Rhythm'n Blues mit Einflüssen von Jazz, Soul und Funk










Thomas Adapoe




Gründungsbesetzung:
- Thomas Adapoe (g, voc)
- René Bestvater (bg) 1986 bis 1987
- Matthias Bätzel (key, vio, voc)
- Daniel Hoffmann (tp, horn, harp) 1986 bis 1988
- Alexander Urschanow (dr)

Ehemalige Musiker:
- Constanze Freund (voc) 1987 bis 1992
- Peter Klinke (bg) 1987 bis 1990
- Andreas Buchmann (bg) 1990 bis 1992
- Stanley Blume (as) 1987 bis 1988 / später GAST
- Andreas Martin (tp) 1988 bis 1992
- Hans Raths (ts, as, fl) 1988 bis 1992
- Enrique Pérez-Carbonell (percussion) 1989 bis 1990

Gastmusiker:
- Bernd Kleinow (harp)
- Fiete Felsch (as)
- Stanley Blume (as)
- Alexander Blume (piano)
- André Jolig (key)
- Waldi Weiz (g)











Thomas Adapoe (Foto: Claus Bach)

Biographie:
Die Gruppe MR. ADAPOE wurde 1986 von Thomas Adapoe in Weimar gegründet. Zur ersten Besetzung gehörten neben Thomas Adapoe noch der Schlagzeuger Alexander Urschanow, der Bassist René Bestvater, Keyboarder, Violinist und Sänger Matthias Bätzel, sowie Trompeter Daniel Hoffmann. Die Band spielte von Anfang an einen stark vom Jazz, Soul und Funk beeinflussten Rhythm and Blues. Auf die Frage, ob es mit dem englischen Bandnamen keine Probleme gab, antwortete Bandgründer und -chef Thomas Adapoe: „Die gab es hauptsächlich in der Aussprache und in der Schreibweise. Aber damit konnte man leicht klarkommen und es war immer eher unterhaltend, einmal als „Doktor Adapoe“ und das nächste Mal als „Mister Adapö“ angekündigt zu werden. Sieht man davon ab, dass es uns als Band vor November '89 nicht gelungen ist, auch nur einen Fuß auf nichtsozialistischen Boden zu setzen, gab es wegen des Namens, und der dahinter stehenden Personen keine weiteren eindeutig zuordbaren Probleme“.

Ihr erstes Konzert gab die Thüringer Band 1986 in Eisenach. Veranstalter war der Jazzclub Eisenach (Reinhard Lorenz). Zu den größten Erfolgen in der Bandgeschichte gehörte z.B. 1988 ein Auftritt auf der Radrennbahn Berlin Weißensee. MR. ADAPOE stand gemeinsam mit James Brown, The Wailers, Rainbirds und Die Zöllner vor 50.000 Zuschauern auf einer Bühne. Im gleichen Jahr spielte die Band im Palast der Republik im Vorprogramm von Alvin Lee. Im Jahre 1990 nahm MR. ADAPOE an einem Internationalen Musik Festival auf Sizilien (Italien) und am Jazz-Festival Hohentwiel (am Bodensee, Top Act war Miles Davis) teil. Im gleichen Jahr gehörte MR. ADAPOE auch zu den Teilnehmern am Open Ohr Festival in Mainz. Weitere besondere Highlights der Bandgeschichte waren Kooperationskonzerte mit anschließenden Diskussionsrunden im Sommer '89 mit Angelika Weiz / Good Vibration und Pankow. Diese fanden unter den Eindrücken des Massakers von Peking auf dem Platz des himmlischen Friedens, anhaltendem massenhaften Exodus aus der DDR und massiver Wahlfälschungen statt. Bis zur Wende spielte die Formation erfolgreiche Auslands-Tourneen in Polen und der CSSR.


v.l.n.r. Enrique Perez-Carbonell,
Alex Urschanow, Matthias
Bätzel (Foto: Claus Bach)

Es gibt bis heute keine einzige Veröffentlichung der Gruppe. „Das Staatsplattenlabel Amiga plante 1989 endlich eine Produktion mit MR. ADAPOE. Das bis dahin gültige und praktizierte Dogma, ausschließlich deutsche Texte von Künstlern der Deutschen Demokratischen Republik auf Platte zu veröffentlichen, wich einer Art Prozente Regelung: Singst Du eines auf Deutsch, darfst Du drei auf Englisch singen. Das war sicher eine leichte Rechenaufgabe, jedoch für uns trotzdem schwierig umzusetzen, denn bei 12 Songs auf Platte hätte das einen Deutschanteil von 3 Liedern bedeutet. Wir haben dann noch mal nachgedacht, gerechnet und durchgezählt, jedoch festgestellt, dass wir KEIN deutschsprachiges Lied im Repertoire hatten.
Nach der Wende haben wir erst einmal sofort angefangen, ein dringenderes Bedürfnis zu befriedigen. Aus welchem Grunde auch immer wir vor '89 niemals im Westen spielen durften war es jetzt an der Zeit, genau das intensiv zu tun. Man sagt, MR. ADAPOE war eine sehr gute Band mit einer (somehow) absolut beeindruckenden Live Performance. Wahrscheinlich hat uns genau dieser Anspruch, immer richtig gut und beeindruckend zu sein, davon abgehalten jetzt einfach mal schnell eine Schallplatte aufzunehmen. Auch war es schwer vorstellbar, dass in dieser Nachwendezeit gerade ein großes Interesse an einer Schallplatte von uns bestand. Denn wie viel hervorragende Musik es bereits auf Platte gab, wurde uns natürlich nach dem Fall der Mauer noch viel klarer. Der Plattenmarkt hatte sich über Nacht geändert, oder besser gesagt: AMIGA war plötzlich nur noch eine scheinbar unattraktive Erinnerung an damals. Es gab jetzt duzende von Plattenlabeln.

Constanze Freund (Foto: Claus Bach)

Jetzt wollten wir vor allem spielen, spielen, und vielleicht... irgendwann noch einmal in Hamburg „entdeckt“ werden. Aber dann bitte nicht als „exotische Ossiband“, die einmal eine Schallplatte aufgenommen hat, sondern als „Mr. Adapoe“. Aber es gab kein wirklich interessantes Angebot einer Plattenfirma bis zu unserer Auflösung. Aber das haben wir auch nie schmerzlich vermisst, denn wir genossen zu dieser Zeit auch wirklich erst einmal all die neuen Auftrittsorte von Bremen bis Freiburg.“, erzählt Thomas Adapoe.
Rundfunkproduktionen bzw. Live-Mitschnitte des Rundfunks der DDR gab es aber sehrwohl, z.B. einen „Konzertmitschnitt“ aus dem Sendesaal Sender Weimar 1986, vom „Fest der jungen Talente“ in Dresden 1987, 2 bis 3 Produktionen im „Popstudio“ aus dem Funkhaus Nalepastraße Berlin 1987, und von den „Tagen der Jugend“ im Palast der Republik Berlin 1988. Außerdem gab es 1991 eine Live-Konzertübertragung für den Schwedischen Rundfunk aus dem kleinen Sendesaal im Funkhaus Nalepastrasse Berlin.

Auch nach der Wende spielte die Band weiter, z.B. ging MR. ADAPOE im Jahre 1990 auf Konzertreise nach Italien. Ihr letztes Konzert gab die Gruppe am 22. März 1992 im Kesselhaus zu Darmstadt. Die Band hatte in ihrer recht kurzen Bestehenszeit die verschiedensten Musik-stilistischen Phasen durchlebt. Von Beginn an stark geprägt vom Blues im Stiel der großen amerikanischen Musik-Legenden wie Albert Collins, Otis Rush oder auch der drei schwarzen Könige Albert King, Freddy King und B.B. King, verlieh der Gitarrist und Sänger Thomas Adapoe der Band wohl ihr seelisches Markenzeichen. Auch der anfänglich stark vom Boogie-Woogie Piano beeinflusste Pianist Matthias Bätzel sorgte in den ersten Jahren für eine am Blues orientierte Ausrichtung. Aber die musikalischen und technischen Fähigkeiten einzelner Musiker ermöglichten es immer mehr, die unterschiedlichsten Genre nach ihrem musikalischem Potential auszuloten. Dies führte zunehmend zu verschiedenen Spielauffassungen, welche nicht mehr zwingend zu einem Ganzen führten. Als sich Matthias Bätzel und kurz darauf Andreas Buchmann Ende 1991 entschieden, die Band zu verlassen um reinen Jazz zu spielen, geschah dies in einer Zeit der musikalischen, stilistischen und vielleicht auch seelischen Orientierungslosigkeit der Band.

v.l.n.r. Hans Raths, Constanze Freund,
Andreas Martin (Foto: Claus Bach)

Man schätze die Band nicht zuletzt eben auch, weil sie nie in eine Schublade zu stecken war. „...aber jetzt wurden zu viele Schubladen geöffnet. Es wäre an der Zeit gewesen, in eine einzusteigen. Aber eben dies gelang auch nach einer letzten bemühten Umbesetzung nicht mehr. Die Band hat im wahrsten Sinne des Wortes einen Teil ihres Reizes, ihrer Kraft, ihrer Botschaft verspielt. Aber solche Dinge passieren einfach. Und letztlich war es eine wichtige, prägende Zeit für alle Bandmitglieder. Kurz und intensiv!“, sagt Thomas Adapoe, der die Band im Mai 1992 auflöste.

Was machen die Musiker heute? Constanze Freund ist zusammen mit ihrem Duopartner Thomas Fellow unter dem Namen „FRIEND 'N FELLOW“ aktiv.
Thomas Adapoe pausiert seit der Auflösung von MR. ADAPOE und lagert seine Gitarren mittlerweile in den Hochregalen seiner Firma zwischen Lautsprechern, Mischpulten und Scheinwerfern.
Matthias Bätzel ist inzwischen Professor für Jazzpiano und Hammondorgel an der Hochschule für Musik "Carl Maria von Weber" in Dresden. Er ist ferner Leitet das „Matthias Bätzel Trio“ und spielt heute u.a. mit „Manfred Krug“ und „Jocelyn B. Smith“.
Andreas Martin ist jetzt der singende Entertainer in der "Andreas Max Martin Band" (mit deutschen Texten).
Hans Raths unterrichtet Saxophon und spielt als Multiinstrumentalist in diversen Thüringer Formationen.
Alexander Urschanow spielt Schlagzeug bei "Blamu Jazz Orchestrion" in Weimar.
Peter Klinke ist Lehrbeauftragter und Gastprofessor an der Musikhochschule "Hanns Eisler" in Berlin und außerdem als Studiomusiker tätig.
Andreas Buchmann ist Mitglied der Weimarer Gruppe "Hot String" und spielt u.a. mit Alexander Blume und Daniel Hoffmann.
Enrique Pérez-Carbonell ist Mitglied in verschiedenen Formationen, u.a. "Enrico & Groove".


Vielen Dank: Dieses Portrait ist unter aktiver Mitwirkung von Thomas Adapoe entstanden. Vielen Dank!







Diskographie:

Wie in der Biographie ausführlich berichtet, gab es keine Veröffentlichung von Songs der Gruppe Mr. Adapoe auf Tonträgern, weder auf Single, noch auf Album oder Sampler. Trotzdem sind einige Rundfunkproduktionen entstanden und die Band hat außerdem noch Coverversionen anderer Künstler im Live-Programm gehabt. Thomas Adapoe hat versucht, einige der damals entstandenen Songs und live gespielten Fremdtitel aufzulisten:



Eigene Titel (ca. 25):
- Sincere greetings
- Homeless
- Get closer
- Mr. Tonic
- Living in the Rhythm of Blues
- Prick full force in my heart
- Back to the Future
- Some of your Friends
- Where tears go into shouts
- Can´t Stop Boogie
- Hey, I need some Boogie
- When the things go wrong
- Song for Carlos
- I wonder
u.a.
Coverversionen:
- Sweet little Angel (B.B. King)
- You need somebody to love (Eric Gale)
- Disposable Society (Esther Phillips)
- In the Midnight Hour (Wilson Picket)
- I´m in a phone booth, baby (Albert King)
- I´ve got that feeling (Albert Collins)
- Little By Little (Nighthawks)
- Ashes in my ashtrays (Jimmy Johnson)
- Just one of those things (Cole Porter)
- Body and Soul (John W. Green)
- I´ve got a world on a string (Kohler/Arlen)







Fotoraritäten:


Mr. Adapoe: v.l.n.r. Hans Raths, Constanze Freund, Thomas Adapoe,
Andreas Martin, Matthias Bätzel, Alexander Urschanow und Peter Klinke



Constanze Freund





Andreas Martin (Foto: Claus Bach)



Daniel Hoffmann (Foto: Olaf Enders)




Hans Raths (Foto: Claus Bach)



Peter Klinke (Fotograf unbekannt)




Matthias Bätzel (Foto: Claus Bach)





Matthias Bätzel





Thomas Adapoe und Constanze Freund





Thomas Adapoe