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Der CLUB DER TOTEN DICHTER geht im Frühjahr 2013 in seine vierte Runde. Es gibt die sehr lebendige Begegnung mit Friedrich Schiller, mit seinen Texten und Gedichten, und der zeitgenössischen Vertonung eben dieser durch den "Club". Erstmals in vier "Ausgaben" hat sich das Line Up nur wenig verändert. Katharina Franck ist mit Abschluss des Rilke-Programms wieder zu ihrer eigenen Musik zurückgekehrt, und für eben schon erwähnte Begegnung mit Friedrich Schiller ist Dirk Darmstädter dazu gekommen. Die Instrumentalisten incl. Bandchef und Ideengeber Maxs Repke sind geblieben. Mit dem Erscheinen dieses Interviews, wird auch die neue CD "Freude schöner Götterfunken" in den Läden stehen und die Neugier der Fans, die schon seit Wochen von den neuen Liedern und dem "neuen Dichter" wissen, wird befriedigt werden. Wir haben es uns auch nicht nehmen lassen, uns in einem Interview mit Maxs Repke Antworten auf Fragen geben zu lassen, die Euch und uns interessieren...



001 20130426 1489603276Ich hatte bei dem Rilke-Projekt den Eindruck, dass man CD und Live-Auftritte wie zwei - wenn auch nicht gänzlich - verschiedene "Produkte" empfinden kann. Wird dies bei dem Schiller-Projekt auch so werden?
CD und Live-Erlebnis ergänzen sich einander. Wenn ich beschließe, dass ich etwas mit Schillertexten mache, dann mache ich das erst einmal für mich ganz allein. Und das mache ich dann monatelang alleine. Sowas kann ja auch mal schief gehen oder mir fällt nichts ein. Das war bisher zum Glück nicht so. Da schieße ich einen Pfeil los. Und dieser Pfeil fliegt jetzt immer noch. Er wird erst landen, wenn wir das letzte Konzert gespielt haben. Und alles andere, was da noch hinzukommt, das sind auch kleine Pfeile. Die den Bogen, von dem der Pfeil ausgeht, unterstützen, ihn zu einem Riesenregenbogen machen. Der Pfeil, der jetzt fliegt, fliegt ja schon seit über zwei Jahren. Und in diesem Bogen sehe ich alles, was das Projekt umfasst inklusive der CD. Wir richten uns dabei nach nichts. Man könnte ja auch sagen, dieser oder jener Song habe einen gewissen Touch, den müssen wir nur etwas chicer machen, dann könnte man den auch auf RTL Sachsen spielen oder so. Danach richten wir uns nicht aus. Natürlich sind wir froh, wenn die Radiosender uns spielen. Radio 1 nimmt das "Liebesbündnis schöner Seelen" nächste Woche in ihr Programm auf. Darüber freuen wir uns. Andere Sender haben auch schon etwas daraus gespielt. Nächste Woche passiert also viel. Das gehört alles zu diesem Bogen, aber der Bogen steht für sich. Ich spüre den Bogen einfach am längsten von allen Beteiligten. Auch als erster. Und wenn ich mir aber vorher zum Beispiel schon Gedanken über eine Setliste für die Live-Auftritte mache, kommt unser Schlagzeuger und schlägt mir vor, das doch lieber bei den Proben zu machen. Weil eben auch die Live-Auftritte nicht mit der Reihenfolge der Titel auf der CD identisch sein muss. Ich sagte ihm: "Ja, du hast recht - aber ich sehe ja auch, dass du dieses Projekt schon von Anfang an denkst."
Günter Kunert hat das schon einmal sehr schön beschrieben in einem Werk "Die Nachricht des Hotelzimmers an den Gast". Da schreibt er über den Egoismus, den ein Künstler haben muss. Er denkt erst einmal nur: "Ich Ich Ich." Und ich finde, da hat er recht. Denn mir selber muss das, was ich mache, zuallererst gefallen. Alles andere ist erst einmal egal. Und ich hinterfrage mich ja auch selber: Was macht mir Spaß, was finde ich schön, was berührt mich. Und so gesehen gebe ich Dir recht. Denn es erwächst daraus zum Glück tatsächlich die Möglichkeit verschiedener Erlebnisse, verschiedener Berührungen mit dem, was wir machen. Wenn jemand die CD gehört hat und dann zu einem Live-Konzert geht, erlebt er sicherlich zwei verschiedene Ereignisse. Und das wird auch bei unserem Schiller-Projekt so sein.

cd 20130426 2072354301Ja, die CD hatte auch noch mal eine ganz andere Wirkung, nachdem man das Programm live gesehen hat. Gut, das mag auch damit zusammenhängen, dass Du dabei auch Geschichten zu den Liedern erzählst, die einem dann erinnerlich sind. Das ist ja sicherlich bei anderen musikalischen Projekten anderer zum Teil auch so. Aber beim CLUB DER TOTEN DICHTER fand ich es immer noch ganz besonders. Ich nenne es mal "Wachstum". Nicht das merkelianische Wachstum meine ich, sondern ein emotionales Wachstum. Das sich langsam und allmählich Verbinden mit dem Projekt.
Ich weiß, was Du meinst. Ich bin sehr froh darüber, dass die Leute das so mitgehen. Auch deswegen habe ich heute mal so für mich beschlossen, dass ich künftig mit dem Thema Newsletter etwas anders umgehen werde als bisher. Ich werde mich künftig zweimal im Jahr persönlich melden. Man kriegt ja viel E-Mails mit der Aufforderung "Kauft mal meine CD" oder Ähnliches. Da merke ich bei mir selber, dass mir das nicht wirklich gefällt, wenn ich so etwas ständig kriege. Es berührt mich einfach nicht. Und da habe ich heute etwas geschrieben, wobei mir eingefallen ist, das ist jetzt 8 Jahre her, seit ich mit den Dichtern angefangen habe. Und eine Freundin von mir sagte mir neulich: "Weißt du eigentlich, was du für ein tolles Publikum hast? Ich habe mich mal während Eures Konzerts umgedreht, die lächeln alle." Und da schloss sich für mich der Bogen wieder. Und ich habe dann geschrieben: "Ich hoffe, dass wir uns bald wieder live sehen und dass wir dann lächeln." Ich kriege ja auch schöne Mails, worin beschrieben wird, wie leicht sich das anfühlte, dass es wie ein Schweben war und dass wir etwas Staub von den Dichtern wischten. Alles in diesem Bogen eingeschlossen. Ich merke so was wie das mit dem Staub ja auch. Ich bin ja auch durch die Schule geschädigt.

Ja, das lag vielleicht auch mitunter an den Aufgaben, die sich damit verbunden haben. Und manchmal waren das ja auch Dinge, die man gar nicht damit machen wollte. Weil man vielleicht sogar einen ganz anderen Zugang dazu hatte.
Reich-Ranicki hatte auch schon mal vorgeschlagen, dass man bei den großen Meistern doch erst einmal mit den kleineren Sachen anfangen sollte. Und so gibt es halt die Möglichkeit, diese Dichter - ob nun Heine, Busch, Rilke oder Schiller - neu zu entdecken, für sich neu zu finden. Mir ging es ja ganz genauso. Von Anfang an. Und ich hoffe, dass es den Menschen auch diesmal wieder so geht, dass es uns wieder so gelingt. Es ist ja jetzt gerade die Zeit, in welcher wir die Konzerte buchen.maxs 20130426 1805706789 Wir werden zum Glück nächstes Jahr auch wieder sehr viel im Westen spielen, in Köln, Hamburg und so. Und wir müssen ja auch dabei das Album etwas bewerben. Auch mit Interviews zum Beispiel in den Medien. Deren Interesse wächst immer mehr von Programm zu Programm. Und da hat mir das einer der Journalisten direkt gesagt: "Sie meinen es ja wirklich ernst, Herr Repke." Er habe erst gedacht, da finden sich halt ein paar Musiker, die etwas Geld verdienen wollen und daher erst mal schnell etwas von Heine vertont haben. Und dazu gibt's dann halt eine kleine Tour. Und jetzt ist es schon der vierte Dichter. Und es ist wirklich so. Ich meine das wirklich ernst. Ich denke an nichts anderes - 24 Stunden am Tag. Das ist jetzt natürlich übertrieben. Über solche Reaktionen freue ich mich. Es gibt da nicht diese Riesensprünge, die wir zu vermelden haben, so dass wir zum Beispiel sagen können: So, jetzt haben wir 100.000 Platten verkauft. Sondern es gibt diese schönen kleinen Schritte, die auch mit Arbeit verbunden sind. Und so ein Feedback macht den Tag sehr schön. Abgesehen von dem Frühling, der gerade gekommen ist.

Das spielt ja auch eine Rolle. Was mir beim Hören der CD aufgefallen ist war, dass Du Texte von Schiller verwendet hast, die zumindest ich nicht kannte.
Ich kannte die vorher auch nicht. Ich bin mal ganz ehrlich. Ich kenne doch auch nicht so viel. Ich bin doch auch nicht so ein Belesener. Das hat alles Vor- und Nachteile. Ich werde skeptisch bei Leuten, die zuviel erlesen haben. Sicher könnte man sich ja auch mit der Biographie der jeweiligen Dichter beschäftigen. So dass man vielleicht weiß, in welcher Situation er sich befand, als er dieses oder jenes Gedicht geschrieben hatte. Doch ich finde eher, das Werk soll doch lieber für sich selber sprechen. Ich will mir das lieber wie ein Kind zu Gemüte führen. Da ist vielleicht ein Bild, welches ein Maler malte und von dem man weiß, warum der Maler es so gemalt hat. Und das Kind sagt ganz einfach: "Schön bunt" - und weiß zum Beispiel überhaupt nicht, wer Picasso ist. Und diesen kindlichen Zugang möchte ich gerne beschützen bei mir selber. Natürlich weiß ich von Goethe und Schiller und Weimar und all die staubigen Sachen aus der Schule wie "Kabale und Liebe" oder "Die Glocke". Aber das einfach mal ganz unbeeinflusst zu lesen und dann fallen mir plötzlich Musiken ein. Das "Liebesbündnis schöner Seelen" ist eine Widmung an jemanden. Die hat er einfach so hingehaucht. Und ich habe mich auch sehr gefreut, etwas Kurzes zu finden. Schiller hat ja gerne ganz viele Strophen geschrieben.

003 20130426 1134088780Das war aber eine "Krankheit" dieser Zeit.
Sie konnten es aber auch. Wenn du zum Beispiel die "Ode an die Freude" liest: Da ist es ja nicht so, dass man an irgendeiner Stelle sagt, jetzt fällt es aber auseinander. Es ist alles da. Man könnte ja auch etwas weglassen. Aber nimm mal "Die Glocke". Da kann man nichts kürzen.

Na gut, das ist ja auch eine abgeschlossene Geschichte.
Genau wie "Der Handschuh". Den hätte man einfach so lassen müssen. Wie bei allen anderen Dichtern war ich auch bei Schiller sehr froh, dass ich etwas Kurzes gefunden habe. Abgesehen von den kleinen Büchern, die ich immer bei mir habe, kaufe ich mir von den jeweiligen Dichtern immer auch die Gesamtausgabe. Und dann lese ich alles ja auch immer ein zweites, drittes, viertes Mal von den 40, 50, die ich mir erst einmal heraussuche. Und da habe ich mich immer noch nicht mit Biographischem beschäftigt, weil ich mich davon auch nicht irritieren lassen will. Dann fallen mir noch andere Sachen auf, dann kommt noch etwas hinzu. Und wenn das dann fertig ist, dann fange ich auch an, über den Dichter zu lesen. Dirk Darmstaedter hat das auch gemacht. Er ist völlig begeistert von Schiller. Schiller hat exzessiv getrunken und Schnupftabak genommen und ganz viel Kaffee und Tee getrunken. Also er hat sehr ungesund gelebt. Es gibt ja auch die Anekdote von der Karlsschule, dass einmal der Schnupftabak alle war und Schiller hat dann, um seinen Nasennerv zu kitzeln, Staub geschnupft. Das ist alles schon recht heftig. Aber ich will das alles vorher nicht wissen. Vorher will ich mit den Gedichten alleine sein.

Wie kam es eigentlich überhaupt zur CLUB-Gründung?
Das basiert wie die Auswahl aller Dichter auf einem Zufall. Ich hatte Liebeskummer und ein Freund sagte zu mir damals: Weißt du, was ich in so einer Situation immer gemacht habe? Ich habe dann immer Heine gelesen. Der hatte schon zu seiner Zeit dieselben Probleme beschrieben. Ich habe mir dann ein Heine-Buch gekauft, habe es aufgeschlagen und zwar genau das Gedicht "Ich hab im Traum geweinet". Das hat mich sofort inspiriert und ich hab auch gleich einen Song daraus gemacht. Und genauso gehe ich heute mit den Texten auch um. Ich versuche, mir keinen Druck zu machen. Ich lese monatelang und sage mir: Lass dir Zeit. Manchmal steige ich beim ersten Mal auch gar nicht durch. Wenn ich das aufnehme, dann streite ich auch mitunter mit mir. Richtig heftig. Ich meine, den falschen Song aufgenommen zu haben oder ich müsste einen anderen Beruf wählen. Ich habe dann auch manchmal richtige körperliche Schmerzen. Aber dann, an irgendeinem Tag, geht ein Riesentor auf. Und ab dann weiß ich: Mir kann nichts mehr passieren. Dann geht es immer weiter und weiter. Ich schreib dann ungefähr so an die 30 Songs je Dichter.

004 20130426 135011611516 sind auf der CD.
23 werden wir live spielen.

Wie bist Du auf den Schiller gekommen?
Das sind ja immer Zufälle. Wilhelm Busch kam durch den Umzug meiner Schwester. Ich habe ihr geholfen, die Kartons auszupacken. Und da waren ganz viele Busch-Bücher dabei. Und sie erklärte mir das: "Mein Freund ist doch ein totaler Busch-Fan." Und da habe ich sie gefragt, ob ich ein paar mitnehmen kann. Bei Rilke war es meine liebe leider nun schon verstorbene Mutter, die zu mir sagte: Weißt du denn schon, welchen Dichter du als Nächsten machst? Ich wusste es noch nicht und sie meinte: Ich würde Rilke machen. Und als braver Sohn habe ich dann angefangen, Rilke zu lesen. Bei Schiller war das so, dass die Mutter meines Sohnes in Weimar war. Dort auf den Spuren Goethes wandelnd und mich anrief, um mir zu erzählen: "Heute waren wir am Frauenplan und in Goethes Gartenhaus." Also sie sprach immer von Goethe Goethe Goethe und sagte, sie hätte mir eine Karte geschrieben. Die Karte kam an und wer ist vorne drauf? Schiller. Und bei mir einen Ort weiter gibt es einen Schillerplatz und da steht eine Tafel mit der Inschrift "Alle Menschen werden Brüder" und ich dachte bei mir, schon wieder Schiller. Das war die Initialzündung, Schiller mal zu lesen. Das ist gut 2 Jahre her.

Der lange Weg, die lange Zeit scheint sich ja aber gelohnt zu haben.
Ja, das hat sich gelohnt. Auf jeden Fall.

Na, ich hatte mir auch gedacht, bei Schiller kann man nicht wirklich etwas falsch machen. Obschon er ja auch ein wenig polarisiert. Wenn du Goethe genommen hättest, der wäre eher beliebig gewesen vielleicht. Obwohl ich auch bei Goethe Sachen entdeckt habe, die sind schon Rock´n Roll.
Die sind sich ja erst aus dem Weg gegangen. Schiller ist ja als Autor der "Räuber" nach Weimar gekommen. Unter den damaligen Kommunikationsmitteln war er schon so etwas wie ein Star. Und Goethe hatte ihn gemieden. Schiller war ja im Sturm und Drang und Goethe hatte diese Zeit mit "Werther" ja schon hinter sich. Der war ja auch Staatsdiener und finanziell ganz anders aufgestellt und vollkommen organisiert. Dann kam bei ihm noch mal der Rock'n Roll, als er mit der Vulpius eine Affäre angefangen hatte. Da hat er sich wohl gedacht: Na, da geht ja noch was. Er hat ja auch etwas verloren. Er wurde schon ein bisschen dick. Er hatte den Schiller so gemieden, dass Schiller mal sarkastisch bemerkte: "Na, ob wir überhaupt jemals wieder zusammenkommen." Und dann entstand zwischen den beiden doch eine richtig feste Männerfreundschaft. Die war ja erst zu Ende, als Schiller tot war. Angeblich hatte Goethe dann ja noch eine ganze Zeit seinen Totenschädel aufbewahrt. Aber Goethe hat auch richtig gute Texte gemacht.

005 20130426 1228540556Ja, vieles ist ja auch Edelkitsch. Schiller ist ja auch nicht frei von Kitsch.
Na, das war damals eben einfach so. Heine hatte ja auch Herz und Schmerz gereimt. Also im Schlagerbereich wäre das heutzutage auch kein Problem, aber anderswo wirst du gesteinigt dafür. Aber es ist ja egal, was man dazu sagt. Mir geht es immer um den Moment, der mich berührt. Was mir so eine Leichtigkeit vermittelt. Es hätte ja auch "Freude schöner Götterfunken" auf der CD nicht gegeben, wenn mir nicht etwas eingefallen wäre, was mir persönlich gefallen hat. Es gibt bei den ca. 30 Songs ja auch immer einen, den ich ein bisschen schnell geschrieben habe, der ein bisschen zusammengepresst ist. Es ist aber so, dass die Kollegen das sofort hören. Die hören sich die Demos an und sagen dann, der ist toll, aber der gefällt mir nicht. Und damit treffen sie immer genau die.

Da hast Du doch ein schönes Bündnis mit Deinen Kollegen.
Das Schöne war auch, dass sich Dirk Darmstaedter - und das war bei allen bisherigen Sängern und Sängerinnen so - in kürzester Zeit entschieden hat und sofort den Bogen und die Energie gespürt hat, die da drin ist.

Wie seid Ihr eigentlich zusammengekommen?
Ich hatte ihn schon vorher etwas für mich erkoren und dachte, das könnte gut passen. Ich wusste nur nicht, ob das geht. Weil er ja auch so recht viel zu tun hat, mit Tapete Records und seinen eigenen Projekten. Da habe ich mir seine Telefonnummer besorgt und ihn angerufen und er sagte mir so mit seinem norddeutschen Akzent: "Schick mir mal die Demos." Und dann später rief er an und sagte: "Das gefällt mir. Ich möchte dich gerne mal kennenlernen." Darauf bin ich zu ihm gefahren und dort hatte er mich dann total ausgequetscht. Dann bekam ich gleich am nächsten Tag eine Mail: "Bin dabei, wie geht es weiter?" Mir gefallen solche schnellen Entscheidungen. Immerhin muss er ja für zwei Jahre seine eigenen Projekte herunterfahren.006 20130426 1700169844 Diese Entscheidungen sind schon durch die Berührungen des ersten Augenblicks unterfüttert. Die sind dann richtig echt. Sowas braucht der CLUB einfach. Und bisher war es immer so. Dirk Darmsteadter geht an dieses Projekt auch mit einer kindlichen Freude ran und ist ziemlich begeistert. Bei Schiller gibt es ja auch das Zitat, dass er, bevor er etwas schreibt, das immer musikalisch erfühlt. Das hat er mal an jemanden geschrieben. Das kann man sich richtig vorstellen. Er ist da Schnupftabak schnaufend durch die Bude gerannt und hat gestampft dabei. Es gab ja mal eine Pension, da kam der Wirt hoch, weil er dachte, Schiller hätte nach ihm geklopft. Also Schiller dichtete mit vollem körperlichen Einsatz. Er war ja auch hochgewachsen. Später hieß es von ihm, dass er ziemlich alt aussah. Er ist ja auch mit 46 Jahren gestorben. Aber er war eben auch eine Type. Und das hat Dirk zusätzlich noch einmal bereichert und inspiriert.

Die Besetzung hast Du ja belassen wie bei dem Rilke-Projekt. Das hattest Du ja bereits schon mal gesagt, während Ihr mit dem Rilke-Programm auf Tour wart. Das heißt, es stand schon recht früh fest.
Am Anfang hatte ich vor, Gastsänger und -sängerinnen einzuladen und auch die Band immer zu wechseln. Das war sicherlich erst einmal eine gute Idee, aber ich muss auch ganz ehrlich sagen, ich kenne nicht so viele Musiker. Und mit Andreas 'Spatz' Sperling wollte ich ohnehin schon lange mal arbeiten, er war schon bei Wilhelm Busch auf meiner Wunschliste. Ich kam auf ihn durch Keimzeit. Und als klar war, dass Keimzeit mal wieder eine Pause macht, habe ich ihn angerufen und gesagt: "Jetzt ist es soweit." Er hat sich gefreut wie ein Schneekönig. Nachdem wir Markus gefunden haben, war sofort spürbar, dass Bass und Schlagzeug sehr gut zuusammenpassen. Und während der Rilke-Tour hat Katharina Franck mal zu mir gesagt: "Sag mal, willst du wirklich die Band wechseln? Wie willst du denn so eine Besetzung noch einmal zusammenkriegen?" Ich habe geantwortet: "Du hast recht. Ich werde sie nicht wechseln." Ich habe sie alle einzeln gefragt, ob sie wieder mit dabei sein wollen. Sie haben alle sofort Ja gesagt. Beim Erstellen des Albums hat man auch gemerkt, wie sich das dann weiter entwickelt hat. Musikalisch geht es sehr toll miteinander. Aber eben auch menschlich. Das ist mir ganz wichtig.

007 20130426 1187198965Ihr müsst es ja auch lange aushalten miteinander.
Wir sitzen ganz viele Stunden manchmal zusammen im Tourbus. Man muss sich ja dabei nicht immer unterhalten, aber man muss sich miteinander wohlfühlen. Das ist auch bei den Technikern so. Die sind alle mit dem Herzen dabei. Und es hat ja auch keiner wirklich Bock auf irgendwelche Nervereien oder Kindergartenzeug. Das muss man nicht haben. Und die Leute merken es ja auch. Öfter kommt mal jemand an und sagt, dass man sieht, wieviel Spaß wir miteinander auf der Bühne haben.

Produziert hast Du die Platte mit Rainer Oleak zusammen.
Ja, das haben wir zusammen gemacht, waren aber beim Mischen woanders. Bei Peter Schmidt. Der sich als Mischer BlackPete nennt. Das war auch so ein Herzenswunsch von mir. Wir wären schon bei Rilke beinahe zusammengekommen. Ein sehr bekannter Mischer, teilweise für Songs von Peter Fox oder Selig. Ein sehr angesagter Typ. Aber das war nicht der Grund, weshalb ich mit ihm arbeiten wollte. Er hat zu 99% den Sound, den ich im Ohr hatte, einfach drauf, ohne dass wir darüber geredet haben. Er hat von Ole die Session bekommen und hat den Sound sofort erfasst. Er sagte: "Du weißt schon, dass ich darauf meinen Fingerabdruck hinterlasse?" Und ich sagte: "Darum geht es." Normalerweise habe ich ja immer beim Mischen daneben gesessen. Und diesmal war ich alles zusammen wohl nicht mal ganze drei Tage da. Das Gesamte hat er für mich total auf den Punkt gebracht. Das ist so eine Entwicklung, Du hast es ja Wachstum genannt, von so einem kreativen Wachstum, bei dem man einfach merkt, hier ist etwas passiert. Und bei Rainer Oleak hatten wir ja auch optimale Aufnahmebedingungen. Und mit der Band kannst du auch richtig was machen.
002 20130426 1186956879 Die spielt die Songs durch. Das war alles natürlich ein Aus-dem-Vollen-Schöpfen. Sowas muss nicht immer gut sein. Aber wenn es die richtigen Leute machen, verschöpft es sich auch nicht.

Und jetzt bereitet Ihr Euch bereits auf die Live-Tour vor.
Ab nächste Woche werden wir zu Hause bei mir proben, mal alle Songs einmal spielen. Es sind ja 23 Titel. Am Sonntag dann fahren wir nach Alt-Ruppin, wo wir im Kornspeicher auch die Premiere spielen werden. Da proben wir eine Woche. Das ist ein sehr schöner Ort, da kann man sich einfach wohlfühlen.

Geht Ihr dann auch noch mal kreativ an die Sachen ran?
Ja, klar. Wir wollen auch natürlich die Dramaturgie der Live-Fassungen der Titel erarbeiten. Und nach der Premiere geht es ja gleich weiter im Mai. Den Sommer lassen wir ja immer aus. Das Buchen läuft ja erst richtig an. Zur Zeit sind wir bei 40 Konzerten, werden aber sicherlich in die Richtung kommen wie bei Rilke. Da hatten wir dann 75.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch. Ich wünsche Euch viele offene Herzen!
Und ein lächelndes Publikum.

Und ein lächelndes Publikum.


Interview: Andreas Hähle
Bearbeitung: cr
Fotos: Club der toten Dichter, Archiv



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