Bodo Kommnick
"...es ist ein Traumjob, den ich hier mache!"

 

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Wenn man nach guten deutschen Gitarristen fragt, wird sein Name unweigerlich auch fallen: Bodo Kommnick. Sein Gitarrenspiel prägt seit nunmehr 25 Jahren den Sound der Gruppe LIFT. Als Produzent ist er zusammen mit dem am Anfang des Jahres verstorbenen Franz Bartzsch ein erfolgreiches Gespann gewesen. Viele Filmmusiken und Kompositionen für andere Künstler sind durch seiner Hände Arbeit entstanden. Bodo Kommnick ist aber nicht der laute Typ, sondern eher der stille Virtuose. Seine Wurzeln hat er – wie viele seiner Kollegen auch – in Schüler- und Amateurbands. Von dort wuchs er zum Profimusiker heran und bereicherte u.a. die Hardrock/Heavy Metal-Band „Formel 1“ mit seinem Können. Für Bodo haben sich durch den Tod seines kongenialen Partners Franz Bartzsch viele Veränderungen ergeben. Am 7.3. nahm er zusammen mit vielen Musikerkollegen mit einem Tribut-Konzert von Franz Abschied. Wie geht’s jetzt weiter? Bei LIFT feiert er in diesem Jahr sein 25. Jubiläum. Was gibt’s bei der Kultband in diesem Jahr? Möglicherweise sogar eine neue CD? Mit welchen anderen Projekten ist Bodo beschäftigt? In einem Gespräch klärte Christian viele offene Fragen...

 

 
Am Sonntag ist das Tributkonzert „Danke Franz!“ für Franz Bartzsch in Berlin über die Bühne gegangen. Wie war’s denn? Bitte erzähl uns, wie Du die Veranstaltung gesehen und empfunden hast.
Das war eine schöne und würdige Veranstaltung, ein letztes Abschiednehmen von Franz, für alle ein emotionaler Höhepunkt. Besonders natürlich für Anke Schenker, Franz’ Lebensgefährtin, mit der er die letzten fünf Jahre seines Lebens endlich wieder persönliches Glück gefunden hatte, und für seine Kinder. Auch für Franz' Freunde und berufliche Weggefährten, die dieses Konzert mitgestalteten, war es ein ergreifender Abend. Carmen Oleak und ich hatten die Ehre, seinen Song "Wind trägt alle Worte fort" zu singen, und ich für meinen Teil habe versucht, dies nur für ihn zu tun.
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Wir haben alle viel an Franz gedacht und über diesen lieben Menschen mit dem guten Herzen und dem Schalk im Nacken gequasselt. Sehr traurig und schön zugleich, die Erinnerungen an Franz. Es war toll, an diesem Abend noch einmal die vielen musikalischen Etappen von Franz live zu erleben.
Da muss man den Initiatoren noch mal Danke sagen, insbesondere Wolfgang „Schubi“ Schubert. Hochmotiviert hat er das alles super auf die Beine gestellt. Auch die Band hat großartige Arbeit geleistet, so viele Stücke von Franz einstudiert, das war eine Menge Arbeit! Franz hätte sich sicher sehr gefreut. Ich behaupte, er hat sich gefreut.

Du hast mit Franz schon seit Jahren eng zusammen gearbeitet, zuletzt an einer Filmmusik, richtig?
Stimmt! Wir haben seit etwa sieben Jahren zusammen gearbeitet, neben Musikproduktionen für verschiedene Künstler, haben wir auch an Hörspielen und natürlich hauptsächlich an Filmmusik gearbeitet. Wir waren ein eingespieltes und zusammengeschweißtes Team, haben uns bei der Arbeit und auch privat super verstanden. Haben uns im Arbeitsprozess auch mal aneinander gerieben, einander geschätzt und vertraut.

Du hattest mir kurz nach seinem Tod erzählt, dass Du an dem Tag, an dem er verstorben ist, auf ihn gewartet hast, weil Ihr gemeinsam arbeiten wolltet...
Ja das stimmt!

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Woran habt Ihr denn zuletzt gearbeitet?
Wir haben an der Musik zu einer Serie gearbeitet, die „Wie erziehe ich meine Eltern“ heißt. Das ist eine Produktion der Bavaria München für den MDR. Wir hatten bereits die Musik für neun von dreizehn Filmen fertig gestellt, als Franz starb. Ich hatte dann die schwierige Aufgabe, die Sache allein weiter zu machen und zum Abschluss zu bringen. Aber Franz sitzt irgendwie immer noch neben mir und gibt mir Ratschläge (lacht). Ich weiß ja genau, wie er – sozusagen - getickt hat und wie er diese oder jene Szene jetzt musikalisch umrahmt hätte. Ich muss sagen, es ist ein Traumjob, den ich hier mache.

Du sagtest, seit sieben Jahren gab es das Gespann Bartzsch/Kommnick. Wie kam es eigentlich dazu, dass Ihr Euch zusammengetan habt?
Wir haben uns Anfang der 90er bei einer kleinen und internen LIFT-Jubiläumsfeier in einem Berliner Restaurant kennen gelernt, bei der wir als Band auch ein Konzert gespielt haben. Zu dieser Feier waren ehemalige LIFT-Mitglieder, also auch Franz, eingeladen. Und da haben wir uns zum ersten Mal getroffen. Er kam gerade vom Klo und ich wollte gerade hin. Wir liefen uns also in die Arme, kamen so ins Gespräch und sind da kleben geblieben, wo wir standen. Irgendwann später rief er mich an und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, bei einer Lesung von Veronika Fischer und Gisela Steineckert mit ihm zusammen die musikalisch Begleitung zu machen. So kam dann eins zum anderen und man hat gemerkt, dass man gut zusammen passt.

Da muss ich an dieser Stelle mal nachhaken. Ihr habt vor etwa drei Jahren für KARAT die Single „Der letzte Countdown“ produziert.
Ja, richtig...

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Die Nummer erinnert stark an „To be with you“ von Mr. Big. War diese Ähnlichkeit so beabsichtigt oder meine ich nur, das da rauszuhören?
Wenn ich so überlege, hast Du Recht. Der Anfang des Refrains ist wirklich ähnlich. Aber in dem jeweiligen Kontext spielt dies keine Rolle. Auch harmonisch ist es ein völlig anderer Zusammenhang. Die Verse kommen im typischen Karat-Sound, und im Refrain hat Franz sich ausgelebt und die Kunst der Modulationen vorgeführt.
Wir haben nun mal nur 12 von diesen Tönen, und da kommt es weltweit öfter mal vor, dass zweien oder auch mehr Leuten das Gleiche einfällt. Wenn wir wüssten, wie viele Melodien gleich laufen, würden wir sehr staunen ;-)

Ich weiß noch von weiteren Produktionen - außer für KARAT- für Ute Freudenberg und Veronika Fischer… Für wen habt Ihr sonst noch gearbeitet?
Das war’s eigentlich schon, was unsere Zusammenarbeit in puncto Musikproduktionen für Bands oder Sänger angeht. Neben Karat waren es diese beiden Damen, für die wir gearbeitet haben. Ich habe allerdings auch ohne Franz für verschiedene Künstler an Alben- bzw. Singleproduktionen gearbeitet, wie z.B. Deine Lakaien, Letzte Instanz, Ivee Leon, Ray Wilson und Calaita. Ansonsten haben Franz und ich viel Musik für Hörspiele und Filme gemacht. Sowohl für Ute Freudenberg und Karat, als auch bei Hörspiel- und Filmproduktionen haben wir Ivonne Fechner oft ins Team integriert. Ivonne ist, wie ich, langjähriges Mitglied der Band Lift. Franz war von Ihrer Musikalität begeistert. Schon bevor Franz und ich uns kennenlernten, hat Ivonne für ihn Filmmusik eingespielt. Für Franz war nicht wichtig, wie berühmt Du bist, sondern wer Du bist und wie emotional Du Musik machen kannst. Somit war man auf Augenhöhe. Was dieses Team angeht, verweise ich gern auf den Satz von Ute im Booklet ihres 2004 erschienenen Weihnachtsalbums.

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Im letzten Jahr bist Du einer der Musiker gewesen, die beim „Gitarrenhunger“ aufgetreten sind. Welche Eindrücke hast Du sammeln können?
Für mich war erstmal wichtig, dass ich meine Fühler ausstrecken konnte. Und wie bei jeder Herausforderung hat man die Chance, sich weiter zu entwickeln, einmal anders an Dinge heranzugehen. Axel Philipp, der die Idee dazu hatte, hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, bei dem Projekt mitzumachen. Ich fand die Idee toll und sagte zu. Es macht mir einfach Spaß, mit anderen Musikern auf der Bühne zu stehen und mal was Neues auszuprobieren. Es sind alles tolle Gitarristen, die auf ganz unterschiedliche Weise zeigen, wer sie musikalisch sind. Und das nicht wie sonst, als Teil einer Band, sondern als Solisten. Ich glaube, das macht den Reiz dieses Projektes aus.

Dieses Konzept hat bei vielen Leuten Anklang gefunden und Leute aus anderen Regionen des Landes wünschen sich, dass so was bei ihnen vor der Haustür auch stattfinden würde. Wird es das noch einmal geben oder waren das in Berlin und Leipzig zwei einmalige Geschichten?
Nein, das ist für dieses Jahr, und ich hoffe auch später, wieder angedacht. Es kann sein, dass Simone Dake dies als Veranstalterin begleiten wird. Da gibt es schon ein paar Vorgespräche, und es stehen wohl auch für den Herbst schon ein paar Termine fest. Genaues kann man aber derzeit noch nicht sagen. Wir treffen uns sicherlich im April oder Mai und werden dann auch über Konzepte nochmals reden. Es würde mir Spaß machen, dafür Stücke zu komponieren, zu arrangieren und vielleicht auch eine CD-Produktion davon zu machen. Für die beiden vergangenen Gitarrenhunger-Konzerte, habe ich Ravels Bolero arrangiert.

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Als aktiver Musiker bist Du seit vielen Jahren bei LIFT. Diese Frage habe ich auch Werther Lohse im Interview letztes Jahr gestellt: Wird es von LIFT auch nochmal neue Töne geben oder pflegt Ihr die Vergangenheit und lasst neues Material außen vor?
Das ist ein Thema, zu dem Werther sicher schon einiges gesagt hat. Ich habe vor ein paar Jahren mal ein Konzept für ein neues Album entworfen… ich sage mal so: Das ist leider im Sande verlaufen.

Gehen wir doch einfach mal in der Zeit ein Stück zurück. Wie bist Du überhaupt zur Musik gekommen? Wann fing das bei Dir an?
Ich bin Sohn eines Musikers, und habe mit acht Jahren angefangen, Akkordeon zu spielen. Das habe ich in der Musikschule richtig gelernt. Später bin ich dann auf Gitarre, Klavier und Gesang umgestiegen. Wie es bei vielen anderen auch war, hab ich dann angefangen, in Schulbands und nebenberuflichen Musikgruppen zu spielen. Ich habe eine Lehre, und später meinen Fachschulabschluss in den Fächern Gesang und Gitarre gemacht. Irgendwann bin ich dann nach Berlin abgeworben worden...

Was war direkt nach Deinem Schulabschluss? Habe ich das richtig verstanden, dass Du einen „regulären“ Job erlernt hast?
Ja, richtig! Ich habe KfZ-Mechaniker gelernt.

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Deine musikalische Ausbildung lief immer nebenher?
Ja klar, ich habe seit meiner Kindheit die Musikschule in Neubrandenburg besucht, dort später auch meinen Fachschulabschluss gemacht und 1983 meine "Abschluß-Pappe", also meinen Berufsmusikerausweis :-), bekommen.

Das erste Mal namentlich erwähnt wurdest Du bei der Gruppe „Formel 1“. Vorherige Stationen habe ich von Dir keine gefunden. Was hast Du vor „Formel 1“ gemacht? Gab es da auch schon Bands?
Ja, da gab es diese nebenberuflichen Bands in Neubrandenburg wie z.B. „Porto“, die gibt’s heute auch noch, und vorher noch fünf oder sechs andere Bands. Man wanderte ständig von einer zur anderen, wurde immer abgeworben (lacht).

Wie kam es dazu, dass Du dann bei der Metal-Formation „Formel 1“ gelandet bist?
Ein Kumpel hat das vermittelt. Formel 1 suchten gerade einen Gitarristen und haben sich dann mal angehört, was ich so machte. So kamen wir zusammen. Ich hatte zu dieser Zeit gerade meinen Berufsausweis bekommen und bin dann, das war auch notwendig, mit Familie nach Berlin gezogen.

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Warum bist Du so schnell da wieder ausgestiegen? War der Metal, bzw. der Hardrock für Dich eine Spur zu heftig?
Nee, eigentlich gar nicht. Ich bin musikalisch offen in viele Richtungen. Leute, die mich kennen, wissen: Auch da bin ich zu Hause. Das war bei "Formel 1" nicht der Punkt. Es sind oft menschliche Dinge, die so eine Entscheidung nötig machen. Das war damals alles ein bisschen zu steif. Einige der Musiker hatten schon Ausreiseanträge gestellt, waren nur noch frustriert und hatten die Schnauze voll von der DDR. Das alles schlug sich auf die Stimmung innerhalb der Band nieder. Gitarrist Wolle Densky, mit dem ich gut befreundet war, war da die Ausnahme. Ein einfach guter Typ. Na jedenfalls fand ich das alles nicht so lustig und bin dann in eine andere Band eingestiegen. Die Band hieß „Caravan“. Sie war zwar nicht so bekannt, denn die Gruppe hat überwiegend nur gecovert, aber da ging’s lockerer zu und ich habe mich einfach wohler gefühlt.

Wie lange warst Du dort?
Zwei Jahre. Und dann kam auch schon LIFT.

Ja, genau... Wie kam’s eigentlich dazu, dass Du zu LIFT gewechselt bist?
Das hat Hans die Geige vermittelt. Hans kannte mich von Bands aus Neubrandenburg, hat mich ab und zu spielen und singen gehört und fand das gut, was ich gemacht habe. Als Werther Mitte der 80er die Band umstellen wollte, hat er mich empfohlen und mich so in die Band gebracht.

Du bist jetzt 25 Jahre dabei und hast in diesem Jahr praktisch dein 25. Dienst-Jubiläum...
Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht, aber Du könntest Recht haben (lacht)...

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Was waren für Dich die schönsten Momente bei LIFT in all den Jahren?
Au, das ist schwierig (überlegt lange). Ich sag’s mal anders'rum: Es gab zur Wendezeit und danach Momente, die waren weniger schön. Auch fiese Auseinandersetzungen. Kommt wohl in den besten Familien vor. Ich muss sagen, dass ich vieles eigentlich in guter Erinnerung habe. Oft, wenn wir auftreten, auch jetzt gerade wieder – wir waren in einem Rostocker und einem Magdeburger Club – freuen sich die Leute und gehen beseelt nach Hause, wenn sie Lift-Lieder gehört haben. Das sind schöne Momente! Bei der Gelegenheit: Danke den Autoren, die ja von öffentlichem Ruhm meist nix abkriegen.

Gab es noch andere Tiefpunkte, oder war die Zeit um die Wende herum das einzige, was einem nicht mehr aus dem Gedächtnis geht?
Das war eigentlich der einzige Tiefpunkt. Für mich kam dann aber auch einige Zeit später das Glück, dass ich Franz kennen gelernt habe. Und danach ging’s für mich dann auch wieder musikalisch weiter. Ich war wieder herausgefordert.

Das war ja ganz allgemein eine Zeit in der es deutsche Musiker – Ost wie West – schwer hatten, es sei denn man hieß Grönemeyer oder Maffay. Wie hast Du diese Zeit nach der Wende überbrückt und gemeistert?
Ich habe mit meiner damaligen Frau eine Kneipe eröffnet – wie sicher einige andere Kollegen auch (lacht).

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Wo denn?
In Berlin-Alt-Hohenschönhausen. Das war ein Pub und hieß „Das Unterhaus“. Gibt`s heute immer noch, aber ohne uns.

Und wann lief das mit LIFT wieder an? Wann war das für Dich spürbar?
Das war 1992/93 als wir zum ersten Mal nach der Wende wieder zusammen kamen. Werther sagte: „Henning Protzmann hätte auch Lust. Wir könnten doch ein bisschen proben?“ Wir haben uns bei mir auf dem Dachboden, oder auch bei Werther draußen oder bei Henning getroffen, und für uns erstmal ein bisschen rumprobiert. Irgendwann kam dann die Frage auf: „Wollen wir nicht wieder auftreten?“ Und so kam das langsam wieder in die Gänge...

Wie kann man sich das Arbeiten mit den anderen Musikern bei LIFT vorstellen? Gibt es spezielle Zuordnungen bei Euch oder wie läuft das ab?
Nein, spezielle Zuordnungen oder Aufgabenbereiche gibt es nicht. Das Booking macht Werther fast komplett allein. Das möchte er so und das hat sich auch bewährt. Technische Fragen werden durch mich abgeklärt. Bei kleineren Unplugged-Konzerten mache ich, zusätzlich zum Gitarrespielen und Singen, auch den Sound. Aber ansonsten ist es so, dass wir die Termine absprechen, fahren dann zum Konzert und das war’s (lacht).

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Also gibt’s da keine organisatorischen Dinge, die man zu klären hätte und die ein anderer außer Werther macht?
Nein, eigentlich nicht! Wie gesagt, er möchte das so. Wir haben auch alle hauptsächlich noch viele andere Sachen zu tun. Ich habe z.B. einige Projekte ins Leben gerufen, die mir sehr wichtig sind.

Da hake ich doch gleich mal nach: Du hast neben LIFT und der Produktion anderer Künstler also noch andere Dinge nebenbei!? Erzähl doch mal etwas mehr davon...
Das wichtigste Projekt ist „Seitenstrasse“ (www.seitenstrasse.com). Das mache ich mit Ivonne Fechner zusammen. Wir arrangieren, komponieren und nehmen Live-Streicher auf. In diesem Falle verstehen wir uns als Dienstleistungsunternehmen. Wer Streicher-Arrangements braucht, egal für welches Genre, ist bei uns richtig. Wir haben in den letzten Jahren viel gemacht, zuletzt z.B. für das neue Ich + Ich-Album, für Deine Lakaien, für Eisblume, für Ray Wilson, Silbermond, Natasha Thomas… auch Schlager, z.B. für Vanessa Neigert. Wir arbeiten u.a. für’s Hansa-Studio und für die Valicon-Produktionsfirma. Auch arrangieren wir Chöre und nehmen sie auf.

Da seid Ihr richtig in die Arrangements der Songs eingebunden?
Ja, für die Streicher- bzw. Orchestersachen. Darüber hinaus machen wir auch Gesangs-Coaching für junge Leute.

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Einer unserer Leser bat mich, Dich nach Deinem Stück „Rote Socken“ zu fragen. Was hat es damit auf sich? Kannst Du uns dazu vielleicht kurz etwas erzählen?
Das war ein Auftragsstück für das „Kurt Weill Fest“ im Jahre 2000 in Dessau. Es wurde damals nach einem Komponisten für ein modernes Musical gesucht, und man hat mich angesprochen. Ich habe dafür ca. 30 Stücke komponiert und arrangiert. Das hat wirklich Spaß gemacht. Das Libretto hat der Österreicher Michael Kordt geschrieben. Die Proben und Aufführungen des Musicals in den Theatern Bernburg und Wittenberg wurden von der Theater- und Jugendwerkstatt Sachsen-Anhalt betreut.

Wird das noch weiter aufgeführt?
Leider nicht.

Ist auch nicht geplant?
Nein. Es gab nochmal Anläufe dazu, aber es ist letztendlich nichts draus geworden, weil es unter den Machern auch politische Querelen gab… der eine wollte, der andere wollte es nicht… das war zu kompliziert. Man kann sich vorstellen, dass ein Österreicher, der in seinem Libretto erzählen wollte wie`s im Osten war, hier nicht nur mit offenen Armen empfangen wurde. Ich glaube, das waren einfach schlechte Vorzeichen. Das Ensemble selbst hatte einen Riesenspaß und zählte an die 50 Mitwirkende.

Einer unserer Kollegen hat beobachtet, dass Du beim Gitarrenhunger auch am Mikrofon zu hören und sehen warst. Da Du auch kompositorisch tätig bist: Gab es mal Ideen für eine Solokarriere?
Nein, bis jetzt noch nicht. Ich habe mit Ivonne Fechner zusammen neben LIFT und -seitenstrasse.com- noch ein anderes Projekt, „Blackbird“. Und da – ich sag mal - singen, probieren und toben wir uns musikalisch aus, zusammen mit unserem Kollegen Uwe Kolberg.

Gibt’s denn irgendwo etwas zu hören oder gar eine CD?
Noch nicht, aber wir wollen jetzt auch ein paar eigene Geschichten machen, wenn ich hier mit der Arbeit an der Filmmusik fertig bin. Mal schauen, wo das hingeht, wir haben einfach Lust, uns da auszuprobieren. Auch durch die Arbeit an dem Film bin ich inspiriert, musikalisch mal andere Dinge anzudenken. Einfach auch offener und freier zu sein. Es gibt noch ein weiteres Projekt, das heißt „DEsTojewski“, also ein Wortspiel. Dafür habe ich den Sänger Rainer Stefan Loose (Holly) angesprochen. Er ist übrigens auch Sänger bei der Band „Letzte Instanz“. Wir haben hier in meinem Studio schon viele Stücke für "DEsTojewski" aufgenommen. Ein Album ist fast fertig. Das Projekt ruht zwar im Moment, da Holly seinen ständigen Aufenthalt derzeit familiär gezwungenermaßen nach Istanbul verlegt hat. Aber es gibt eine Myspace-Seite, zu finden unter www.myspace.com/destojewski. Da kann man auch Musikausschnitte hören. Das ist deutsche Musik, die Texte dazu hat mein Bruder geschrieben, der in der Vergangenheit übrigens auch schon für LIFT einige Sachen gemacht hat.

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Als 2007 das erste Mal „Ostrock in Klassik“ durch die Lande gezogen ist, war nur Werther als „Solist“ auf der Bühne zu sehen. Warum ist nicht die komplette LIFT-Besetzung mit auf Tour gegangen? Andere Bands wie CITY, Puhdys, Karat und SILLY waren auch in voller Besetzung mit dabei...
Das weiß ich nicht. Wir haben das irgendwann erfahren, als schon alles feststand. Dafür hatten wir natürlich kein Verständnis, das muss man einfach mal so sagen, denn wenn LIFT-Songs gespielt werden, gehört auch die Band auf die Bühne. Das sagt viel aus über die Ignoranz derjenigen, die dies so entschieden haben. Man hat mich dann ja für die Band zur Begleitung der dort anwesenden Solisten eingekauft, so dass ich die LIFT-Songs letztendlich doch mitgespielt habe. Das war schon komisch...

War das Werthers Entscheidung oder wurde sie von den Machern der Ostrock in Klassik-Tour getroffen?
Ich weiß es nicht...

Also könnte man sagen, dass Werther der Chef ist und es bei Euch nicht so sonderlich demokratisch zugeht...
(lacht) Sagen wir es mal so: Sicher ist Werther der Chef der Band und er macht das ja auch schon jahrelang. Wenn wir in Entscheidungen eingebunden werden, beteiligen wir uns aktiv. Aber wenn wir von nix wissen…??? Wir alle haben Energien und eine Menge Potenzial. Ich bringe mich gern ein, wenn man mich fragt. Aber wenn ich nicht gefragt werde, dann kümmere ich mich um eigene Projekte.

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Kommen wir mal zu etwas anderem: Hast Du einen Überblick darüber, wie viele Songs Du in Deiner Karriere schon geschrieben hast?
Oh Gott! Da muss ich mal überlegen… Schätzungsweise 70-80? Allein bei den Filmmusiken habe ich derzeit ja einiges gemacht. Es kommt da eine ganze Menge zusammen.

Für wen hast Du schon alles geschrieben?
Für LIFT habe ich natürlich einige Sachen geschrieben, Musical und 'ne Menge Pop-Produktionen, in letzter Zeit viel für die DEsTojewski-Geschichte. Da konnte ich mich gut ausleben.

Mit wem würdest Du gerne mal zusammenarbeiten, egal ob als Produzent oder als Musiker auf der Bühne?
Da gibt es sicherlich viele. So was ergibt sich aber immer von selbst. Eine Zusammenarbeit mit Franz geht ja nun leider nicht mehr. Das war eigentlich ein Traumkandidat für ein gemeinsames Projekt auf der Bühne. Er war einer der talentiertesten Musiker überhaupt, der auch intuitiv an die Sachen rangegangen ist und nicht lange überlegt hat. Wir beide haben mal eine Mugge anlässlich einer Ausstellung gemacht….das war witzig und gut. Vielleicht mit Helge Schneider oder Olaf Schubert, das könnte knallen ;-))

Ein Leser hat eine Frage geschickt, die ich sehr lustig fand. Er meint sich zu erinnern, dass es auf der Geburtstagsfeier von Dirk Zöllner im Jahr 2004 gewesen sein muss. Da gab es wohl in Quadenschönfeld bei Katrin Lindner im Hotel-Garten eine Liederrunde am Lagerfeuer und Du hast Lift-Songs gespielt. Der Leser hat Dich dann noch gefragt wie es kommt, dass Du so viele Lieder von Lift spielen kannst, weil er Dich nicht erkannt hat. Erinnerst Du Dich an diese Begebenheit noch?
(lacht) Nein, eigentlich nicht! Das muss dann aber sehr früh morgens gewesen sein.

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Er hat dazu geschrieben, dass er sich noch sehr gut daran erinnert und sich wegen diesem Fettnapf noch heute schämt. Vielleicht kannst Du ihm ja auf diesem Wege die „Absolution“ erteilen ;-)
Ja, aber natürlich. Sowas ist für mich überhaupt kein Problem. Das macht gar nix, dass er mich nicht erkannt hat.

Als ernsthafter Musiker und Produzent hast Du sicher auch eine eigene Meinung zu den Casting-Shows im Fernsehen. Was hältst Du davon? Gibt es auch Vorteile dabei?
Wenn ich mir in einem speziellen Fall die Jury angucke, kommt mir nur das Kotzen (lacht). Auffallend ist, dass dort Leute drin sitzen, die selbst keine Künstler sondern nur Nutznießer sind, also mit der Bühne selbst nix zu tun haben. Was wollen denn die bitte über Qualität oder Gefühl einer Musik aussagen? Da gibt`s sicher auch bessere Ansätze von anderen Sendern. Aber man wundert sich schon, welche Kandidaten weiterkommen und welche gehen müssen. Ein peinliches "Live is Life" wird da z.B. besser bewertet, als 'ne geil dargebotene Soul Nummer von Justin Timberlake. Und ein Oberaffe, der diesen Song nicht kennt und damit nix anzufangen weiß, suggeriert den Leuten, sein persönliches Urteil wäre das Maß der Dinge. Überlegungen wie z.B. „Wie lässt sich derjenige verkaufen?“ oder „Wie formbar ist derjenige?“ sind ganz offensichtlich wichtiger als der musikalische Aspekt. Deshalb sind ja diese Gewinner auch so schnell wieder verschwunden. Eben weil`s keine Künstler sind. Ich hab beschlossen, da nicht mehr reinzuschauen. Man regt sich nur über Dreck auf. Unwichtig… Lieber ins Kino gehen und 'nen guten Film angucken.

Es gab vor der Wende zwei gängige Möglichkeiten, wie man als Musiker in den Profibereich kommen konnte. Im Westen hat man viel live gespielt, vornehmlich in Clubs, und hat seine Demos zu den Plattenfirmen verschickt oder sich entdecken lassen. Im Osten hat man ebenfalls viel live gespielt, hier hat man dann darauf gehofft, dass irgendwann der Rundfunk oder die AMIGA auf einen zu gekommen ist. Heute ist das alles nicht mehr so einfach und völlig durcheinander. Was würdest Du jungen Künstlern heute raten wie sie sich verhalten sollen?
Die sollen einfach die Internet-Plattformen nutzen, 005 20130307 2088417292die man heutzutage zur Verfügung hat. Man braucht erstmal niemand anderen, soll möglichst alles selbst in die Hand nehmen und sich selber finden. Dabei lernt man eine Menge. Irgendwann kommen diejenigen auf den Plan, die mit Emotionen in der Musik nichts zu tun haben, und geben große Ratschläge. Daran ist schon so manche Karriere zerbrochen, noch bevor sie richtig angefangen hat. Ratschläge sind wichtig, aber immer schön gucken, wer sie gibt. Junge Musiker sollen sich nicht aus dem Konzept bringen lassen, sondern ihr Ding einfach durchziehen.

Es gibt seit vielen Jahren ganz wunderbare Produktionen aus dem eigenen Land, die sich aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht richtig durchsetzen können. Das betrifft auch nicht nur die Künstler aus den neuen Bundesländern. Was glaubst Du, warum diese Musik keine gerechte und faire Chance am Markt hat und warum die Medienmacher lieber Künstler aus Übersee oder UK hofieren? Ich finde das immer so schade...
Das ist auch schade. Aber eine schwierige Frage. Ich glaube, es liegt auch teilweise an dem Überangebot von Musik. Da ist soviel Musik im Umlauf. Wenn man mal überlegt, was alleine durch MySpace auf den Plan kommt... Sich vom Einheitsbrei abzusetzen, ist wohl das schwierigste. Natürlich spielt aber auch die Politik der Radio- und TV-Sender eine Rolle. Ich bin ein bekennender „Radio Eins“-Hörer. Für mich gibt’s keinen anderen Sender mehr, denn da läuft neben dem, für mich täglich wichtigen, richtig guten Informationsprogramm fast immer gute, auch deutsche Musik.

Was war die letzte CD, die Du Dir gekauft hast?
Ich habe meiner Freundin zum Geburtstag die neue Sade-CD geschenkt...

Hörst Du die auch?
Wir haben die noch gar nicht ausgepackt (lacht). Wir kamen einfach noch nicht dazu, auch wegen meiner Arbeit an der Filmmusik. Ich bin hier voll im Stoff, und für mich gab es in den letzten Wochen auch nichts anderes. Ich bin sozusagen voll abgetaucht. Das liegt aber auch am eigenen Anspruch. Ich habe nach Franz eine Verantwortung, und ich denke, er würde das auch so wollen. Da hängt die Latte ziemlich hoch.

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Wirst Du Dir für die Zukunft noch jemand mit dazuholen oder wirst Du das alleine weitermachen?
Ich wollte mir am Anfang noch jemand dazu holen und war auch ein bisschen verunsichert, ob’s denn allein gehen wird. Aber ich bin gut reingekommen. Bei den aktuellen Filmmusiken spielen wir auch einige Live-Streicher ein, und das haben wir hier mit der "seitenstrasse" im eigenen Haus.

Es gibt ja auch andere Musikerkollegen, die sich als Produzent betätigen. Gibt’s da untereinander Hilfe oder kocht da so jeder sein eigenes Ding?
Da kann man von Zuarbeiten sprechen, wie wir sie mit der „seitenstrasse“ für andere Produzenten, Bands oder Solisten machen, die sich mit dieser Arbeit nicht zusätzlich belasten wollen oder können. Genau darum haben wir uns auch darauf spezialisiert. Man kommt zusammen und bespricht das Projekt und am Ende bekommen die Auftraggeber von uns die Streicher- bzw. Chor-Files, die in deren Produktionen eingemischt werden.

Was liegt für Dich in diesem Jahr noch an? Was ist das nächste was auf Dich wartet?
Nach den aktuellen Filmmusiken geht die Sache mit dem „Blackbird“-Projekt wieder los, womit wir uns hier im Studio ein bisschen eingraben wollen. Dann "Gitarrenhunger", "DEsTojewski" und ich hoffe, dass es mit Filmmusiken weitergehen wird.

Damit sind wir schon am Ende unserer Fragerunde. Möchtest Du noch etwas loswerden, worüber wir noch gar nicht gesprochen haben, oder hast Du noch ein paar abschließende Worte an die Leser?
Schön, dass es dieses Forum "Deutsche Mugge" mit vielen ehrenamtlichen Schreibern gibt! Und ich weiß, dass immer mehr Leute, auch Künstler, Eure Website mit Interesse besuchen. Alles Gute für Euch und die Leser!

 

Interview: Christian Reder
Bearbeitung: kf, cr
Fotos: Archiv Bodo Kommnick

 


 

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