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Für viele gilt Blues als "Musik für alte Leute". So abwegig ist das auch gar nicht, denn wenn man sich das Publikum auf Blueskonzerten anschaut, wird wahrscheinlich jeder einzelne von ihnen problemlos auf einer Ü40-Party Einlass finden. Und die wirklichen Blueshelden, die diese Musik in der Welt groß gemacht haben, ruhen entweder schon lange in ihrer Gruft, oder sind in einem Lebensalter, wo man schon mal probehalber den berühmten Zettel an den Zeh hängen kann. Um das zu ändern, hat der Blues in den letzten Jahren eine wahre Frischzellenkur erfahren. Viele neue Gesichter haben es sich zum Ziel gemacht, die ursprünglich rein schwarze Musik zu neuem Leben zu erwecken, in dem sie den typischen Zwölftakter etwas aufweichen und mit anderen Stilen vermischen. Eine dieser "Neuen" kommt aus dem schönen Hamburg und macht sich mit Riesenschritten daran, tatsächlich wieder die jüngere Generation für Blues- und Bluesrock zu begeistern: JESSY MARTENS. Selber gerade mal 25 Lenze jung, räumte sie 2012 beim Deutschen Rockpreis ab, gewann im gleichen Jahr beim German Blues Award gleich in mehreren Kategorien, und erhielt mit dem Louis-Armstrong-Gedächtnispreis eine Ehrung, die man eigentlich nie und nimmer mit einer so jungen Person in Verbindung bringen würde. All das ist um so erstaunlicher, wenn man weiß, dass sie bis zu ihrem 17. Lebensjahr von Bluesmusik noch nie etwas gehört hatte.
JESSYs Markenzeichen ist ihre kraftvolle Stimme, bei deren Klang man unweigerlich Vergleiche mit diversen anderen weiblichen Stimmwundern anstellt. Dabei ist JESSY MARTENS beileibe keine Kopie, sondern steht für einen ganz eigenen Stil. Nachdem sie zunächst dem traditionellen Blues die Ehre erwies, gründete sie 2010 ihre eigene Band, mit der sie seither bereits drei Alben einspielte. Ihr letzter Streich "Break your curse" verlässt dabei ein wenig die Bluespfade zugunsten einer rockigeren Ausrichtung. Wir hatten am Rande Ihres Auftrittes beim Berliner "Jazz in Town"-Festival Gelegenheit, mit JESSY MARTENS über das Album, ihre Ansichten zur Entwicklung des Blues und einiges mehr zu sprechen ...



001 20130728 1154512908Ganz am Anfang eine pauschale Frage: Bisher galt der Blues ja eher als Männerdomäne, Frauen erfuhren bis auf ganz wenige Ausnahmen, die dann auch eher dem Jazz zuzuordnen waren, eine schwere Akzeptanz. In den letzten Jahren hat sich das Bild durch junge, aufstrebende Sängerinnen und Gitarristinnen wie Danny Wilde, Dana Fuchs, Joanne Shaw Taylor oder Samantha Fish etwas gewandelt. Du bist auch gerade dabei, den Blueshimmel zu erklimmen. Wie siehst Du das? Ist die Vorherrschaft der Männer im Blues endgültig durchbrochen?
Es gibt natürlich immer noch mehr Männer als Frauen, deshalb ist die Männerdomäne auch noch existent. Es geht aber darum, sich in der Szene zu positionieren. Hat man dann seinen Platz gefunden, kann man auch alles wuppen. Ich finde es aber auch gar nicht schlimm, dass der Blues eine Männerdomäne ist. Ich bewege mich sehr gerne auf diesem Terrain. Aber in meiner Band habe ICH die Hosen an (lacht).

Nun zu Dir. Du bist ja 2012 mit jeder Menge Gold beschmissen worden. Ich sage nur Deutscher Rockpreis, beste Rocksängerin, beste Rockband, drei German Blues Awards - ich ziehe den Hut. Bist Du jetzt ein Star? Und mal ehrlich, hast Du mit einem dieser Preise gerechnet?
Nein, überhaupt nicht. Es fing ja an mit dem Louis-Armstrong-Gedächtnispreis, den ich für meine Verdienste um den Blues und Jazz bekommen habe. Das war schon Wahnsinn für mich, als ich den bekam. Ich dachte, ich bin zwar jung und ich mache sehr viel innerhalb dieser Szene, aber damit rechnen konnte ich natürlich nicht. Dann kamen die German Blues Awards, wo ich dachte: Okay, das ist richtig sexy. Und der Deutsche Rockpreis war natürlich die Krönung. Ich bekam ja insgesamt gesehen gleich mehrere Preise. Ich selber wurde beste Rocksängerin und beste R&B-Sängerin, dazu der Preis mit der Band als beste deutsche Rockband und beste Bluesband waren wir auch noch. Das war cool und ich habe mich riesig darüber gefreut. Aber man macht die Musik nicht, um dafür solche Preise zu kriegen, sondern man macht die Musik, weil es einem Spaß bringt.

002 20130728 1950164688Jetzt mal im Ernst: Wie verarbeitet man als junge Band solche Ehrungen? Wie erdest Du Dich, um nicht abzuheben?
Also ich denke, wir müssen uns gar nicht besonders erden. Wir sind ganz normale Menschen, die einfach gerne Musik machen und wahrscheinlich auch gute Musik machen. Wir wissen, wo wir herkommen, was uns zu dem gemacht hat, was wir jetzt sind. Das war harte Arbeit, uns hat niemand etwas geschenkt. Deshalb glaube ich, ich muss mich gar nicht erden, weil ich das schon bin. Das war für mich schon immer der totale Abturner, wenn Leute mit dem Erfolg arrogant und überheblich geworden sind. Da besteht bei mir keine Gefahr. Ich putze auch immer noch selber mein Klo. Ich bin ein ganz normaler Mensch, der einfach nur singt. Es gibt auch nichts anderes, ich kann nur singen!

Du bist gerade mal Mitte Zwanzig. Wie reagieren Deine Altersgenossen, wenn sie hören, Du bist Bluessängerin? Die würden wahrscheinlich eher Popsound á la Rhianna & Co. erwarten, oder?
Das ist schon eine witzige Geschichte. Als ich mit dem Blues anfing, war ich gerade mal 18. Wenn mich andere fragen, was ich denn so mache und ich antwortete ihnen: "Ich mache Blues", rümpfen sie die Nase und meinen, das würden doch nur alte Leute hören. Entweder weiß niemand, was Blues eigentlich ist oder man bringt es mit den Eltern in Verbindung. Ich bin ja auch tatsächlich über einen längeren Zeitraum diese traditionelle Bluesschiene gefahren. Mittlerweile habe ich meine eigene Band, schreibe eigene Songs, habe gerade mein zweites Album auf den Markt gebracht. Ich interpretiere praktisch den Blues neu, spiele ihn auf meine Art und Weise. Und jetzt, wo ich meine eigene Mugge mache, die auch ein bisschen weg geht vom traditionellen Blues, stattdessen offener und rockiger ist, stellen sich auch meine Freunde hin, finden cool, was ich mache und feiern das richtig ab. Trotzdem sagen immer noch viele, und das ist so ein fader Beigeschmack: "Jessy, Du bist in der falschen Zeit geboren". Aber eigentlich finde ich die Reaktionen darauf total witzig. Ich kokettiere ja auch damit. Ich mag das eben, wenn mich Leute in meinem Alter erstaunt und fragend ansehen, weil ich Blues mache. Das ist für mich eine Art Lifestyle, den ich gerne lebe.

003 20130728 18678338272013 macht gerade Halbzeit, aber Du stehst mit dem heutigen Auftritt bereits das vierte Mal in diesem Jahr auf einer Berliner Bühne. Vor allem das Konzert am 19. März im Maschinenhaus schien Dir wichtig gewesen zu sein. Spielst Du besonders gerne in Berlin?
Ich mag es sehr, in Berlin zu spielen. Berlin ist groß, es gibt hier ganz viele verschiedene Charaktere. Und gerade hier in Köpenick finde ich es unglaublich schön. Natürlich hoffe ich, dass ich auch künftig noch viel mehr in Berlin spielen kann. Und ich werde definitiv im nächsten Jahr wieder im Maschinenhaus spielen. Das wird im Februar/März sein.

In ca. vier Stunden rockst Du zum wiederholten Mal die "Jazz in Town"-Bühne. Heute dürfen wir uns sogar auf ein doppeltes Set von Dir freuen. Was hat es damit auf sich? Lass uns kurz darüber reden, auch wenn der Auftritt bereits Geschichte ist, wenn dieses Interview erscheint.
Es stimmt, ich laufe heute Abend gleich mit zwei Combos auf. Einmal mit der traditionellen Band, in der akustischen Bluesbesetzung. Jan Fischer wird am Boogie-Piano sitzen, Ralf Böcker spielt Saxophon und Christian Kolf spielt Schlagzeug. Christian ist dann auch in meiner Band wiederzufinden, mit der ich im zweiten Teil ein wunderbares Unplugged-Set spielen werde. Es wird Songs vom neuen Album "Break your curse" geben, aber auch Titel von den früheren Alben. Am Ende wird dann alles zu einer großen Session zusammengeworfen, aber das darf ich ja eigentlich noch gar nicht verraten (lacht). Es wird sehr schön werden, ich freue mich darauf.

Du hast eine ganze Weile mit Deinem jetzigen Manager Jan Fischer in dessen Band gespielt. Kann man sagen, dass Jan Dein Entdecker und Förderer war?
Mmmmh, also... ich tue mich immer ein bisschen schwer mit dem Wort "Entdecker". Denn eigentlich habe ich ihn entdeckt und nicht er mich!

004 20130728 1867495498Oh, dann erzähl mal!
Das war ein lustiger Zufall. Ich hatte meinen Haustürschlüssel vergessen und meine Eltern waren gerade auf einem Konzert von Jan Fischer. Ich bin also da hin in den Cotton Club, Hamburgs ältesten Jazzclub, wollte aber gleich wieder nach Hause. Aber meine Eltern meinten, ich müsse jetzt warten, bis das Konzert vorbei ist und kann dann mit ihnen nach Hause fahren. Da sah und hörte ich Jan also spielen und bin dadurch das erste Mal auf den Blues gestoßen. Ich fand das richtig cool und fragte mich: Was machen die denn da? Das ist ja total witzige Musik! Ich sprach Jan Fischer dann an und sagte zu ihm: "Meine Name ist JESSY und ich möchte gerne mit Dir singen." Er sagte ganz ruhig: "Ja, gib mir einfach mal Deine Telefonnummer". Wir streiten uns immer noch darüber, wie es damals eigentlich war. Immerhin ist das schon acht Jahre her (lacht). Jan erzählt die Geschichte natürlich anders als ich, aber für mich war es so, wie ich es erzähle. Ich dachte dann jedenfalls so bei mir: "Du Arsch meldest Dich ja doch nie bei mir, wenn ich Dir jetzt nur meine Nummer gebe." Da ich aber schon immer ein aufgewecktes Kerlchen war, habe ich einfach angefangen, zu singen. Ohne Musik, nur a capella, aus dem Stand heraus. Ich stand zwar dabei nicht auf der Bühne, aber an der Bar. Sein Publikum drehte sich zu mir um und applaudierte mir. Daraufhin kam Jan zu mir, gab mir seine Handynummer und sagte: "Bitte melde Dich!" Das tat ich dann auch und seitdem sind wir musikalisch unzertrennliche Partner. Er tut mir gut, ich tue ihm gut. Privat verstehen wir uns auch sehr gut, sind eng befreundet. Das bleibt eben nicht aus, wenn man so eng zusammenarbeitet, wie wir. Um auf Deine Ausgangsfrage zurückzukommen: Ich würde es so ausdrücken, dass Jan mein musikalischer Ziehvater ist.

War denn schon als Kind für Dich absehbar, dass Du später mal die Bühnen rocken wirst?
Na klar! Mit drei Jahren begann ich, zu tanzen. Mit fünf fing ich an, zu singen, habe im weiteren Verlauf bei ROLF ZUCKOWSKI gesungen. In diversen Gospelchören war ich auch und sang da immer die Solostimme. Irgendwann machte ich dann sogar eine Vorausbildung zur Musicaldarstellerin. Ja, mir war schon immer klar, dass ich nur das machen will und nichts anderes. Und es hat ja auch geklappt.

005 20130728 1776657297Fing es bei Dir auch ganz normal mit dem Besuch der Musikschule an?
Ich habe ja eben erzählt, dass ich schon immer Sängerin werden wollte. Ich lebe heute von meiner Leidenschaft und es gibt für mich nichts Schöneres. Natürlich habe ich früher die Musikschule besucht, habe eine Ausbildung zur Berufssängerin gemacht, wodurch ich auch dieses ganze theoretische Knowhow mitbekommen habe. Das ist ja durchaus wichtig, gerade fürs Songwriting. Und so kam es, dass ich meinen Traum zum Beruf machen konnte.

Wie sah es mit der Unterstützung aus dem Elternhaus aus?
Ja, die hatte ich. Eigentlich haben meine Eltern alles finanziert, was ich gemacht habe, bis ich 18 wurde. Sie bezahlten meinen Gesangsunterricht, Tanzunterricht, Chor, Schauspielunterricht, einfach alles. Sie haben mich überall hingefahren, kamen auch immer zu meinen Auftritten. Papa hat natürlich immer alles mitgefilmt und Mama sorgte für mein leibliches Wohl. Natürlich waren sie geschockt, als ich ihnen erzählte, ich breche jetzt mein Abitur ab, weil ich Sängerin werde. Wie alle Eltern fanden das auch meine Eltern richtig blöd. Das ging so in die Richtung: "Kind, mach' doch erst einmal was Anständiges!" Sie hatten also zuerst nicht viel Verständnis dafür. Aber ich habe mir gesagt: "Was soll ich denn jetzt mit Mathe!?! Ich gehöre doch auf die Bühne!" Heute finden meine Eltern übrigens auch, dass das eine gute Entscheidung war. Aber damals war das in ihren Augen nicht besonders witzig.

Hast Du in der Schulzeit gerne gesungen oder war Dir dieses "singen müssen" eher ein Dorn im Auge?
In meinen Zeugnissen stand immer drin: JESSY singt zuviel. Ich hab nämlich immer im Unterricht gesungen. Freiwillig. Wahrscheinlich deshalb, weil ich unbedingt im Mittelpunkt stehen wollte und das war für manche Lehrer ein bisschen schwierig.

006 20130728 1802496988Hattest Du vor Deiner Zeit mit Jan Fischer schon eigene Bands?
Na klar hatte ich meine Jugendbands, wenn man das so nennen will. Da habe ich mich sogar schon an eigenen Texten ausprobiert und dann auch noch auf Deutsch! Das war jedenfalls total cool.

Die Zeit bei und mit Jan Fischer war für Dich sicherlich sehr lehrreich. Trotzdem hast Du irgendwann gesagt: Jetzt will ich meine eigene Band. Wie und mit welchen Vorstellungen bist Du die Sache angegangen?
Ganz einfach: Ich wollte den Blues unter die jungen Leute bringen. Natürlich wollte ich auch meine eigenen Songs schreiben und meine Texte und Ideen sollten nach draußen gelangen. Ich liebe es, zu interpretieren, ich liebe es vor allem, RAY CHARLES zu interpretieren oder auch KOKO TAYLOR. Aber trotzdem wollte ich jetzt was Eigenes machen, meine eigenen Texte raus in die Welt schicken, die auch alle autobiografisch sind. Das war mir wichtig. Der nächste Schritt war der, dass ich mir eine Band gesucht habe.

Wie hast Du Deine Bandkollegen gefunden? Auf die klassische Art per Annonce: "Suche Gitarristen/Drummer für eine Bluesrockband"?
So ähnlich. Christian Kolf war schon bei meinem Akustikprojekt dabei, also hatte ich den schon mal. Für den Rest habe ich einfach im Freundeskreis die Bewerbung ausgeschrieben, die da lautete, ich suche einen Gitarristen, einen Bassisten usw. Es haben sich tatsächlich viele gemeldet und so entwickelte sich das dann. Roman beispielsweise war sogar noch mein Schüler ...

Was heißt, Roman war Dein Schüler?
Ich unterrichte Stage-Performance und Roman war einer meiner Schüler. Eines Tages saß er in der Ecke und spielte ein Blues-Riff. Ich sagte zu ihm: "Eh, das ist ja geil! Du machst Blues?" - "Ja", war die schlichte Antwort.008 20130728 1272790896 Roman ist ja noch zwei Jahre jünger, als ich und ich fand das einfach alles cool. Also fragte ich ihn, ob er Bock hätte, in meiner Band zu spielen. Er meinte: "Ja natürlich! Dann spiele ich jetzt halt mit meiner Lehrerin zusammen in einer Band!" Und so entwickelte sich das allmählich. Jetzt habe ich meine wunderbaren Männer um mich herum, die ich auch nicht mehr missen will. Die sind auch ganz wichtig für mich, weil sie mit mir die Songs schreiben.

2011 gab es dann das erste Album der JESSY MARTENS BAND zu kaufen. Es war ein Live-Album, aufgenommen während der Blues Baltica 2011 in Eutin. Warum beginnt man seine CD-History mit einem Livemitschnitt?
Na ja, eigentlich war das ja gar nicht das erste Album, auf dem meine eigenen Songs drauf waren. Dieses Live-Album war mehr ein Querschnitt, so eine Art fließender Übergang zwischen meinen beiden Bands, also JESSY MARTENS & JAN FISCHERs BLUES SUPPORT und der JESSY MARTENS BAND. Anfangs saß Jan da ja auch noch an den Tasten. Dass wir diesen Live-Mitschnitt in Eutin überhaupt machen konnten, war natürlich super. Das ist ein tolles Festival, der Sound war gut, und es war auch eine schöne Location. Mein erstes Album mit eigener Band und mit eigenen Songs kam kurz danach und hieß "Brand new ride", aber dazu kommen wir ja sicher gleich noch.

Genau. Bis auf "Touch my blues away" waren auf der CD nur Coverversionen zu hören, wenn auch von bekannten Namen, wie GERSHWIN, RAY CHARLES, LEADBELLY oder B.B.KING. Hattest Du noch kein eigenes Material oder wolltest Du diesen großartigen Musikern mit den Songs Deinen Respekt erweisen?
Das lag einfach daran, dass es diese neue Band zu dem Zeitpunkt der Aufnahme gerade mal zwei Monate gab. Das Songwriting war noch nicht beendet, deshalb sind auf dem Live-Album nur zwei eigene Titel drauf. Davor habe ich ja gemeinsam mit Jan und meiner alten Band auch schon zwei Alben gemacht, auf denen ich Bluesklassiker gecovert habe. Es fing an mit "Thats why I'm crying", danach kam "Live on stage".

009 20130728 1599214885Einige dieser Nummern, wie der "Good morning blues", mit dem Du Deine Konzerte beginnst, oder das intensive "I don't need no doctor", gehören ja nach wie vor zu Deinem Programm. Ist das schon so was, wie ein Ritual, welches auch die nächsten zwanzig Jahre Bestand haben wird?
Nein (lacht). Der "Good morning blues" passt natürlich super an den Anfang, eben weil er "Good morning blues" heißt und die Konzertbesucher wachmachen soll. Wir ändern aber auch gerne mal die Setlist. Jetzt liegt der Schwerpunkt gerade auf dem "Break your curse"-Album, aber selbst da beginnen wir mit dem "Good morning blues". Ein Ritual, wie Du es nennst, gibt es aber nicht. Es muss halt zum Thema passen.

Hinter manchen Titeln ist zu lesen: Komposition JESSY MARTENS u. a. Wer ist denn "u. a."?
Dahinter verbergen sich die anderen Bandmitglieder. Wir haben diese Songs gemeinsam geschrieben.

Das Album hat für mächtige Furore in der deutschen Bluesszene gesorgt. Kann man "Brand new ride" als Deinen, Euren Durchbruch bezeichnen? Habt Ihr den Erfolg des Albums auch am Tourkalender ablesen können?
Wie definiert man "Durchbruch"? Allein schon die Tatsache, dass "Brand new ride" als "Bestes Bluesalbum 2012" ausgezeichnet wurde, war für uns eine große Ehre. Natürlich spielen wir seitdem deutlich mehr Gigs und es kommen auch immer mehr Zuschauer. Aber Durchbruch? Ja, vielleicht? Oder nein? Doch, ja.

cd 20130728 1890431340Aber das geht sicher nicht soweit, dass Du jetzt verhüllt durch Hamburg laufen musst, um Deine Ruhe zu haben?
Nein (lacht). Durch Hamburg kann ich schon noch laufen. Aber es passieren schon manchmal solche Dinge, wie kürzlich beim Bäcker. Da habe ich Brötchen gekauft und da schnappte mir jemand vor der Nase die letzte Erdbeerschnitte weg. Auf einmal meinte er: "Oh Gott, Du bist doch JESSY MARTENS!" Ich sagte: "Ja, die bin ich. Und jetzt gib mir die Erdbeerschnitte!" (lacht) Ich bekam zwar die Erdbeerschnitte trotzdem nicht, aber dafür spendierte er mir noch einen sehr netten Eintrag in mein Gästebuch. Na ja, beim Bäcker werde ich also erkannt, aber damit kann ich leben. Das ist schließlich das, wo man irgendwann hin will.

Das Jahr 2013 begann mit einem weiteren Highlight: Euer neues Album "Break your curse" erschien im Februar. Wie lange hat die Arbeit daran gedauert?
Von der ersten Note bis zur Fertigstellung ungefähr ein halbes Jahr. Das Album wurde im TAO-Studio Hamburg aufgenommen, wo auch schon "Brand new ride" produziert wurde.

Wie ist das Album entstanden? Ist das ein Sammelsurium von Ideen, die sich über die Jahre angestaut haben oder sind es alles frische Nummern?
Nein, das sind natürlich alles neue Songs. Die haben wir in einem kleinen Häuschen etwas abseits von Hamburg geschrieben. Dazu haben wir uns zwei Wochen eingesperrt, auf engem Raum zusammengelebt und die Titel geschrieben.

010 20130728 1993439189Auf "Break your curse" verlässt Du deutlich die klassischen Bluespfade, gehst mehr in die Rockrichtung. War das gewollt oder ist Dir das zu viel Schubladendenken?
Das war überhaupt nicht geplant. Ich schreibe halt einfach drauf los und was mir am Ende gefällt, kommt auf die Platte. Natürlich bleibe ich dem Blues nach wie vor treu, auch wenn dieses Album eben mal ein bisschen rockiger geworden ist. Das finde ich übrigens auch gar nicht schlecht. Im Gegenteil, ich finde das total cool. Diese Differenzierungen, die da immer gemacht werden, nach dem Anteil von Blues oder Rock, das ist für mich eh unwichtig. Ich finde, es ist ein tolles Bluesrockalbum geworden, was man sich ganz gut anhören kann.

Wird das auch die künftige Marschrichtung der JESSY MARTENS BAND sein? Einige Deiner Fans wünschen sich ja eher eine Rückkehr in die Bluesschiene.
Ich sagte eben ja schon, ich bleibe dem Blues treu. Ich kann aber überhaupt nicht voraussagen, wo mein Songwriting hingehen wird. Natürlich schreibe ich weiter in die bisherige Richtung und es wird definitiv kein Techno dabei rauskommen. Aber festlegen, nein, das geht nicht. Ich lass mich selber überraschen, was da an neuen Ideen kommen wird.

Im Covertext zum Album "Break your curse" erzählst Du, dass Ihr alle einige Tiefschläge, auch in Form von Todesfällen, zu verkraften hattet und dass Du einiges davon in Deinen Songs verarbeitet hast. Inwieweit hilft Dir das Schreiben eines speziellen Songtextes tatsächlich, beispielsweise den Verlust eines geliebten Menschen erträglicher zu gestalten? Das ist doch eigentlich eine eher persönliche und intime Angelegenheit.
Hast Du selber schon mal ausprobiert, darüber zu singen oder einen Text dazu zu machen?

007 20130728 1806787104Nein, ich glaube nämlich, mir würde es nicht helfen bei der Bewältigung eines solchen Schicksalsschlages.
Okay. Ja, es stimmt, wir hatten im letzten Jahr ziemlich viele schwere Schicksalsschläge zu verkraften. Mich hat das sehr mitgenommen, weil sich einiges davon in meinem engeren Bekanntenkreis abspielte. Mir bringt das unglaublich viel, wenn ich meine Gefühle darüber in einen Songtext packen kann. Natürlich gehört dazu, dass man auch die negativen Seiten mit erwähnt, und man sich auch damit auseinandersetzt, wie zum Beispiel Unfall, Tod, Krankheit. Ich liebe es halt sehr, meine Gefühle über den Gesang auszudrücken. Der Gesang ist für mich eine Art Ventil, über diese Dinge zu erzählen. Ob es jetzt tatsächlich bei der Verarbeitung hilft, muss man dann sehen. Natürlich verarbeitet man den Tod eines lieben Menschen nicht, in dem man einmal einen Song darüber singt. Das ist vielmehr ein Prozess, der länger andauert und der auch noch andere Dinge mit einschließt. Aber es bringt mir durchaus etwas, über einen solchen Song die Gefühle aufzurufen, die ich empfinde und diese Gefühle dann auf der Bühne raus zu lassen. Denn auf der Bühne fühle ich mich sicher. Sie ist meine Homebase, mein Zuhause und der Ort, an dem ich auch mal in Gefühle ausbrechen darf. Deshalb finde ich es schön, Emotionen zu zeigen, egal ob diese nun gut oder schlecht sind.

Zum Titelsong "Break your curse" gibt es auch ein richtig schönes Video. Stammen die Ideen dazu auch von Dir?
Wir haben beim Videodreh mit einem wunderbaren Regisseur aus Berlin zusammengearbeitet, das war Christoph Mangler. Das ist ein ziemlich cooler Typ. Gedreht wurde das Video aber in Hamburg, denn ich bin eine echte Hamburger Deern und es war mir wichtig, dass man in dem Video etwas von Hamburg sieht. Wir fanden in Hamburg dann auch eine wunderschöne Location für das Video. Die ganzen Szenen, die da zu sehen sind, haben wir mit Christoph Mangler zusammen entwickelt, aber teilweise waren es schon unsere eigenen Ideen.

Wird es noch ein weiteres Video zum Album geben?
Natürlich wird es immer wieder Videos von uns geben. Ob nun noch zu "Break your curse" ein neues Video gemacht wird oder erst zum nächsten Album, muss man mal abwarten.

011 20130728 1110229743Mit der Livepräsentation des neuen Albums gab es auch eine gewichtige personelle Veränderung in der Band. Der bislang an den Keyboards stehende Jan Fischer kümmerte sich ab sofort um Euer Management, dafür übernahm der deutlich jüngere Johnny Arzberger den Platz an den Tasten. War Jan das ständige Touren zu stressig oder was war der Grund?
Genau, Jan hatte einfach keinen Bock mehr. Der sagte: "Ich habe auf die JESSY einfach keinen Bock mehr..." (lacht laut). Nein, Quatsch. Dieser Schritt war einfach notwendig. Jan musste sehr viel im Hintergrund arbeiten, weil es halt immer mehr wurde, was für die Band zu erledigen war. Deshalb hat er sich dann entschieden, das Management komplett zu übernehmen. Aber er ist mit einem lachenden und einem weinenden Auge gegangen. Ich glaube, die Zeit auf Tour vermisst er schon. Aber er hat ja auch noch seine eigenen Sachen und durch diesen Schritt kann er sich nun wieder verstärkt auf seine eigene Musik konzentrieren. Dass wir dafür dann den Johnny bekommen haben, ist natürlich ein RIESEN-Geschenk!

Wie haben sich JESSY und Johnny gefunden?
Johnny hat in Hamburg den Popkurs gemacht. Ein guter Freund gab mir den Tipp, da wäre ein toller Pianist, den solle ich mir mal angucken. Also habe ich ihn mir auch angeguckt und fand ihn einfach nur geil. Was habe ich also gemacht? Ich habe zu ihm gesagt: "Alter, Du musst in meiner Band mitspielen!" Er kam daraufhin zu einer ersten Probe und meinte anschließend zu mir: "Alter, hier ist es geil, hier will ich spielen!" So war das. Und jetzt spielt er bei uns.

012 20130728 2093089370Ebenso habt Ihr die Position des Bassisten neu besetzt. Für Tom Roloff zupft jetzt Christian Hon Adameit die Bass-Saiten. Welchen Grund für die Umbesetzung gab es hier?
Tom verließ die Band, weil er noch in einem anderen Projekt involviert war. Er hatte immer weniger Zeit für die Band. Christian war schon immer der Ersatzmann für Tom und irgendwann übernahm er dann den Job von Tom komplett. Und er ist großartig!

Ihr habt vom ersten Album bis heute dieselbe Plattenfirma, nämlich Moonsound Records. Kamen die auf Euch zu oder habt Ihr Euch bei denen um einen Vertrag beworben?
Das weiß ich gar nicht so genau. Moonsound Records ist ein kleines, süßes, sehr musikerfreundliches Label. Auf jeden Fall sind wir jetzt bei ihnen und fühlen uns dort sehr wohl.

Bleibt Ihr auch künftig bei Moonsound Records oder wollt Ihr irgendwann mal Euer eigenes Label aufmachen?
Natürlich wird es irgendwann auch mal Veränderungen hin zu größeren "Häfen" geben. Aber ein eigenes Label plane ich derzeit nicht.

Jungen Künstlern wird ja von Seiten der Plattenfirma gerne mal reingeredet ...
Nix da! Mir redet niemand rein! (lacht) Das gibt es bei mir nicht! Es reicht, wenn ich da selber reinrede.

014 20130728 1656154991Im April 2013 habt Ihr an den Rother Bluestagen teilgenommen, die ja in der Szene großes Ansehen genießen. Als Krönung habt Ihr u. a. einen Song mit RYAN McGARVEY zusammen gespielt. Was war das für ein Gefühl?
RYAN ist wirklich ein cooler Hund, ich mag ihn sehr. Wir kannten uns vorher nicht persönlich, aber es hat sich inzwischen eine richtige Freundschaft daraus entwickelt. Bei den Rother Bluestagen war es unsere Showtime, zu der wir ihn eingeladen haben. In Hamburg spielte RYAN dann ein Konzert, zu dem er uns einlud. Wie gesagt, wir sind Freunde geworden. Ich halte RYAN für einen phantastischen Gitarristen, den ich richtig gut finde. Es war für mich, für uns eine schöne Erfahrung, mit ihm zu spielen. Im Herbst kommt RYAN noch mal nach Deutschland, vielleicht sieht man uns da auch noch mal zusammen auf der Bühne.

Ihr habt aber nicht nur mit McGARVEY auf der Bühne gestanden, sondern soviel ich weiß, hast Du 2012 auf dem Festival in Roth auch mit PHILIP SAYCE Kontakte geknüpft, den Du ja auch sehr magst. Geht die junge Generation der Bluesrocker wirklich so offen miteinander um? Gibt es da keinerlei Konkurrenzdenken?
Nein, Konkurrenz gibt es da überhaupt nicht. Warum auch? Das war damals übrigens ziemlich witzig. Wir haben PHILIP SAYCE gesehen, als er gespielt hat. Zufällig wohnten wir in demselben Hotel und so kam es, dass wir uns später am Abend noch auf dem Hotelzimmer getroffen haben. Seine ganze Band, meine komplette Band. Wir saßen da und haben uns einfach nur nett unterhalten. PHILIP SAYCE ist auch wirklich eine coole Sau. Ich liebe seine Alben, vor allem "Steamroller" und "Peace machine" und halte ihn für einen großartigen Musiker.

013 20130728 1116120883Wie siehst Du selbst die Entwicklung im Bluessektor? Ich habe den Eindruck, es vermischen sich immer mehr Stilistiken, vor allem wird es zusehends rockiger. Hat der traditionelle, klassische Blues heute überhaupt noch eine Chance? Oder ist das herkömmliche Bluesschema ausgelutscht?
Natürlich hat der traditionelle Blues noch seine Berechtigung, das denke ich schon. Wir haben ja von den Großen gelernt und werden das auch weitertragen. Zwölftakter wird es immer geben. Die gibt es in meinem Repertoire übrigens auch. Man könnte jetzt schlauerweise die Frage stellen: Was ist eigentlich Blues? Für mich ist nämlich alles Blues. In erster Linie ist Blues aber ein Gefühl und nichts, was man aufschreibt. Blues muss man fühlen, Blues muss man leben. Entweder man akzeptiert das oder man lässt es. Mehr braucht man dazu nicht zu sagen.

Obwohl wir in unseren Landen eine breit aufgestellte und lebendige Bluesszene haben, gibt es außer Dir und HENRIK FREISCHLADER keine weiteren deutschen Bluesacts, die auf internationaler Ebene bekannt sind. Was glaubst Du, woran liegt das?
Vielen Dank! Ich habe keine Ahnung, woran das liegt. Ich finde übrigens schon, dass wir durchaus bekannte Acts haben. Zum Beispiel ABI WALLENSTEIN, INGA RUMPF oder die ganzen alten Boogie-Leute, AXEL ZWINGENBERGER, VINCE WEBER... Letztlich kann ich aber nicht beurteilen, inwieweit die international wirksam sind. Da will ich mir überhaupt kein Urteil erlauben, denn ich finde sie alle toll.

Ein viel diskutiertes Thema ist ja die Frage, ob man Blues auch mit deutschen Texten versehen kann. Deine Meinung dazu?
Warum soll man Blues nicht mit deutschen Texten singen? Wenn es ein guter Text wäre, könnte ich mir das sogar für mich mal vorstellen. Die Musik bleibt ja die gleiche. Ich fühle mich im Moment zwar sehr wohl im Englischen, schließe aber nichts aus. Das lasse ich einfach auf mich zukommen. Ich bin da sehr neugierig und offen. Und wer weiß, vielleicht hörst Du irgendwann mal einen deutschsprachigen Song von mir.

015 20130728 1003093483Nerven Dich die ständigen Vergleiche mit JANIS JOPLIN und anderen großen Stimmen?
In erster Linie ist das für mich eine große Ehre, weil alle, mit denen man mich vergleicht, große Künstlerinnen sind oder waren. Aber natürlich bin ich immer noch JESSY MARTENS geblieben und ich lege auch sehr viel Wert darauf, dass man mich als eigenständige Person und Persönlichkeit wahrnimmt. Trotzdem ist das eine riesige Ehre für mich, in einem Atemzug mit JANIS JOPLIN, INGA RUMPF oder AMY WINEHOUSE genannt zu werden. Das erfüllt mich sogar mit Stolz. Aber ich bin dennoch immer noch ich selbst und ein ganz eigener Mensch.

Wo siehst Du Dich selber in fünf bis zehn Jahren?
Na ja, hauptsächlich will ich meine Musik weitermachen. Und damit will ich reich und berühmt werden. Was sonst?

Hättest Du Spaß daran, ähnlich wie JOE BONAMASSA, auch mal richtig große Hallen zu füllen?
Ja natürlich, das ist doch der Plan! Das will doch jeder, der Musik macht!

Du könntest ja auch sagen, der direkte Kontakt zum Publikum ist Dir wichtiger, und selbst, wenn Dich immer mehr Leute sehen wollen, spielst Du lieber weiterhin in überschaubar großen Clubs.
Natürlich sind die kleinen Clubs auch eine feine Sache. Man ist da richtig nah dran an den Fans. Ich mag das alles gleich gerne. Aber so ein Stadion zu füllen, das hat doch was! Darauf habe ich totalen Bock. Es ist doch normal, dass mit dem Erfolg auch die Hallen immer größer werden. Davor habe ich keine Angst, sondern im Gegenteil, ich freue mich darauf. Wenn man dabei bodenständig und ehrlich bleibt, wird man auch weiterhin dem Publikum und den Fans nah sein können. Man kann auch bei zehntausend Zuschauern hinterher noch eine Autogrammstunde geben. Das ist nur eine Frage der Organisation. Man muss eben vorher festlegen, wie lange das dann gehen wird. Solange man immer schön cool und entspannt bleibt und nicht überheblich und arrogant wird oder abhebt, ist das alles kein Problem.

Ich staune immer wieder, wie sehr sich die Bands und Musiker auf facebook ihren Fans gegenüber öffnen. Muss man das heute machen, um bei seinen Anhängern im Gedächtnis zu bleiben?
Facebook ist ja heutzutage fast unumgänglich. Du hast keinen Account? Na gut, das ist dann Dein Problem! (lacht) Ich finde, facebook ist großartig, um sich anderen mitzuteilen und um mit anderen Leuten in Kontakt zu treten oder in Kontakt zu bleiben. Man kann direkt auf Fragen eingehen, die dort gestellt werden oder sonst wie miteinander reden. Ich finde das super. Ob es auch ohne geht, muss jeder für sich entscheiden.

016 20130728 1570511110Was hörst Du eigentlich selber für Musik? Legst Du auch Deine eigenen CDs auf?
Nein, meine eigene Musik höre ich nicht! Aber die spiele ich ja auch oft genug, so etwa hundertfünfzig Mal im Jahr. Ansonsten bin ich gerne quer Beet unterwegs. Lass mich überlegen, was momentan in meinem Auto liegt... Ich höre nämlich tatsächlich nur im Auto Musik. Zuhause und privat höre ich fast gar keine Musik, weil ich da versuche, etwas abzuschalten. Irgendwann muss man auch mal zur Ruhe kommen. Also im Auto läuft zur Zeit zum Beispiel das neue Album von BETH HART, dann noch PHILIP SAYCE oder auch FINK. Kennst Du nicht? FINK ist ein unglaublicher Künstler aus England, der an der Akustikgitarre seine Mugge macht. Ich höre aber auch gerne mal PETER FOX oder FOO FIGHTERS, RAGE AGAINST THE MACHINE oder einfach nur ganz harten Rock. Also eigentlich höre ich sehr viele Sachen. Nur dieser Alltagspop fällt bei mir aus. Ich höre auch kein Radio, das ertrage ich nicht. Ich schalte erst dann das Radio wieder ein, wenn da MEINE Songs gespielt werden! Meine Songs im Radio - da habe ich voll Bock drauf. Stell Dir mal vor, "Break your curse" läuft im Radio! Da würde ich komplett durchdrehen, da würde ich sofort eine Party geben.

Im Cover von "Brand new ride" sagst Du, es muss die richtige Zeit sein, um ein Album zu machen. Wann ist die Zeit für das nächste Album der JESSY MARTENS BAND gekommen?
Wahrscheinlich nächstes Jahr. Ich schreibe schon wieder fleißig an neuen Songs. Das geht auch gar nicht anders, weil ich einfach ein kreativer Kopf bin und die Ideen raus müssen. Aber 2013 wollen wir zunächst mal "Break your curse" in Ruhe altern, wirken und sich entwickeln lassen. Wir haben jetzt in zwei Jahren drei Alben rausgehauen. Das ist ein sehr sportliches Tempo, wie ich finde. Deshalb habe ich gesagt, in diesem Jahr ist mal Pause, da spielen wir nur unsere Konzerte zum neuen Album. "Break your curse" ist ja auch erst seit Februar draußen, es lebt also gerade mal seit fünf Monaten! Ich weiß, für mein Tempo, was ich vorlege, ist das schon fast wieder veraltet (lacht). Aber wie gesagt, im nächsten Jahr wird was Neues kommen, nicht früher.

Habt Ihr vielleicht sogar mal eine Live-DVD geplant?
Mal gucken, was sich ergibt. Dazu verrate ich im Moment noch nichts.

017 20130728 1273060284Du hast vorhin erwähnt, dass Ihr ungefähr hundertfünfzig Konzerte pro Jahr spielt. Ihr steht also beinahe jeden zweiten Tag auf irgendeiner Bühne. Das muss doch auf Dauer ungeheuer schlauchen. Wie hältst Du Dich und Deinen Körper fit?
Ich trinke auf jeden Fall viel Wasser und ich esse viel Gemüse, weil ich Gemüse liebe. Ich ernähre mich überhaupt sehr gesund und ich treibe viel Sport. Außerdem nehme ich Gesangsunterricht, damit die Stimme in Form bleibt. Man kann also sagen, ich kümmere mich um mich. Das reicht eigentlich.

Und die letzte Frage: Welchen Preis wirst Du als nächstes gewinnen?
Ich glaube, ich hole mir als nächstes einen "Echo". Den habe ich schon bestellt, muss ihn nur noch abholen (lacht). Nee, keine Ahnung, was da noch kommt. Ich muss einfach gucken und abwarten, wer mir noch was schenken möchte.

Damit bin ich am Ende mit meinen Fragen. Am Schluss geben wir unseren Interviewgästen gerne die Gelegenheit für ein Schlusswort an unsere Leser.
Okay, danke. Also Leute, kommt in meine Konzerte und hängt nicht so viel vor dem Computer rum!

Vielen Dank für das Interview. Liebe Grüße an die Band und alles Gute für die Zukunft.


Interview: Torsten Meyer
Bearbeitung: mb, cr
Fotos: Pressematerial, Torsten Meyer, Archiv




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