000 20140307 1512367948



Am 18. März wird Dieter Birr, der von seinen Freunden, Fans und Kollegen nur 'Maschine' genannt wird, 70 Jahre alt. Seit über 40 Jahren steht er auf den Bühnen des Landes und rockt mit seinen Kollegen von den PUHDYS die Häuser, Hallen und Plätze. Auf dem Album "Das Buch" hat 'Maschine' vor 30 Jahren von der Rockerrente gesungen, die damals noch in weiter Ferne lag und heute leider greifbar nah liegt. Vor einigen Tagen hatten die PUHDYS nämlich das Ende ihrer Band für das Jahr 2015 angekündigt. Bis dahin ist es aber noch weit hin, immerhin zwei Jahre können die Fans noch mit ihren PUHDYS rocken. Und pünktlich zu 'Maschines' runden Geburtstag erscheinen sowohl ein Solo-Album, als auch eine Biographie.001 20140307 2082867949 "Maschine" heißt das zweite Solo-Album des PUHDYS-Frontmannes und er hat sowohl an den Instrumenten, als auch am Mikrophon zahlreiche Gastmusiker mit im Studio gehabt. Das Ergebnis der Studioarbeit ist ab dem 14. März auf CD und Schallplatte erhältlich. Wir hatten vorab die Gelegenheit, in sein Album hinein zu hören und mit dem Musiker über all die aktuellen Ereignisse und Vorhaben zu plaudern. Wir trafen auf einen aufgeschlossenen Musiker, der gespannt auf die Veröffentlichung seines Werkes wartet und uns Einblicke in seine Zukunftsplanungen gab ...
 

 

Nur noch wenige Tage, dann erscheint Dein zweites Soloalbum "Maschine". Du bist ja nun ein alter Hase in dem Geschäft. Bist Du trotzdem noch aufgeregt, vor so einer Albumveröffentlichung, schon allein, weil es ein Soloalbum ist?
Natürlich ist man aufgeregt. Man ist gespannt - sagen wir es mal so - was alles passiert. Das ist aber ganz normal. Ich bin nicht so abgebrüht, nur weil ich schon so lange Musik mache. Das hat damit nichts zu tun. Man ist viel mehr neugierig darauf, wie die Leute auf die Musik reagieren und wie sich die CD verkaufen wird. Wenn einem das alles am Arsch vorbei gehen würde, müsste man keine Platte mehr machen.

Viele der Lieder auf Deinem Album sind ja nicht neu und wurden von den PUHDYS bereits aufgenommen. Wie lange hast Du an dem Album "Maschine" gearbeitet, bis es fertig aufgenommen war?
Das ist ein Prozess von der Idee bis zum fertigen Album. Als erstes ist da die Idee, welche Lieder man mit auf das Album nimmt. Das habe ich allerdings nicht alleine entschieden. Ich habe die Lieder vorgeschlagen, die Entscheidung fiel aber zusammen mit Ingo Politz, der auch mein Album produziert hat. Die nächste Überlegung war, in welcher Tonart wir die Lieder aufnehmen wollen. Sie sollen ja anders klingen, als die Versionen auf den PUHDYS-Alben. Ich singe sie jetzt etwas tiefer und entspannter. Der nächste Schritt war, dass wir von den Liedern, für die wir uns entschieden haben, jeweils ein Demo angefertigt haben.002 20140307 1806472214 Ich habe dann zur Gitarre die Lieder live gesungen. Wir haben anschließend eine ganze Weile probiert und rumgebastelt, wie die Arrangements der Lieder aussehen könnten. So entstanden die Lieder, ganz unkompliziert. Es stand vorher nicht fest, in welchem Arrangement die einzelnen Lieder gemacht werden würden. Wir haben uns da ein Stück weit auch überraschen lassen, denn ich habe auf dem Album auch einige Gäste, die noch eigene Ideen mitgebracht haben.

Wie lange seid Ihr jetzt insgesamt im Studio gewesen, bis die Aufnahmen im Kasten waren?
Das kann ich so genau gar nicht mehr sagen, aber reine Arbeitszeit werden das schon zwei Monate gewesen sein.

Du sprichst es ja schon an: Im Studio hattest Du ein paar Gastmusiker dabei. Alles namhafte Kollegen aus anderen Kapellen. Nach welchen Kriterien ist die Studioband entstanden? Hast Du gerufen, "Ich mache ein Soloalbum" und alle sind gekommen, oder wie habt Ihr zusammengefunden?
Ja, so ähnlich kann man sich das schon vorstellen. Ich habe gemerkt, dass sie das auch sehr gerne machen, z. B. Uwe Hassbecker (Silly), der von Ingo Politz angesprochen wurde. Die beiden sind befreundet und Ingo hat ihn gefragt. Er meinte, es sei ihm eine Ehre, dabei mitzumachen. Darüber habe ich mich tierisch gefreut, dass er die Sache mit einer großen Leidenschaft mitgemacht hat. Er hat bei den Aufnahmen auch ganz viele Ideen mit eingebracht. Dazu kommt, dass die Art, wie er Gitarre spielt, einen großen Teil der Songs ganz schön prägt. Maxs Repke hat sich z. B. von selbst angeboten und gefragt, ob er ein paar Sachen beisteuern kann. Ich hab sofort gesagt, "Na klar, komm vorbei!" Ich wusste ja, dass er ein Gitarrist ist, der so völlig anders spielt, als man das von einem Gitarristen erwarten würde.003 20140307 1640638901 Ich wusste auch gar nicht, dass er so gut spielt, denn eigentlich spielt er ja Bass. Wir hatten uns bei der letzten Ost Rock-Tour, bei der auch ROCKHAUS mitgespielt hat, mit den PUHDYS vor dem Auftritt in der Garderobe eingesungen. Da kam Maxs dazu und sagte, "Mensch, das finde ich toll, dass Ihr Euch zusammen einsingt und Euch nach einer so langen Karriere noch gemeinsam auf ein Konzert vorbereitet." Da hat er die Gitarre in die Hand genommen und einfach was gespielt. Da war ich schwer beeindruckt. Dass er das so toll macht, wusste ich bis dahin nicht. Außerdem war ich überrascht, dass Maxs alle Songs so gut drauf hatte. Er hatte vorher wohl ordentlich geübt, denn er kam richtig gut vorbereitet ins Studio und hat seine Sachen da gespielt.

Wie kann man sich den Aufnahmeprozess vorstellen? Habt Ihr die Songs live eingespielt oder Instrument für Instrument nacheinander?
Nein, das ist alles einzeln gemacht worden. Ich hatte ja gerade schon erzählt, dass ich damit angefangen habe, die Lieder mit Gitarre einzuspielen. Es wurden also Demos mit einer provisorisch gespielten Gitarre und meinem Gesang aufgenommen. Nur um zu hören, wie dieses Lied nur zur Gitarre gespielt klingt. Ist es die richtige Tonart? Ist es das richtige Tempo? Danach habe ich die erste Gitarrenspur, also die Grundgitarre, ins Reine gespielt und zwar so, dass der Gesang nicht mit auf der Spur ist. Anschließend habe ich den Bass eingespielt. Dazu lief erst mal nur ein Drumcomputer oder ein Klick, je nachdem, was sich gerade angeboten hat, denn Du musst ja ein Tempo haben. Danach wurde das Schlagzeug in einem anderen Studio aufgenommen. Das wurde übrigens live von Felix Lehrmann eingespielt. Felix ist ein super Drummer, der sich die Lieder meistens nur einmal angehört hat, sofort die Abläufe drauf hatte und seinen Part in einer erstklassigen Qualität eingetrommelt hat. Da gab es nichts zu bemängeln. Es wurden meistens nur zwei oder drei Aufnahmen gemacht, weil man an der einen oder anderen Stelle noch etwas ausprobiert hat, aber ansonsten ist das so höchst professionell gewesen, dass es nichts zu meckern gab. Teilweise war zu diesem Zeitpunkt der Solo-Gesang schon fertig, teilweise haben wir den aber auch erst hinterher aufgenommen. Das kam immer so, wie man gerade Lust hatte. Bei fast allen Songs habe ich auch - wie schon erwähnt - den Bass gespielt.004 20140307 1020871470 Nur bei zwei Liedern, da hat Bimbo (Peter Rasym, Anm. d. Verf.) den Bass gespielt. Außerdem gibt es zwei Lieder, bei denen Marcus Gorstein Klavier gespielt hat. Der hat von uns die alten Originalaufnahmen der Songs bekommen. Beim "Lied für Generationen" ist gar kein Klavier zu hören. Da sind ja nur Gitarre, Akkordeon und zum Schluss ein paar Streicher zum Einsatz gekommen. Wir haben Marcus die Songs geschickt und ihn gebeten, dass er sich etwas einfallen lassen und dazu Klavier spielen soll. Das hat er auch gemacht und uns seine Aufnahme dann rüber geschickt. Er meinte, dass er das noch zwei oder drei Beats langsamer machen würde. Das haben wir auch gemacht und den Song insgesamt noch einen Ton tiefer angelegt. Da es ja kein natürliches Klavier, sondern ein Keyboard war, mit dem er seinen Part eingespielt hatte, konnte man das auch problemlos auf eine andere Tonart runter stimmen. So entstanden die Lieder Stück für Stück. Es gab da bei uns keine Regeln, wie man ein Lied produziert.

Die Platte ist ja bei Valicon entstanden. Woher kennst Du Ingo Politz und warst Du vorher schon mal in den Studios?
Ja, wir haben für die PUHDYS-CD "20 Hits aus 30 Jahren" damals ein paar Songs dort neu aufgenommen. Aber ich kannte Ingo schon lange vorher. Er hat vorher ja auch in verschiedenen Bands gespielt, z. B. bei Schöbel und bei der Gruppe DATZU. Außerdem hatten wir auch schon eine Zusammenarbeit im Studio. Burkhard Lasch hatte bei sich im Studio mal was für Dunja Rajter gemacht und uns gefragt, ob wir nicht ein paar Lieder beisteuern können. Das haben wir auch gemacht. Sie hat u. a. auch "An den Ufern der Nacht" gecovert. Ingo hatte die Sachen damals aufgenommen und gemixt. Auch den Hit "Rescue Me" von BELL BOOK + CANDLE hat er produziert. Man ist sich also immer wieder mal über den Weg gelaufen. Ich habe ihn damals einfach gefragt, ob wir nicht auch beim Album "20 Hits aus 30 Jahren" zusammen arbeiten wollen. Ich halte ihn für einen sehr fähigen Mann, der einen guten Zeitgeschmack hat.

005 20140307 1499914953Du hast nicht nur bei der Produktion Deines Albums, sondern auch, was die Fanarbeit betrifft, einen frischen und zeitgemäßen Weg gewählt. Über Facebook hast Du Deine Fans nämlich von Anfang an über Dein Soloprojekt informiert. Es sind viele Bilder zu sehen, auf denen Du mit Gastmusikern abgebildet bist. Unter anderem war auch Dirk Michaelis dabei, dessen Beteiligung an Deiner CD ich aber irgendwie jetzt vermisse...
Dirk hat bei einem meiner Lieder die Chöre gesungen. Hast Du die Platte denn schon?

Ja, allerdings nur die Promo.
Da ist der Titel gar nicht drauf. Der war zu dem Zeitpunkt, als die Promo gepresst wurde, noch gar nicht fertig. Auf der Promo sind die noch nicht gemasterten Versionen enthalten. Da fehlen auch noch ein paar Instrumente. Dirk ist auf dem Album jedenfalls als Background-Sänger mit drauf. Das ging unheimlich schnell, denn Dirk hat innerhalb von zehn Minuten den kompletten Chor eingesungen und zwar mehrere Stimmen. Außerdem spielt Dirk die Maultrommel beim Song "Geh zu ihr".

Für Dich ein sehr besonderer Gast, so hast Du es mir in meiner Radiosendung erzählt, ist Wolfgang Niedecken. Wie genau kam es eigentlich zu dieser Kooperation zwischen Dir und dem BAP-Frontmann? Kanntet Ihr Euch vorher schon?
Ja, klar! Wir haben ja eine gemeinsame Geschichte. Du kennst ja bestimmt die Sache, dass wir damals für BAP eingesprungen sind, als sie ihren Auftritt bei "Rock für den Frieden" abgesagt haben ...

006 20140307 1619637074Ja, die Geschichte kenne ich. Gab es denn damals schon einen direkten Kontakt zwischen Euch?
Nein, zu dem Zeitpunkt, wo BAP damals aus der DDR abgereist sind, hatten wir keinen Kontakt. Kurz davor bei einer rund-Sendung hatten wir uns zwar schon einmal gesehen, hatten aber keinen Kontakt. Wir haben nur "Guten Tag" gesagt und ein bisschen Smalltalk gehalten, mehr war da aber nicht. In Berlin hatten wir uns nicht gesehen, ich weiß auch gar nicht, ob die überhaupt im Palast der Republik waren ...

Ich glaube, die Band war im Hotel angekommen und es gab eine PK. Dann ging ja alles ganz schnell und sie waren wieder weg ...
Stimmt, eine Pressekonferenz gab es wohl. Jedenfalls sind BAP bekanntermaßen abgereist und dann hat man uns gefragt, ob wir für sie spielen würden. Wir wurden übrigens nicht als einzige Band gefragt, sondern alle anderen bekannten DDR-Bands wurden auch gefragt. Alle angefragten Gruppen wollten auch spielen, aber wir waren mit unserer Antwort schneller. Eigentlich sollten drei oder vier Bands an dem Abend spielen. Am Ende hat man dann aber entschieden, dass wir alleine spielen sollen. Man meinte wohl, dass wir es am besten schaffen würden, diese Veranstaltung zu retten. Am Anfang waren die Leute im Palast der Republik ziemlich enttäuscht, es gab sogar ein paar Buh-Rufe. Aber man muss sich das mal vorstellen: Auf BAP haben die Menschen gewartet. Teilweise haben sie nachts angestanden, um überhaupt Karten zu kriegen. Die Leute waren alle schon im Saal und plötzlich hieß es dann, "BAP spielen nicht!" und dann kommen wir da raus. Da war die Enttäuschung natürlich erst mal groß. Wir haben die Leute nach dem dritten Titel aber gehabt und es war letzten Endes eine gigantische Mugge. Wir waren vorher natürlich aufgeregt und haben uns gesagt, "Wenn die uns auspfeifen, ist das nicht schlimm.". Schließlich treten wir anstelle einer Westband auf und wir konnten ja nichts dafür, dass die abgereist sind. Wir waren uns sicher, dass die nicht uns meinten mit den Pfiffen und Buh-Rufen, sondern eher die DDR. Wir haben an dem Tag wie immer alles gegeben, und die Leute letztlich damit auch überzeugt. Das war gigantisch.

007 20140307 2090591686Das ging ja alles ziemlich fix damals. Die Band BAP reist kurz vor dem Konzert ab und der Hauptact des Tages ist plötzlich weg. Kurze Zeit später steht Ihr dann mit voller Ausrüstung auf der Bühne und spielt ...
Wie gesagt, es wurden mehrere Bands gefragt, ob sie für BAP einspringen würden. Das waren alle Bands, die sowieso für "Rock für den Frieden" eingeplant waren und alle waren auch bereit, zu spielen.

Und wann haben Wolfgang Niedecken und Du Euch letztlich persönlich kennengelernt?
Persönlich haben wir uns 2004 bei der Sendung "50 Jahre Rock'n'Roll" von Thomas Gottschalk kennengelernt. Da haben sowohl BAP, als auch wir mitgemacht. Und da haben wir uns auch richtig lange unterhalten. Etwas später kam Wolfgang dann noch mal nach Berlin, um im Palast der Republik, der sich da schon im Abriss befand, zu drehen. Es wurde dort ein Film über BAP gedreht und in diesem Film waren wir auch mit drin. Wir haben da einen Song gespielt. Egal, wann wir uns getroffen haben, wir haben uns immer sehr gut verstanden. Das hat er auch in seinem Blog geschrieben und in meinem Buch steht auch etwas darüber. Zuletzt habe ich die ganze Sache mit seinem Schlaganfall verfolgt. Es gab da eine Sendung im Fernsehen, die heißt "Titel, Thesen, Temperamente" und in der gab es einen längeren Beitrag über Wolfgang Niedecken. Über diesen Beitrag habe ich erst mal mitbekommen, dass er ein Soloalbum gemacht hat, das auch ältere Titel seiner Band BAP beinhaltet, die er neu arrangiert hat. Außerdem hat er ein Buch geschrieben und er war schwer krank. Viel schwerer, als ich mit meiner Borreliose. Die war zwar auch nicht so leicht, aber ein Schlaganfall ist ja schon fast an der Schwelle des Todes. So stellte ich fest, dass unsere Schicksale ein bisschen ähnlich sind. Und durch die Geschichte damals im "Palast der Republik" dachte ich, dass er beim Song "Leben ist kurz" mitsingen könnte. Darum habe ich Kontakt mit seiner Managerin aufgenommen und sie sagte mir, dass sie ihn fragen würde. Dann ist erst mal eine ganze Weile nichts passiert. Ich hatte fast schon nicht mehr daran gedacht, da rief mich seine Managerin an und sagte, "Wolfgang steht gerade neben mir und ich reiche den Hörer mal weiter." Wir haben uns dann etwas unterhalten und ich habe ihn dann gefragt, ob er "Leben ist kurz" mit mir zusammen singen würde. In einem Statement hat er hinterher über das Telefonat und meine Anfrage gesagt, "Mir war von vornherein klar, wenn der Song halbwegs OK ist, dann mache ich das" (lacht). Wir haben ihm das Lied geschickt und er fand es offenbar gut und sagte mir dann auch zu. Wir haben angeboten, dass wir nach Köln kommen, um es aufzunehmen, aber Wolfgang wollte unbedingt nach Berlin kommen. Er wollte unbedingt auch die Atmosphäre in dem Studio schnuppern, in dem das Album entsteht.

008 20140307 1383508583Und mit "Was wussten wir denn schon" gibt es noch einen zweiten Song mit seiner Beteiligung ...
Genau. Wir waren mit der Nummer "Leben ist kurz" im Studio fertig. Zufälligerweise hatte ich da ein neues Lied liegen, das ich geschrieben hatte und für das der Text noch nicht fertig war. Der Text war nichts besonderes, passte aber ganz gut zur Musik. Ich fragte Wolfgang, ob er nicht einen Refrain dazu beisteuern kann, denn ich bin damit irgendwie nicht weitergekommen. Wolfgang sagte, "Gib es mir einfach mal mit." Er flog dann wieder zurück nach Hause. Abends habe ich ihn dann angerufen und gefragt, "Kannst Du nicht einen ganz neuen Text drauf machen? Meine Idee gefällt mir dann doch nicht so gut." Er hatte zu diesem Zeitpunkt nicht viel Zeit, denn er steckte mitten in den Vorbereitungen zu seiner Tour. Nach einer Weile rief er mich an und meinte, "Ich habe da eine Idee: Ich schreibe einfach einen Text über uns beide." In meinen Gedanken hatte ich auch so eine Idee, dass man in dem Text unsere gemeinsame Vergangenheit beleuchten könnte. Wir haben uns am Telefon gegenseitig motiviert und ich habe aus Spaß gesagt, dass er mich in einer halben Stunde zurückrufen soll und dass der Text dann fertig sein muss (lacht). Am nächsten Tag rief er mich mittags an und hatte den Text fertig. So ist es dazu gekommen. Ich sagte ihm dann, "Jetzt musst Du aber noch mal nach Berlin kommen und den Song mitsingen" und dann ist er auch tatsächlich noch mal nach Berlin gekommen und hat den Song mit mir zusammen aufgenommen. Das war einen Tag vor Silvester im letzten Jahr.

Toni Krahl ist auch mit von der Partie. "Lebenszeit" singt er mit Dir zusammen. Stimmt es, dass diese Zusammenarbeit schon beim CITY-Jubiläum vor zwei Jahren beschlossen wurde. Ist das richtig?
Nein, das stimmt nicht. Beim Konzert von CITY haben wir den gemeinsamen Titel "Zu spät", der auch auf dem CITY-Album drauf ist, live vorgetragen und mit "Lebenszeit" auch einen PUHDYS-Titel gespielt, aber Tonis Beteiligung an meinem Solo-Album wurde später verabredet. Im letzten Jahr haben CITY und wir mit den PUHDYS ein Konzert in Waren gespielt. Abends haben wir alle noch zusammen gesessen und waren gut drauf. Toni meinte, "Ich will unbedingt auf Deinem Solo-Album mitspielen". Ein paar Tage später fiel mir das wieder ein und ich habe ihn angerufen: "Toni, hast Du das ernst gemeint?" - man muss dazu sagen, dass wir an dem Abend auch ein bisschen was getrunken haben - und Toni antwortete, "Na klar, hab ich das ernst gemeint!" Ich habe dann überlegt und bin zu dem Entschluss gekommen, dass Toni und ich die "Lebenszeit" gemeinsam aufnehmen sollten.

009 20140307 1123037974Und dann haben wir noch Julia Neigel, die mit Dir den Song "Regen" singt, der auch schon als Single veröffentlicht wurde. Wie haben Julia und Du Euch kennengelernt?
Auch das kam über Ingo Politz zustande. Ingo wird höchstwahrscheinlich das neue Album von Julia Neigel produzieren. Wir hatten überlegt, das Lied "Regen" mit einer Sängerin neu aufzunehmen. Diese Sängerin sollte möglichst auch rockig singen. So kamen wir auf sie und Ingo hat bei Julia angefragt. Er hat ihr den Titel vorgespielt und sie fand ihn gut. Auch sie ist dann nach Berlin gekommen und wir haben den Song gemeinsam aufgenommen. Das ging ganz unkompliziert.

Kannten Wolfgang und Julia vorher Songs der PUHDYS?
Das weiß ich gar nicht. Das habe ich sie auch nicht gefragt. Ich denke aber schon, dass sie den einen oder anderen Song von uns gehört haben.

Wärst Du enttäuscht, wenn ich sagen würde: Mir gefällt das Original von "Regen" auf der PUHDYS-LP "Alles hat seine Zeit" besser als die neue Version?
Nein, das ist doch trotzdem ein Kompliment für mich. Ich habe das Lied geschrieben, es betextet und habe es außerdem produziert. Damals habe ich es für Quaster geschrieben und der Titel hat mir immer sehr gut gefallen. Es war sogar einer meiner Lieblingssongs, darum habe ich ihn auch für das neue Album ausgewählt. Es wird aber sicher auch viele Leute geben, die jetzt die neue Version besser finden werden. Ich möchte aber auch dazu sagen, dass ich mit meinen neu produzierten Liedern nicht in Konkurrenz mit den PUHDYS gehe.010 20140307 1923659386 Das wäre ja totaler Blödsinn, denn ich würde dann in Konkurrenz mit mir selbst treten. Es macht mir einfach nur Spaß, ein Lied noch einmal neu aufzunehmen. Es gibt ja viele Coverversionen von allen möglichen Liedern. Das bedeutet ja nichts anderes, als dass Musiker gerne Lieder spielen, die sie von anderen kennen, die sie mögen und sie neu bearbeiten möchten. Einfach, weil es Spaß macht ...

Ich frage deshalb, weil es sicher Leute geben wird, die genau diese Gedanken haben, nämlich dass die Originale eben Originale sind, die man eigentlich nicht besser machen kann. Warst Du Dir dessen bewusst gewesen, als Du die Platte aufgenommen hast?
Darüber habe ich überhaupt nicht nachgedacht. Wenn man immer alle Eventualitäten in seine Überlegungen mit einbeziehen würde, dürfte man ja im Leben gar nichts mehr machen. Es wird immer Leute geben, denen Deine Sachen nicht gefallen. Selbst bei Nummer-Eins-Hits in den Charts gibt es Leute, die es zum Kotzen finden. Ich bin z. B. ein absoluter Rolling Stones-Fan, es gibt aber ganz viele Leute, die überhaupt nicht auf die Stones stehen. Das ist völlig normal. Schon allein von der Musikrichtung her ... Es gibt Leute, die stehen mehr auf Rock, andere stehen mehr auf Soul. Der eine steht auf SADE, der andere mag SILBERMOND. Man muss sich doch nicht einbilden, dass ganz Deutschland auf eine Art von Musik steht. Es ist immer nur ein ganz kleiner Teil der Bevölkerung, der überhaupt Anteil nimmt. Wenn man überlegt, wie viele Menschen in Deutschland leben ... Wenn Du gut bist, verkaufst Du 500.000 Platten - wenn Du Glück hast, 1.000.000, wie Grönemeyer oder UNHEILIG. Aber das sind ja schon Ausnahmen. Da kann man doch überhaupt schon zufrieden sein, wenn Leute sagen, "Das finde ich toll und spannend!"

011 20140307 1084763689Warum ist es kein Album geworden, auf dem neue Lieder in der Überzahl sind und nur ein oder zwei alte Songs dazwischen? Fehlte es an Material ...?
Nein, es ist die Idee gewesen, einfach noch mal zurück zu blicken. Die Lieder sind eigentlich gegessen gewesen, wie z. B. "Regen". Das wäre nie wieder an die Öffentlichkeit gekommen, denn es war keine Single. Es war ein Song auf dem Album "Alles hat seine Zeit". Es ist ein schönes Lied, ist aber in der Versenkung verschwunden. Dazu kam, dass wir ihn mit den PUHDYS zuletzt gar nicht mehr live gespielt haben. Den haben wir sowieso nie so gut hinbekommen. Der Gedanke zu dem Album war, Lieder, die sehr textbezogen sind, noch einmal neu zu interpretieren und den Gesang in den Vordergrund zu stellen. Außerdem sollten die Stücke auch sparsamer instrumentiert werden, also nicht so bombastisch produziert, sondern relativ schlicht.

Ich kann mir ebenfalls vorstellen, dass es Leute gibt, die sagen werden, "Maschine hat das Album nur wegen der großen Namen seiner Gäste gemacht und spekuliert ausschließlich auf einen Charterfolg!" Was würdest Du diesen Menschen antworten?
Er könnte ja auch sagen, ich mache es nur wegen dem Geld. Ich kann da eigentlich gar nicht viel zu sagen. Als wir angefangen haben, stand noch gar nicht fest, wer alles dabei mitmachen würde. Das kam alles erst im weiteren Verlauf. Die Idee war, dass ich ein Soloalbum mache. Mehr war da nicht. So eine Aussage wäre Blödsinn. Genau das gleiche, als würde Dir jemand unterstellen, Du würdest das nur machen, um irgendwelche berühmten Musiker kennenzulernen. Es ist reine Leidenschaft ...

Also, Du bist komplett mit Dir im Reinen?!
Ja, ich bin komplett mit mir im Reinen. Ich sagte ja vorhin schon: Wenn ich mir vorher darüber Gedanken machen würde, was andere Leute denken und woran sie rumnörgeln könnten, dann dürfte ich nichts mehr machen.

012 20140307 1003341604Du wirst dieses Album mit einem Konzert am 25. März in Berlin dem Publikum live vorstellen. Auch die Gäste werden dabei sein. Ist die Live-Band bei dem Konzert identisch mit der Studioband?
Ja, die Musiker, die mit mir im Studio waren, werden auch auf der Bühne stehen. Mit Ausnahme des Bassisten, denn bis auf zwei Lieder, die Bimbo eingespielt hat, habe ich den Bass selbst gespielt. Diese Position wird Christian Liebig von KARAT beim Konzert übernehmen.

Was wird den Konzertbesucher erwarten, wenn er Dich bei der Mugge besuchen kommt. Hast Du etwas besonderes geplant?
Das Besondere ist schon mal, dass die ganzen Gäste dabei sind. Eine weitere Besonderheit wird sein, dass wir die gesamte Platte spielen werden. Das ist auch die Idee eines Record Release Konzerts, dass die ganze Platte vorgestellt wird und dass auf alte Gassenhauer von den PUHDYS, wie z. B. "Alt wie ein Baum" oder die "Eisbärn", verzichtet wird.

Nicht zu vergessen, dass dieses Konzert etwas Einmaliges und Exklusives ist ...
Ja, genau! Das ist eine exklusive Sache. Wir hatten ganz schön zu tun, einen gemeinsamen Termin zu finden, an dem auch alle Zeit haben. Der einzige Termin in naher Zukunft überhaupt war der 25. März. Es ist auch der einzige freie Tag, an dem auch Wolfgang Niedecken kann, denn er ist derzeit ja mit seiner eigenen Tour unterwegs. Ich habe nebenbei ja auch noch die PUHDYS, da muss ich auch noch spielen (lacht).

Und dann kommt auch noch Dein Buch. Das kommt sogar noch vor der CD raus. Kannst Du den Lesern kurz erzählen, wie dieses Buch entstanden ist? Geschrieben hast Du es ja meines Wissens nicht selbst, oder?
Stimmt. Der Verlag hat mich gefragt, ob sie nicht zu meinem runden Geburtstag ein Buch veröffentlichen könnten. Ich habe gesagt, "Na klar. Hauptsache, ich muss es nicht selbst schreiben!" Zum Schreiben hat sich dann Wolfgang Martin gefunden. Wir haben mehrere Tage zusammen gesessen und ich habe ihm seine Fragen beantwortet. Daraus ist das Buch entstanden.

013 20140307 1113336850Wieviel Zeit muss man investieren, wenn jemand wie Du, mit so einer langen Karriere und vielen Erlebnissen, ein solches Buch schreiben möchte? Wann war der Spatenstich und wann wurde das Dach drauf gesetzt?
Der Spatenstich war - ich glaube - im August oder September 2013. Ganz genau weiß ich das nicht mehr. Da fanden jedenfalls die ersten Gespräche statt. Das ging ziemlich hastig.

Also noch nicht einmal ein Jahr ...
Ne, überhaupt nicht. Wir haben auch sehr spät damit angefangen. Wolfgang Martin musste auch erstmal noch recherchieren und sich ein Konzept erstellen, wie und worüber er schreiben will. Wir haben vier oder fünf Tage bei mir zu Hause verkrochen und Sitzungen abgehalten. In dieser Zeit haben wir gemeinsam an dem Buch gearbeitet. Ich habe ihm dann alles erzählt. Zwischendurch sind wir auch mal schön essen gegangen, danach haben wir weitergemacht.

Ich hatte es eingangs ja schon erwähnt, dass "Maschine" Dein zweites Solo-Album ist. Dein erstes heißt "Intim" und Du hast es bereits 1986 aufgenommen. Wie kam es damals eigentlich dazu, dass Du Dich von den PUHDYS losgelöst und was Eigenes gemacht hast?
"Losgelöst" hört sich nicht so gut an. Man will irgendwann auch mal mit anderen Musikern spielen. Das war der Grund. Und wenn man überlegt, dass viele Menschen fremdgehen und sich scheiden lassen, ist es ja gar nicht so schlimm, wenn man einmal musikalisch fremd geht, weil man einfach mal probieren will, wie es ist, mit anderen Musikern zu spielen (lacht). Ich hatte auch Ideen entwickelt, die gar nicht zu den PUHDYS gepasst hätten. Das war auch noch ein Grund.

Das war auch eine ganz andere Zeit und die Créme de la créme des Ostrock war mit Dir im Studio. Wie sind die Musiker damals zusammen gekommen? Ähnlich, wie beim jetzigen Projekt?
Die habe ich damals alle gefragt, ob sie mitmachen wollen. Ich hatte bei mir zu Hause ein eigenes Studio. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Ed Swillms mit seinen Keyboards hier ankam.016 20140307 1887779557 Wir haben uns erst mal gemütlich hingesetzt und meine Frau hat ihm ein paar Eier in der Pfanne gebraten, weil er einen Riesenappetit auf Eier hatte - das weiß ich noch ganz genau (lacht). Das lief ganz entspannt ab. Ich habe ihm zuerst etwas vorgespielt und dann haben wir daraus etwas entwickelt. Ed hat bei "Siebenschläfer" und bei "Und sie trinken ihr Bier" mitgespielt. So was macht eine ganze Menge Spaß.

Ja, und Bernd Römer konntest Du ja über den Gartenzaun fragen. Ihr habt's ja nicht weit zueinander ...
Genau, Bernd ist ja mein Nachbar.

Dann gab es Anfang der 90er noch ein anderes Projekt, das nichts mit den PUHDYS zu tun hatte, nämlich die Band MASCHINE & MÄNNER. Warum ist daraus nichts geworden, außer ein paar Studioaufnahmen, die es nicht auf Platte geschafft haben?
Das war kurz nach der Wende und nur ein Projekt. Wir hatten '89 mit den PUHDYS aufgehört, Klaus und ich wollten weiter Musik machen. Wir haben uns dann eine Band zusammengestellt und ganz schnell ein paar neue Lieder geschrieben. Einige davon sind dann später auf den nächsten PUHDYS-Alben veröffentlicht worden. Aus einem dieser Lieder ist "Hey, wir wolln die Eisbärn sehn" entstanden. Die Gitarren-Phrase von den "Eisbärn" stammt aus einem Lied, das wir damals schon mit MASCHINE & MÄNNER gespielt, aber nie produziert haben.

015 20140307 2088851440Wie hieß der Song?
Ich glaube, der hieß "Unsichtbare Augen". Darin ging es um den Geheimdienst.

Das Album "Intim" ist schon fast 28 Jahre alt. Hat es Dich danach eigentlich nie wieder gejuckt, neben den PUHDYS noch etwas Solistisches auf die Beine zu stellen?
Nein, eigentlich nicht. Ich hatte in den Jahren auch mit den PUHDYS immer genug zu tun. Ich war mir auch bewusst, dass es heute mit einem Solo-Album viel schwerer werden würde. Zu Ostzeiten musste man doch nicht viel machen. Du musstest Dich nicht um Promotion oder Marketing kümmern. Da war es so, dass Dein Album veröffentlicht und in den Laden gestellt wurde und die Leute haben es gekauft. Heute ist eine andere Zeit und das Angebot viel größer. Mir war davor überhaupt nicht klar, was da alles dran hängt. Ich bin da auch ziemlich naiv rangegangen, als Ingo Politz sagte, "Komm, lass uns das beide mal machen!" Meine Frau macht für das Soloprojekt das ganze Management. Da hat sie bis jetzt 1.500 Mails empfangen und beantwortet. Nur für das Soloprojekt! Da sind zwar auch kurze Unterhaltungen bei, wie z. B. Terminabsprachen, aber da gibt es noch so viel mehr zu erledigen. Meine Frau hat dadurch jetzt einen Fulltime-Job (lacht). Sie sitzt nur noch am Computer, macht die ganzen Pläne, schreibt Mails und telefoniert. Was ich vorher wusste, war, dass wenn ich ein Soloalbum mache, dass ich das auch unter die Leute bringen will. Und dafür muss man eine ganze Menge tun. Was ich aber nicht wusste war, was da alles dran hängt. Das war mir so gar nicht bewusst und das hätte ich alleine nie geschafft. Neben meiner Frau als Organisatorin gibt es noch Kai Suttner, der das ganze Booking für mich macht, alle Aufgaben eines Tourmanagers inne hat und mir auch sonst viel Arbeit abnimmt, z.B. was die Internet-Sachen betrifft. In meiner Talkshow, mit der wir deutschlandweit auftreten, hat er dazu noch die Talkmaster-Funktion übernommen. Weitere wichtige Personen sind Jörg Koshorst von der Plattenfirma "Heart Of Berlin", der sich ganz rührig um mich kümmert und das Konzert am 25. März organisiert hat, sowie Simone Utleb vom Verlag "neues leben", die die ganze Promo-Arbeit für mein Buch macht. Vom Verlag sei auch noch Jana König erwähnt, die Lektorin, die sich da ganz doll ins Zeug gelegt hat und sogar an Wochenenden gearbeitet hat, damit das Buch fertig wird. Nicht zu vergessen ist der Fotograf Bert Kubik, der uns über 1.000 Fotos aus allen Jahrzehnten der PUHDYS zur Verfügung gestellt hat und auch neue Promofotos gemacht hat. Ich hätte nie gedacht, dass ein Soloprojekt so viele Aufgaben mit sich bringt und ich bin den Leuten, die mich hier unterstützen, sehr dankbar.

014 20140307 1164905070Ich hatte ja im Vorfeld zu unserer Radiosendung und diesem Interview ein paar Mal mit Deiner Frau Sylvia zu tun, ich finde, dass sie das ganz entspannt und locker macht.
Ja, das stimmt. Sie ist mir auch eine sehr große Hilfe. Genau zum Erscheinungsdatum meines Albums, also am 14. März, bin ich beim WDR in der Sendung "Kölner Treff" zu Gast. Dafür werden auch Vorgespräche geführt und da rief gestern hier einer an und fragte, wann wir uns mal unterhalten könnten. Ich hab' ihm gesagt, er möge meine Frau anrufen, weil sie die ganzen Termine koordiniert. Auch um so was kümmert sie sich.

Du sprichst es an: Passend zum Album gibt es auch einen Album-Trailer, einen sogenannten EPK (Electronic Press Kit) ...
Ja, das war auch sehr schön. Da haben wir einen ganzen Tag lang gedreht. Die ganze Band und die Gäste waren mit dabei: Julia Neigel, Toni Krahl, Wolfgang Niedecken ... Es ist ein Video zum Song "Regen" entstanden. Das ist im Studio entstanden. Dafür sind dann alle wieder nach Berlin gekommen.

Es ist unübersehbar: Du hast einen vollen Terminkalender in diesem Jahr. Neben Deinem 70. Geburtstag, der CD und dem Buch gibt's auch den 45. Bandgeburtstag der PUHDYS. Die haben zuletzt die Auflösung für das Jahr 2015 angekündigt. Es liegen also noch zwei Jahre vor uns und Ihr werdet Euch sicher noch bei vielen Konzerten von den Fans verabschieden. Ist auch ein richtiges Abschiedskonzert geplant?
Du, das weiß ich noch nicht. Ich bin ja mehr dafür, dass man es ruhig ausklingen lässt und gar nicht erst bekannt gibt, ob es das letzte Konzert ist oder ob noch eins kommt. Das letzte Konzert wird sicher richtig schwer sein, denke ich.

Es wäre aber auch noch mal eine Gelegenheit, die beiden Ehemaligen, also Harry und Gunther ran zu holen und mit ihnen zusammen ein oder zwei Songs zu spielen ...
Das wäre durchaus möglich. Eine Abschiedstournee ist ok, aber an ein Abschiedskonzert will ich jetzt und heute noch nicht denken ... Dann endet ein ziemlich großer Abschnitt in meinem Leben, auch im Leben meiner Kollegen. Und dieser Abschnitt ist dann von einem Moment auf den anderen vorbei.

Es gab schon andere, die gesagt haben, sie hören auf. Bettina Wegner z. B. Sie nimmt sich aber die Freiheit, zu bestimmten Anlässen noch mal aufzutreten. So was ist doch theoretisch immer mal möglich, oder? Ich denke da an die Festungen der PUHDYS, den Hutberg oder Freiberg ...
Letzten Endes ist so was alles möglich. Ich finde es aber gut, dass wenn man sagt, man hört auf, man noch eine gewisse Zeit vor sich hat. Es ist doch schön, wenn man selber bestimmt, wann man aufhört, als dass die Leute sagen, "Jetzt reicht's aber" oder wenn man selbst nicht mehr so richtig kann und dann gar nichts mehr vom Leben hat. Es heißt ja auch, man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Aber das ist auch immer leichter gesagt, als getan. Leicht fallen wird es nicht. Das ist mir schon bewusst. Und dass auch schon die größten und glaubwürdigsten Leute nach ihrem Rücktritt gesagt haben, "Wir spielen noch mal", ist ein Zeichen dafür, dass die Leidenschaft nicht vergeht.

Auch wenn man diesen Zeitpunkt jetzt noch verdrängt, denkt man doch sicher schon drüber nach. Könntest Du Dir derzeit vorstellen, die Gitarre an den Nagel zu hängen und stattdessen Rosen zu züchten?
Nein, man hört doch deshalb nicht mit der Musik auf. Man wird doch weiter mit der Musik zu tun haben. Man kann neue Musik für andere schreiben. Ich z. B. möchte auch solo noch weitermachen. Aber man hat nach diesem Tag, wenn die Band aufgelöst ist, keine Verpflichtungen mehr. Ich entscheide dann selber, "Gehe ich morgen ins Studio?" oder "Muss ich heute zur Mugge gehen?". Ich werde dann irgendwann vielleicht eine kleine Tour machen, wenn alle beteiligten Leute - so wie jetzt - Zeit haben, so 10 bis 14 Tage unterwegs sein und dabei Spaß haben. Entweder in kleinen Clubs oder in großen Hallen.018 20140307 1634798896 Je nachdem, wie groß die Nachfrage ist und wie gut sich die Platte verkauft. Das sind ja alles Faktoren, die ich jetzt ja noch gar nicht weiß.

Aber Du planst nach den PUHDYS, als Solist weiter zu arbeiten?
Ja.

Dann können sich die Fans ja freuen und das Ende der Band dann doch etwas positiver aufnehmen ...
Ja, ich bleibe ihnen erhalten.

Bevor Du mich wegen meiner ständigen Nachfragerei mit Markus Lanz verwechselst, beschließen wir das Interview doch an dieser Stelle mal. Letzte Frage: Was wünschst Du Dir für beide Veröffentlichungen?
Ich wünsche mir eigentlich nur, dass ich selber mit mir zufrieden bin und den Verhältnissen entsprechend erfolgreich bin. Ich erwarte jetzt nicht, die Nummer Eins zu werden. Das wäre schön, wird vermutlich aber nicht passieren. Wenn ich aber in die Top 20 mit meinem Album kommen könnte, wäre das für mich eine große Sache. Das würde ja bedeuten, dass eine ganze Menge Leute mein Album gekauft haben und das auch gut finden. Wenn nicht, kann ich auch gut damit leben. Ich bin leidenschaftlicher Musiker und ich möchte leidenschaftlich gerne Erfolg haben. Es wäre auch Quatsch, wenn es nicht so wäre. Das ist letzten Endes auch die Antriebsfeder. Musik zu machen, die einem selber gefällt und damit Erfolg zu haben. Das ist die einzige Motivation, die man hat. Geld und alles andere sind Nebeneffekte, die sehr schön, aber nicht der Hauptantrieb sind. Man muss zwar Geld verdienen, um sich ernähren zu können, aber es ist nicht so, dass es mich belasten würde, wenn das Album nicht hoch in die Charts kommt. Natürlich wäre ich am ersten und zweiten Tag sehr traurig, wenn es ein Flop werden würde - was ich aber nicht hoffe und auch nicht glaube und die Anzeichen sehen ja gut aus - aber das ist nicht mein Herzschrittmacher. Das ist für mich Spaß. Ich könnte genauso gut Bootfahren, Fotografieren oder sonst was machen. Es muss in erster Linie Spaß machen. Ob mein Album nun erfolgreich wird oder nicht, ist nicht wichtig, denn ich werde trotzdem weiter Musik machen und versuchen, neue Songs und Texte zu schreiben.

Ich wünsche Dir mit der CD und dem Buch maximale Erfolge!
Vielen Dank! 
 
 
Interview: Christian Reder
Bearbeitung: mb, cr
Fotos: Bert Kubik, Ben Wolf, André Kowalski, Bernd Lammel, Archiv Dieter Birr, Deutsche Mugge, Heart Of Berlin

 

 

   
   
© Deutsche Mugge (2007 - 2022)

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.