert hat, denn der Film-Magnetton war ja erst im Entstehen. Nach fünf Jahren war mir das dann aber auch genug. Ich musste gemäß den Anforderungen des Fernsehens in drei Schichten arbeiten, das wollte ich nicht mehr. Also bewarb ich mich als Regie-Assistent im gleichen Haus, aber beim Fernsehfunk. Die Technik gehörte übrigens nicht zum Fernsehfunk, sondern gehörte zur "Studiotechnik Fernsehen", die wiederum der Deutschen Post gehörte. Ich war also theoretisch Postbeamter. Ich bewarb mich also beim Fernsehfunk, wollte erst zu "Prisma", da brauchten sie aber gerade niemanden. Bei der "Unterhaltung" haben sie mich aber genommen, und zwar als Regie-Helfer. Ich hatte vorher gar nichts in dieser Richtung gelernt, die haben mich aber trotzdem genommen. Wobei mich aber natürlich viele schon durch meine Arbeit im Tonstudio kannten. Die Filme, die gemacht wurden, mussten ja gemischt, vertont und synchronisiert werden, und das geschah in der Synchronregie. Da war ich einer von mehreren, aber die wussten schon, wer der Maywald ist.

003_Bernd Maywald bei Dreharbeiten mit DIANA SHOW 1966Wenn ich sagen würde, Sie sind der Erste, der einen Videoclip mit einer Band gedreht hat, hätte ich da Recht?
Das ergab sich durch Zufall. Sie meinen den Musikvideoclip mit dem DIANA SHOW QUARTETT, nehme ich an? Das hatte vorher einfach noch keiner gemacht. Ich drehte den Film nicht, um damit den ersten Clip zu drehen, sondern es ergab sich so.
 
Genau, um den Clip mit dem DIANA SHOW QUARTETT geht es. Damals gehörte ACHIM MENTZEL noch dazu. Sie sagen, es war reiner Zufall. Wie kam es denn 1965 zu diesem 8-Millimeter-Tonfilm, was war der Hintergrund?
Ich hatte den ganz privaten Wunsch, mit meiner selbst gebastelten Kameratontechnik, die ziemlich abenteuerlich aussah, mehr wie eine Zeitzünderbombe wirkte, aber als Kamera funktionierte, einen Musikfilm zu drehen. Da damals gerade die DIANA SHOW BAND durch die Presse ging, habe ich mich nach denen erkundigt und traf sie im Jugendklub "Freundschaft" am Ostbahnhof. Wir haben gequatscht, kamen dann später noch mal in ihrem Proberaum in Kaulsdorf zusammen und danach sagten die Jungs: "Ja, da machen wir mit". Das war auch schon alles, es passierte einfach nur so aus Spaß. Ich schaffte es anschließend sogar, meine Chefs beim Fernsehen zu überreden, dass ich mit der Band über Nacht ins Studio durfte, um Musikaufnahmen zu machen. Da war ich übrigens schon Regie-Helfer. Die ganze Nacht über haben wir die Musik aufgenommen und in den Tagen danach den Film gedreht mit der 8mm-Supertonkamera. Das hat mir wirklich Spaß gemacht. Mein Wunsch dabei war, dass die Band nur deutsch singt. Das war auch kein Parteiauftrag, sondern wirklich mein eigener Wunsch, weil ich selber ja eher schriftstellerische Ambitionen hatte, als musikalische. Genau das haben wir auch gemacht. Bernd Wefelmeyer hat extra für diesen Film dann noch einen Titel komponiert. Am Ende des Films stand dann zu lesen: "Produziert und hergestellt mit Hilfe des Schmalfilmklubs Berlin", bei dem ich ja Mitglied war.

004_Dreharbeiten mit den DIANAS 1966Aus diesem Clip heraus entstand die Idee, daraus eine komplette Fernsehsendung entstehen zu lassen, nämlich "Die Notenbank" ...
Nein, nicht aus dem Clip direkt, sondern eher aus dem kompletten Anliegen beider Filmen mit dem DIANA SHOW QUARTETT. Die entstanden 1965 und 1966. Auf der "Notenbank"-DVD habe ich das nur zusammengefasst, weil die Einzelheiten von damals heute nicht mehr entscheidend sind. Ich hatte jedenfalls die Idee, dass man daraus auch etwas für's Fernsehen machen kann. Ich habe den Vorschlag beim Chef eingereicht. Das war 1968, da hatten die Filme bereits Preise bei den Arbeiterfestspielen gewonnen. Ich fertigte für Günter Herlt, den damaligen Unterhaltungschef, ein Exposé an, er sagte "Ja" und dann konnten wir auch schon anfangen.

Die erste Ausgabe der "Notenbank" wurde 1969 im Fernsehen der DDR ausgestrahlt. Wer sich ein bisschen mit der Geschichte auskennt, der weiß, dass es davor und auch danach viele Verbote von Beatbands gab. Jetzt machen Sie eine Sendung mit Beatmusik. Wie ist es Ihnen gelungen, dieses Konzept auf den Bildschirm zu bringen? War das reibungslos umsetzbar?
Ja, zumal das mit den Verboten schon ein paar Jahre zurücklag und so schlimm, wie es heute gelegentlich beschrieben wird, gar nicht war. Diese Schwierigkeiten mit manchen Bands waren der Grund für den Film mit dem DIANA SHOW QUARTETT. Wir wollten damit nämlich zeigen, dass die Bands nicht immer nur das tun, was man ihnen vorwirft bzw. was man behauptet, dass sie es tun. Ich war ja dann auch selber beim Staatsanwalt, als das DIANA SHOW QUARTETT 1965 durch die Presse ging, weil es angeblich Schlägereien angezettelt hätte. Ich wollte nämlich einen zweiten Film mit der Band drehen. Ich dachte mir, bevor ich wegen des Geredes um die Band Ärger kriege, gehe ich mal lieber zum für die "Rabauken"-Prozesse zuständigen Staatsanwalt und frage den. Ich bin dann zu ihm rein, habe mein Anliegen erläutert und der meinte nur, das hätte doch alles gar nichts mit der Band zu tun und ich solle ruhig mit ihr weiterarbeiten. Außerdem solle ich nicht alles glauben und ernst nehmen, was in der Zeitung steht. Daraufhin habe ich mich dann in den zweiten Film gestürzt. Also immer nur auf das hören, was man aus der Ferne hört, das bringt nichts. Ich bin jedes Mal zu den Leuten hin, die es betraf. Und ich konnte wirklich mit jedem sprechen. Beim Kulturminister zum Beispiel bin ich eingedrungen, habe dem Minister einen Brief auf den Tisch geknallt und bin wieder raus gerannt. Das Ganze schaffte ich ohne Passierschein. Man muss nur wissen, wie es geht. Und ich bekam sogar eine sachbezogene Antwort, also keine Drohungen oder so was. Nur wer keinen Mut hat, kriegt nichts auf die Beine gestellt, so ist das.

005_Erste Klappe zur ersten NOTENBANK 1969Sie sagen gerade, das mit den Verboten für Bands und Musiker sei gar nicht so gewesen. Das erzählen die Musiker in Interviews aber ganz anders ...
Ja, ist doch klar, die leben davon, sonst werden sie nicht engagiert! Es war nicht so schlimm, wie es jetzt hier und da dargestellt wird. Ich nenne jetzt keine Bandnamen, aber die wollten doch auch mal in den Westen! Immer dieses Theater! Ich kann das nicht bestätigen, aber nicht, weil ich etwas verschweigen will. Ich war doch drin in der Szene. Und das wird auch heute noch alles hochgespielt, weil es ein Interview bringt. Es sind auch immer dieselben fünf bis sechs Leute, die immer dasselbe erzählen, das darf man dabei nicht vergessen. Fünf bis sechs von vielen hundert Rockmusikanten in der DDR.

Es gibt aber noch eine ganz interessante Geschichte zur Gruppe SCIROCCO und der "Notenbank". Bitte erzählen Sie unseren Lesern doch etwas darüber ...
Die Band SCIROCCO gab es eigentlich gar nicht, denn sie spielte bis dahin unter einem anderen Namen. Bei irgendeiner Tanzveranstaltung hatte es im Publikum eine Keilerei gegeben, wie auf dem Dorf seit Jahrhunderten fast Vorschrift. Danach hatten alkoholisierte Jugendliche ein paar Gläser mit sauren Gurken geklaut. Daran konnte gemäß Provinzbehördenniveau natürlich nur die "aufputschende Musik" der Band schuld sein. Sie erhielt Spielverbot, bewarb sich trotzdem bei uns und verriet auch ihren problematischen Status. Nun in Kenntnis der Affäre schlugen wir der Band vor, sich einen neuen Namen zuzulegen und damit das Spielverbot außer Kraft zu setzen. Jedenfalls für die "Notenbank". Der Name SCIROCCO wurde geboren, die Sendung produziert und die Werbung lief an. Vor allem in der "FF dabei" in Millionenauflage. Einen Redakteur dieser Zeitschrift konnte ich überreden, zur Werbung ein möglichst großes Foto von SCIROCCO zu verwenden, das ich ihm geliefert hatte. Er tat es. So erfuhr das für diese Musiker zuständige Zossener Kreiskulturamt per FF-dabei-Foto, wer und was sich hinter dem Namen SCIROCCO verbarg. Und schon sprach das Behördchen empört beim Fernsehfunk vor. Es kam zum Gespräch. Ergebnis ungewiss. Es folgte ein DFF-internes Gespräch zwischen meinem wiederum neuen Chef, dem stellvertretenden Intendanten und mir.006_Gruppe SCIROCCO SCIROCCO rausschneiden? Das ging nach der Werbung nicht mehr. Die ganze fünfte Sendung ausfallen zu lassen, das ging sowieso nicht mehr, weil man wusste, dass "weiter oben" ebenfalls zugeschaut werden würde nach den Ereignissen um die zweite Folge. Aber dazu später. Mein direkter Chef bezeichnete diese seine Hilflosigkeit mir gegenüber wütend als Erpressung, und bestand auf einem kaderaktenkundigen Verweis für mich. Der stellvertretende Intendant allerdings schaute mich weniger bärbeißig an. Der Erfolg von "Sagen meine Tanten", dieses SCIROCCO-Starttitels, war nicht mehr zu bremsen. Die filmische Vorstellung dieser Band am Sendeanfang und die optische Gestaltung ihres Titels "Wege mit gutem Namen" gehören für mich zum Besten, was ich je auf den Bildschirm gebracht habe. Etwas später fragte ich in der Kaderabteilung an wegen des Verweises. Dieser war dort nie angekommen. Der stellvertretende Intendant Horst Pehnert hatte das wohl "vergessen", weil ihm aus seiner vorherigen Arbeit das wirkliche Jugendleben nicht unbekannt war. Nach Ausstrahlung dieser fünften Folge im Spätsommer 1971 wurde dem Deutschen Fernsehfunk von der Bezirksparteileitung Neubrandenburg der SED für den gesamten Bezirk verboten, nochmals eine ähnlich "dekadente und jugendverderbende" Sendung zu produzieren. Ein Verbot durch eine untergeordnete Bezirks-Partei-Instanz gegen den dem ZK der SED verantwortlichen Deutschen Fernsehfunk. Skurriler ging's kaum.

Zurück zur "Notenbank". Zwischen Teil 1 und der nächsten Ausgabe lag knapp ein Jahr. Das ist für heutige Verhältnisse ziemlich ungewöhnlich und das was es damals sicher auch schon. Warum mussten die Leute so lange auf die nächste Sendung warten? War der Aufwand so groß, eine solche Sendung zu produzieren?
Nein, der Aufwand war extrem gering. Einen Tag Probe, einen Tag Produktion, einen Tag danach hätten wir senden können, obgleich es Film war. Aber das war ja die von mir erfundene Filmbearbeitungsmethode. Die erste Sendung war eine Pilotsendung. Günter Herlt sagte damals: "Okay, wir probieren es mal und sehen, wie es ankommt." Das ist ja nicht ungewöhnlich und wird auch heute noch so gemacht. Die Reaktionen auf die erste Sendung waren jedenfalls noch sehr gemischt. Wichtig war aber, dass der Titel erst mal auf dem Sender war und dass er auch gesehen wurde. Das haben wir geschafft, mit den Reaktionen waren wir insgesamt zufrieden, der Sender auch und deshalb wurde entschieden, daraus eine Serie werden zu lassen. Die Pilotsendung war im März 1969 und die nächste Sendung sollte im Februar 1970 laufen. Die Kulturhäuser in den Bezirken bekamen alle ein Rundschreiben, welches sie an die Bands verteilen sollten, damit die sich bei uns bewerben.007_Gruppe BAYON 1971 in der Notenbank 4 Es war also eine breite Werbeaktion durch die ganze DDR. So entstanden die einzelnen Sendungen. Anfangs kannten wir keine von den Bands, die sich beworben hatten. Produziert wurde die zweite Sendung im Januar 1970 in der Moritzburg in Halle. Das war prima, das hatte so eine Studentenklubatmosphäre. Jedenfalls sollte die Sendung im März 1969 ausgestrahlt werden, aber inzwischen hatte die Unterhaltungssparte beim Fernsehen einen neuen Chef. Und der stoppte das am Tag der geplanten Ausstrahlung mit der Begründung, es sei dekadent. Der hatte allerdings vom Fernsehen keine Ahnung, weil er ursprünglich vom Rundfunk kam. Er kannte ja nicht mal das Fernsehtheater in Halle! Aber er wusste alles besser. Ich habe bis zum Abend alles versucht, um die Sendung doch noch zeigen zu können, aber vergeblich. Bis zum ZK bin ich gefahren, aber es half alles nichts. Es folgte ein halbes Jahr Kampf. Irgendwie erfuhr ich, dass der Film doch noch angeguckt wurde. Und zwar von irgendwelchen Leuten von außerhalb. Das Thema war für die also noch nicht erledigt. Etwas später bekam ich einen Anruf, bei dem man mir sagte, man wolle sich den Film nochmals anschauen, und es würde für mich alles gut werden. Kurz darauf rief mich derselbe Chef an, der damals den Film abgelehnt hatte und gab das Material wortlos frei. Damit ging die Serie im Dezember 1970 endlich los. Interessant war, dass wir nach dem Ausfall der geplanten zweiten Sendung unheimlich viele Protestbriefe erhielten, darunter zum Beispiel von Soldaten aus Eggesin. So richtig mit Namen und Unterschrift. Nicht so wie heute, wo alle nur noch Feiglinge sind und anonym bleiben wollen. Und das ist nicht nur im Westen so. Jedenfalls war die "Notenbank" ein Erfolg und so wurde daraus eine unregelmäßige Serie. Der Ausfall der zweiten Sendung trug somit zu deren späterem Erfolg bei, denn ein Skandal bringt immer Schlagzeilen. Trotz ihrer nur acht Folgen schrieb die "Notenbank" Fernsehgeschichte. Das war nicht meine Absicht, aber es ist eben passiert.

Sie haben gerade erzählt, wie Sie die Bands gesucht haben, nämlich über ein Schreiben an die Bezirke. Wie war die Resonanz auf diese Anfragen und nach welchen Kriterien wurden die Bands ausgesucht, die dann in der Sendung auftraten?
Ich habe ja schon vorhin kurz geschildert, wie das abgelaufen ist. Die Bands sollten sich melden, dazu wurde auch in der Sendung selbst durch Evelyn Opoczynski aufgerufen. Also einfach Mut zu haben, eine Demo-Kassette zu schicken und wer keinen Text zur Musik hat, soll einfach "Lalala" machen. Es ging dabei um die Frage der musikalischen Qualifikation, wobei nicht die Einstufung der Band entscheidend war, sondern es musste vom Niveau her brauchbar sein.008_Evelyn Opoczynski moderierte ab der zweiten Ausgabe die NOTENBANK Der Andrang war jedoch anfangs nicht ganz so groß, wie wir gehofft hatten. Zu den normalen Amateurbands, die sich für die Sendung bewarben, kamen auch noch einige weniger bekannte Profibands. Das haben wir dann gemischt mit MODERN BAND und HORST KRÜGER usw. Wobei der nominelle Unterschied zwischen Amateur und Profi eigentlich gar nicht groß auffiel. Im Laufe der Zeit ergaben sich dadurch natürlich eine Menge Kontakte. Hinzu kam, dass sich diese Musik nach und nach auch in anderen Fernsehsendungen etablierte, zum Beispiel in "rund". Wobei sich in der Folge logischerweise auch einige Überschneidungen ergaben. Diese Mischung zwischen Amateur und Profi, zwischen bekannt und unbekannt, hat den Reiz am Ende ausgemacht. Außerdem lebten wir in einer Zeit, in der nicht ganz klar war, wie es mit der Musik insgesamt weitergehen würde. Es war eben die Zeit des Übergangs vom Beat zum Rock. Aber wir waren noch deutlich früher da, als der Mann mit dem Hut, also LINDENBERG. Genau in dieser Phase, als die Tendenzen noch nicht klar waren, fanden die "Notenbank"-Sendungen statt. Es lief mit der Zeit ganz gut, und als man merkte, dass z .B in "rund" dieselben Bands spielten, die vorher bei uns in der Sendung waren, war eigentlich klar, dass die "Notenbank" ihre Aufgabe erfüllt hatte.

Sie sagen, dass die Bands auch Bänder einreichen konnten, die keinen Text enthielten. Nun stelle ich fest, dass Sie selber für viele Bands getextet haben. Ich denke da z. B. an SCIROCCO oder JOCO DEV, für die Sie Texte geschrieben haben. Ergab sich das durch Zufall oder war das Texten schon immer Ihr Steckenpferd?
Wir mussten schnell neue Texte kriegen, also habe ich aus der Not heraus damit angefangen. Daraus wurde dann ein Erfolg für mich.

Von Ihnen stammen u. a. solche legendären Texte, wie "Untreue Freunde" von OMEGA. Auch die SKALDEN und HOMO HOMINI, beide aus Polen, bekamen deutsche Texte von Ihnen. Selbst wenn OMEGA und HOMO HOMINI keine Gäste in der Notenbank waren - wie kam es zur Zusammenarbeit mit diesen Bands?
Mein erfolgreichster Text ist nach wie vor der "Stapellauf" für JOCO DEV. Die Texte für die polnischen oder ungarischen Bands waren alles nur Nachdichtungen, mit denen die Autoren auch einverstanden sein mussten. Mein erster Auftrag für eine Rundfunkproduktion mit Texten kam von Luise Mirsch. Sie fragte mich, ob ich für DIE SKALDEN, die ja dann auch eine ganze "Notenbank" bestritten, etwas nachtexten würde.009_Gruppe JOCO DEV Dadurch entdeckte mich dann der Rundfunk als Texter. Gemacht wurden die Musikaufnahmen alle in Rundfunkstudios, auch dann, wenn diese fürs Fernsehen waren. OMEGA übrigens singt heute nur noch einen einzigen Titel auf Deutsch, der heißt "Nur ein Wort". Alle anderen Songs singen sie nur noch auf Englisch oder Ungarisch. Dabei ist nach Aussage von Janos Kobor der deutsche Text besser, als das Original. Deshalb singen sie den auch nach wie vor auf Deutsch. Das sagte Janos mir schon damals, als ich mit dem Text rüber kam.

Die Sache mit den Texten entstand also eher durch Zufall, wie Sie eben selber sagten. Fiel Ihnen das Texten denn relativ leicht oder wie kann man sich das vorstellen, dass man als Quereinsteiger plötzlich zum Texter wird?
Nein, ich schrieb ja ohnehin sehr gerne, nur war es bis dahin eben eher Prosa. In der Schule hatte ich immer die kürzesten Aufsätze und war als Erster fertig, bekam aber zum Ärger der anderen auch immer die besten Zensuren. Die Länge eines Textes ist also nicht immer entscheidend. Das Schreiben lag mir also schon immer. Genau genommen mag ich das Schreiben sogar lieber, als die Fernsehregie, wenn man das jetzt werten wollte. Aber ich kann natürlich auch in Bildern denken und das umsetzen, denn wenn man als Fernsehregisseur nicht in der Lage ist, die Bilder der Sendung oder des Films gedanklich vorher vor sich abzulaufen zu sehen, kann man es auch sein lassen. Ich hatte offenbar auch eine eigene Schreibnote. Da gab es mal einen Bergsteigerfilm vom Studio Halle. Ist lange her. Den Text dafür hatte ich geschrieben, gesprochen wurde er von Manfred Krug. Nachdem das längst gesendet war, traf ich eine ehemalige Chefin wieder, die zu mir sagte: "Herr Maywald, ich habe da gerade einen Bergsteigerfilm gesehen. Der Text klang wie von Ihnen." Also hatte ich offenbar schon so was, wie eine eigene Sprache gefunden.

010_Bernd Maywald 1971 - Foto Hans-Peter StraussIch habe mal ein bisschen recherchiert und Songs verschiedener Künstler und Bands gefunden, für die Sie bis 1975/76 Texte geschrieben haben. Darunter sind solche bekannten Lieder, wie "Sie ruft alle Tage herbei" von OMEGA oder auch "Der Jongleur" von VACLAV NECKÁR. "Ich bin neu geboren" von BUDKA SUFLERA gehört ebenfalls dazu. Warum gibt es nach diesen Jahren keine weiteren Texte mehr von Ihnen, wann und warum haben Sie damit aufgehört?
Ich habe bis ran an die achtziger Jahre geschrieben. Meinen tatsächlich letzten Text schrieb ich allerdings 1990 für HORST KRÜGER, der ist aber nie gepresst worden. Der Grund war einfach der, dass ich für die Generation, für die diese Musik gemacht wurde, langsam zu alt wurde. Wenn ich heute als älterer Mensch den Jargon des jugendlichen Publikums treffen will, würde das nur Krampf werden. Beim Schlager ist das etwas anderes, der Schlager hat ein anderes Publikum. Aber sich krampfhaft etwas zusammen zu suchen, um die Diktion und den Nerv der jungen Leute zu finden, das macht keinen Sinn, die würden mich nur auslachen. Deshalb habe ich es gelassen und mich lieber in Prosa versucht. Das dauerte zwar lange, wurde aber 1986 mit dem Buch "Besichtigung einer Windmühle" aus dem Eulenspiegelverlag auch ein Erfolg. In der DDR war es ja so, dass neue Autoren, egal ob es sich um Lyrik oder Belletristik handelte, eine Erstauflage von zehntausend bekamen. Das war traumhaft. Und es würde sich zeigen, ob es schief geht oder Erfolg hatte. Das war aber auch egal, denn wichtig war, dass jeder zumindest die Chance bekam, sich zu präsentieren und vom Verlag auch angenommen wurde. Meine Erstauflage von zehntausend war dann auch wirklich nach drei Monaten vergriffen. Bis zur zweiten Auflage dauerte es dann etwas länger, weil das Papier knapp war. Ich hatte mich also rechtzeitig von den Rocktexten abgeseilt und war im richtigen Moment in diese andere Branche eingestiegen. Allerdings habe ich danach kein zweites Buch mehr zu Ende gebracht.

017_Buch BESICHTIGUNG EINER WINDMUEHLEKommen wir noch mal zurück zur "Notenbank". Da gab es einige Gruppen, die durch diese Sendung erst richtig bekannt wurden und dann auch Erfolge feierten. So etwas verbindet ja eigentlich. Sind aus dieser Sendung heraus zwischen Ihnen und den Bands längere Kontakte oder sogar Freundschaften entstanden?
Ja. Zu den KLOSTERBRÜDERN habe ich heute noch gelegentlich Kontakt. Mit SCIROOCO treffe ich mich immer noch, wir wohnen auch nicht weit auseinander. In meinem jüngsten Film "Malerischer Fläming und buntes Ringsum" singt Volker Thiele von SCIROCCO sogar die zweite Stimme im Soundtrack. Auch mit Peter Meyer von den PUHDYS gibt es noch losen Kontakt. Vergessen darf ich natürlich nicht JOCO DEV und HORST KRÜGER. Und von 1965 bis heute besteht ein reger Kontakt zu ACHIM MENTZEL. Damit fing ja damals auch alles an.

Hatten Sie selber Favoriten unter Ihren Gästen? Kam es vor, dass Sie sagten: "Von denen bin ich jetzt Fan?"
(überlegt ...) Nein, eigentlich nicht. Wir fanden sie alle gut, sonst hätten wir sie nicht für die "Notenbank" genommen. Ich bin auch kein besonderer SCIROCCO-Fan. Und selbst nach dem dritten Überlegen kann ich bestätigen, dass es da keine Favoriten gab und gibt.

011 20150625 1220443577In der rbb-Sendung "zibb", in der Sie am 22. Mai 2015 zu Gast waren, wurde auch dieser Kamin angesprochen, auf den ich noch mal zurückkommen möchte. Das war ein Requisit, welches in vielen Ihrer Sendungen immer wieder auftauchte und witzigerweise meistens an Stellen stand, wo er eigentlich gar nicht hingehörte. Wo kam dieser Kamin her und was hatte es damit für eine Bewandtnis?
Nachdem die zweite "Notenbank"-Sendung mit der bekannten Verzögerung gesendet worden war und es feststand, daraus wird eine Serie, stieg noch eine zweite Redakteurin mit ein. Diese Kollegin machte bis dahin mehr Chanson-Sendungen und wollte, dass es bei uns etwas fraulich aussieht, also mit Kaminfeuer und solchem Zeug, was aber zu unserer Branche überhaupt nicht passt. Ich fand es wirklich Quatsch, bei uns diesen kitschigen Kamin hinzustellen. Aber ich wollte mich nicht um solche Nebensächlichkeiten streiten, denn Hauptsache war, die Sendung zu schaffen. Aus Trotz und auch, um die Redakteurin ein bisschen zu ärgern, wollte ich den Kamin dann immer wieder einsetzen. Und so steht er bei verschiedenen Aufnahmen völlig sinnlos rum und qualmt vor sich hin.

Sogar bei Außenaufnahmen ...
Ja genau. Auf jeden Fall immer da, wo er keinesfalls hin passt.

Es gab sogar eine Schallplatte bzw. Schallfolie zur "Notenbank". Wie kam es dazu und warum gab es nur eine Ausgabe?
Das kam so: Damals gab es als Beilage zur sowjetischen Zeitschrift Sputnik Schallfolien mit Volksliedern aus der ganzen Sowjetunion. Diese Folien waren ein ursprünglich französisches Patent. Allerdings rentierte sich diese Technik nur bei hohen Auflagen. Für mitteleuropäische Verhältnisse also unrentabel, für eine weltweit vertriebene Zeitschrift wie Sputnik aber wie gerufen. Von der Notwendigkeit einer hohen Auflage wussten wir noch nicht, als wir uns erkundigten, ob so etwas für die "Notenbank" möglich wäre. Pro Sendung wollten wir eine Schallfolie herstellen. Gemeinsam mit dem Verlag Junge Welt gelang uns zunächst ein erstes Exemplar, gepresst bei Melodia in Moskau, das an den Zeitungskiosken zu haben war. Wir verzichteten damals jedoch auf weitere Folien, weil der damit verbundene Arbeitsaufwand für unser kleines Team unverhältnismäßig hoch gewesen wäre.

Jetzt liegen inzwischen 45 Jahre zwischen heute und der "Notenbank". Wenn Sie heute auf Ihr Baby zurückblicken, würden Sie heute noch mal alles genauso machen, wie Sie es damals entschieden hatten?
Was verstehen Sie unter "alles"?

012_Gruppe DELPHINS 1971 in der Notenbank 3 - Foto DFF ArchivDas Konzept, wie es letztlich geworden ist. Oder anders gefragt: Sind Sie heute noch mit dem zufrieden, was Sie damals gemacht haben?
Ja, absolut. Vor allem ist es eine Produktionsmethode gewesen, die niemand vor uns gemacht hat, aber auch niemand nach uns. Die Methode war die, dass es aussehen soll, wie eine Reportage und wie aus Versehen mitgefilmt, dabei war ja alles bis auf die Sekunde genau inszeniert. In der ersten Sendung war das noch nicht so, da herrschte eindeutig Studioatmosphäre vor. Aber ab der zweiten Ausgabe lief es dann anders. Wir drängelten uns mit der Kamera durch das Publikum durch, die wussten niemals vorher, wann die Kamera gerade auftaucht. Nur ich wusste genau, wann ich wo sein muss. Also wenn der Chorus beginnt, muss ich in Großaufnahme auf der Gitarre sein. Das Playback lief ja weiter, ich musste also pünktlich da sein, den Schwenk pünktlich machen, ohne zu schneiden. Das musste eben im Getümmel zwischen den Leuten funktionieren. Vor allem sah nichts aus wie vorher inszeniert. Auch das Licht war keinesfalls inszeniert, die Scheinwerfer knallten immer ins Bild und sahen aus wie schnell hingestellt und fertig. Das war unser Prinzip und das war das ganze Gegenteil vom "Beatclub".

Man kann also sagen, es gab nicht nur die Kunst auf der Bühne, sondern auch davor. Sprich: Die Leute, die dafür verantwortlich waren, haben selber Kunst gemacht.
Ja, zweifellos. Diese Filmmethode, also filmen ohne Schnitt, war auch physisch nicht für alle zumutbar. Der Kameramann muss kräftig sein, um das durchzuhalten. Zumal man das auch nicht zu oft machen kann. Das Publikum bestand aus einigen hundert Jugendlichen. Besonders gut erkennbar in den Folgen vier und fünf aus Neubrandenburg. Wenn man dann dreimal das selbe drehen würde, hätten die die Schnauze voll. Fernsehen ist zwar schön, aber nach dem dritten Mal guckt das Publikum gelangweilt. Wir haben also kaum eine Einstellung zweimal gedreht. Klar, am Tag vorher haben wir es ohne Publikum probiert, aber ganz selten nur haben wir mal während einer Produktion ein Lied wiederholen müssen, weil etwas schief ging.013_Die PUHDYS 1971 in der Notenbank 6 - Foto DFF Archiv Eine 40-minütige Sendung bestand damals aus vier bis fünf Einstellungen. Dazwischen geschnitten waren dann nur die Einblendungen "Dieser Titel ist auch auf LP erhältlich" oder so etwas. Aber die größten 16 Millimeter-Filmkassetten, damals noch wie überall im Fernsehen Schwarzweißfilm, reichten für maximal zehn Minuten. Mehr ging noch nicht. Deshalb habe ich also die Einstellungen so lang wie möglich gemacht. Diese Methode, alles wie eine Reportage aussehen zu lassen, wurde also tatsächlich nur bei der "Notenbank" gemacht.

1972 war nach der achten Folge Schluss mit der "Notenbank". Warum haben Sie aufgehört? Weil inzwischen die Rockmusik mehr und mehr in den Vordergrund kam? Da hätte man ja auch sagen können: "Okay, nehmen wir halt den Rock noch mit".
Das, was die "Notenbank" sendete, lief später auch schon in anderen Sendungen. Dieselbe Musik wurde dann ja, wie bereits gesagt, von "rund" übernommen und "rund" war ja praktisch die zentrale Jugendsendung. Wir würden also genau dasselbe bringen, was die bei "rund" senden, wenn auch in einer anderen Art. Aber es hätte nicht mehr den Charakter der Entdeckung neuer Bands. Außerdem waren inzwischen die brauchbaren Bands alle bekannt genug, so dass man die "Notenbank" nicht mehr unbedingt brauchte. Allerdings war nicht gleich beschlossen worden, die Sendung abzuschaffen, sondern man wollte sie in die Hände der Jugendredaktion geben. Man wollte mich also zunächst loswerden, um die "Notenbank" ohne mich weiterzumachen.016_Bernd Maywald bei Nobenbank Dreharbeiten 1971 - Foto Hans-Peter Strauss Aber niemand wollte es übernehmen. Also versuchte man, es dem Jugendfernsehen anzubieten, was bedeutet hätte, dass ich nicht mitgehen konnte, denn ich hatte meine Planstelle bei der Unterhaltungsabteilung und nicht beim Jugendfernsehen. Daraufhin stellte ich klar, die "Notenbank" mache entweder ich oder jemand, der mir gefällt, denn die Urheberrechte an dem Titel der Sendung liegen bei mir. Die beiden damaligen Fernsehchefs haben sich zwar in dem Moment totgelacht, aber ich hatte mich ernsthaft mit dem Urheberrecht in der DDR beschäftigt und war mir meiner Sache sicher. Diese Chefs hatten dann ohne mein Wissen bei Friedrich Karl Kaul, dem berühmten Fernsehanwalt, eine Expertise in Auftrag gegeben, was denn nun an der Sache mit dem Urheberrecht am Titel der Sendung dran sei. Ich erfuhr eher vom Ergebnis dieser Expertise, als meine Chefs, weil ich in Adlershof mehr Freunde, als Feinde hatte. Die Expertise besagte sinngemäß, ohne direkt den Titel "Notenbank" zu nennen, dass ich erhebliche Schadensersatzansprüche stellen könne, wenn man diesen Titel ohne mein Einverständnis weiterverwendet. Ich konnte dann also in Ruhe abwarten, bis meine Chefs darauf reagierten.018_Das Cover zum Film MALERISCHER FLAEMING UND BUNTES RINGSUM Und das sah dann so aus, dass die Sendung eingestellt wurde. Dagegen konnte ich natürlich nichts tun. Es war zwar nicht ganz freiwillig, aber die Zeit für die "Notenbank" war, wie gesagt, einfach um. Ich wollte sie mir nur nicht von diesen Leuten entreißen lassen.

43 Jahre später - was macht Bernd Maywald heute?
Ich kann ja nichts anderes, als Filme machen. Außerdem mache ich noch etwas PR-Arbeit für Guido Schenkendorf, den Bildhauer und Maler. Der Film "Malerischer Fläming und buntes ringsum" war mein komplett erstes eigenes Werk. Da stecken zwei Jahre Arbeit drin, wobei der eigentliche Dreh die geringste Arbeit ist. Ansonsten lässt es sich nicht planen, was ich als nächstes mache. Aber irgendetwas muss noch kommen. Ich habe jetzt übrigens auf youtube einige alte Filme bearbeitet und eingestellt. Der erfolgreichste davon ist der Mopedfilm "Bernd Maywald und sein Simson Moped SR1". Täglich werden es mehr Klicks, die 3.000er Marke wird bald überschritten sein.

015_Bernd Maywald unterwegs mit seinem Moped SR1Ist das dieser Film, in dem Sie in Albanien unterwegs waren?
Nein. Klicken Sie sich mal zu meinem youtube-Kanal "Bernd Maywald", dort finden Sie mehrere Filme. Neben dem erwähnten Mopedfilm über mein SR1 gibt es den Film "Bernd Maywald in Albanien 1960" oder "Piran bis Split 1961". Und auch der Spaßfilm "Der große Hammer" ist dort zu finden. Nicht zu vergessen natürlich das elfminütige Kurzportrait über Guido Schenkendorf. Und neuerdings zu sehen ist außerdem eine "Märkische Romanze ohne Fontane ... aber mit Da(h)me". Ein Film von 1960, der so viel Frieden ausstrahlt wie ich ihn unserer heutigen Welt wünsche.

Danke für die Einblicke in die "Notenbank"-Geschichte und viel Erfolg für zukünftige Filmprojekte.
Herzlichen Dank.
 
 
Info: Bitte beachtet auch die Rezension zur DVD "Das Beste aus der NOTENBANK" (Direktlink: HIER).


 
 
Interview: Christian Reder
Bearbeitung: tormey, mb
Fotos: aus dem Archiv des DFF/DRA. Nicht aus dem DRA-Archiv stammende Fotos sind von
Guido Schenkendorf, Hans-Peter Strauss, Stefan Weigert, Bernd Maywald. Einzelauskunft auf Nachfrage.





Fotostrecke

Alle Fotos stammen aus dem Archiv des DFF/DRA und den Fotografen Guido Schenkendorf, Hans-Peter Strauss,
Stefan Weigert, Bernd Maywald. Einzelauskunft bei Nachfrage. Zum Vergrößern bitte das jeweilige Foto anklicken.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 





Filme von und über Bernd Maywald

 
 
"Wunderbarer Teufelsapparat (total anti-digital)"


 
 
Bernd Maywald zu Gast bei "zibb" im rbb am 22. Mai 2015

... um in die Mediathek des MDR zu gelangen, bitte HIER klicken
 


Bernd Maywald und sein Simson Moped SR1


 
Märkische Romanze ohne Fontane ... aber mit Da(h)me


 
DDR-Tramper Bernd Maywald in Albanien 1960


 
Kunst ist Leben - Guido Schenkendorf
 
 
 



   
   
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