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Die Stimme einer Band ist in den meisten Fällen ihr unumstößliches Markenzeichen. Fällt dieses Identifizierungsmerkmal weg, kann oftmals auch die dahinter stehende Band die Noten einpacken, denn der Fan verbindet die Hits seiner Lieblinge nun mal mit diesem speziellen Klang, den der Sänger/die Sängerin den Songs einhaucht. Dass ein Wechsel hinter dem Mikrofon aber nicht immer gleich automatisch das Ende einer Band einläuten muss, dafür gibt es in der Musikgeschichte genügend Beispiele. Jüngst traf dieses Schicksal eine Band aus Bayern, die in den 80er Jahren ihre große Zeit hatte, in dieser Zeit jedes ihrer Alben vergoldete, sogar auf dem englischsprachigen Markt für Furore sorgte.
"Ohne dich", "1000 x Du", "SOS" oder "So lang man Träume noch leben kann" hießen nur einige ihrer unzähligen Charterfolge. Klar, es geht um die MÜNCHENER FREIHEIT. Schwammen sie ganz am Anfang noch auf der NDW-Welle mit, so kreierten die Mannen um ihren Frontmann Stefan Zauner schnell ihren ureigenen, typischen Sound, der bis heute für einen exzellenten Wiedererkennungswert sorgt. Aber wie das so ist im Leben: auch in einer gut und lange funktionierenden Ehe kracht es irgendwann mal im Gebälk. Jener Stefan Zauner, seines Zeichens Komponist, Texter und nicht zuletzt großartiger Sänger der Band, nahm vor etwa drei Jahren, kurz nach dem 30-jährigen Bandjubiläum, seinen Hut, um etwas mehr Privatleben zu haben, und nebenbei eine Solokarriere zu starten. Ein Schock für die Fans, ein Schock für die Band, aber schnell war ein Ersatz gefunden: Tim Wilhelm. Mit ihm nahm die MÜNCHENER FREIHEIT nun ein erstes Album auf und ist damit seit Ende Januar auf Tournee.
Deutsche Mugge bekam die Gelegenheit, vor dem Konzert in Berlin mit Aron Strobel, dem langjährigen Gitarristen der Band ein Interview zu führen. Leider wurde diese Absprache nicht eingehalten. Stattdessen sprang spontan Tim, der neue Sänger, ein. Aber natürlich konnte der viele Fragen zur Bandgeschichte nicht beantworten, weshalb er nur mit einigen Antworten vertreten ist. Aron Strobel erklärte sich kurz darauf wenigstens bereit, unsere Fragen per Mail zu beantworten. Leider sind dadurch die meisten Antworten sehr kurz gehalten, und der Autor des Interviews hatte auch keine Möglichkeit mehr, an gewissen Punkten mit weiteren Fragen nachzuhaken. Wir haben uns entschieden, den Fans der MÜNCHENER FREIHEIT zuliebe das Interview dennoch zu veröffentlichen ...

 

001 20140312 1028205402Aron, Du hattest kürzlich einen Skiunfall, der mit einem Bruch des Sprunggelenks endete? Wie geht es dem Fuß? Kannst Du auf der Bühne überhaupt volles Pensum gehen?
Aron: Ich hatte großes Glück, dass ich so schnell operiert wurde. Es ist alles optimal gelaufen, so dass ich bereits einen Tag nach der Entlassung aus dem Krankenhaus den ersten Auftritt der MÜNCHENER FREIHEIT bewältigen konnte. Seither geht es meinem Fuß täglich besser. Ich muss eben im Sitzen spielen, aber ich schaff' das volle Pensum.

Einige Konzerte Eurer aktuellen Tour liegen schon hinter Euch. Wie lief es bisher?
Aron: Es ist natürlich spannend, wenn man mit dem ersten Album in der veränderten Besetzung auf Tour geht und wir können nur sagen, dass die Akzeptanz sehr hoch ist.
Tim: Erst einmal bedanke ich mich bei Euch von Deutsche Mugge für Eure Unterstützung. Ja, es lief bisher wirklich gut. Hoffentlich bleibt es auch so. Soviel ich weiß, ist es heute nicht ausverkauft, aber es ist halt Donnerstag und die Ticketpreise sollen wohl auch nicht gerade billig sein. Das finde ich ohnehin krass, was heutzutage die Karten kosten. Insofern bin ich jedem einzelnen dankbar, der zu uns ins Konzert kommt.

Tim, Du bist das neue Gesicht, die neue Stimme der Band. Erzähl doch mal kurz, wie es dazu kam.
Tim: Alex, Micha und mich verbindet eine sehr lange Freundschaft, es sind inzwischen fast achtzehn Jahre. Deshalb war ich also auch nie wirklich neu. Ich kam mir hier immer vor, wie in einer großen Familie, so pathetisch das auch klingen mag. Wir hatten auch gar keine Zeit, groß darüber nachzudenken, wie es mit mir als "Neuem" werden würde, sondern wir wollten es sofort wissen und legten entsprechend forsch los.

Bevor wir gleich etwas ausführlicher über die Tour und Euer neues Album reden, lass uns für einen Moment in die jüngere Vergangenheit reisen. Ihr habt drei turbulente Jahre hinter Euch, die mit dem 30-jährigen Bandjubiläum begannen. Ein paar Monate später kam dann der große Knall, als die Stimme der Band, Stefan Zauner, die MÜNCHENER FREIHEIT verließ. Wie reagiert man als Band auf einen solchen Schlag, wie lange braucht man, um sich davon zu erholen?
Aron: Nun, so etwas kann man nicht üben, schließlich sind wir keine gecastete Band und haben einen langen gemeinsamen Weg hinter uns. Dennoch war es für uns kein großer Knall, da wir intern schon lange wussten, dass Stefan andere Zukunftspläne hatte. Wir sind daher nicht aus allen Wolken gefallen ...

002 20140312 1980433398Tim, als Stefan das Handtuch warf, hattest Du da vielleicht schon mit einem Einstieg in die Band liebäugelt?
Tim: Als Stefan sich entschied, zu gehen, war es ja intern und sicher auch für manche Journalisten keine große Überraschung. Man hörte ja bereits im Vorfeld schon einige Male, dass er möglicherweise irgendwann nicht mehr auftreten wird. Aber das muss man auch verstehen. Ich habe vor Stefan den größten Respekt und kann deshalb verstehen, wenn jemand sagt, er möchte sich etwas mehr ins Privatleben zurückziehen und sich auf neue Aufgaben konzentrieren. Auch verstehe ich, dass jemand wie Stefan, der schon so viel erreicht hat, sich nicht mehr bei jedem Konzert von unzähligen Handys filmen und auf YouTube stellen lassen will. Das sind viele kleine Aspekte, die bei Stefans Entscheidung eine Rolle spielten. Wenn jemand eine gewisse künstlerische Höhe und Größe erreicht hat, und das trifft auf Stefan ohne Zweifel zu, und dieser Jemand meint, er braucht die Bühne nicht mehr so unbedingt und will sich nicht mehr von jedem durch den Kakao ziehen lassen, der ihm nicht wohlgesonnen ist, dann sollte man das respektieren. Ich persönlich sehe das ein bisschen anders. Mir bedeutet die Bühne viel. Deshalb nehme ich es in Kauf, auch mal negativ beurteilt zu werden.

Mit Stefan verbindet man diese unverwechselbare Stimme, die jeder im Ohr hat, wenn er an die alten Hits denkt. Wenn ein solcher Mann aussteigt, fragt man sich schon mal, wie es weitergehen wird. Ganz ehrlich, habt Ihr damals auch mal ernsthaft daran gedacht, die Band aufzulösen?
Aron: Die Option, die Band aufzulösen, ergab sich für uns nicht, schließlich sind wir fünf Personen, die ihr Leben ebenso in diese Band investiert haben. Sicher war der Weggang von Stefan ein großer Verlust, aber die Songs und die Interpretation jener bleibt ...

Stefan sagte nach seinem Ausstieg in einem Interview, er hätte zum Schluss das Gefühl des Leerlaufes gehabt und es nervte ihn, dass die Leute auf den Konzerten eigentlich immer nur Eure Hits aus den 80ern hören wollten. Könnt Ihr Stefans Beweggründe, die Band zu verlassen, mit dem heutigen Abstand besser verstehen als damals?
Aron: Selbstverständlich können wir Stefans Meinung akzeptieren, wir teilen aber diese Meinung nicht, ganz im Gegenteil finden wir es toll, eine Ära in der Musikwelt mitgestaltet zu haben und diese auch weiterhin vertreten zu können.
Tim: Also ich maße mir nicht an, eine Meinung über Stefans Interpretation dieser Dinge zu äußern. Aus Stefans Sicht mag das auch wirklich so gewesen sein. Ich finde, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wir spielen jetzt auf der Tour auch Songs aus dem neuen Album und machen zum Glück die Erfahrung, dass die Menschen diese Nummern sehr wohl hören wollen.

003 20140312 1854948236Soweit ich mich zurück erinnere, kam Stefans Entscheidung für die Außenwelt ohne jede Vorwarnung, was bei vielen Fans für Missmut und Verstimmung gesorgt hat. Hinterher ist man natürlich immer schlauer - aber wäre nicht ein Abschiedskonzert eine Möglichkeit gewesen, sich zu erklären und damit gewisse Missverständnisse zu vermeiden?
Aron: Da gab es keine Missverständnisse. Stefan wollte die Gruppe verlassen, die Gruppe wollte aber nicht aufhören. Da wäre ein Abschiedskonzert das falsche Signal für die Fans gewesen.

Es gab etliche Stimmen, die die MÜNCHENER FREIHEIT nach Stefans Ausstieg abgeschrieben hatten, ohne der Band die Chance auf einen Neuanfang einzuräumen. Haben Euch solche Meinungen deprimiert oder löste das eher einen "Jetzt erst recht!"-Effekt bei den verbliebenen Bandmitgliedern aus?
Aron: Nun, sicher gab es zwei Lager, jene, die sich die MÜNCHENER FREIHEIT ohne Stefan nicht vorstellen konnten, und jene, die schon immer mehr die Band als nur den Sänger gesehen haben. Wir wussten schon, auf was wir uns einlassen, um die Band weiter zu führen.

Aron, Du bist nun das letzte verbliebene Gründungsmitglied der MÜNCHENER FREIHEIT. Gab es während oder nach Zauners Ausstieg jemals Diskussionen um die Weiterführung des Bandnamens?
Aron: Diese Diskussion ergab sich nicht. Kreiert wurde der Bandname von Gründungsmitglied Freddie Erdmann, der ja auch schon lange nicht mehr dabei ist. Die MÜNCHENER FREIHEIT ist eine Gesellschaft, die den Namen innehat. Daher war es auch völlig logisch, den Namen weiter zu behalten.

004 20140312 1929257008Nachdem Ihr Euch entschieden hattet, auf jeden Fall weiterzumachen, musste ein neuer Sänger gefunden werden. Wie seid Ihr die Suche angegangen und welche Kriterien sollte/musste der "Neue" erfüllen?
Aron: Wie schon eingangs erwähnt, sind wir keine Casting-Band und daher auch nicht in der Übung, "Castings" zu veranstalten. Bei uns gab es einfach zwei Kriterien: 1. Der Sänger muss in demselben Register wie Stefan singen können, und 2. die Chemie muss stimmen. Beide Kriterien erfüllt Tim zur vollen Zufriedenheit. Micha hat mit Tim schon vor fast 20 Jahren Songs für Tim's damaliges Projekt geschrieben und produziert, man kannte sich also schon lange und hat sich auch immer wieder zwischenzeitlich gesehen ...

Tim Wilhelm war ja nicht Euer eigentlicher Kandidat als Nachfolger für Stefan Zauner, sondern Ihr wolltet es mit einem jungen Mann namens Stephan Thielen versuchen. Warum hat es mit dem letztlich doch nicht funktioniert?
Aron: Dass Tim nicht gleich in der engsten Wahl war, liegt daran, dass Tim für Micha in seiner Erinnerung immer noch der sehr junge Sänger war, der aber zwischenzeitlich eben auch 20 Jahre älter geworden ist. Stefan Thielen konnte nach der intensiven Probezeit leider stimmlich nicht mithalten und musste die Konsequenzen ziehen.

Nicht wenige Skeptiker meinten, Stefan Zauners Fußstapfen wären zu groß für Tim. Wie ging er mit diesem Druck um, wie konntet Ihr als Band ihm helfen?
Aron: Das ist normal, wenn man mit dem Originalsänger gemessen wird - klar sind die Fußstapfen groß, aber Tim tritt nicht hinein, sondern macht seinen eigenen Abdruck neben dran! Wir haben erst gar nicht den Versuch gemacht, einen Sänger zu finden, der Stefan Zauner kopieren soll, sondern mit Tim einen Sänger gefunden, der seinen eigenen Charakter in die Band bringt, mit seiner Stimme, mit seiner Art, mit seiner Ausstrahlungskraft.
Tim: (lacht) Wenn ich ehrlich sein soll, hat mir die Band dabei gar nicht geholfen. Ich habe auch kein Problem damit, das öffentlich zu sagen, denn die Jungs wissen das und werden wahrscheinlich darüber schmunzeln.005 20140312 1341755984 Die Band half mir höchstens indirekt dadurch, dass sie mir sofort ihr Vertrauen gab. Mir war von Anfang an klar, dass es eigentlich nur eine Möglichkeit gibt, den Leuten zu begegnen, nämlich mit Leistung. Man kann das am ehesten mit Fußball vergleichen. Das hier ist eine Mannschaftssportart. Es geht nicht um den Sänger, der eine Begleitband hat. Es waren vorher nicht "Stefan und seine Freunde" und jetzt sind es nicht "Tim und seine Freunde". Natürlich sind wir auch Freunde, aber auf der Bühne zählt nur die MÜNCHENER FREIHEIT. Wir sind fünf Bäume, die zu einem kleinen Wäldchen zusammengewachsen sind. Aber Du hast Recht, der Druck war immens. Es gab sehr viele Leute, die die MÜNCHENER FREIHEIT von Anfang an abgeschrieben hatten. Na gut, jeder soll seine eigene Meinung äußern dürfen. Aber meine Wahrnehmung ist eine andere. Ich habe schon an so vielen verschiedenen Baustellen mitgewirkt und dort erlebt, dass viele Dinge totgesagt wurden, die dann doch lange überlebt haben. So ist es auch bei uns. Ich bin mir sicher, wenn wir uns wirklich maßgeblich auf das Fortbestehen der Band konzentrieren, wird es auch funktionieren.

Nur vier Wochen nach Tims Unterschrift gab es das erste Konzert in Augsburg. Wart Ihr Euch sicher, dass es gut gehen würde und vor allem, dass die Fans positiv auf Tim reagieren?
Aron: Wir standen für dieses Konzert unter extremem Zeitdruck, da wir pro Tag mehr als einen Song perfektionieren mussten - da hatten wir überhaupt keine Zeit, zu zweifeln. Wir haben uns aber nach Ende des Konzerts umso mehr über die positive Resonanz des Publikums gefreut.
Tim: Man weiß ja schon von Shakespeare: Sicherheit ist des Menschen Erbfeind jederzeit. Ich war noch nicht einmal so vermessen, vor meinem ersten Konzert mit der MÜCHENER FREIHEIT zu unterschreiben. Wenn Du die Wahrheit hören willst - und ich bin immer für die Wahrheit - dann war es so, dass sich unser Manager noch eine Schutzfrist für die Band heraus bedungen hat. Da kann man sich schon fragen, wie viel Respekt vermittelt man damit gegenüber dem neuen Sänger? Also, ich musste schon selber meinen Mann stehen, weil ich nicht sehr viel Unterstützung bekam. Aber ich war mir der Aufgabe bewusst und deshalb war mir klar, dass mich diese Schutzfrist nicht zurückwerfen wird. So richtig als Bandmitglied wurde ich dann erst ein Dreivierteljahr später aufgenommen. Ich versteh das ja sogar, denn es geht hier um eine große Sache, nämlich um die MÜNCHENER FREIHEIT. Was man dabei aber nicht vergessen darf, ist die Tatsache, dass ich ja kein Neuling auf der Bühne bin. Ich hatte vorher durchaus schon Erfahrungen mit ähnlichen schwierigen Situationen sammeln können.

006 20140312 1633015586Habt Ihr gewusst, dass Stefan Zauner bei diesem Konzert unter den Zuschauern war?
Aron: Klar wussten wir, dass Stefan da war, schließlich haben wir ja nach wie vor Kontakt zueinander.
Tim: Ich wusste es nicht. Einige in der Band schon, aber eigentlich interessierte es auch niemanden so wirklich, weil wir genug andere Sorgen hatten. Aber ich fand es schön, dass er da war. Ebenso toll fand ich, dass er mir nach dem Konzert gratulierte. Und seine Frau Petra fiel mir geradezu um den Hals.

Mittlerweile ist Tim seit fast zwei Jahren dabei und fest in die Band integriert. Was würdet Ihr sagen, wo liegen Tims Stärken, was unterscheidet den alten Frontmann der MÜNCHENER FREIHEIT vom neuen?
Aron: Es ist schwer, hier Vergleiche zu ziehen. Mit Stefan hatten wir eine große Zeit verbracht, er war das Original und hat viel in die Band gebracht. Tim ist komplett anders, als Stefan, extrovertiert, frisch und jung - es ist, wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Beide sind gut.
Alex: Ich finde, Tim ist ein sehr offener Mensch, was auch und vor allem auf der Bühne sehr gut rüberkommt. Er kommuniziert viel mit den Leuten, bezieht sie mit ein ins Konzert. Das war bei Stefan nicht immer der Fall. Auch uns Musiker reißt er immer wieder mit. Mir gefällt Tims Art jedenfalls recht gut.

Ich übertreibe wohl nicht, wenn ich sage, dass Tim vor allem bei den weiblichen Fans sehr gut ankommt. Könnt Ihr beobachten, dass dank Tim auch wieder verstärkt neues, jüngeres Publikum in die Konzerte kommt?
Aron: Sicher wird das Publikum mit Tim nicht älter, sondern eher jünger und er ist sicherlich ein "Hingucker", was uns natürlich freut. Aber wir wissen, dass wir schon immer Musik für ganze Familien gemacht haben und bei vielen Konzerten zwei Generationen zum Konzert kommen. Seit in den 2000er die 80er ein Revival erlebt haben, sind sowieso viele junge Menschen bei uns.

007 20140312 1005813874Tim ist der Youngster auf der Bühne und bringt jede Menge frischen Wind mit. Reißt er Euch "Ältere" dadurch eher mit oder seid Ihr ganz froh, dass die meisten Augen auf ihm ruhen, so dass Ihr Euch etwas zurücklehnen könnt?
Aron: Klar hat Tim eine junge Power in sich, mit der er uns mitreißt und wir haben auch schon oft gehört, dass unsere Live-Konzerte mit Tim noch mal mehr Gas geben, als in den letzten Jahren. Dass die Augen immer am meisten auf dem Frontmann liegen, liegt maßgeblich auch daran, dass die Menschen immer auf die Person sehen, die singt und den Text transportiert - das direkteste Medium zum Publikum.

Glaubt man den Fans, so ist zu beobachten, dass Ihr in den letzten zwei Jahren eine deutliche Wandlung vollzogen habt. Ihr erscheint lockerer und umgänglicher, zeigt wieder mehr Fannähe, habt jetzt sogar eine eigene facebook-Seite. Man könnte fast meinen, Ihr wirkt irgendwie befreit. Seht Ihr das auch so? Oder wird da von außen zu viel rein interpretiert?
Aron: Sicher ist auch durch Tim bei uns die ganze Darstellung verjüngt und frischer geworden, aber Micha hat bereits seit 2005 mit seinem Tourtagebuch oder einer Page bei MySpace mit den Medien gearbeitet und logischerweise bei Facebook eine Seite zu unserer neuen Formation erstellt. Sicher sind wir heute gelöster als vor drei bis vier Jahren, als wir bereits wussten, dass Stefan bald aufhören möchte.

Seit kurzem nun läuft Eure Tournee, auf der Ihr in erster Linie Euer neues Album "Mehr" präsentieren wollt und werdet. Wie wurde das Album von den Fans aufgenommen? Wie zufrieden seid Ihr selber mit dem Produkt?
Aron: Nun, das neueste Album ist immer das geliebteste "Baby", das ist wohl bei allen so und wir sind recht zufrieden mit dem Album, auch wenn wir mit etwas mehr Zeit noch mehr ins Detail gegangen wären. Wir haben die Songs sehr bandmäßig orientiert produziert und mit frischen Sounds versehen, ebenso die größten Hits mit Tim eingesungen, was uns ein wichtiges Anliegen war ... Viele Fans feiern das Album als eines der Besseren in der Geschichte der Münchener Freiheit.
Tim: Das Schöne an uns ist ja, dass wir nicht so leicht zufrieden zu stellen sind. Nichts ist schlimmer als ein Künstler, oder auch ein Handwerker, der sein Produkt so in den Himmel hebt, dass er selber denkt, es gäbe dafür keine Luft mehr nach oben. Mit dieser Einstellung kann man sich auch gleich umbringen. Das heißt also, wenn wir uns unsere CD anhören, finden wir immer etwas, von dem wir sagen: "Das hätte man noch besser machen können". Zum Beispiel bei der Produktion der Platte. Wir nahmen uns ja diesmal mit Christian Geller einen externen Produzenten, worüber wir auch sehr froh waren. Aber Christian hatte auch noch auf anderen Baustellen sehr viel zu tun, zum Beispiel mit der neuen HEINO-Platte. Und da denkt man vielleicht im Nachhinein, dass da möglicherweise an manchen Stellen noch ein Quentchen mehr drin gewesen wäre.008 20140312 1127900945 Deshalb kann ich auch nur von meinem ganz persönlichen Empfinden reden, wenn ich sage, dass ich ungefähr drei bis vier Wochen gebraucht habe, ehe ich mir unser eigenes Produkt anhören konnte. Aber das war bei mir schon immer so. Ich gucke mir auch keine Aufzeichnungen gleich im Anschluss an, weil ich immer etwas sehe, was ich hätte besser machen können. Aber mit etwas Abstand und vor allem mit der Resonanz auf die Platte kann man sagen, es war auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Was die Verkaufszahlen betrifft, war die Zeit vor Weihnachten für die Veröffentlichung der Platte natürlich nicht besonders geschickt gewählt. Schon gar nicht, wenn man über eventuelle Chartpositionen nachdenkt. Aber wir denken anders. Wir dachten nämlich an die Tour, die im Januar beginnen sollte. Diese Tour wäre nicht zustande gekommen, wenn wir nicht kurz vorher die Platte raus gebracht hätten. Klar hätten wir auch im Januar oder Februar, wo erfahrungsgemäß kaum etwas ordentliches in die Läden kommt, die Platte auf dem Markt werfen können und wir wären mit zweitausend verkauften Alben schon sonst wo gewesen. Aber wir wollen unbedingt live spielen, darum geht es uns. Deshalb kam die CD zu diesem Zeitpunkt raus.

Wie reagiert denn das Publikum bei den Konzerten auf die neuen Songs?
Tim: Wir merken gerade auf den Konzerten, dass die Titel der neuen CD sehr gut ankommen. Woran merken wir das? Zum einen werden selbst die neuen Sachen von den Fans fleißig mitgesungen. Und zum anderen am Merchandise. Wir verkaufen nämlich an unseren Verkaufsständen nach den Auftritten weitaus mehr CDs, als in den Geschäften verkauft werden. Das zeigt uns, dass die Besucher unserer Konzerte nicht einfach nach Hause gehen und sich fragen, was das für ein Zeug war, was sie da gehört haben. Nein, sie gehen an den Stand und geben noch mal Geld aus, weil sie sich sagen: "Das war cool, was die Band heute Abend gespielt hat". Danke dafür, liebe Fans.

Dieses Album ist das erste mit Tim Wilhelm als neuem Sänger. Wurden die Songs speziell für Tim geschrieben oder war auch älteres, schon vorhandenes Material, dabei?
Aron: Viele Titel entstanden direkt mit Tim, aber es gab natürlich auch schon Ideen, die aus früheren Zeiten stammten und die dann verändert wurden. Tim hat sich in das neue Album auch hervorragend eingebracht und an vielen Liedern mitgeschrieben.

Eine Frage, die mich immer sehr interessiert: Habt Ihr alle geschriebenen Songs auf das Album gepresst oder gibt es einen Songüberschuss?
Tim: Allein für das neue Album "Mehr" haben wir über dreißig Songs geschrieben. Wir könnten also zu jedem Zeitpunkt sagen, wir veröffentlichen noch was, aber das wollen wir gar nicht. Wir haben genau das ausgesucht, was uns für diesen Moment als geeignet und auch live umsetzbar erscheint. Das war bei früheren MÜNCHENER FREIHEIT-Platten nicht immer so, was aber an dem jeweils herrschenden Zeitgeist begründet lag. In den 80er und 90er Jahren neigte man eben dazu, manches dicker zu produzieren, als es dann live zu spielen war. Wir wollen die Lieder live so spielen, dass die Leute nicht erst fragen müssen, welches Lied denn das nun gerade war.

009 20140312 1270464918Es gibt vom Album eine Limited Edition, die in Form einer Doppel-CD erscheint. Hierbei sind auf der zweiten CD die alten Hits der MÜNCHENER FREIHEIT neu eingespielt und von Tim auf seine Art eingesungen worden. Das birgt sicher ein gewisses Risiko und hat unter den Fans auch geteilte Meinungen hervorgebracht. Was hat Euch zu diesem Schritt bewogen?
Aron: Ganz einfach: Wenn die heutige Formation via Radio für ein Konzert präsentiert wird, wenn die Band Interviews im Radio oder TV gibt oder wenn die Band auch Medleys im Fernsehen wiedergibt, sollten die Titel auch mit Tims Stimme zu hören sein. Und da wir ja auch live einen Großteil dieser Lieder spielen, ist es eine logische Folgerung, diese Songs auch auf einem Tonträger zu veröffentlichen.
Tim: Du sprichst von Risiko. Weißt Du, es ist ja allein schon riskant, dass wir wieder gemeinsam auf der Bühne stehen. Natürlich wissen wir, dass wir es nie allen recht machen können. Es gibt Menschen, die stehen morgens mit dem Ziel auf, irgendein Haar in der Suppe zu finden. Meinetwegen sollen sie das auch gerne tun. Für uns war es nur wichtig, dieses Doppelalbum für die Leute anzubieten, die es mögen. Und allen Kritikern sei an dieser Stelle mal deutlich gesagt, dass wir keinesfalls sauer auf die Leute sind, die unser Album NICHT kaufen wollen. Aber allen, die es haben wollen, wollen wir es auch anbieten. Die Idee dazu kam übrigens noch nicht einmal von uns. Aron und ich saßen in Schwabingen im "Café Roxy" und Aron meinte plötzlich: "Warum machen wir eigentlich nicht einfach unsere alten Hits als Neuaufnahmen und Du singst die ein". Aron fand das unglaublich wichtig als Vorschlag für die Identifikation, denn er ist überzeugt davon, dass diese Hits auch heute noch gut ankommen. Auch meinte Aron manchmal während der Proben, es sei frappierend, wie sehr man an den jungen Stefan Zauner erinnert werde. Seine ursprüngliche Idee war die, in jeder Stadt, in der wir spielen, einen Titel live aufzunehmen und das dann dem Album beizufügen. Diesen Gedanken haben wir zunächst wieder verworfen, weil wir auf viele äußere Ratgeber gehört hatten, zum Beispiel auf unsere Plattenfirma. Im letzten Jahr schwammen wir uns dann komplett frei, wir machen jetzt alles selber, haben kein Management mehr, was uns als Band unheimlich eng zusammengeschweißt hat, wechselten auch die Plattenfirma. Witzigerweise kam unser Produzent dann mit der gleichen Idee, die Aron schon mal hatte, nämlich die alten Songs in neuem Gewand aufzunehmen.

Das bringt mich zur nächsten Frage. Die Musik der MÜNCHENER FREIHEIT hat mich vor allem in den Achtzigern und Neunzigern aktiv begleitet. Ihr hattet einen speziellen, eigenen Sound, der Euch in ganz Europa bekannt gemacht hat. Das neue Album "Mehr" klingt gänzlich anders. Ich persönlich vermisse genau diesen typischen und ureigenen MÜNCHENER FREIHEIT-Klang. Ist diese Abkehr vom ursprünglichen Sound so gewollt oder muss man das als eine logische Weiterentwicklung betrachten?
Aron: Hier höre ich doch sehr viel persönlichen Geschmack des Verfassers heraus ... Wir haben einen harten Cut in der Formation - wieso nicht auch musikalisch? Genau so, wie manche sagen, dass sie den "typischen" Sound vermissen, hören wir, dass wir endlich eine Weiterentwicklung vollzogen haben. In den vergangenen Jahren haben wir bei Interviews eher zu hören bekommen, dass sich das neueste Album doch sehr ähnlich, wie das vorangegangene anhören würde ... Im Prinzip ist die größte Veränderung die Stimme, die Art zu singen und eben die gitarrenlastigere Instrumentierung - es schreiben immer noch dieselben Menschen die Lieder auf dem aktuellen Album ...

011 20140312 1794553110Eine rein hypothetische Frage: Was wäre eigentlich passiert, wenn das Album gefloppt wäre?
Aron: Nun, man kann nicht gerade sagen, dass das Album ein Mega-Erfolg wurde, aber wir sind zufrieden, haben die erste CD mit Tim veröffentlicht und haben neue Lieder mit ihm, die wir live hinaus tragen können - es geht einfach weiter!
Tim: Wie definiert man Flop? Wenn keiner die Platte gekauft hätte, dann hätten wir eben gesagt: Jetzt erst recht! Und wir würden versuchen, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Will man die MÜNCHENER FREIHEIT heute im Radio hören, muss man in der Regel diverse Schlagerwertungssendungen einschalten. Reicht Euch das oder seht Ihr das nur als Sprungbrett, um wieder verstärktes Medieninteresse zu erlangen und damit auch neues Publikum zu erschließen?
Aron: Nun, an der Wahrnehmung der Musik in der Gesellschaft und des veränderten Geschmacks in der Öffentlichkeit ist die Gesellschaft Schuld. Unsere Musik wurde in den 80ern als reine Pop-Musik gewertet, heute als Schlager. Uns ist die Bezeichnung relativ egal, die Musik ist geblieben, was sie ist. Aber die Musik hat im Laufe der Jahre eine Formatierung erfahren, die letztendlich auf das Verhalten der Konsumenten zurück fällt. Also finden wir da statt, wo unser heutiges Publikum zuhört.

Kann man die Musik der MÜNCHENER FREIHEIT im Jahr 2014 überhaupt in eine bestimmte Schublade einordnen?
Aron: Das können wir am Schlechtesten beurteilen - die Musik ist die logische Weiterentwicklung aus über 30 Jahren Bandgeschichte ...

Während in den letzten 30 Jahren hinter den meisten Kompositionen der Name Stefan Zauner stand, oft auch in Zusammenarbeit mit Aron Strobel, fällt auf der neuen CD ins Auge, dass eigentlich die ganze Band am Schreiben der neuen Titel beteiligt war. Sogar Tim hat einiges beigesteuert. Wird das auch der Weg für die Zukunft sein?
Aron: Wir wollen versuchen, in Zukunft ausgeglichener zusammen zu arbeiten und finden diesen Weg richtig. Wie man auf dem aktuellen Album sehr gut hören kann, haben auch Rennie und ich Titel zusammen geschrieben, die sich nicht verstecken müssen.

Die Bandbreite der Texte hält sich auf "Mehr" in Grenzen, denn auf der Platte dreht sich fast alles um das Thema Liebe. Auch hier höre ich große Unterschiede zu den früheren Songs, die teilweise auch lyrisch waren, aber doch irgendwie eine Spur mehr Tiefgang hatten. Sind die aktuellen Melodien zu harmonisch und zu glatt, als dass sie auch mal einen rebellischen oder gesellschaftskritischen Text vertragen würden?
Aron: Sorry, aber das sehen wir komplett anders - in einigen Songs, wie "All die Jahre" oder "Neue Freiheit", stecken Weisheiten, die man so deutlich schon lange nicht mehr von der MÜNCHENER FREIHEIT hören konnte. Da würden wir den Verfasser doch noch mal bitten, sich in die Texte mehr rein zu hören.

010 20140312 2036693335Im Song "Wie der Wind" fiel mir die Textzeile "Der Augenblick ist das, was zählt" auf. Kann man das als neues Motto der MÜNCHENER FREIHEIT verstehen, das Vergangene ruhen zu lassen und den Blick ins Jetzt und nach vorne zu richten?
Aron: Die MÜNCHENER FREIHEIT kommt aus der Vergangenheit, existiert jetzt und geht in die Zukunft - wir haben mit keiner dieser Phasen ein Problem, sondern eher damit, dass in uns so etwas hinein interpretiert wird.

Wie viele Titel vom neuen Album werden auf der Tournee live gespielt?
Aron: Wir spielen sechs Titel vom aktuellen Album, also, die Hälfte. Wir haben natürlich auch alle Hits im Set.
Tim: Wir hätten wahrscheinlich auch noch mehr neue Titel reingenommen, aber Arons Verletzung, die eine Woche vor Tourbeginn passierte, verhinderte das. Wir machen nämlich in der Regel immer genau eine Woche vorher eine intensive Probenwoche unter Livebedingungen. Genau diese Woche fehlte uns.

Wie flexibel seid Ihr mit der Setlist? Wenn Ihr merkt, der eine oder Titel kommt live nicht so an, tauscht Ihr dann auch mal etwas aus?
Aron: Das würden wir bei einem "no-go" schon machen, haben aber festgestellt, dass jeder seine Lieblingssongs hat und wir es niemals allen recht machen können.

Im nächsten Jahr feiert die MÜNCHENER FREIHEIT ihren 35. Geburtstag. Aron, Du bist seit der Gründung der Band im Jahr 1980 dabei, Michael "Micha" Kunzi (Bassgitarre), Alex Grünwald (Keyboards) und Rennie Hatzke (Drums) stießen 1983 dazu. Könnt Ihr Euch noch an die Anfänge erinnern?
Aron: Klar sind wir voller Erinnerungen, aber vieles wissen wir auch nicht mehr.

013 20140312 1357067863Es war die Zeit der NDW, als man von der MÜNCHENER FREIHEIT das erste Mal Kenntnis nahm. Eure ersten beiden Alben "Umsteiger" (1982) und "Licht" (1983) sowie die Debüt-Single "Zeig mir die Nacht" sorgten zwar für kleine Achtungserfolge, aber man merkte, dass Ihr noch nicht so recht wusstet, wo es musikalisch hingehen soll. Habt Ihr Euch selber als NDW-Band gesehen?
Aron: Die Band ist in dieser Zeit entstanden und natürlich hat man "Ich geb Gas", die Doraus oder DAF gehört - die Musik hat den Anfang der Band natürlich beeinflusst, auch wenn sich der eigene Sound bald gebildet hat.

1984 dann kam endlich der Durchbruch mit dem Album "Herzschlag einer Stadt". Man hört immer noch deutlich die Gitarren heraus, aber die Hinwendung zum Pop ist bereits hörbar. Im Anschluss daran gab es eine Deutschland-Tour mit über 80 Konzerten. War Euch dieser plötzliche Erfolg nicht unheimlich? Wie reatiert man darauf?
Aron: Dann ganz schnell ein neues Album machen und möglichst viele Konzerte, so lang man "heiß" ist ...

Aber nun ging es ja erst richtig los. Die folgenden Singles "Ohne Dich" und "Tausendmal Du" lösten eine regelrechte Hysterie um die MÜNCHENER FREIHEIT aus. Allein "Ohne Dich" verkaufte sich 600.000 mal, war in Österreich und der Schweiz sogar auf Platz 1. Wie sehr haben diese beiden Songs Euer Leben umgekrempelt? Einfach mal unerkannt beim Bäcker Brötchen kaufen war sicher nicht mehr möglich, oder?
Aron: Wie schon oben erwähnt, unser Leben wurde plötzlich sehr "schnell" und wir kamen in der Sache kaum hinterher - wir haben sicher drei Jahre mit ganz wenig freien Tagen durchgearbeitet, da war an Brötchen holen nicht zu denken.

014 20140312 1663056131Es ging bis zum Ende der achtziger Jahre Schlag auf Schlag weiter. Eure Alben erreichten alle Goldstatus, 1987 schaffte es die CD "Traumziel" sogar bis in die deutschen Top 10. Da war es naheliegend, sich auch international zu versuchen. Also erschienen von Euch bis 1989 drei sehr erfolgreiche englischsprachige LPs. War das Eure Idee oder die der Plattenfirma?
Aron: Diese Entscheidung lag auf der Hand, nachdem wir unsere Demos damals ohnehin oft erst in Englisch gemacht haben und die Plattenfirmen Stefan in Englisch durchaus kannten. Nach so einem Erfolg sollte man das auch international versuchen.

Warum habt Ihr nach dem dritten Album keine weiteren Platten mehr auf Englisch gemacht?
Aron: Nun, wir haben fast alles erreicht in Europa und Skandinavien, selbst in Griechenland waren wir mit "Everytime" auf Gold-Status in den Rock-Charts (!), in den Staaten kam der Film "Say Anything" mit "Keepin the dream alive" als Titelsong ... Mehr war nicht zu erreichen - unser wichtigster Markt blieb aber das GSA Gebiet und wir wollten auch wieder durch Deutschland touren ...

Für den Sound der MÜNCHENER FREIHEIT in den Achtzigern war in erster Linie der Produzent Armand Volker verantwortlich, der unter anderen auch SANDRA und HUBERT KAH produzierte. Wie viel Anteil hatte Armand Volker am Erfolg Eurer Musik und was war das Besondere an ihm und seiner Arbeit?
Aron: Armand Volker war und ist ein sehr genau hörender, sehr akribisch arbeitender Produzent, der zudem auch auf technischer Seite exzellente Arbeit verrichtete - er hatte seinen "Sound", der auch bei der MÜNCHENER FREIHEIT seinen Einfluss hatte.

015 20140312 1029067069Unbedingt erwähnen muss man natürlich Euren Riesenhit "Solang man Träume noch leben kann", der 1987 in Deutschland bis auf Platz 2 der Singlecharts kam. Ihr habt den Song mit dem LONDON SYMPHONY ORCHESTRA aufgenommen. Wie kam es denn zu dieser Zusammenarbeit?
Aron: Es war tatsächlich der Vorschlag der Plattenfirma, aus dem Song ein ganz großes Werk zu machen und keine Kosten zu scheuen, was die Produktion betrifft - in der heutigen Zeit völlig unvorstellbar, dass für einen Titel weit über 100.000 € ausgegeben werden! Andrew Powell wurde von Sony England beauftragt, die Partituren für das Werk zu schreiben, wir haben dann in den ehrwürdigen Abbey Road Studios mit den Symphonikern aufgenommen ... Eine große Zeit, eine große Erinnerung.

1992 gab es mit dem von HUBERT KAH geschriebenen "Liebe auf den ersten Blick" einen vorläufig letzten Hit, bevor es dann in den neunziger Jahren etwas ruhiger um die MÜNCHENER FREIHEIT wurde. Gingen Euch die Ideen aus oder entsprach Eure Art Musik nicht mehr dem damaligen Zeitgeist?
Aron: Ach Blödsinn, der Inhalt des Albums beweist, dass wir noch eine Menge Ideen hatten - aber es war einfach ein guter Song, ein Hit - und warum sollte man den nicht machen?

Dieser "Blödsinn" ist ja keine Erfindung von mir, sondern die Wahrnehmung von Fans, die ich hier in meiner Frage habe einfließen lassen. Aber egal ... Ihr wolltet es 1993 aber noch mal wissen und habt mit dem Lied "Viel zu weit" als deutscher Vertreter am European Song Contest in Irland teilgenommen. Leider reichte es nur zu Platz 18. War das eine Art Verzweiflungstat oder warum habt Ihr Euch das angetan?
Aron: Meine Güte, es war noch mal die Chance, eine halbe Milliarde Menschen via einer Sendung zu erreichen. Außerdem hatte damals der MDR das erste Mal die Verantwortung der nationalen Vorentscheidung - und sie hatten kein Geld! Also schlugen sie uns vor, ihnen eine Auswahl von fünf Songs von der MÜNCHENER FREIHEIT zu geben, aus dem sie sich einen aussuchen konnten, statt eine aufwändigen Vorentscheidung zu finanzieren. Vielleicht hätten wir es auch nicht machen sollen, wir waren damals weiß Gott nicht in der Situation, uns "an einen Strohhalm zu klammern", sondern hatten gut gebuchte Tourneen etc. Sicher würden wir es nicht noch mal machen.

012 20140312 1257192346Ihr seid damals in weißen Anzügen aufgetreten, auch Bass, Klavier und Schlagzeug strahlten in reinem Weiß. War das Aberglaube, weil insgesamt acht der vorherigen ESC-Gewinner ebenfalls weiße Bühnengarderobe trugen?
Aron: Wir haben nicht einen Gedanken an diese Variante verschwendet, höre ich zum ersten Mal ... Es war einfach eine Idee, wie wir uns präsentieren wollten ... Und es erinnert im Nachhinein auch ein wenig an das Outfit zu "So lang man Träume noch leben kann", das doch auch sehr eindrucksvoll "rüber" kam ...

Da ist was dran. Wenn es nicht so richtig läuft, greift man schon mal nach jedem Strohhalm, um wieder ins Gespräch zu kommen. War das der Grund dafür, dass Ihr 1997 sogar an der Single "Where do I belong" des damals sehr populären Dance-Projects MR. PRESIDENT mitgewirkt habt? Musikalisch lagen ja eigentlich Welten zwischen Euch und dem Euro-Dance der Neunziger.
Aron: Die Neunziger waren geprägt vom HipHop, eine völlig neue Generation an Musik war herangewachsen - dennoch gab es in dieser Zeit nicht weniger als 40 (!) Rap/HipHop Versionen von "Ohne Dich", nicht zuletzt auch von "T" von Mr. President. Wir haben "Freiheit, die ich meine" mit Kai Mathiesen co-produziert, der ebenfalls MR. PRESIDENT produzierte. Er fragte Stefan, ob er nicht einen Song für sie schreiben könnte. Und da waren die Chöre ... der Rest erklärt sich von selbst ...

Ungeachtet des mäßigen Erfolges habt Ihr kontinuierlich weiter Platten produziert. So auch 2003 die Scheibe "Zeitmaschine", auf der Remixe Eurer großen Hits zu hören sind. Dabei wurden die alten Nummern mit eintönigen, langweiligen Computerbeats unterlegt, was bei Euren Fans viel Entsetzen hervorrief. Habt Ihr Euch seinerzeit an NENA orientiert, die ja auch gerade mit "NENA feat. NENA" ähnliches probiert hatte?
Aron: Nun, im Prinzip sollte man Remixe nicht von seinen eigenen Titeln machen, um diese Erfahrung sind wir nach der "Zeitmaschine" auch reicher ...

016 20140312 1314100159Immerhin schafftet Ihr es 2009 mit "Eigene Wege" wieder bis auf Platz 10 der deutschen Album-Charts. Das muss doch ein Wahnsinnsgefühl für Euch gewesen sein, nach 17 Jahren wieder eine Platte in den Hitlisten zu haben. Braucht man diese Bestätigung als Musiker, gibt das einen Schub oder sagt Ihr: Was jucken uns die Charts?
Aron: Klar hat uns der Charterfolg von "Eigene Wege" gefallen, schließlich ist dies auch ein Spiegel des kommerziellen Erfolges eines Albums. Aber die MÜNCHENER FREIHEIT existiert nun schon so lange, mit und ohne Charts, dass wir tatsächlich auch ein Leben ohne die Charts führen können. Der Erfolgsdruck aus den 80ern existiert eben nicht mehr so, zumal heute die Charts mit sehr viel weniger Verkäufen zu erreichen sind.

Wenn man seit drei Jahrzehnten ununterbrochen Platten aufnimmt und Konzerte spielt, zieht fraglos irgendwann eine gewisse Routine ein. Wie motiviert Ihr Euch trotzdem immer wieder auf's Neue, um den Spaß an der Arbeit nicht zu verlieren? Der Fan würde es nämlich sofort merken, wenn Ihr nur noch der Kohle wegen spielen würdet.
Aron: Ach, die Motivation ist das Leben, das wir führen können. Wir fahren durch Deutschland und lernen wunderschöne Gegenden kennen, in denen andere nur im Urlaub hin kommen und dürfen an diesen Stellen auch noch auftreten. Wir haben einfach viel Spaß an dem, was wir machen ...

Auf welches Ereignis, welches Konzert oder welche Begebenheit Eurer Karriere schaut Ihr auch heute noch besonders gerne zurück?
Aron: Da gibt es viele Ereignisse - Donauinsel-Festival 87, Hubschrauberflug zum Shannon Sea, Paris, London, Marseille - Videodreh zu "Ohne Dich" ...

017 20140312 1576160077Dann gibt es bestimmt auch Momente, die man am liebsten aus dem Gedächtnis streichen würde?
Aron: Ja, sicher, einmal im Capitol in Mannheim hatten Micha und ich unsere Sender verwechselt, der erste Song war damals "Oh Baby" und es kam einfach nix ... Seeehr unangenehm ...

Von Tim mal abgesehen, seid Ihr doch nach über dreißig gemeinsamen Jahren vergleichbar mit einem alten Ehepaar. Trefft Ihr Euch nach all den Jahren eigentlich auch noch privat oder seht Ihr Euch nur zu den Konzerten und danach geht jeder seiner Wege?
Aron: Klar führt jeder sein eigenes Leben und hat mehr oder weniger Familie und eigene Freunde, außerdem haben wir auch Verpflichtungen außerhalb von Konzerten, zu denen wir uns treffen müssen - aber dennoch fahren Tim, Micha und ich ab und zu mit den Motorrädern rum ...

Könnt Ihr Euch auch ein Leben ohne die MÜNCHENER FREIHEIT vorstellen?
Aron: Nachdem die MÜNCHENER FREIHEIT den größten Teil unseres Lebens einnimmt, eigentlich nicht.

018 20140312 1611934200Eure aktuelle Tour dauert noch eine ganze Weile. Macht mal bitte ein bisschen Eigenwerbung. Warum sollte jemand unbedingt in eines Eurer Konzerte kommen? Was erwartet den Besucher?
Aron: Nun, den Besucher erwartet eine spielfreudige Band, die gerne auf die Bühne geht und auch gerne noch die alten Hits spielt, ohne die neuen zu vernachlässigen. Wir haben während der Tour eine multimediale Light-Show mit Video-Einspielungen, die fantastische Stimmungen erzeugen und last but not at least haben wir einen Sänger, der das Bad in der Menge liebt, der ein berührender Sänger ist und nicht ruht, bis der letzte im Publikum auf dem Stuhl tanzt.

Wie geht es mit der MÜNCHENER FREIHEIT weiter? Gibt es schon Pläne für den 35. Geburtstag im nächsten Jahr? Vielleicht auch ein neues Album?
Aron: Wir konzentrieren uns erst mal auf dieses Jahr, in dem wir noch viel vor haben ...
Tim: Nein, da haben wir noch keine Pläne gemacht. Ein neues Album machen wir praktisch ständig, da wir keine Konzeptionsband sind. Das heißt, wir setzen uns nicht vor ein leeres Blatt Papier und sagen: "Jetzt wollen wir mal ein neues Album schreiben." Nein, wir schreiben ständig weiter. Wir machen auch privat eine Menge zusammen und dabei kommen immer wieder mal ein paar Ideen heraus, aus denen dann im besten Fall irgendwann ein neuer Song entsteht.


Interview: Torsten Meyer
Bearbeitung: mb, cr
Fotos: Pressematerial, Archiv Deutsche-Mugge





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