Geier Sturzflug

 

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Die Gruppe Geier Sturzflug hat auch heute noch einen wohlklingenden Namen. Und immer wenn sich eine Wirtschaftskrise - egal wie groß oder klein - ankündigt, wird ihr Song "Bruttosozialprodukt" gerne als Soundtrack verwendet... immer noch!
Die Neue Deutsche Welle schwappte gerade lustig über das Land, als eine Kapelle mit dem seltsamen Namen "Geier Sturzflug" auftauchte. Das waren sechs Herren aus dem Ruhrgebiet, die über Nacht mit der eben erwähnten Single plötzlich und unerwartet einen Riesenhit in Deutschland, Österreich und der Schweiz landen konnten. In allen drei Ländern platzierte sich die Scheibe auf Platz 1 und blieb dort teilweise wochenlang. In nahezu jeder TV-Show und in wirklich JEDER Radiosendung lief der Song. Ein echter Gassenhauer mit Kultcharakter. Auch die zweite Single "Besuchen Sie Europa" lief gut, obwohl es keine Nummer 1 mehr war. Das Album "Heiße Zeiten" wurde veröffentlicht (und wurde erst im vergangenen Jahr mit Bonus Tracks von der Ariola auf CD neu aufgelegt), und auch das landete in den Charts sehr weit vorne.
Doch wie das eben manchmal so ist, sind Erfolg und Ruhm vergänglich. Der Kapelle um Bandgründer und Sänger Friedel Geratsch gelang kein weiterer Hit, und so löste sich die Gruppe nach drei Alben und fünf Singles auf. Knappe 10 Jahre später stand "Geier Sturzflug" von den Toten auf und ist seitdem auf den Bühnen des Landes wieder unterwegs.
Neue Alben (das letzte ist soeben mit dem Titel "Hör auf zu weinen" erschienen, Rezension: HIER) und zahlreiche TV- und Live-Auftritte folgten. Aus der einstigen Sechser-Besetzung ist ein Duo geworden, in dem nur noch Friedel Geratsch aus der Gründungsformation übrig geblieben ist. Eben jeden Friedel Geratsch haben wir zu uns eingeladen, um mit ihm über sein musikalisches Projekt "Geier Sturzflug", die neue CD und Zukunftspläne zu plaudern...

 

Hallo Friedel, zuerst mal möchte ich Dir auch im Namen meiner Kollegen bei „Deutsche Mugge“ zum 30-jährigen Bandjubiläum gratulieren! Du hast uns Deine neue CD mitgebracht. Sie trägt den Titel „Hör auf zu weinen“. Warum habt Ihr diesen Titel gewählt? Was möchtet Ihr damit aussagen?
Das ist auch der Titel eines Liedes auf der CD. In diesem Lied liegt schon ein Teil der Erklärung. Als Albumtitel wollten wir etwas Positives haben und da schien uns diese Aussage doch sehr geeignet.

Ich habe die CD gehört, und Eure neuen Lieder haben einen völlig ungewöhnlichen Sound. Da ist Jazz, da ist Caféhaus-Musik, da ist Easy Listening und da ist auch Chill Out drin. Wie kommt es zu diesem Stilwechsel bei Geier Sturzflug?
Mit der Musik ist es bei mir wie mit meinem Kleiderschrank, da hängen auch nicht nur T-Shirts und Jeans drin. Da gibt es auch weiße, schwarze und bunte Hemden, ein paar Pullover, Anzug, Mantel, Jacken, Hosen, je nach Stimmung und Jahreszeit.

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Wie ist die neue CD entstanden? Kannst Du uns etwas über die Entstehung von „Hör auf zu weinen“ und den einzelnen Liedern erzählen?
Das Album selbst ist relativ schnell und konzentriert eingespielt worden. Die Lieder habe ich in den letzten anderthalb Jahren geschrieben, so ganz einfach, nur zur Akustikgitarre. Die waren eigentlich gar nicht für eine Veröffentlichung vorgesehen. Aber als ich sie meinem Partner Carlo vorgespielt habe, war er sofort davon begeistert und fing an Arrangements auszuarbeiten. Warum ich manche Lieder geschrieben habe und was mich dazu inspiriert hat kann ich gar nicht sagen. Wahrscheinlich sind es Geschichten, die tief in meinem Unterbewusstsein vergraben sind und irgendwann mal nach oben kommen.

Geht Ihr mit dem Programm auf Tour?
Nein, auf Tour gehen wir mit den alten Hits.

Was glaubst Du, wird Eure Fangemeinde zu den neuen Songs sagen, und glaubst Du, dass sie sich in Kombination mit den anderen Titeln von Euch, die ja weit mehr mit „Party“ und „Gute Laune“ zu tun haben, nebeneinander vertragen?
Ich hoffe, wir haben zwei Fangemeinden, das wäre doch für alle Beteiligten das Beste. Ich hab keine Ahnung, ob sich zwei unterschiedliche Lieder vertragen. Ich weiß ja nicht mal, warum die Menschen sich nicht vertragen.

Ich habe gesehen, dass Ihr keinen großen Vertrieb habt und die CD auf dem Label „Pucky Music“, das mir bis heute unbekannt war, veröffentlicht wurde. Wie kommt das?
Wir arbeiten daran, dass man das Album bei Amazon und auf Downloadportalen kaufen kann. Mehr machen die großen Plattenfirmen auch nicht und da haben wir gedacht: Pucky Music muss her, das können wir auch selber machen.

Gehen wir mal zurück zu den Anfängen. Wie bist Du zur Musik gekommen?
Ich hab irgendwann in den 60er Jahren auf einer alten Wanderklampfe zwei Akkorde gezeigt bekommen und wollte Musiker werden. Und da arbeite ich jetzt dran.

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Bitte erzähl uns etwas über "Fiedel Friedels Feierabendshow"
Das waren ein paar Musiker aus Bochum, die zusammen Songs zu Akustikgitarren gesungen haben. Das muss so um 1975 herum los gegangen sein. Damals habe ich angefangen, Lieder zu schreiben, wie das legendäre „Joghurt Lied“. Das wurde zwar nie auf Platte veröffentlicht aber Herbert Grönemeyer war sehr beeindruckt davon.

Danach kam das Duo „Dicke Lippe“, das aus Dir und Reiner Baierle bestand. Wie kam es zu dieser Formation, wie lange habt Ihr zusammen gespielt und was macht Dein ehemaliger Mitstreiter heute?
Wir haben 1977 angefangen, Lieder zu schreiben und Straßenmusik zu machen. Wir haben das Album „Jagdfieber“ aufgenommen. Da ist auch schon das Bruttosozialprodukt drauf gewesen. 1979 haben wir dann aufgehört und ich habe Geier Sturzflug angefangen. Reinhard lebt noch in Bochum und betreibt ein kleines Tonstudio.

Der größte Hit von Geier Sturzflug, „Bruttosozialprodukt“ stammt eigentlich aus der Zeit bei „Dicke Lippe“, richtig?
Jau!

Wie ist der Song entstanden, und aus welchem Anlass habt Ihr ihn 1977 (oder war’s 1978?) gemacht?
Der Song ist so entstanden, wie alle Songs entstehen. Man hat eine Idee und arbeitet solange daran bis es einem gut erscheint. Es gab keinen konkreten Anlass, der Song hätte genauso gut schon zwei Jahre vorher entstehen können. Wichtig war wohl nur, dass ich vorher ein paar Jahre in einem normalen Beruf gearbeitet habe. Da hab ich gesehen wie das läuft.

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Ich habe gelesen, dass der erste Name von Geier Sturzflug „Schotter Blau Gebündelt“ war. Ein sehr ungewöhnlicher Name. Was hatte der zu bedeuten?
Schotter, Kohle, Kies, Knete. Die Hundertmarkscheine waren blau, die gebündelt - gleich viel Geld. Ich dachte, die Band wäre es wert.

Unter dem Namen „Geier Sturzflug“ firmiert Ihr seit 1979. Wie ist die Band überhaupt entstanden? Wer hatte die Idee, die Band zu gründen.
Ich glaube, ich hatte immer schon den Hang zu merkwürdigen Bandnamen. Ich gab der Band den Namen Geier Sturzflug, gründete dann erstmal die „Transistors“ und stieg wieder aus. 1981 hatten meine Geier fast sämtliche Musiker im Umkreis von 25 Km verschlissen und waren am Ende. Also habe ich gesagt: „Ihr Lieben, ich nehm das jetzt wieder in die Hand, mit den Liedern, die ihr da spielt, wird das nix.“, dann habe ich neue Songs für die Band geschrieben und dann ging es steil bergab, allerdings durch das Tempo, das wir dann drauf hatten, auf der anderen Seite steil nach oben.

Wer kam auf den Namen „Geier Sturzflug“ und was ist der Hintergrund zu dem Bandnamen?
Wie gesagt, der Name kam von mir und der Hintergrund ist ziemlich hintergründig und wenn ich das Geheimnis preisgeben würde, hätte ich den Geheimdienst im Nacken.

Es war an einer Stelle zu lesen, dass Euch Peter Kent („It’s A Real Good Feeling“) entdeckt hat. Stimmt das?
Peter Kent war der Produzent und tatsächlich hat er unser Potential erkannt, als wir uns ihm zu erkennen gaben.

Laut dieser Quelle, hat er Euch anfangs auch produziert. An welchen Songs (bzw. welchem Album) war Peter denn beteiligt?
Peter hat das Album „Heiße Zeiten“ und „Bruttosozialprodukt“ und "Besuchen Sie Europa" produziert.

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Wie habt Ihr Euren ersten Plattenvertrag bekommen, und bei welchem Label?
Peter Kent hat uns den Plattenvertrag bei BMG Ariola verschafft, weil er uns ja entdeckt hatte.

Die erste LP der „Geier“ trug den Titel „Runtergekommen“. Wie ist diese LP entstanden und bitte erzähle den Lesern, die die Platte vielleicht nicht kennen, was darauf zu hören ist.
Ich hatte durch Dicke Lippe schon den Kontakt zur Firma Trikont und habe denen Demos angeboten. Dann haben wir einen Etat bekommen und das Album „Runtergekommen“ in ein paar Tagen in einem Studio im Münsterland aufgenommen. Wir haben damals einfach unser Live-Programm gespielt und die Aufnahmen abgemischt und nach München geschickt. Davon wurden dann ein paar tausend Stück verkauft.

Richtig los ging es dann im Jahre 1983 mit der Single „Bruttosozialprodukt“. Wie bist Du auf die Idee gekommen, diesen Song, der aus der Zeit bei Deinem Duo „Dicke Lippe“ stammt, für Geier Sturzflug neu aufzunehmen?
Da kann ich mich nicht mehr so genau dran erinnern. Wir haben irgendwann den Song live gespielt und später ist er auf einem Demo gelandet, das Peter Kent zu Ohren kam...

Die Single wurde Nr. 1 in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wie überrascht seid Ihr gewesen, als die Nummer so rasant nach vorne schoss?
Wir waren sehr überrascht, viel mehr kann man dazu eigentlich nicht sagen. Wir haben in dieser Form nicht damit gerechnet.

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Was veränderte sich für Euch zu diesem Zeitpunkt?
Ab da waren wir permanent unterwegs und überall gab es Alkohol, an mehr kann ich mich nicht erinnern.

Stimmt es, dass es wegen der Textzeile "die Müllabfuhr holt sich einen runter" aus dem Song Ärger mit dem TV und dem Rundfunk für Euch gab?
Ja, das stimmt wohl. Beim ZDF fanden sie das nicht so gut. Aber irgendeiner konnte die Wogen glätten und heute lachen alle drüber.

In Frankreich hat die Band „Nanard“ Euren Song gecovert und unter dem Titel „Produit national brut“ veröffentlicht. Wie kam es dazu, dass Musiker aus Frankreich auf Euren Titel aufmerksam wurden? Haben die bei Euch angefragt, ob sie den Song nachspielen dürfen?
Auch eine holländische Band hat das in den Niederlanden veröffentlicht. Das hab ich damals alles nicht so genau mitbekommen, das lief alles über den Verlag.

Warum habt Ihr damals nicht selbst probiert, diesen Hit in mehreren Sprachen zu veröffentlichen? Gab es die Idee gar nicht, oder gab man Euch nicht die Möglichkeit dazu?
Wir selbst haben den Song auf Englisch gemacht. Er wurde aber nur in Portugal herausgebracht. Gott sei Dank. Ich kann nämlich kein Englisch.

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Das Album „Heiße Zeiten“, aus dem die Single ausgekoppelt wurde, erreichte Platz 15 in den Deutschen Album-Charts. Wie ist diese LP entstanden?
Ziemlich unter Zeitdruck in Berlin wurde das Album aufgenommen. Die Plattenfirma war nämlich von unserem Erfolg auch überrascht, und plötzlich musste alles ganz schnell gehen.
Wir sind nach einem Auftritt in Dortmund mit dem Nachtzug nach Berlin gefahren und haben da gleich am nächsten Morgen mit den Aufnahmen angefangen. Ich weiß aber nicht mehr, wie viele Tage wir daran gearbeitet haben. Ich glaube aber, wir mussten am Wochenende wieder irgendwo auf der Bühne stehen. Also, es war schon extrem stressig.

Gab es zu diesem Album eine Tournee, und wenn ja, welche Erinnerungen hast Du an die Live-Konzerte mit der Band.
Es gab ab Anfang 1983 nur eine Tour und die ging das ganze Jahr über. Wir hatten allein 1983 über 250 Termine und ich kann mich noch ganz genau an nichts mehr erinnern.

Gab es auch Konzerte in der DDR?
Nein!

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Ein Jahr später erschien die Langrille „3 x täglich“. Wie ist die LP entstanden, und mit welchen Erwartungen seid Ihr damit an den Start gegangen?
Die Frage nach „wie ist die entstanden“ ist irgendwie nicht richtig zu beantworten. Man geht eben in ein Studio und nimmt Lieder auf. Ich habe unserem Produzenten Harald Steinhauer auf meiner Gitarre alle Lieder vorgespielt die ich neu geschrieben hatte und er hat gesagt welche er gut findet, und dann sind wir daran gegangen, zusammen die Grundtakes einzuspielen und die Lieder auszuarbeiten. Irgendwann wird die Zeit, die zur Verfügung steht, knapp und man beeilt sich, alles fertig zu bekommen.

Der große kommerzielle Erfolg der Band blieb nicht lange, und die Gruppe löste sich im Jahr 1986 auf. Warum? Was waren die Gründe dafür?
Mir sind die anderen irgendwann auf den Geist gegangen. Es gab halt auch Streit über die Richtung und ich hatte keine Lust, mir vorschreiben zu lassen, was für eine Art Lieder ich komponieren und texten soll. Also bin ich ausgestiegen und sie haben es ohne mich versucht. Nach drei Monaten haben sie dann aufgegeben. Es gab keinen, der die Lieder schreiben konnte ;-)) und nur mit rumdudeln im Proberaum kommt man nicht weit.

Trotzdem die Gruppe nur zwischen 1983 und 1984 die ganz großen Erfolge feiern konnte, ist sie nach wie vor überall bekannt. Als häufigste Antwort auf die Frage, was man mit Geier Sturzflug verbindet, bekommt man „Bruttosozialprodukt“ genannt. Ist die Scheibe Segen oder Fluch für Euch Musiker?
Auf jeden Fall Segen, da sich dadurch ja auch eine Grundlage geschaffen hat und wir heute immer noch auftreten können. Für ein Lied wie „Brutto“ muss man sich nicht schämen.

Nervt es, wenn man immer wieder an dieser einen Nummer festgemacht wird, obwohl man z.B. mit „Besuchen Sie Europa“ oder „Pure Lust am Leben“ noch weitere Hits hatte?
Die Menschen erinnern sich eben immer an den größten Hit. Man kann ja auch nicht erwarten, dass sie jetzt unsere ganze Diskografie runterbeten können.

Nach der Auflösung der Band hast Du die Single "Zurück in die Nacht" veröffentlicht. Wie kam es dazu, und warum folgte nach der Single keine weitere, und/oder ein Album?
Die Plattenfirma wollte schon recht früh etwas mit mir alleine machen. Am liebsten als Geier Sturzflug aber ohne die Band. Das habe ich immer abgelehnt. Dann wollten sie es irgendwann doch unter meinem Namen machen. Ich habe einige Lieder aufgenommen, dann hat der A&R Manager gekündigt und sein Nachfolger konnte nichts mit mir anfangen. Das war's dann.

Im Jahre 1990 bist Du unter dem Namen „Friedel G.“ wieder mal in Erscheinung getreten, indem Du die Single „Bruttosozialprodukt“ in einer neuen Version veröffentlicht hast. Was hat Dich dazu bewogen, den ehemaligen Nr. 1 Hit nochmals, und damit zum dritten Mal, neu aufzunehmen und zu veröffentlichen?
Ich dachte nach dem Mauerfall, dass unsere Brüder und Schwestern von drüben auch schön einkaufen gehen können sollten und dass das der richtige Soundtrack dafür wäre ;-))

Zwischen 1990 und 1996 hat man von Dir nichts mehr gehört. Was hast Du in dieser Zeit gemacht?
Getrunken!

Im Jahre 1996 bist Du unter dem Namen „Geier Sturzflug“ wieder zurückgekehrt. Was war der Auslöser für dieses „Comeback“?
Markus hat mich gefragt, ob ich nicht auch wieder auftreten wolle, und ich dachte es ist vielleicht besser als trinken.

Außer Dir war keines der ursprünglichen Mitglieder mehr dabei. Mit welchen Musikern wurde „Geier Sturzflug“ wieder belebt, und nach welchen Kriterien hast Du sie ausgewählt?
Über meinen Partner Carlo bin ich an Leute wie Backi Backhausen von Lindenbergs Panikorchester und Musiker aus der Münsteraner Szene gekommen. Ausgewählt wurden sie nach dem Kriterium: 1 Schlagzeuger, 1 Keyboarder, 1 Saxofonist, den Rest können wir selber.

Was machen die ehemaligen Kollegen heute? Gibt es noch Kontakt?
Keine Ahnung was die im Einzelnen machen. Der Kontakt besteht mehr zwischen unseren Anrufbeantwortern.

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Aus der in der Anfangszeit großen Band mit sechs Musikern wurde nach dem Comeback, als kurzzeitig noch einige andere Musiker mit dabei waren, ein Duo. Dieses Duo besteht heute aus Dir und Carlo von Steinfurt. Warum ist die einstmals große Besetzung auf nur noch zwei Leute geschrumpft?
Die Konjunktur. Überall muss gespart werden und der Abschwung ist auch an uns nicht vorbei gegangen. Außerdem ist eine Band sehr, sehr anstrengend und nach der Erfahrung mit der 83er Besetzung ist mir klar geworden, dass man in der Kunst mit Demokratie nirgendwo hinkommt. Ich schreib die Lieder, ich sing die Lieder und ich will auch bestimmen, wie sie sich anhören und meine Songs nicht von irgendwem vergewaltigen lassen.

Wie stellt sich das bei Live-Auftritten dar? Kommt die Musik vom Band und Ihr singt live oder habt Ihr Musiker, die Euch begleiten?
Die Musik kommt aus der Konserve und wir singen uns die Seele aus dem Leib.

Carlo von Steinfurt, der eigentlich Thomas Passmann heißt, hat in den 80ern mit der Gruppe Moonbeats kleinere Erfolge gefeiert und war mit ihr als Support für die Bee Gees auf großer Tournee. Wie habt Ihr Euch kennen gelernt?
Wir kennen uns schon aus der Zeit, als er noch die Gebrüder Engel gemacht hat, wo auch sein Bruder Bertram Engel Schlagzeug gespielt hat. Der ist ja bekanntlich bei Maffay und Lindenberg. Ich hab dann später auch Songs für die Moonbeats geschrieben. Als ich dann einen Bassisten brauchte, habe ich Carlo gefragt und später haben wir dann als Duo weitergemacht.

Welche Ziele gibt es für Geier Sturzflug? Hast Du schon Ideen, wie es mit der Band weitergehen wird?
Unser neues Album „Hör auf zu weinen“ soll sich so gut verkaufen, dass es Sinn macht, wieder ein neues Album aufzunehmen.

Welche Musik hörst Du privat, und was war die letzte CD, die Du Dir gekauft hast?
Die letzte CD habe ich vor ein paar Tagen gekauft: Bruce Springsteen. Privat höre ich am liebsten Klingeltöne, aber möglichst nicht auf meinem Handy. Bin da eher ruhebedürftig, mache ja selbst den ganzen Tag Musik, schreibe neue Lieder und nehme Songs auf.

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Gab es für Dich während Deiner musikalischen Karriere Berührungen mit der Musik aus der DDR? Hast Du diese zur Kenntnis genommen oder ging das komplett an Dir vorbei?
Seit der Maueröffnung sind wir natürlich auch viel im Osten aufgetreten und dort mit Leuten wie Karat oder Puhdys zusammen gekommen. Die waren alle sehr freundlich und offen. Gute Leute.

Ich nenne Dir jetzt ein paar Stichwörter, und Du antwortest bitte spontan und in ein, zwei Sätzen, was Dir dazu einfällt:

Neue Deutsche Welle: Ist wie der VW Käfer: läuft und läuft und läuft.

Ballermann: Ballerfrau

Casting Shows: Viele gute Sänger, die verheizt werden, viele arme Gestalten, die vorgeführt werden und viele schöne Lieder, an die man sich auch in vielen Jahren noch gerne erinnert.

Globale Finanzkrise: Wenn man eine persönliche Finanzkrise hat, ist einem die globale scheißegal.

Kollegen: Gibt es einige, mit denen ich auch privat zu tun habe.

Hobbies: Musik machen, Lieder schreiben.

Ich danke Dir für die Antworten und die Zeit, die Du Dir für das Interview genommen hast. Möchtest Du abschließend noch etwas an unsere Leser loswerden?
Ich möchte mich bei allen Leuten bedanken, die einige meiner Lieder zu Hits gemacht haben. Ich möchte mich auch bei allen Leuten bedanken, die sich meine Lieder anhören, die keine Hits geworden sind. Ansonsten wünsch ich mir, dass meine neuen Lieder gehört werden auch wenn es keine Partysongs sind.

 

Interview: Christian Reder
Bearbeitung: kf, cr
Fotos: Archiv Friedel Geratsch, privat