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Die am 21. November 1982 in Staßfurt geborene Catharina Sieland ist unter dem Namen CÄTHE auf musikalischer Mission. Sie hat sich aufgemacht, die deutsche Musiklandschaft mit einer völlig neuen Farbe noch bunter zu machen. Ihre Songs, die viel Erlebtes und Biographisches reflektieren, sind allesamt kleine Kunstwerke. Sie hat in ihrem jungen Leben schließlich schon viel erlebt, das in Musik verarbeitet wird. Als Kind erlebte sie die Ausreise aus ihrer Heimat DDR in den Westen, genauer gesagt nach Aalen in Baden-Württemberg, dann folgte auch schon bald die musikalische Ausbildung auf der Fachschule für Musik- und Gesangsausbildung Dinkelsbühl. Ihren ersten Auftritt erlebte sie mit 14. Später übernahm sie verschiedenen Jobs und es vollzog sich das Abnabeln vom Elternhaus, und der Umzug zuerst nach Mannheim und später dann nach Hamburg. Mit Songs wie "Unter meiner Haut", "Tiger Lilly" oder "Senorita" hat sie im Jahre 2011 erstmals deutschlandweit auf sich aufmerksam gemacht. Besuche in TV-Formaten wie "Inas Nacht" und der "Harald Schmidt Show" folgten. Das Album "Ich muss gar nichts" wurde schließlich schnell zum Insider-Tipp. In Verbindung mit ihren beeindruckenden Live-Shows hat sie sich schnell einen Namen gemacht. Damit diese Anfangserfolge nicht verpuffen und in dieser schnelllebigen Zeit in Vergessenheit geraten, schrieb sie neue Songs und veröffentlichte dieser Tage mit "Verschollenes Tier" ihr zweites Album.001 20130713 1742455207 Dieses zeigt die Künstlerin in einem anderen Licht als dem, in dem sie mit "Ich muss gar nichts" stand. Die Musik hat sich verändert, der Sound ist ein anderer, doch die anspruchsvollen Inhalte sind geblieben.
Es gibt viel zu erzählen. Cäthe hat in den letzten 2 Jahren so viel erlebt, wie manch anderer Künstler in seiner ganzen Karriere nicht. Sie sammelte Preise ein, spielte zahlreiche Konzerte und produzierte - wie schon gesagt - ein tolles zweites Album. Darüber wollten wir uns mit ihr etwas ausführlicher unterhalten, und haben sie deshalb nach ihrem Auftritt in unserer Radioshow im Januar nochmals zu uns eingeladen. Diesmal für ein längeres Gespräch...



Hallo Cäthe, zunächst einmal im Namen aller Kollegen von Deutsche Mugge herzlichen Glückwunsch zum Fred Jay-Preis, den Du dieser Tage gewonnen hast! Erzähl doch mal kurz, was hat es damit auf sich?
Vielen Dank. Dieser Preis wird von der GEMA an deutschsprachige Musiker bzw. Texter verliehen. Einmal pro Jahr gibt es diesen Preis und in diesem Jahr war ich es eben. Darauf bin ich natürlich tierisch stolz. Ich habe deshalb seit Tagen einen richtigen Höhenflug. Es ist einfach ein irres Gefühl für mich, diesen Preis gewonnen zu haben.

Es ist bereits Dein zweiter Preis, denn 2012 konntest Du schon den "Deutschen Musikautorenpreis" in der Kategorie "Komposition Rock" erringen. Zwei solche großen Preise innerhalb von zwei Jahren - was bedeutet Dir das, wie gehst Du damit um?
Oh Gott, das sind so große Fragen... (lacht). Ehrlich gesagt, ist es genau der Grund, warum ich das alles mache. Es ist schon ein Unterschied, ob ich nur über die Verkaufszahlen populär bin oder ob meine Musik auch einfach nur so gehört wird und ich trotzdem einen Preis kriege. Ich weiß nicht, wie ich Dir das erklären soll...

002 20130713 1042198463Ich frage deshalb danach, weil manch ein Künstler sagt, Preise wären ihm egal. Aber ich denke, so ein Preis ist ja auch eine Anerkennung dessen, was man macht.
Alle, die sagen, ein Preis wäre ihnen egal, die lügen! Wenn man einen Preis gewinnt, ist das eine schöne Sache, man fühlt sich natürlich geehrt. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass jemandem das wirklich egal ist. Wenn es um reine Verkaufszahlen geht oder um das Abdriften in den Mainstream, dann kann ich solche Reaktionen schon verstehen. Aber dieser Preis ist halt ein Autorenpreis. Ich sitze ganze Nächte wach und grübele darüber, wie ich meine Empfindungen am besten erklären kann. Wenn ich dann als Belohnung dafür einen Preis bekomme, ist das doch total irre! Ich hätte noch vor fünf Jahren überhaupt nicht mal ansatzweise daran gedacht, dass mir das mal passiert! Das ist schon riesig, wie es gekommen ist.

Die Gefahr, dass Du jetzt ein wenig abhebst, besteht aber sicher nicht...
Na ja, ich schwebe ja immer so ein bisschen zwischen den Wolken (lacht). Das ist meine Natur. Aber nein, abheben werde ich nicht. Ich mache das schon so lange. Mal kleine Schritte, mal große Schritte, dann auch immer mal ein paar Schritte zurück... Da steckt soviel "ICH" drin in meinen Liedern, dass sowas nicht passieren kann.

Du stehst ja eigentlich erst seit drei Jahren so richtig im Fokus der Öffentlichkeit. Wie hat sich Dein Leben seitdem verändert? Kannst Du noch ungestört Deine Brötchen beim Bäcker holen?
Ja, natürlich kann ich das noch. Ich finde es sogar eher beängstigend, wenn mich jemand erkennt. Ich weiß nämlich nicht, wie ich so was einordnen soll, weil ich auch jemand bin, der gerne mal für sich alleine ist. Wenn ich z. B. mit dem Fahrrad unterwegs bin, mir meine Wege suche und dann erkannt und angesprochen werde, ist mir das eher unangenehm. Aber natürlich passiert das hin und wieder mal.

003 20130713 1034340940Du bist seitdem eigentlich pausenlos auf Tour, gibst Interviews ohne Ende, bist immer irgendwo präsent. Hast Du nicht manchmal die Nase voll von dem ganzen Rummel?
(lacht) Ja, ständig. Und jedes Mal, bevor ich auf die Bühne gehe, frage ich mich: "Warum mache ich das hier eigentlich, warum tue ich mir das an?" Das ist halt eine totale Auseinandersetzung mit mir selbst, denn ich bin sehr kritisch zu mir selbst und zweifle auch viel an dem, was ich mache. Ich frage mich immer wieder, ob ich alles richtig mache, ob ich mir selbst und anderen genüge. Aber das sind Fragen und Ängste, die einfach dazu gehören. Es ist trotzdem eine Riesenfreude, auf die Bühne zu gehen, auch wenn man Schiss hat und sich fragt: "Was passiert gleich, geht das auf, sind wir alle beieinander, ziehen wir alle am gleichen Seil?" Das Publikum ist genau so wichtig wie wir, und so ein Abend kann nur schön werden, wenn wir alle auf der gleichen Welle reiten.

Vor einigen Wochen erschien Dein zweites Album, welches Du "Verschollenes Tier" genannt hast. Wie bist Du auf diesen eigenartigen Titel gekommen?
Ich war unterwegs zu meiner Mutter und habe mir Gedanken gemacht über mich und meine Kindheit. Das Tier stand dabei auf jeden Fall schon auf meinem Zettel. Ich mag nämlich Tiere manchmal viel lieber, als Menschen. Es geht eben um das Ursprüngliche, wenn Du verstehst, was ich meine. Und das mit dem "verschollen" kam einfach so um die Ecke und soll aussagen, dass ich mich manchmal tatsächlich verschollen fühle. Das hat aber überhaupt nichts negatives, sondern soll eher bedeuten, dass ich mich und das Tier in mir immer wieder neu entdecken muss, zum Beispiel, wenn ich an meiner Musik arbeite.

caethe13 20130606 2077193600Das zweite Album gilt gemeinhin als das schwerste, weil man den Erfolg der ersten Scheibe natürlich bestätigen will. Hast Du das auch so empfunden, hast Du vielleicht sogar Druck verspürt?
Druck mache ich mir ja sowieso immer. Als die erste Platte erschien, hatte ich schon so viel Material gesammelt, dass ich im Grunde gleich drei Platten hätte raus bringen können. Für mich war es deshalb nicht unbedingt mein erstes Album, sondern einfach der Schritt nach draußen. Weißt Du, ich arbeite jeden Tag, auf jeden Fall aber die Hälfte der Woche an neuen Ideen. Es entwickelt sich alles auf eine ganz gesunde Art und Weise. Von daher ist es für mich gar nicht so, dass ich sage, "Das war das erste Album, das war das zweite und jetzt kommt noch ein drittes", sondern es ist immer nur ein weiterer Schritt auf meinem Weg. Ich arbeite auch jetzt schon wieder an neuen Ideen, die ich langsam reifen lasse.

Wie bist Du die Arbeit am neuen Album angegangen? Was hast Du - gewollt oder gezwungenermaßen - anders gemacht als beim ersten Album?
Dadurch, dass ich mit meinen Jungs sehr viel live spiele und dieses Live-spielen auch die Schritte sind, durch die ich mich am meisten entwickle, habe ich eben wirklich sehr viel dazu gelernt. Wir haben uns immer wieder gegenseitig inspiriert und diese Inspiration habe ich oft nach Hause mitgenommen und mit diesem Gefühl in mir die Lieder vorproduziert. Ich habe halt schon bestimmte Dinge im Kopf gehabt und gewusst, wo sich das mal hinentwickelt, wie beispielsweise die Basslinie klingen soll und solche Sachen.

Wurde die CD mit Deiner Live-Band eingespielt?
Ja klar, das ist meine feste Band. Natürlich war die Band ganz anders involviert, als noch bei der ersten Platte. Ich glaube, das hört man auch. Ich wollte, dass es irgendwie organischer klingt.

005 20130713 1678317095Gleich im ersten Song "Hoch oben nah dem Sturm" schreist Du die Frage heraus: "Ich will wissen, wer Du bist, wenn Du fällst und nichts mehr unmöglich ist...". Auch wenn die Textzeile jetzt natürlich etwas aus dem Zusammenhang gerissen ist - meinst Du damit auch ein bisschen Dich selbst? Oder anders gefragt - wie viel Persönliches steckt in diesem Album?
Also im Großen und Ganzen ist dieses Album ein Dialog mit mir selbst. Das ist eigentlich prinzipiell so, wenn ich Musik mache. Und dieses "Du", was Du da ansprichst in dieser Textzeile, dass bin tatsächlich oft ich selbst.

Der Anteil der rockigeren Songs ist auf "Verschollenes Tier" relativ überschaubar. Liegen Dir die stillen, leisen Sachen mehr?
Keine Ahnung. Ich habe so viel verschiedene Seiten... Es ist aber überhaupt nicht so, dass ich mehr das Stille oder Ruhige mag. Und auf dem Album hält sich das eher die Waage, finde ich. Es kommt auch immer darauf an, was ist Rock und was ist mit "leise" gemeint? Ich will das nicht immer mit Lautstärke gleichsetzen und verbinden. Vielleicht bin ich ja in manchen Texten lauter geworden, obwohl die Stücke an sich leiser sind. Auf dem ersten Album hat sich natürlich auch vieles entladen, was ich vorher lange Zeit mit mir rumgetragen hatte. Das musste einfach mal richtig platzen und aus mir raus. Ja klar, ich habe auch eine stille und leise Seite, die jetzt eben auch mal raus will.

Wer kam auf die geniale Idee, im Song "Geister" eine Mundharmonika einzusetzen?
Diese Mundharmonika habe ich zuhause. Ich spiele die aber nicht selber, sondern die wurde von einem Kumpel gespielt.

006 20130713 1180734705Als ich mir "Verschollenes Tier" zum ersten Mal anhörte, konnte ich überhaupt nichts dazu sagen. Ich musste es tatsächlich einige Male auflegen, bis sich mir der Tiefgang und die gewisse Doppelbödigkeit mancher Songs erschlossen. Ist das von Dir so gewollt, willst Du den Konsumenten Deiner Musik zur Aufmerksamkeit erziehen?
Nein, es ist eher so, dass ich mich selber zur Aufmerksamkeit erziehen will, wenn ich zuhause arbeite. Es ist für mich total wichtig, dass ich mir selber zuhöre und dass ich nirgendwo einen Punkt hinter die Arbeit setze, sondern dass dort immer etwas offen bleibt, damit es mich selbst inspiriert. Es darf mich nicht langweilen, das mag ich nicht.

Jeder Musiker hat seine eigenen Rituale, wenn es um das Schreiben neuer Songs geht. Wie und wo entstehen Deine Songs?
Tatsächlich zuhause am Küchentisch. So wie ich jetzt auch gerade hier sitze. Es passiert Stück für Stück. Ich habe immer ein Heftchen dabei, in welchem ich das, was mir einfällt, immer gleich notiere. Zuhause setze ich mich dann vor den Rechner, schnappe mir meine Gitarre und nehme alles auf. Irgendwann passen dann Text und Musik zusammen. Es ist auch nicht so, dass immer erst der Text oder erst die Musik da ist. Meistens wächst das miteinander. Es dauert halt manchmal ein bisschen, bis ich schnalle, worum es mir eigentlich geht. Also mir geht ein bestimmter Satz durch den Kopf, der mich nicht mehr los lässt, aber ich weiß überhaupt nicht, was dieser Satz mir sagen will. Dann baut sich um diesen Satz herum ein kleiner Garten auf, wo auch noch andere Sätze drin sind. Und ich muss dann diesen Dschungel durchforsten. Irgendwann komme ich dann dahinter, was ich mir gerade sagen will. Auf jeden Fall ist mir die Musik sehr wichtig. Ich kann nicht einfach nur eine schöne Melodie schreiben, einen schönen Text dazu machen und drauf los trällern. Das muss schon irgendwie alles aus der gleichen Welt kommen und zusammen passen.

007 20130713 1906009581Sicher hast Du ja schon während des Entstehungsprozesses den fertigen Song im Ohr. Inwieweit hat Deine Band dann noch die Chance, eigene Vorstellungen einzubringen?
Na gut, ich bin auf jeden Fall der Kopf des Ganzen. Aber ich muss auch sagen, dass ich ganz tolle Leute um mich rum habe, die von vornherein gut finden, was ich mache und gar nicht auf die Idee kämen zu sagen: "Das finde ich jetzt aber komisch". Da habe ich richtig Glück. Wenn natürlich jemand eine geile Idee hat, wird die selbstverständlich aufgenommen und diskutiert. Die Songs sind aber eigentlich schon ziemlich weit vorbereitet und sehr komplex, wenn ich ins Studio gehe.

Du hast eine fundierte musikalische Ausbildung, schreibst, textest und arrangierst auch alle Deine Songs selber. Allerdings klingen die Songs - und das nimm jetzt bitte als Kompliment - überhaupt nicht nach perfekt ausbalanciertem Songwriting. Komponierst und arrangierst Du eher nach Bauchgefühl und Intuition, als nach Notenlehre?
Total. Ich habe auch gar kein so großes theoretisches Wissen (lacht). Ich hatte eigentlich immer wunderbare Dozenten, die mich da irgendwie überall durchgeschleift haben, wenn es um Gehörbildung und solche Dinge ging. Ich muss es total aus dem Bauch heraus machen, anders geht es wirklich nicht. Sonst verliere ich meine Neugier. Es ist für mich das Wichtigste, dass es mich nicht langweilt. Ich langweile mich nämlich sehr schnell.

Im Pressetext zur neuen CD zitiert man Dich mit den Worten: "Am liebsten hätte ich die Kindheit übersprungen und wäre sofort erwachsen gewesen." Ist diese ständige Unruhe und Ungeduld in Dir ein Garant für Deine Kreativität beim Songschreiben oder nervt Dich diese Ungeduld manchmal selber?
Ehrlich gesagt, macht mich diese Ungeduld regelrecht wahnsinnig! Aber natürlich hilft mir die Ungeduld auch, denn sie sagt mir, es ist jetzt notwendig, dass Du Dich hinsetzt und arbeitest. Ich glaube nämlich an den Satz: Von nichts kommt nichts.008 20130713 1781620261 Man muss wirklich viel tun, man muss vieles aufschreiben, das dann analysieren und dabei auch kritisch bleiben. Man muss sich weiterentwickeln und kontinuierlich arbeiten. Und diese Ungeduld will letztlich immer einen Punkt erreichen, an dem etwas aufgeht und passt. Weißt Du, was ich meine? Ich will sagen können: "Jaaa! Das ist es!" An genau diese Punkte treibt mich meine Ungeduld immer wieder. Das zwingt mich auch dazu, nicht loszulassen, sondern immer weiter zu machen, auch mal eine Nachtschicht einzulegen und erst ins Bett zu gehen, wenn es draußen hell wird. In dieser Hinsicht bin ich wirklich sehr diszipliniert.

Hört man sich durch Deine beiden CDs durch, ist nicht wirklich ein stilistisches Muster erkennbar. Das erzeugt einerseits keine Langeweile, aber andererseits fällt es genau deshalb sehr schwer, Deine Musik - typisch deutsch - in irgendeine Schublade einzuordnen. Wie würdest Du jemandem, der Dich nicht kennt, Deine Musik beschreiben?
Diese Frage ist verdammt schwer zu beantworten. Ich sage den Leuten an dieser Stelle immer: "Hör in die Platte rein und bilde Dir Dein eigenes Urteil." Das will ich ja mit meiner Musik auch bezwecken. Ich will niemandem etwas aufzwingen, jeder soll für sich selber entscheiden, was er dabei empfindet, das ist für mich total wichtig. Schubladendenken ist sowieso gar nicht mein Ding. Ich halte das für ziemlichen Blödsinn, weil sich damit für den Einzelnen keine neuen Sichten eröffnen.

Du bist ja eine Wortakrobatin, was Deine Texte betrifft. Wo kommen die Ideen dafür her? Liegen die auf der Straße oder hast Du einfach eine überbordende Phantasie?
Ich habe durchaus eine ziemlich große Phantasie und greife nach allem, was ich spannend finde. Wenn ich in einem Café sitze und dort in einer Zeitung eine Überschrift lese, die mich anspricht, dann notiere ich mir das und mache mir Gedanken, warum mich das jetzt gerade interessiert.009 20130713 1735303695 Dasselbe gilt, wenn ich Gesprächen zuhöre. Ich bin da immer sehr wach und nehme auf, was um mich herum passiert. Diese Fetzen sauge ich auf und irgendwann schreibe ich dazu ein Lied.

Ist es Dir schon passiert, dass jemand Deine Texte als "zu kompliziert" einstuft?
Also wenn, dann eher mich, als meine Texte (lacht). Nein, eigentlich ist mir das völlig schnuppe, wenn jemand sagt, das sei ihm zu kompliziert. Kompliziert ist ein großes Wort, welches in alle möglichen Richtungen zu deuten ist. Was will mir derjenige damit sagen? Soll das irgendein Tipp sein, den er mir geben will? Ich weiß es nicht und deshalb fühle ich durch solche Äußerungen auch nicht wirklich angesprochen.

Warum singst Du ausschließlich deutsch?
Weil ich auf deutsch träume, lebe und liebe. Ich glaube, dass diese Sprache ganz gut zu mir und meiner Persönlichkeit passt. Unsere deutsche Sprache kann sehr rhythmisch, aber auch sehr schroff sein. Und auch sehr zweideutig. Unter der Dusche singe ich natürlich auch mal englisch, wenn ich gerade eine schöne Platte höre. Aber ich käme mir schon komisch vor, wenn ich jetzt plötzlich nicht mehr deutsch singen würde. Es würde ein Riesenteil von mir fehlen, einfach weg sein.

Nun könntest Du ja aber sagen, Du willst Karriere machen, willst auf den internationalen Markt und das lässt sich nun mal mit englischen Texten deutlich einfacher realisieren.
Was ist denn eigentlich "Karriere machen"? Ich will einfach nur mein Ding durchziehen, schöne Platten machen mit Leuten, die ich gern habe und Konzerte geben. Und das will ich hier machen, nirgendwo sonst.

010 20130713 1459190943Deine Texte kratzen nicht nur an der Oberfläche, sondern erzählen schon mal recht detaillierte Geschichten, in die man sich als Hörer durchaus hineinversetzen kann. Sind die Charaktere und Personen, die Du da besingst, alle frei erfunden oder kann es passieren, dass sich plötzlich irgendwer darin wiedererkennt?
Die Personen in meinen Liedern sind tatsächlich keine Erfindungen. Was immer mit reinspielen kann, ist meine Phantasie. Ich stelle mir dann vor, was in diesem Menschen abgeht und baue das dann halt ein bisschen aus. Es gibt aber grundsätzlich alle diese von mir besungenen Menschen wirklich.

"Tiger Lilly" vom ersten Album ist ja so ein Beispiel für eine real existierende Person. Wusste sie eigentlich vorher von dem Song? Und wenn nicht, wie hat sie im Nachgang darauf reagiert?
Sie hat es nicht gewusst, sondern hat es hinterher über eine Freundin erfahren. Die Freundin war übrigens Katrin Bauerfeind, falls Dir ihr Name was sagt. Über sie hat "Tiger Lilly" von dem Song gehört und war völlig baff. Wir hatten zu dem Zeitpunkt seit ungefähr zwei oder drei Jahren keinen Kontakt mehr zueinander. Sie rief mich dann an und war total gerührt, weil das Lied von vorn bis hinten stimmte. Das freute mich natürlich auch riesig und ich dachte mir: "Genau dafür schreibe ich solche Lieder."

Du warst schon als Support für BRYAN ADAMS oder kürzlich mit FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE unterwegs. Wie fühlt es sich an, mit seinem Namen plötzlich auf demselben Tourplakat und natürlich auch auf derselben Bühne zu stehen, wie diese großen Nummern?
Es fühlt sich an, als wäre ich ein Teil von dem ganzen Spektakel. Das lässt sich schwer erklären. Es ist eher ein Dabeisein, als ein Mittendrinsein. So empfinde ich das jedenfalls.

011 20130713 1254131297Kommst Du mit Leuten wie BRYAN ADAMS dann auch in Kontakt oder ignorieren die Dich?
Nein, BRYAN ADAMS kam sogar extra zu mir und wünschte mir viel Spaß auf der Bühne. Er ist ja auch nur ein ganz normaler Mensch und kocht wie jeder andere nur mit Wasser. Und auf dieser Ebene möchte er auch wahrgenommen werden. Er ist einfach ein wahnsinnig netter Mensch. Genau so gehe ich auch da ran. Ich versuche einfach, ich selbst zu sein und dem Menschen zu begegnen, nicht dem Star. Das ist für mich total wichtig. Ich will ja auch niemandem die Show stehlen, sondern einfach nur mein Ding machen.

Bei diesen Gelegenheiten stehst Du ja in der Regel auf viel größeren Bühnen und spielst vor ungleich mehr Zuschauern, als Du es sonst gewohnt bist. Wirkt das auf Dich motivierend oder lähmt Dich das eher?
Es lähmt mich keineswegs. Ich nehme auf jeden Fall die Erfahrung mit. Natürlich ist es schön, wenn man in einem kleinen Club spielt und alle Leute nur wegen CÄTHE da sind. Aber andererseits ist es auch ziemlich spannend zu erleben, wie die Leute auf mich reagieren, die mich noch nicht kennen. Das ist jedes Mal eine große Herausforderung für mich.

Also bevorzugst Du eigentlich eher die kleinen Clubs, als die großen 10.000-Zuschauer-Arenen?
Ja, eigentlich schon. Aber die Festivals, die jetzt in den Sommermonaten kommen, sind auch klasse. Wenn es draußen dunkel wird, das Wetter schön ist, das ist schon gigantisch.

Viele Leute wünschen sich von Dir mal einen richtigen Radiohit, was Dich sicher relativ schnell vom jetzigen Status als Geheimtipp ganz nach oben puschen würde in der Bekanntheitsskala - mit allen Konsequenzen. Wäre das für Dich erstrebenswert?
Nein. Was ist denn überhaupt ein Hit? Wenn es nach Radio klingt? Macht man das Radio an, klingt ja alles nach Radio, aber nicht nach Hit. Wer bestimmt denn, was da wie oft im Radio gespielt wird und was ein Hit ist? Da sitzen drei Hansel, die entscheiden darüber, was läuft, was nach ihrer Meinung als Hit durchgeht und was nicht. Ich weiß nicht... Mir ist es lieber, ich habe schöne Lieder, die ich selber gut finde, als dass Leute nur wegen eines Hits in mein Konzert kommen. Das finde ich komisch.

004 20130713 1770307317Andererseits ist es ja so, je öfter Deine Nummer im Radio läuft, umso mehr Menschen erreichst Du mit Deiner Musik. Das ist ja letztlich das Ziel eines Musikers. Man könnte auch sagen, Du bist dann erfolgreich. Oder wie würdest Du für Dich Erfolg definieren?
Für mich ist Erfolg, wenn ich Lieder schreibe, die ich mag und gut finde, wenn ich das Gefühl habe: Ja, das ist es! Wenn ich meine, das kann ich vertreten, und diese Lieder kann ich auf der Bühne platzen lassen. Das ist für mich mein persönlicher Erfolg. Ich muss für mich selber das Gefühl haben, daran wachse ich jetzt.

Wenn Du mal die letzten drei Jahre Revue passieren lässt, würdest Du dann sagen, dass Du durch die Erfolge und die öffentliche Aufmerksamkeit heute glücklicher oder zufriedener bist, als vor bzw. am Anfang Deines Weges?
Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde: Natürlich nicht. Ich bin aber immer die Gleiche geblieben. Ich habe viele Konzerte zu spielen, die Leute finden toll, was ich mache. Das gibt mir natürlich Selbstbewusstsein, worum ich ja in den Jahren zuvor regelrecht gerungen habe. Das macht es mir heute leichter, ich gehe jetzt eher spielerisch damit um.

012 20130713 1588608350Du wirst auf Grund Deiner einzigartigen Stimme ja zwangsläufig automatisch mit diversen weiblichen Rock-Ladies GIANNA NANNINI, INGA RUMPF, vor allem aber JANIS JOPLIN, verglichen. Berührt und ehrt Dich das oder sagst Du mittlerweile: Leute, akzeptiert endlich, dass ich einfach nur CÄTHE bin!
Ich bin auf alle Fälle CÄTHE, niemand sonst. Und wenn ich diese ganzen Vergleiche höre, denke ich immer, dass es hier gar nicht um mich geht. Da nennt jemand ein paar Namen, aber was hat das nun mit mir zu tun? Natürlich fühle ich mich geehrt, aber dennoch weiß ich, das hat überhaupt nichts mit mir zu tun. Ich mache doch was ganz anderes, genau so, wie all diese genannten Personen auch etwas völlig anderes machen. Ich glaube, es ist höchstens eine Form von Energie, die wir miteinander teilen. Klar kann es sein, dass es stimmlich mit JANIS JOPLIN zum Beispiel ein paar Überschneidungen gibt. Aber ansonsten ist JANIS natürlich einfach nur großartig.

Mir ist es in letzter Zeit gleich zweimal passiert, dass Konzerte kurzfristig abgesagt wurden, weil die Sängerin bzw. der Sänger der jeweiligen Band Stimmbandprobleme hatten. Ist Dir so etwas auch schon passiert?
Nein, das ist mir noch nicht passiert.

Kann man sich davor überhaupt irgendwie schützen?
Natürlich kann man das. Wenn man auf Tour ist, muss man auch konsequent sein. Da wird dann eben mal nicht gefeiert, sondern man schläft viel. Wenn ich mir auf der Bühne neunzig Minuten lang die Seele aus dem Leib schreie, muss ich danach auch wieder zur Ruhe kommen, ansonsten bin ich nach einer Woche im Arsch. Und wenn ich vierzig Tage unterwegs bin, muss ich mich halt disziplinieren, anders geht das nicht. Ist die Stimme dann doch mal überlastet, helfen Stimmübungen oder es werden Bonbons gelutscht, Tee geschlürft und man hält eben mal den ganzen Tag lang die Klappe.

013 20130713 1910281676Du hast ja nun wirklich eine sehr außergewöhnliche Stimme. Wie viel Whisky muss man trinken, bis man eine solche Röhre bekommt?
Whisky nicht, aber mindestens fünf Kaffee am Morgen (lacht). Ich denke, eine solche Stimme ist auch ein bisschen Veranlagung. Außerdem bin ich eine temperamentvolle Frau. Das kommt halt alles zusammen und dann kommt hin und wieder mal so eine Röhre dabei raus.

Lass uns mal ein bisschen die Jahresuhren zurückdrehen. Nun geht man ja normalerweise als Kind zur Musikschule, lernt dort ein Instrument usw. Passt dieses Schema auch auf Dich?
Eigentlich schon. Ich habe mit 12 angefangen, Gitarre zu spielen. Anfangs war ich auch sehr fleißig und es hat mir richtig Spaß gemacht. Heute bereue ich, dass ich nicht noch fleißiger war und mich heute nicht traue, die Gitarre auf der Bühne einfach mal in die Hand zu nehmen und auf ihr zu spielen.

Das machst Du doch aber im Konzert!
Ja, das mache ich, aber lange nicht so, wie ich es gerne machen würde. Ich weiß eben, dass es andere einfach besser drauf haben, als ich. Eigentlich hat aber alles noch viel früher angefangen, denn mit sieben Jahren habe ich schon in einem Chor mitgemacht, weil es mich schon immer faszinierte, in einer Gruppe zu singen. Das machte mir Spaß, das hat mir richtig was gegeben.

014 20130713 1579109124Ich habe gelesen, dass Du schon mit 14 Jahren Deinen ersten Liveauftritt hattest. Erinnerst Du Dich daran?
Ja, der war auch gar nicht mal so schlecht. Na ja, eigentlich war der Auftritt an sich furchtbar. Aber um für mich selber herauszufinden, ob ich das überhaupt kann, ob das was für mich wäre, war das ganz gut geeignet. Ich habe gesungen und dazu spielte eine richtige Band. Mein damaliger Gitarrenlehrer hatte die Idee dazu. Er trommelte seine ganzen Schüler zusammen, die dann kleine Bands gegründet haben und damit den Abend gestalteten. Das waren meine ersten Erfahrungen auf einer Bühne.

Lass mich raten: Danach wolltest Du nur noch Sängerin werden...
Nein, ganz im Gegenteil. Nach diesem Auftritt dachte ich erst mal, "Das ist gar nichts für mich", weil ich vor Lampenfieber fast gestorben wäre. Wenn ich das öfter machen müsste, werde ich irre, dachte ich. Es hat dann noch eine ganze Weile gedauert, bis es mit der Musik für mich weiterging.

Du hast dann aber zunächst ein Kunst- und Designstudium begonnen. War die Musik für Dich kein Thema mehr oder wolltest Du erst mal auf Nummer sicher gehen?
Ich wusste damals überhaupt nicht, wie ich das anstellen sollte.015 20130713 1192167085 Wie wird man Musiker? Ist das ein richtiger Beruf? Ich hatte tausend Fragen... Ich hatte noch nie vorher davon gehört, dass man eine Schule besuchen kann, wo man all das lernt, was ich ja dann später auch gemacht habe. Zur damaligen Zeit wusste ich aber wirklich nicht, wo es hin gehen sollte, wie ich es anfangen soll. Ich steckte in dieser Kleinstadt fest, wo ich dann diese Schule besuchte. Ich habe aber schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist und dass ich da irgendwie rauskommen muss. Dann las ich eine Annonce und bin daraufhin mit 19 Jahren nach Dinkelsbühl...

...wo Du dann doch noch die Biege in Richtung Musik gekriegt und an der Fachschule für Musik diverse Studiengänge belegt hast. Warum hat es dennoch relativ lange gedauert, bis die Welt von CÄTHE Kenntnis nehmen konnte?
Weil ich das alles nicht wollte. Die Ungeduld in mir wollte natürlich schon, dass ich das jetzt durchziehe, aber irgendwas hat mich immer davon abgehalten. Ich hatte schon mit zwanzig Jahren meine ersten Lieder geschrieben, die ich auch an jemanden geschickt habe. Dann saß ich an einem Schreibtisch und mir wurden gute Tipps gegeben, wie man dies und jenes besser machen könnte. Mir wurden Fragen gestellt wie: "Bist Du eher der Vamp oder wollen wir lieber eine Rockplatte machen...?" Das waren mir zu viele Fragen auf einmal. Ich habe gemerkt, ich bin noch nicht soweit. Das musste ich mir immer wieder eingestehen, denn eigentlich wäre ich schon gerne soweit gewesen. Ich habe dann über die Jahre meine eigene Art entwickelt, Musik zu machen. Wenn ich dann der Meinung war, das gefällt mir, habe ich die Songs fertig gemacht. Das ist doch eine ganz andere Herangehensweise, als noch mit Anfang 20.

016 20130713 1382824207Wer hat Dich dann letztendlich überzeugt, die Flinte nicht ins Korn zu werfen?
Kurz bevor wir mit der Produktion des ersten Albums anfingen, war ich an einem Punkt, wo ich sagte: "Ich habe jetzt echt die Schnauze voll, ich mache keine Musik mehr, ich werde jetzt Kindergärtnerin. Ich werde ein vernünftiger Mensch mit einem anständigen Beruf, einer Krankenversicherung und einem Haus mit einer Tür drin" (lacht). Das hatte ich mir wirklich vorgenommen! Aber dann traf ich Philipp wieder, den ich schon seit langem kannte. Der meinte zu mir: "Du, wir gehen einfach mal ins Studio und probieren zwei Lieder." Das hat auch sofort geklappt. Das war praktisch die Geburt des Ganzen.

In Vorbereitung auf dieses Interview kam mir immer wieder der Name BRAUT UND DEGEN in die Quere, von denen ja ursprünglich auch zwei Titel der neuen CD stammen. War das Deine erste Band?
BRAUT UND DEGEN war eine Band von GISBERT ZU KNYPHAUSEN. Mein heutiger Bassist, Flozze, war auch dabei. Wir trafen uns in Hamburg beim Popkurs. Die beiden Songs, die Du angesprochen hast (Anm. d. Verf.: "Dächer" und "Funken"), habe ich auf dem Klavier gemacht und wir haben sie dann gemeinsam umgesetzt. Es war aber jetzt keine feste und länger andauernde Sache. Wir waren einfach gute Freunde und trafen uns genau zum richtigen Zeitpunkt. Dazu gehörte auch noch eine gute Freundin, Mika, die heute in London lebt. Das war damals für uns alle eine aufreibende Zeit, in der sich vieles geändert hat mit dem Umzug nach Hamburg.

018 20130713 1816860076Dein Debütalbum schlug 2011 ein wie eine Bombe. Spiegelt der Titel "Ich muss gar nichts" auch so ein bisschen Dein Wesen, Deinen Charakter wider? Man liest immer, Du seiest widerspenstig und unangepasst?
Ja, widerspenstig bin ich schon irgendwie. Aber "Ich muss gar nichts" ist natürlich auch ein Selbstschutz. Ich sage mir nämlich selber immer wieder mal, Du musst gar nichts, wenn Du es nicht willst. Es ist völliger Quatsch, dass man ständig allem und jedem gerecht werden muss. Damit will ich mich selber auch ein bisschen beruhigen, denn ich muss wirklich gar nichts anderes, als zu sein, wie ich bin. Freunde und eine schöne Zeit zu haben und meine Arbeit zu machen, gehört auch noch dazu.

Wie hast Du selber den Erfolg des Albums damals aufgenommen? Hast Du mit einem solchen Erfolg der Platte gerechnet?
Das ging ja alles wahnsinnig schnell. In den letzten zwei Jahren habe ich unwahrscheinlich viel erlebt, auch privat. Ich bin ein paar Mal umgezogen, ich habe Platten gemacht, ich habe ganz viele Konzerte gespielt - das war so viel, dass sich das noch gar nicht richtig gesetzt hat. Ich will das, was passiert ist, auch gar nicht beurteilen. Mein großes Glück war wahrscheinlich, dass ich vorher noch nie die Möglichkeit gesehen habe, eine Platte rauszubringen, dass ich immer dachte, ich bin noch nicht so weit oder ich hatte noch nicht den richtigen Produzenten dafür gefunden, auch nicht das richtige Team. Das ist nämlich auch ganz wichtig, dass man Leute um sich rum hat, die einen nicht immerzu hin- und herschubsen, an den Liedern rummeckern oder die sagen, da wäre kein Radiohit dabei. All das ist bei meiner Plattenfirma kein Thema, die nehmen mir meine Musik 1:1 ab. Das ist mir extrem wichtig, dass ich da keinen dabei habe, der mir immerzu erzählt: "Wir brauchen unbedingt einen Hit, sonst schmeißen wir Dich raus!" So etwas würde mich krank machen, deshalb lasse ich mich auf solche Business-Spielchen gar nicht erst ein.

017 20130713 1588482442Jetzt hast Du mir meine nächste Frage eigentlich schon beantwortet, denn ich wollte wissen, ob Du als junge Künstlerin durch Deine Plattenfirma auch zu bestimmten Kompromissen genötigt wurdest. Du sagtest ganz klar: Nein...
Genau, bei mir gab und gibt es das nicht. Ich finde es ohnehin eine echte Zumutung und so schade, dass es so viele tolle Künstler gibt, die total verramscht werden. Die haben gerade erst angefangen und sehen schon keine Hoffnung mehr für sich selbst und den Traum, den sie träumen. Weil da viel zu viele Idioten rum sitzen, die meinen, es ginge nur um Radiohits. Das ist totaler Quatsch! Es geht überhaupt nicht um irgendwelche Radiohits! Es geht darum, dass es in Deutschland eigenständige Künstler gibt, die ihren eigenen Weg gehen und die sich ihre Fanbase aufbauen. Aber nicht, weil sie gut promotet werden, sondern weil ihre Mugge gut ankommt und weil sie das machen, was sie wirklich machen wollen. Es ist so traurig, was ich diesbezüglich alles mitbekomme und erlebe. Bei diesem Thema kann ich wahnsinnig wütend werden. Was wollen diese Leute eigentlich? Es ist schlimm, dass die überhaupt was mit Kunst und Musik zu tun haben. Die wollen Geld verdienen auf Kosten anderer!

Du hast in den letzten drei Jahren ungeheuer viel live gespielt. Wer Dich dabei schon mal erlebt hat, weiß um Deine Power auf der Bühne. Wie hältst Du das durch?
Also ich habe keinen Fitnesscoach oder so was in der Art. Ich habe als Kind viel Sport gemacht und ich bewege mich einfach gerne. Am Ende einer Tour ist es natürlich schon eine heftige Prozedur. Da passiert nichts mehr ganz easy und von allein, sondern da ist dann schon mal die Luft raus. Aber normalerweise ist diese Power in mir einfach da.019 20130713 1738450716 Ich weiß auch nicht, woher das kommt, aber ich will das auch gar nicht groß hinterfragen.

Du pflegst mit Deinen Fans über die sozialen Netzwerke wie z.B. facebook einen sehr offenen Umgang, gibst dort sehr viel von Deinen Gedanken und Gefühlen preis. Braucht man solche Plattformen heutzutage, um präsent und erfolgreich zu sein?
Es stimmt, das hat sich in den letzten Jahren rapide geändert. Für mich ist diese Entwicklung super, denn ich bin prinzipiell dafür, dass man offen ist. Dieses "Ich bin Euer Star, Euer Produkt, aber alles andere halte ich unter Verschluss" ist nicht meine Philosophie. Bei facebook fühlt man sich so ähnlich, als hätte man viele Brieffreunde. Natürlich ist das manchmal auch eine Gratwanderung, wenn man vieles von sich preisgibt, denn man macht sich damit ja auch verwundbar. Aber was habe ich denn für eine Wahl?

Deine große Headliner-Tour zum neuen Album startet Ende Oktober. Du wirst dann in 33 Tagen fast dreißig Konzerte spielen. Macht Dir das ein bisschen Angst?
Klar ist es eine lange Zeit, aber es macht mir deshalb keine Angst, weil ich mit tollen Leuten unterwegs bin. Außerdem gibt es feste Strukturen während der Tour. Mir wird z. B. gesagt, um die und die Uhrzeit wird gegessen, mit wem ich zu reden habe.020 20130713 1345401891 Und am Abend auf der Bühne kann ich dann die Sau raus lassen. Ich freue mich darauf, es wird mit Sicherheit eine schöne Zeit. Anstrengend, aber in erster Linie total schön.

Eine Frage brennt mir ganz doll auf den Nägeln: Droht uns in naher Zukunft auch von CÄTHE eine Unplugged-Tour? Ich hoffe auf ein lautes NEIN!
(lacht) Nein, das kommt definitiv nicht, darauf habe ich keine Lust.

Abschließende Frage: Wie geht es weiter mit CÄTHE?
CÄTHE streicht jetzt erst einmal eine Wand im Badezimmer. Das macht mir riesigen Spaß, mit den eigenen Händen etwas zu machen und zu schaffen. Ansonsten kommt im Herbst dann die Tour, aber ich arbeite auch schon an neuen Songs, wofür ich mir aber ganz viel Zeit lasse.

Damit sind wir am Ende. Vielen Dank für das Gespräch und Deine Offenheit, CÄTHE, und alles Gute für die Zukunft.


Interview: Torsten Meyer
Bearbeitung: mb, cr
Fotos: Pressematerial (DEAG), Torsten Meyer, Cäthe, Archiv




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