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Ein Beitrag von Christian Reder (Fotos: Pressematerial, Christian Reder)



001 20200512 1009600257Für viele Menschen ist die derzeitige Situation mit dem Shut Down und den vielen Verboten und Beschränkungen, die das Corona-Virus ausgelöst hat, alles andere als leicht. Für die Musiker in unserem Land erst recht nicht, können sie im Moment nicht auftreten und entsprechend auch kein Geld verdienen. Es finden keine Konzerte statt, weil diese schlicht und ergreifend von der Politik verboten wurden. Seit Anfang März ist auf dem Sektor an Konzerten und Festivals schon alles abgesagt und teilweise ins nächste Jahr verschoben. Für die junge Berliner Musikerin Zofia Charchan kommen das Auftrittsverbot und die Schließung aller Konzerthäuser nicht ungelegen. Ihr Fokus liegt im Moment auf dem Abschluss ihrer schulischen Ausbildung, und durch die eben beschriebenen Schließungen aller Kulturhäuser wird sie da auch durch nichts abgelenkt. "Ich bin mitten im Abitur", erzählt Zofia auf meine Frage, was gerade bei ihr so anliegt. "Die schriftliche Prüfung hab ich hinter mir, jetzt steht in zwei Wochen noch die mündliche Prüfung an", fügt sie hinzu und schiebt den Hinweis, "Ich hab mein Bestes gegeben", mit einem Lächeln hinterher. Wenn dieser Kraftakt geschafft ist, ist auch der Kopf wieder für andere Dinge frei. Alle Unternehmungen, die ihre Musik betreffen, hat sie auf die Zeit nach dem Abitur verschoben, Konzerte wegen der aktuellen Situation sogar bis ins Jahr 2021. Nur gut, dass ihre erste CD schon im vergangenen Spätsommer mit samt Release-Konzert das Licht der Welt erblickt hat.

Ihre EP "Illusion" veröffentlichte die junge Künstlerin nämlich bereits im September des letzten Jahres. Insgesamt sechs Lieder befinden sich darauf, die allesamt aus ihrer Feder stammen. Ganze drei Monate hat sie im Sommer 2019 damit verbracht, diesen Vorboten für ihr erstes Album zu produzieren. Das Album, das noch nicht fertig und deshalb auch noch Zukunftsmusik ist, soll "Flashback Into Reality" heißen. "Aber bevor man in die Realität zurückkehren kann, muss es erst mal eine Illusion gegeben haben", erklärt Zofia den Titel ihrer ersten CD "Illusion". Bei einer Illusion handelt es sich bekanntlich um die falsche Deutung von tatsächlichen Sinneswahrnehmungen.002 20200512 1452340448 Davon sind die Texte auf dieser EP aber weit weg und Zofia zeigt sich musikalisch und inhaltlich absolut sattelfest im Hier und Jetzt. Immerhin handeln ihre Lieder von selbst gesammelten Erfahrungen, Beobachtungen und Gedanken, wie z.B. im Song "cancer", in dem es um die Krankheit Krebs und den Moment geht, in dem eine nahestehende Person daran erkrankt. Wie so ein Erlebnis auf einen jungen Menschen wie sie wirkt, kann man über dieses Lied erfahren. In "Lost Stars" hat sie ihre Gedanken, die ihr während eines längeren Krankenhausaufenthalts kamen, in einen Songtext verwandelt. Das Gefühl, jemand ganz besonders zu vermissen, wurde zu einem Song und darin geht es um zwei Menschen, die wie verlorene Sterne im Universum zu einander finden. Auch "you draw a picture of us" handelt von einem Gefühl, nämlich dem das man hat, wenn man zum ersten Mal richtig verliebt ist. Grundlage zu diesem Lied war ein Traum, in dem die Liebe ihres Lebens eine Hauptrolle spielte. "comin' back to you" und "unique" behandeln dann schon Momente im Leben, wenn die Beziehung schon ein paar Tage auf dem Buckel hat und der Alltag eingezogen ist. Es geht um die Feststellung, dass Menschen, egal wie gut sie zusammen passen, einzigartig sind und auch Fehler machen. Wie man damit umgeht, wenn der Partner mal nicht der Mister oder die Miss Perfect ist, und darum, dass man achtsam miteinander durch das Leben gehen sollte, handeln die beiden Songs. Die Inhalte hat Zofia Charchan mit einer wunderbar zeitlosen Musik verbunden, die sie auch in unserer Konzertreihe "Deutsche Mugge live …" im vergangenen Spätsommer bei einem Konzert in Castrop-Rauxel präsentierte (Bericht siehe HIER). Damals konnte man sich live und in Farbe ein Bild davon machen, dass neben dem Talent, tolle Lieder entstehen zu lassen, auch noch eine wunderbare Stimme kommt, mit der sie das Publikum sofort in ihren Bann ziehen kann. So stellten sich die Besucher dieses Konzerts teils verwundert aber durch die Bank begeistert die Frage, wo diese kleine, zierliche Frau diese Stimme her holt und woher sie so viel Kreativität hat.

Vielleicht liegt es in den Genen? Vor ein paar Tagen feierte sie ihren 20. Geburtstag. Am Donnerstag, den 2. März 2000 kam Zofia Charchan im polnischen Danzig zur Welt und wurde in eine künstlerisch sehr aktive Familie hinein geboren. Ihr Vater, der leider im Jahre 2002 verstorben ist, war Schauspieler am Theater "Teatr Snów" (Polnisch für "Traum Theater" oder "Theater der Träume") in Danzig. Außerdem war er der Organisator des internationalen Straßentheater-Festivals "FETA", welches bis heute besteht und jährlich in Danzig stattfindet. Ihre Mutter ist die Saxofonistin Joanna Charchan, die schon Musik für Film- und Theaterproduktionen, für Radiohörspiele und TV- Programme eingespielt hat.003 20200512 1353038069 Im Jahre 2001 hatte sie in der Heimat Polen mit "P?yta Red?owska" ihre erste Plattenproduktion. Ein Jazz-Album. Bei den "29. Leipziger Jazztagen" trat sie mit den Deutschen Musikern Andy Lumpp (Pianio), Heinrich Chastca (Bass) und Stefan Höller (Schlagzeug) auf, mit denen sie im Jahre 2010 auch die CD "Little Symphony No. 3" veröffentlichte.

Mit Zofia ist den beiden Künstlern ein talentierter und vor allen Dingen am Entstehen lassen guter Musik interessierter Spross gelungen, bei dem es mich immer neugieriger macht, wohin der Weg wohl noch führen wird. Bei der jungen Frau aus Berlin ist jedenfalls zu merken, dass bei ihr Musik und Texte im Vordergrund stehen. Sie ist trotz ihres Alters ziemlich erwachsen, was ihre Vorstellungen vom Musikgeschäft betrifft und sie weiß, dass Erfolg nur mit harter Arbeit einher gehen kann. Wenn sie nach dem Abi im Bereich Musik weitermachen will und weiter mit so viel Herzblut und Einsatzwillen an ihrem Traum vom Beruf "Musikerin" festhält, könnte es gut sein, dass das angedachte Album schon bald Realität werden kann. Heute gab es jedenfalls den ersten Schritt für eine möglicherweise sehr fruchtbare Zusammenarbeit. Unser Verein hat sich um Unterstützung bittend an ein befreundetes Musiker-Pärchen mit eigenem Studio und dem geschickten Händchen für feine Musik gleicher "Machart" gewandt. Ihre Erfahrungen in der Musikszene und am Mischpult des Aufnahmestudios könnten Zofia eine große Hilfe sein. Ob die drei Damen und Herren nach dem Beschnuppern auch einen Stück des Weges gemeinsam gehen werden, wird sich zeigen. Wir werden auf Zofia jedenfalls "ein Auge" und auch "ein Ohr" haben. Logisch, dass wir Euch da weiter auf dem Laufenden halten werden.

 

Hinweis: Die hier erwähnte EP "Illusion" kann man direkt bei der Künstlerin per Mail bestellen. Bitte macht davon regen Gebrauch: 




Was für die Ohren ...








   
   
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