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Interview vom 22. August 2017



Der junge Münchner Robert Redweik lässt derzeit die Fans deutschsprachiger Musik aufhorchen. Am letzten Freitag im Monat August (25.08.2017) erscheint sein Debütalbum "Dein Vegas". Unsere Kollegin Antje hatte im Vorfeld der Veröffentlichung die Möglichkeit, mit Robert über das neue Album, sein neues Leben, die anstehende Tour und einiges mehr zu plaudern ...




001 20170825 2032196742Hallo Robert! Sehr schön, dass es mit einem Interview geklappt hat!
Ja, sehr schön.

"Dein Vegas" heißt Dein Debütalbum, welches am kommenden Freitag erscheint. Willst Du damit deine Hörer tatsächlich in die Stadt der Glücksspiele und Sünden entführen?
Ich war vor sehr sehr langer Zeit mal in Vegas. Für mich ist das ein starkes Zeichen, eine starke Analogie für das Leben als solches. Eine Stadt voller Extreme - von alles gewinnen, bis alles verlieren. Das finde ich schon ein kräftiges Bild. Vegas ist laut und schrill, man muss es aber auch selbst zum Leuchten bringen. Das ist auch der rote Faden des Albums: das ist DEIN Vegas, DU musst etwas daraus machen. Egal wo du wohnst, egal welche Vorgeschichte du hast, da kann man viel daran schrauben. Es ist DEINE Stadt.

Wenn Du an die Veröffentlichung am Freitag denkst, welches Gefühl hast Du da? Freust Du Dich, bist Du aufgeregt, bist Du ein bisschen ängstlich ...?
Es ist eine komplette Mischung. Ich vergleiche es immer so ein bisschen mit der Zeit, wenn die Schule vorbei ist und man die letzte Prüfung geschrieben hat. Man ist erstmal total erleichtert, man freut sich. Es passiert so viel, ich habe gar keine Zeit darüber nachzudenken, weil ich von einem Interview zum nächsten gehe und von einer Stadt in die nächste fahre. Aber alle Gefühle, die Du da gerade genannt hast, schwingen da schon mit. Es geht dann ja eigentlich auch erst richtig los. Die Tour steht vor der Tür. Aber ich freue mich wahnsinnig darauf. Es ist total bunt geworden, wie die Stadt ja auch ist, mit verschiedenen Looks und Richtungen. Ich habe mich ausgetobt bei der Platte.

002 20170825 1373169589Wie sind denn die Songs entstanden?
Ich sag mal so: es sind die Eindrücke und Emotionen der letzten eineinhalb bis zwei Jahre. Ich habe mich zusammen mit Peter Müssig in einem Studio in Hamburg für ein dreiviertel Jahr eingeschlossen und an den Songs gearbeitet. Wir haben für jeden Song einen Look entwickelt von dem wir geglaubt haben, dass der gut zu dem jeweiligen Song passt. Wir haben uns da auch keine Grenzen gesetzt.

Hat sonst noch jemand mit daran mitgearbeitet?
Nein, geschrieben habe ich die Dinger ja quasi alleine, mit Peter zusammen an der Produktion gefeilt. Das ist der Weg wie die Platte entstanden ist. Ich wollte auch ein sehr persönliches Album einerseits, und andererseits jenseits eines Majorlabels die Freiheiten nehmen, die ich gerne wollte.

Hast du einen Favoriten-Song auf der Platte?
Das ist total schwer zu sagen, weil da so viele Stimmungen und Themen drauf sind. Das ist fast abhängig von der Tagesform. Zum Beispiel sitzt man im Auto und entdeckt gerade einen Song wie "Weck meine bösen Geister nicht" neu und hört den laut. Ein anderes Mal gibt es wieder ruhige Momente, man sitzt z.B. mit einem Glas Wein am Fenster, denkt über die Liebe oder das Leben nach und hört dabei "Herz auf Halbmast".

Wie wahrscheinlich die meisten, habe ich Dich über Deinen Song "Chapeau" entdeckt. Den fand ich sehr toll. Im Gegensatz dazu empfand ich Dein Album als sehr Dance-lastig. Ist das Deine musikalische Heimat?
Ein paar Sachen sind in der Richtung schon drauf. Aber trotzdem gibt es die rockige und auch die sanfte Ecke. Ja, es gibt durchaus auch die etwas elektronischer, "dancige" Ecke. Ich will dadurch aber auch mehr Lebendigkeit und Unterschiedlichkeit auf die Scheibe bringen, auch dass man einfach mal tanzen kann. Deswegen wollte ich auch kein reines Akustikalbum machen, vielleicht mache ich das aber irgendwann noch. Ich wollte auch einfach mal gute Laune. Auch wenn die Texte mal eine ernste Note haben, darf es trotzdem auch eine leichte Note geben. Man hat ja auch verschiedene Phasen. Selten hört man ein Album mal komplett durch, sondern pickt den einen oder anderen Song für sich raus.

003 20170825 1268505779Wobei ich gerade bei deinem Album fand, dass man es gerade wegen der von Dir erwähnten Abwechslung sehr gut an einem Stück hören kann, es nimmt einen sehr gut mit ...
Das ist sehr schön. Aber es ist lustig, dass du sagst "Dance-lastig". Weil - ohne Frage - sind da Sachen in der Richtung dabei, aber ich hätte insgesamt nicht das Gefühl, dass das überwiegt. Aber es kommt wahrscheinlich auch darauf an, in welcher Laune man es gerade hört und wo man den Schwerpunkt aktuell setzt.

Du hast ja schon den Song "Weck meine bösen Geister nicht" angesprochen. Hast Du denn selbst welche in Dir? Und wenn ja, welche sind das?
Ich finde das Bild von den kleinen bösen Geistern, die man manchmal gar nicht so genau kontrollieren kann wenn sie einmal wach geworden sind, witzig. Hab ich kleine böse Geister? Natürlich gibt es Situationen, wo man sich nicht mehr kontrollieren kann. Für mich ist es auch ein Sinnbild von Sucht in allen Variationen und Ausprägungen, die viele Menschen haben, die in manchen Situationen wieder geweckt wird.

"Wird wieder okay" habe ich als sehr positiven Song wahrgenommen. Bist Du selbst Optimist?
Ja, ich versuche schon immer an das Beste in jedem Menschen zu glauben. Auch an das Beste der Zeit. Ich bin aber auch ein melanscholischer Mensch. Das macht das Leben nicht unbedingt einfacher. Dann gibt es wieder Momente im Leben, wo man an gewissen Dingen zerbricht, auch an zwischenmenschlichen Dingen. Dann finde ich es schön, auch zu sich selbst sagen zu können: "Hey, Du kennst das doch von früher. Auch wenn es gerade das schlimmste der Welt ist aber ja, es wird wieder okay."

004 20170825 1566800320Du hast ja gerade schon die Tour erwähnt. Ab wann dürfen sich Deine Fans auf Live-Konzerte freuen?
Los geht es mit einem kleinen akustischen Release-Konzert jetzt am 26. August in Hagen in einer sehr schönen Location, einer ehemaligen Kirche. Mit der Tour geht es am 19. November in München dann richtig los, dann geht es quer durch Deutschland. Eine Station in der Schweiz ist auch noch dabei.

Kommen wir jetzt noch zu Dir persönlich. Wie fühlt sich das neue Leben an? Die ganzen Promotermine, Interviews ... Wie ist das im Gegensatz zu Deinem früheren Leben?
Ja, Musik mache ich ja schon ganz lange. In dieser Hinsicht ist das natürlich nochmal was anderes. Man muss sich konzentrieren und zusammenreißen, es ist anstrengend. Ich habe auch nicht meinen Manager oder Radio-Promoter eingepackt und lass mich betüddeln, das mache ich schon alles alleine. Das ist gerade mein eigener "Dein-Vegas-Roadtrip". Da habe ich auch im Auto viel Zeit zum Nachzudenken. Ich mag so eine Phase total gerne. Gerade über die Dinge zu sprechen während der Interviews, Dinge auch für sich selbst nochmal klarer zu machen. Ich mag die Zeit wahnsinnig gerne und es ist auch ein schöner Teil von dem Ganzen.

Wie bist Du denn zur Musik gekommen?
Angefangen hat alles mit der ältesten Castingshow Deutschlands: Der Suche nach geeigneten Jungs für einen Knabenchor. Es waren Scouts in den Schulklassen die Knaben gesucht haben, die gut singen konnten. Da war ich eben auch dabei. Aber da bin ich dann wieder ausgestiegen, das war mir zu heftig. Es hat mir sogar auch so ein bisschen den Spaß an der Musik verleidet.005 20170825 2054093970 Dann habe ich angefangen Gitarre zu lernen, mit 13 in einer Schulband gespielt - der klassische Weg eigentlich, mit vielen eigenen Konzerten, zwei Platten eigenständig gemacht ... Dann ging es in Richtung deutschsprachige Musik, ich hatte meine Bandformation mit einem Deal bei einem Majorlabel und allem, was man eigentlich so haben will und braucht. Das war eine geile Zeit, hat sich dann aber auch in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Dann hab ich mein Soloprojekt gestartet, und das ist jetzt das erste Album dazu.

Gab es für Dich einen Schlüsselmoment in dem Du beschlossen hast, von der Musik zu leben?
Das ist eine interessante Frage. Ich kann es nur immer so beschreiben, dass ich sage: Musik ist eine ganz tiefe Leidenschaft, Liebe, wie auch immer man das nennen will, die mich nicht loslässt. Wo ich auch unglücklich bin, wenn ich das nicht tue. Man möchte im Leben ja nicht unglücklich sein, deshalb muss es auch ein Teil davon sein, dass man davon leben kann, was man gern tut.

Hast Du musikalische Vorbilder?
Das ist auch eine interessante Frage. Ich tue mich da immer schwer. Es gibt viele Künstler die ich gerne höre, ansehe und mir ihre neuen Werke gern reintue. Aber Vorbilder im klassichen Sinne, dass man genauso werden will, nicht. Finde ich auch doof, weil alle anderen gibt es ja schon. Man muss ja schon selbst was werden. Klar sagt man: da gefällt mir der Songwriting-Stil, da gefällt mir der Sound, da gefällt mir gerade der Song. Das geht von Foo Fighters über deutschsprachige Sachen bishin zu Coldplay.

006 20170825 1482229150Jetzt sind wir sogar schon am Ende von unserem Interview angekommen. Möchtest Du unseren Lesern noch etwas mit auf den Weg geben?
Ja, in eigener Sache würde ich mich natürlich freuen ganz viele Eurer Leser auf der Tour zu sehen, dass ganz viele Leser das Album anhören und wir zusammen auf der Tour einfach eine gute Zeit haben. Ansonsten kann ich jedem nur mitgeben, seine eigene Stadt, die in einem wohnt, immer mal zum Leuchten zu bringen und "Dein Vegas" zu ihrem Motto machen. Ich finde, man kann immer wieder neu anfangen. Das ist ein sehr schöner Trost, auch wenn es gerade mal nicht so gut läuft.

Robert, ich finde das ist ein sehr schönes Schlusswort. Vielen Dank für die Zeit, die Du Dir genommen hast. Alles Gute auf Deinem weiteren Weg.
Ich danke Dir auch.



Interview: Antje Brandt
Bearbeitung: cr
Fotos: Pressematerial Plattenfirma (Timezone)







   
   
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