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Der letzte Ton, den die Gruppe RAINBIRDS vor ihrer Auflösung gespielt hat, verklang Ende des letzten Jahrtausends. Das klingt nicht nur undendlich lang, für die Fans der Band war es das auch. Doch diese Phase ist vorbei, die RAINBIRDS sind wieder da! "Yonder", so heißt das neue Album, das die Band um Katharina Franck Anfang Mai veröffentlicht hat. Die RAINBIRDS 2014 sind (natürlich) Katharina Franck (Gesang, Gitarre), Gunter Papperitz (Keyboards) und Bela Brauckmann (Schlagzeug). Die beiden Herren haben erstmals das RAINBIRDS-Trikot an und transportieren die Musik der RAINBIRDS zusammen mit Bandgründerin Katharina Franck ins Heute.001 20140622 1326474369 Kein Wunder also, dass sie heute anders klingen, als noch vor 27 Jahren. Aber nicht nur wegen der neuen Musiker, sondern auch wegen der neuen Ideen, mit denen ältere Songs der Band neu arrangiert wurden. Interessantes Detail am Rande: Noch vor ein paar Jahren hatte Katharina Franck ein Comeback der RAINBIRDS kategorisch ausgeschlossen. Wie kam es zu dem Sinneswandel? Wie kam es dazu, alte RAINBIRDS-Songs neu aufzunehmen und wohin wird die Reise des Trios gehen? Wir hatten Gelegenheit, über diese und andere Fragen mit Gunter Papperitz und Katharina Franck zu sprechen ...
 

 

Zur neuen Besetzung der RAINBIRDS gehören neben Katharina Franck der Schlagzeuger Bela Brauckmann und der Keyboarder Gunter Papperitz. Wie habt Ihr zueinander gefunden?
GUNTER: Bei der Tour zum letzten Solo-Album "On The Verge Of An Autobiography" war ich als Live-Keyboarder dabei. Während dieser Zusammenarbeit kam mir heimlich der Gedanke, dass es mich interessieren würde, was rauskäme, wenn man Katharina die Gitarre wegnimmt und durch einen Haufen Elektronik ersetzt. Als Katharina mich einige Zeit später fragte, ob ich mir vorstellen könnte, zum 25-jährigen Jubiläum ihrer ersten Veröffentlichung etwas beizusteuern, dachte ich: "Okay, das ist dann wohl jetzt der Zeitpunkt, meine verwegene Idee auszuprobieren." Und da ich zwar auf die Akustikgitarre, nicht aber auch auf das Schlagzeug verzichten wollte, habe ich meinen musikalischen siamesischen Zwilling Bela Brauckmann gleich mitgebracht.
KATHARINA: Meine Verbindung zu Gunter und letztendlich auch zu Bela war deren Cultured Pearls-Genosse Peter Hinderthür, Co-Produzent meines letzten Solo-Albums "On The Verge Of An Autobiography".002 20140622 1610783574 Wir kannten uns schon flüchtig, als er ins Studio kam und zu dem Song "In My Mouth" mit gewrungenen Küchenhandtüchern eine Art Paukencrescendo spielte. Richtig kennengelernt haben Bela und ich uns aber erst während der Tour mit Reinhardt Repkes Club der toten Dichter. Es gibt drei Schlagzeuger, die ich immer vorschlage, wenn irgendwo einer dringend gesucht wird. Das sind Achim Färber, Bela Brauckmann und Tim Lorenz. Und Tim war zu der Zeit öfter mal mit Udo Lindenberg unterwegs. Dann ist Bela eingesprungen.

"Blueprint" 2014 ist eines der Songs, mit deren Neubearbeitung sich die RAINBIRDS zurückgemeldet haben. Diese Version ist aber schon älter, ich meine, etwas von 2010 gelesen zu haben, ist das richtig?
GUNTER: Die Jahreszahl überrascht mich, denn da waren wir noch mit dem "On The Verge Of An Autobiography"-Programm unterwegs. Wir haben eigentlich erst im Frühjahr 2012 begonnen und dann mit langen Unterbrechungen immer wieder an dem Album gearbeitet. Irgendwann auf dieser Strecke ist auch "Blueprint" dazugekommen. Wann genau das war, weiß ich nicht mehr, aber das Stück war unter den ersten vier Songs, die wir uns vorgenommen hatten.
KATHARINA: Dass die neue Version schon so alt ist, ist falsch. Gunter und Belas neue Blueprint-Version ist das erste Mal diesen Februar mit einem Surf-Video von Sebastian Linda in die Öffentlichkeit gelangt, das er für meine Nichte Camilla Kemp gedreht hat. Sie ist im Winter 2013/2014 Champion ihrer U-18 Klasse in Portugal geworden und wurde zur Surferin des Jahres gewählt. Sie selbst hat sich den Song für ihr Video ausgesucht.
 

Videoclip:
"Blueprint" (2014)



Was war damals der Anlass, den Song noch mal neu aufzunehmen?
GUNTER: Als wir die Stücke für "Yonder" ausgewählt haben, haben wir uns durch Katharinas "Gesamtwerk" gehört - also die Rainbirds-Alben und ihre Solo-Alben. Unter den Titeln, auf die wir Lust zur Neubearbeitung bekamen, fand sich dann auch "Blueprint".

War dieses Stück, also die Neubearbeitung, gar der Auslöser für das Comeback der RAINBIRDS?
GUNTER: Nein. "Blueprint" hatte für unsere Arbeit eigentlich keinen anderen Stellenwert, als die anderen Songs. Genau wie für alle anderen Stücke hatten wir eben auch für "Blueprint" eine Idee gesucht, wie man es 2014 aktuell spielen kann. Und das, ohne dabei die 80er,003 20140622 1283485769 in denen wir musikalisch sozialisiert worden sind, aus den Augen zu verlieren. Irgendwann während dieses Prozesses haben wir festgestellt: "Hoppla, wir drei funktionieren als Band ja richtig gut!". Und wie hätten wir diese neue Band mit ihren alten Liedern denn nennen sollen, wenn nicht "Rainbirds?"

Katharina, Du hattest mir in einem Gespräch vor knapp acht Jahren auf meine Frage, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Comebacks der RAINBIRDS ist, geantwortet, dass Dir drei "Metamorphosen" reichen und Du keine vierte erleben möchtest. Du hast es damals konsequent ausgeschlossen, dass die RAINBIRDS nochmals an den Start gehen würden. Was waren die Gründe, dass Du Deine Meinung jetzt geändert hast?
KATHARINA: Wie Gunter schon sagte, ist diese Entscheidung das Ergebnis eines gemeinsamen Arbeitsprozesses. Als ich Ende 2012 davon erfuhr, dass die Universal beschlossen hatte, das Rainbirds-Debutalbum wieder zu veröffentlichen, war ich auch erst besorgt, wie sich das auf unsere Bemühungen auswirken würde, unser Album publik zu machen. Ich habe dann das Beste draus gemacht, habe aus meinem Archiv tolle Artikel, Fotos, Bonus-Tracks und allerlei Paraphernalia für die Deluxe-Ausgabe des Debüts zur Verfügung gestellt. Die UNIVERSAL war, im Zuge dieser Zusammenarbeit, an unserem neuen Katharina Franck-Album interessiert. Wir haben sie dann damit überrascht, dass "YONDER" ein RAINBIRDS-Album wird.

Nun meldet Ihr Euch mit dem Album "Yonder" zurück, auf dem überwiegend ältere Songs der RAINBIRDS zu hören sind, die Ihr in ein neues musikalisches Gewandt gekleidet habt. Weg vom Rock und hin zum Elektropop. Kann man an sich schon tolle Songs durch einen Wechsel des Stils eigentlich besser machen?
GUNTER: Woran will man denn messen, welche Versionen besser sind? Die Songs zu "verbessern", war nie unser Ziel. Im Gegenteil: Wir haben festgestellt, dass Katharina ein Repertoire angesammelt hat, das ganz hervorragend zeitlos ist.004 20140622 1514682191 Wer kann denn von sich behaupten, dass er nach wie vor mit voller Überzeugung Sätze sagt und singt, die er zum Teil vor 25 Jahren geschrieben hat? Und trotzdem: Popmusik unterliegt dem Wandel der Zeit und der Persönlichkeit. Also haben wir versucht, diese tollen Songs in das Jahr 2014 zu übersetzen - und das in unserer speziellen Handschrift.

Es wird sicher nicht allen RAINBIRDS-Fans gefallen, was Ihr heute macht. Ganz besonders deutlich wird diese Metamorphose ja beim größten Hit der Band, "Blueprint", über den wir gerade schon gesprochen haben. Denkt man in der kreativen Phase und bei den Aufnahmen daran, dass man vielleicht alte Fans damit vergraulen könnte?
GUNTER: Keine Sorge, die Version von 1988 wird ja nicht von allen Platten gelöscht oder ungültig oder von der Musikpolizei verboten und mit dem Verlust beider Ohren bestraft. Den bisherigen treuen Fans bleibt also auf jeden Fall die Version erhalten, die sie lieben - selbst wenn sie die neue nicht mögen sollten. Deshalb hatten wir eher daran gedacht, dass durch die neue Version vielleicht auch neue Fans hinzukommen könnten ...

Es fällt auf, dass Ihr ausschließlich Songs der ersten Alben neu produziert habt und auch Titel, die Katharina solo und unter ihrem Namen veröffentlicht hat. Warum hat es kein Stück von den letzten RAINBIRDS-Alben auf die neue CD geschafft?
KATHARINA: Mit dem Album sind bisher tatsächlich nur "Woman with A Golden Eye" vom dritten Rainbirds-Album TWO FACES und "Jamais Jamais" vom vierten Album IN A DIFFERENT LIGHT veröffentlicht. Nicht auf dem Album sind "In A Long Long Time" vom fünften Album MAKING MEMORY und "Don't Cry A River For Me" vom Album RAINBIRDS FOREVER. Beide Songs spielen wir aber live, möglich, dass sie auch noch veröffentlicht werden.005 20140622 1185142994 Wir haben uns mit "The World Is Growing Old", ebenfalls vom Album TWO FACES, beschäftigt. Es gibt Ansätze zu "Things You Must Never Lose" von meinem letzten Solo-Album und Gunter hat kürzlich vorgeschlagen, dass wir uns "Devils Dance" von RAINBIRDS FOREVER noch vorknöpfen könnten.

Nach welchen Kriterien habt Ihr überhaupt die Lieder ausgewählt, die Ihr bearbeiten und neu aufnehmen wolltet?
GUNTER: Das war ganz lustig. Irgendwann hat Katharina uns einen Stapel CDs in die Hände gedrückt und mit glänzenden Augen gesagt: "Macht mal!". So standen wir dann da mit dem Gesamtwerk der Frau Franck und haben uns da durchgehört. Und immer wenn uns etwas angesprungen hat oder wir eine Idee hatten, haben wir Katharina gebeten, uns mal eine neue Version davon zu singen. Unter diese nackten Spuren ihrer Stimme haben wir dann erste Entwürfe unserer neuen Versionen gebaut. Die Auswahl der Songs lag also komplett in unserer Hand und war vollständig "bockgesteuert": Worauf wir Bock hatten, das wurde gemacht. Ein großer Vertrauensbeweis von Katharina!

Sind alle Neubearbeitungen auf dem Album gelandet oder gab es da noch weitere, die es nicht auf's Album geschafft haben?
GUNTER: Zu manchen Titeln gab es mehrere Ideen, die wir dann nicht weiterverfolgt haben. Außerdem haben wir einige wenige Titel nicht auf das Album genommen. Wir planen aber, sie noch anderweitig zu veröffentlichen. Es lohnt sich also, Augen und Ohren offen zu halten, ob nicht irgendwo mal wieder ein weiterer Titel auftaucht.

006 20140622 1469846456Ich persönlich finde die Veränderungen und das Spielen mit den elektronischen Elementen ausgezeichnet. Der Hörer erhält so einen anderen Blickwinkel und somit auch eine Alternative zum Original. Welches der Neubearbeitungen gefällt Dir, Katharina, als deren Schöpferin selbst am besten?
KATHARINA: Mir gefallen alle Songs am Besten. Jede neue Version hat ihre eigene Entstehungsgeschichte. Die meisten haben mich entweder sofort angekickt, manche sind mir im Laufe der Arbeit daran ans Herz gewachsen.

Es befinden sich auch zwei ganz neue Songs auf dem Album. Sind diese eigens für diese CD entstanden oder hattest Du sie in der Schublade bereits fertig liegen?
KATHARINA: Der Titelsong "Yonder" war in Ansätzen vorhanden, "Like Someone Who Was Never Here Before" habe ich speziell für das Album geschrieben. Es liegen noch zwei Songs in der Schublade, die während der Arbeit am Album entstanden sind. Da sollen jetzt natürlich noch mehr hinzukommen.

Die CD ist ja nun schon ein paar Tage auf dem Markt. Wie ist die Resonanz von außen ausgefallen? Habt Ihr mitbekommen, wie die Platte bei den Leuten angekommen ist?
GUNTER: Wir bekommen bislang von allen Seiten nur positive Reaktionen, es scheint der Presse und dem Publikum also zu gefallen. Allerdings ist es durch die Diversifizierung und Kommerzialisierung der Kanäle ausgesprochen schwierig geworden, einem breiten Publikum neue Musik vorzustellen. Es würde uns freuen, wenn noch mehr Leute von diesem Album erfahren.

Werdet Ihr mit der neuen Scheibe auch auf Tour gehen?
GUNTER: Auf jeden Fall! Wir sind alle so sehr aus tiefstem Herzen Live-Musiker, dass wir uns bereits während der Produktion wie die Spielkinder auf die Konzerte gefreut haben. Ein erstes Konzert haben wir bereits gegeben und diesen Test hat die Band (und auch das Publikum ...) überragend bestanden.008 20140622 1340178239 Es war wirklich ein großartiges Erlebnis, so dass wir es kaum erwarten können, im Herbst in dieser Besetzung unsere erste Tour zu spielen - der hoffentlich noch viele weitere folgen werden!
KATHARINA: Ja, live zu spielen war und ist nach wie vor der Hauptgrund für unser Musiker-Innendasein. Manchmal kommt es mir noch komisch vor, wenn ich das sage, aber ich habe mich bei meinem ersten Auftritt ohne Gitarre vor dem Bauch so gefühlt, als hätte ich als Performerin nur darauf gewartet, dass sie mir jemand wegnimmt. Zu meinen Songs mit RAINBIRDS kann das Publikum jetzt tanzen und sich einfach nur daran erfreuen, dass dort auf der Bühne Menschen mit aller Leidenschaft das tun, was sie am liebsten tun. Das bedeute nicht, dass ich meine wilden, wütenden, intensiven und wieder zarten, zerbrechlichen Seiten außen vor lasse. Das gehört nach wie vor dazu, alles was das Sein, was das Lebendig sein mit sich bringt, auszuloten. Doch man kann, man muss jetzt einfach dazu tanzen!

Kommen wir noch mal kurz auf die beiden neuen Kollegen zurück: Ich hatte seit 1988 und dem Erscheinen der LP "Rainbirds" immer das Gefühl, die RAINBIRDS sind Katharina Franck, die über all die Jahre auch die einzige Konstante blieb. Der Rest der Musiker war immer "nur" die ergänzende, aber durchaus auch austauschbare weitere Zutat. Liege ich mit meinem Gefühl richtig?
KATHARINA: Es ist richtig, dass es RAINBIRDS nicht ohne Katharina Franck gibt. Aber wenn ich meine Bandmitglieder immer nur als jederzeit austauschbare Sessionmusiker gesehen hätte, wären meine Alben allein von den jeweiligen Produzenten geprägt worden. Dann hätten nicht nur Peter Weihe und Reinhold Heil, sondern auch Curt Cress und Ken Taylor im Studio gespielt und es wären ganz andere Platten geworden. Ich habe immer sehr an meinen Mitmusikern gehangen und sie geschätzt und auch in jeder Form gewürdigt, was sie zu meinen Songs beigetragen haben.

009 20140622 1894768566Die RAINBIRDS, das ist Katharina Francks erste eigene Band. Grund für die Gründung war damals, dass Du Deine eigenen Lieder spielen und nicht mehr nur ausschließlich Teil einer Gruppe sein wolltest ...
KATHARINA: Der Grund war der, dass ich endlich meine eigenen Songs spielen wollte und nicht ausschließlich die Songs der anderen. Teil einer Gruppe wollte ich immer sein, aber als gleichberechtigtes und gleichwertiges Bandmitglied. Man glaubt es kaum, aber das war auch in den 80ern noch nicht selbstverständlich für eine junge Frau. Interessant aus heutiger Sicht ist, dass mir zu Beginn so etwas wie YAZOO vorschwebte. Ich habe ja sogar einen Brief und ein Demo an Vince Clark geschickt. Er schrieb mir zurück, dass er sich derzeit vor lauter Sängerinnen nicht retten könne. Er hat dann mit dem Sänger Andy Bell zusammen ERASURE ins Leben gerufen.

Du hattest vorher in der Band Les Black Carnations gespielt, die immerhin drei Singles und ein Album veröffentlicht hatten. Warum bist Du damals als Justine Time und nicht als Katharina Franck aufgetreten?
KATHARINA: Der Bandleader Sandy Hobbs wollte, dass alle Pseudonyme haben und für mich war ein ziemlich blumiger Name vorgesehen. Aber ich wollte mir lieber selber einen Namen ausdenken.

Spieltest Du damals in zwei Bands parallel, also einmal bei den Les Black Carnations und außerdem bei den RAINBIRDS?
KATHARINA: Nein, zwischen den beiden Bands lagen mindestens zehn Monate ... oder so. Es muss mir damals wie Jahre vorgekommen sein ...

Wie viele eigene Songs hattest Du damals schon für Deine Band fertig geschrieben, als die RAINBIRDS gegründet wurden?
KATHARINA: Ziemlich viele. Sie sind schließlich über drei Alben verteilt erschienen. "Sacred" habe ich sogar schon zu LES BLACK CARNATIONS-Zeiten geschrieben. Ich hatte ihn als Justine Time bei der GEMA angemeldet.

Dann ging alles ziemlich schnell, denn Ihr habt nicht lange gebraucht, um nach der Bandgründung eine eigene Platte zu haben. Kannst Du kurz erzählen, wie Ihr damals an Euren Plattendeal gekommen seid?
KATHARINA: Wir waren zu der Zeit eine fünfköpfige Band und haben viel für unseren ersten Auftritt geprobt. Ich habe aber auch ein paar Soloauftritte gespielt. Bei so einem hat mich Thomas Fehlmann gesehen und der brachte dann zu unserem Debütauftritt in der Villa Kreuzberg einen Product Manager von der Phonogram mit. Die waren begeistert, aber bis wir dann die ersten Demos für die Phonogram aufgenommen hatten, haben wir noch etliche Konzerte gespielt und den Senatsrockwettbewerb gewonnen.

Inwieweit sind die Lieder auf "Rainbirds" so veröffentlicht worden, wie Du es Dir beim Schreiben vorgestellt hast oder haben die Produzenten bei den Aufnahmen sehr viel Einfluss darauf genommen?
KATHARINA: Udo Arndt hat sich komplett auf alle Beteiligten eingelassen. Ich würde sagen, er hat alles und noch ein bisschen mehr aus uns rausgeholt. Und Peter Weihe und Udo haben sich sehr genau angehört, wie ich die Songs damals alleine zur Gitarre gespielt habe.

Das Album ist ja vor kurzem neu aufgelegt worden. Neben vielen Demos und Mixen ist auch eine DVD mit dem Mitschnitt des Konzerts vom 16. Juni 1988 in Ostberlin mit dabei. Kannst Du Dich an dieses Konzert noch erinnern und wie kam es dazu, dass Ihr in der DDR spielen konntet?
KATHARINA: Es ist ein großartiges Konzert gewesen und als ich mir den Mitschnitt vor einigen Jahren das erste Mal wieder angesehen habe, war ich schwer beeindruckt von uns. Was hinter den Kulissen alles gedreht wurde, damit wir da spielen konnten, weiß ich nicht genau, aber wir wollten spielen.

Gab es noch weitere Auftritte dort?
KATHARINA: Erst nach der Wende mit der ersten TWO FACES-Live-Besetzung sind wir durch die sogenannten neuen Länder getourt. Und von da an dann immer wieder.

Dieser Mitschnitt ist ja konservierte Zeitgeschichte. An was erinnerst Du Dich, wenn Du an die Reise in die DDR bzw. Ostberlin denkst? Gibt es Beobachtungen oder Erlebnisse, die Dich besonders beeindruckt haben?
KATHARINA: Ich war das erste Mal mit einem ehemaligen Schulkameraden aus Portugal, der mich besucht hat, in Ost-Berlin. Lange vor der Gründung der RAINBIRDS. Mich haben vor allem die großen Straßen und die Abwesenheit von Autos beeindruckt. In meiner Erinnerung ist damals auch kaum ein Mensch zu sehen gewesen.

Der Aufstieg der RAINBIRDS war ja ziemlich rasant. Gleich die erste Single landet in den Top 100 Single-Charts, das Album landet gar auf Platz 2. Wie hast Du diese große Veränderung in Deinem Künstlerleben damals wahrgenommen? Was waren die größten Veränderungen in Deinem Leben?
KATHARINA: Es hat sich in meinem Leben nichts grundlegendes geändert, außer dass die Dinge, die ich seit meinem 11./12. Lebensjahr machte, plötzlich für eine ganze Industrie relevant wurden. Aber davon hatte ich keinen Begriff. Ich merkte nur, wie sich eine ganze Reihe von Leuten darum bemühten, dass wir unsere Konzerte gut spielen, dass unsere Musik von so vielen Leuten wie möglich wahrgenommen werden konnte. Alles was wir in diesem Zusammenhang tun musste, war aufregend und hat Spaß gemacht: Fotosessions, Videos, Interviews. Zu Anfangs sogar auch die Playback-Auftritte im Fernsehen. Auch die Proben. Ich liebe es noch heute, zu proben und viele meiner Kollegen, mit denen ich zusammen arbeite, genießen es, dass ich im Probenraum genau so präsent und konzentriert bei der Sache bin, wie vor Publikum.

Der Erfolg des Erstlingswerks war kein Zufall, denn auch die zweite Platte mit dem unendlich langen Titel konnte sich in den Top 10 der Album-Charts platzieren. In den USA erschienen Singles von Euch, Ihr wart praktisch auch international auf dem Weg nach ganz oben. Statt Tourneen im Ausland zu spielen, trennt sich die Band plötzlich. Was war da los?
KATHARINA: Die Band war unzufrieden. Sie fühlten sich zurückgesetzt und zu wenig beachtet hinter ihrer Sängerin und Songwriterin. Und sie hatten auf Grund der Vertragskonstellation mit der Plattenfirma das Gefühl, für immer und ewig in meiner Band spielen zu müssen. Das war natürlich ein Missverständnis, was leider auch das Management nicht wirklich aus dem Weg räumen konnte. In diesem ganzen Wahnsinn damals, haben wir den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen.

Hätte man da nicht einfach einen kompletten Austausch vornehmen und an der Stelle mit neuen Musikern weitermachen können, um die Ernte der harten Arbeit zuvor einfahren zu können?
KATHARINA: Nein, eben nicht. Wie gesagt, es war eine Band mit Musikern, die ich mir ausgesucht hatte und zu denen ich stand. So ging es auch weiter, als ich meine Alben dann unter KATHARINA FRANCK herausbrachte.

Trotzdem ging es mit den RAINBIRDS weiter und die Fortsetzung fand 1991 in der Duo-Besetzung mit Ulrike Haage und dem dritten Album "Two Faces" statt. War das eher Zufall, dass es mit Ulrike weiterging oder hattest Du gezielt nach einer Kollegin gesucht und diese Idee mit der Duo-Besetzung zu Beginn der Suche bereits im Kopf?
KATHARINA: Es war eher ein Zufall, dass Ulrike Haage in unsere Band kam. Rodrigo und Beckmann haben sie für uns entdeckt und ins Studio geschleppt. Damals fingen wir an, für die Tour zum zweiten Album und Konzerten in deutlich größeren Venues zu proben. Unsere Produzenten waren ständig da und wir wollten, dass Rodrigo, der sonst die Orgel bei ein paar Songs gespielt hat, sich ganz aufs Gitarrespielen konzentrieren konnte. Ulrike war musikalisch, aber auch menschlich eine große Bereicherung und alle konnten sich gut vorstellen, aus dem Quartett RAINBIRDS ein Quintett zu machen. Dass es anders kam, ist bekannt.

In all den Jahren, in denen ich mich mit Musik beschäftige, habe ich gelernt, dass man gute Musik nicht einzig und allein an seiner Chart-Notierung ablesen kann und sollte. Trotzdem Ihr immer weiter tolle Songs veröffentlicht habt, gingen die Verkaufszahlen der Platten zurück und dementsprechend landeten die Platten nicht mehr vorn in den Charts. Wie hast Du das selbst wahrgenommen, als das Interesse - zumindest der "zahlenden Kundschaft" - zurück ging?
KATHARINA: Also, den Kreativitätsschüben haben die rückgängigen Verkaufszahlen erst einmal nichts anhaben können. Doch es wurde in der Businessetage viel Haare gerauft und gejammert, aber das waren die frühen 90er und so ganz genau weiß ich nicht, ob es nicht doch eher eine große Koksdepression war, unter der alle Plattenfirmenleute gelitten haben. Wir sind dann nach zwei weiteren Studioalben und einer Best Of von der Phonogram zu Rough Trade gewechselt, da wollte dann aber unser Manager nicht mehr mitziehen. Zu der Zeit waren wir wieder zu dritt, Ulrike Haage, Tim Lorenz und ich. Bei Rough Trade haben wir dann noch zwei Studioalben und ein Live-Album veröffentlicht.

Im Jahre 1999 wurde das eben von Dir erwähnte, erste Live-Album der Band veröffentlicht. Dies war zugleich auch die letzte Aktion der RAINBIRDS, denn danach löste sich die Gruppe auf. War das rückläufige Interesse der Fans der Grund für diesen Schritt oder hatte das andere Gründe?
KATHARINA: Unser Entschluss, RAINBIRDS zu beenden, wurde in erster Linie durch den Eindruck gefördert, dass wir dabei waren, uns müde zu tingeln, dass wir merkten, ohne Promopower und Radioeinsätzen würden wir auch keine guten Festivalpositionen besetzen können. Dazu kamen noch ganz individuelle Veränderungen bei Ulrike, Tim und mir. Es war ein sehr mutiger Schritt, diese kleine, schlagkräftige und wunderbar eingespielte Truppe aufzulösen.

Du hast vor und während Deiner Zeit mit den RAINBIRDS schon andere Dinge in Sachen Musik gemacht, zum Beispiel hast Du bei STEIN mitgewirkt. Deine erste Soloplatte hast Du 1997 veröffentlicht. "Hunger" heißt sie. Was hat Dich dazu bewegt, als Solistin zu arbeiten und Platten zu veröffentlichen? Zeichnete sich da schon ein eventuelles Ende der RAINBIRDS ab, so dass Du mit diesem Schritt Vorsorge getroffen hast?
KATHARINA: Nein, nein, mein Leben und meine Karriere ist nicht von vorne bis hinten durchgeplant. Ich mache zwar gerne Pläne, aber ich reagiere auch immer auf das, was sich ergibt. Ich initiiere viel, lasse mich auch gerne mal mitreißen. Das ist auch das, was ich an diesem Beruf liebe. Man fängt mit einer Ahnung von einer Idee an, geht weiter immer der Nase nach, daraus ergeben sich viele Möglichkeiten und man entscheidet sich für eine und landet vielleicht wieder ganz woanders.

Dem Album "Hunger" folgten weitere drei Solo-Alben, wovon "First Take Second Skin" mein persönlicher Favorit ist. Wie hast Du diese Zeit, also die knapp 10 Jahre, in denen Du als Solistin aktiv warst, erlebt? Konntest Du die RAINBIRDS irgendwann abschütteln oder hat man Dich immer wieder damit in Verbindung gebracht?
KATHARINA: "Zeitlupenkino" (2002) war ein wichtiges Album für mich in dieser Hinsicht. Mit "First Take Second Skin" habe ich das erste Mal erlebt, wie schwer es ist, einen vernünftigen Plattendeal zu bekommen. Mit "On The Verge Of An Autobiography" war ich dann drauf gefasst. 100% selbständig habe ich mich nach der Realisation meines dritten Hörstücks "Nazaré - nicht die Stadt, die Frau" für den Bayerischen Rundfunk (2007) gefühlt.015 20140622 1157892799 Das Schreiben daran war eine unglaubliche Erfahrung für mich und ich wusste von vornherein, dass ich für diese nicht ganz erfundene Biografie eines portugiesischen Dienstmädchens, die maßgeblich für das Gelingen der Portugiesischen Nelkenrevolution verantwortlich war, den Musiker Nuno Rebelo haben wollte. Er hat den perfekten Soundtrack, sozusagen in real time, zu meiner Sprechstimme komponiert. Wir sind damit auch einmal in Berlin während der Hörspieltage und mit einer portugiesischen Textfassung in Portugal live aufgetreten.

Ein weiterer, sehr interessanter Punkt in Deiner Karriere war Dein Mitwirken beim CLUB DER TOTEN DICHTER von 2010 bis 2012. Ich weiß von Maxs Repke, dass er sich Sänger vorher immer gründlich aussucht und dann von sich aus an sie heran tritt. Wie war das bei Dir? Wann kam der Anruf von Maxs und wie bist Du letztlich zum CLUB gekommen?
KATHARINA: Ich war gerade in Portugal angekommen, März 2010, wollte dort ein paar Wochen abschalten. Aber das Mobiltelefon war noch an und ich ging dran. Ich stand am Meer, schaute auf den Atlantik und jemand sagte: "Hallo, ich bin Maxs vom Club der toten Dichter, willst Du unser Rainer Maria Rilke sein?" Na ja, so hätte er es sagen können, aber so ist es dann gekommen. Wir haben ein schönes Album aufgenommen und 75 Konzerte gespielt. Es war eine wunderbare Zeit.

Das dürften spannende zwei Jahre gewesen sein. Was hast Du aus dieser Zeit mitgenommen? An was wirst Du Dich noch nach Jahren gern zurück erinnern?
KATHARINA: An unseren Auftritt in Haldensleben. Es war der erste Auftritt bei dem das Publikum mitgesungen hat, unfassbar musikalisch und hingebungsvoll und wir hatten überhaupt nicht damit gerechnet,016 20140622 2020736839 es auch in keiner Weise herausgefordert. Danach wollten wir das immer wieder erleben und es ist uns auch immer wieder gelungen, das Publikum derart zu begeistern. Ein Hoch auf die Haldenslebener/innen!

Welche Musik hört Katharina Franck selbst gern und was war die letzte CD, die Du Dir gekauft hast?
KATHARINA: Ich höre nach wie vor fast alles gerne. Zuletzt habe ich mir das Album von SOHN gekauft, aber auch die neuen Alben von ST. VINCENT, THE NOTWIST und JUDITH HOLOFERNES. Live hatte ich zuletzt Spaß bei CHILLY GONZALES, BASKERY und den MASTER MUSICIANS OF JAJOUKA. Der letzte Song, der mich so richtig umgehauen hat, ist von FRANK OCEAN. Dessen komplettes Channel Orange-Album ist großartig, aber "Bad Religion" ist zum Niederknien schön.

Damit wollen wir das Interview beenden. Ich wünsche Dir und der Band viel Erfolg mit dem Album und den Live-Auftritten. Möchtest Du abschließend noch ein paar Worte an die Leser richten?
KATHARINA: Ja, da sage ich doch nach all den vielen Fragen und Antworten nur kurz und knapp: Liebe Leute, kauft das neue Album und kommt in die Konzerte. Wir legen uns richtig ins Zeug und hätten gerne Publikum. Bis bald!


Interview: Christian Reder
Bearbeitung: mb, cr
Fotos: Universal, Jana Groß, Pressematerial (Katja Kuhl, Uwe Friedrich)
 
 
 
 

   
   
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