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Ein Beitrag von Christian Reder mit Fotos von
Reinhard Baer und dem Verlag "Lied der Zeit"



Man hat schon oft über ihre Körpergröße gesprochen und auch sie selbst nimmt oft Bezug auf ihre nicht ganz so hoch ausgefallene Anzahl von Zentimetern. Nicht umsonst heißt sie in Fachkreisen ja auch "Die Lütte", aber das ist überhaupt nicht böse gemeint - ganz im Gegenteil. Angelika Mann aber nur daran zu messen, wie hoch sie wachstumsmäßig geschossen ist, ist komplett der falsche Ansatz.001 20190613 1764506819 Vielmehr muss man sie an ihrem Schaffen messen, und da kann das Maßband gar nicht lang genug sein. Während sich die eine oder andere Schlagersängerin z.B. an Janis Joplin seltsam anmutend vergreift und dabei 'nen Bruch hebt, haut sie die mal eben ganz locker so hervorragend raus, dass sich Dir sämtliche Härchen aufstellen. Oder wenn sie in einer Komödie auf der Bühne steht und Du Dich in absoluter Bewunderung verlierst, während Du Dich vor Lachen ausschüttend an den Lehnen des Plüschsitz' festhältst. Sie ist schon eine Große, die Kleine ...

Bei Deutsche Mugge kann man ihre Karriere besonders gut verfolgen. Wir sind regelmäßig vor irgendeiner Bühne, wo die Lütte gerade einen Auftritt hat, und berichten Euch darüber in Wort und Bild. Auch diverse Interviews mit ihr sind auf unserer Seite zu finden, die ihre Biographie ganz wunderbar und kurzweilig abbilden. Als Musikerin fing sie 1969 bei der Peter-Hanisch-Combo an, kam über die Gruppe Medoc und die Klaus Lenz Big Band bei Reinhard Lakomy und seinem Ensemble an, und dieses Aufeinandertreffen sollte nicht nur ihr Durchbruch in der DDR-Musikszene sein sondern auch über viele Jahre und Grenzen hinweg eine fruchtbare Verbindung und enge Freundschaft bleiben. Seit über 40 Jahren wachsen mit ihren Liedern aus Lakomys "Traumzauberbaum" schon mehrere Generationen Kinder heran. Welcher Künstler kann das schon von sich behaupten? Angelika Mann hat auch beide Seiten des Eisernen Vorhangs erlebt, lebte nach ihrer Ausreise aus der DDR ein paar Jahre in West-Berlin. Dort entdeckte sie das Theater für sich und hinterließ u.a. als Lucy in der "Dreigroschenoper" bleibenden Eindruck. Nach der Wende arbeitete sie auf beiden Gebieten weiter und es kam sogar noch das Fernsehen hinzu. Die Musik ließ sie nicht los, und so konnte man sie immer wieder auf irgendeiner Bühne live erleben. Wer, wenn nicht wir, können da von großartigen Auftritten mit der Jonathan Blues Band berichten, wo man sie immer wieder mal als Gast auf der Bühne erleben konnte und wo sie - ich erwähnte es am Anfang ja schon - die große Janis Joplin wieder zum Leben erweckt. Oder denken wir an einen überraschenden Auftritt bei FINAL STAP, wo sie mal eben ganz locker den "Highway To Hell" von AC/DC in den Saal shoutete.002 20190613 1950435847 Unvergessen auch ihr Auftritt bei Ostrock in Klassik im Jahre 2010, als sie den "Farbfilm" von Nina Hagen (Gruppe Automobil) und ihr "Champuslied" zum Vortrag brachte. Sie kann aber auch leise und abseits von Musik und Schauspiel, wenn sie ihr Buch zur Hand nimmt und daraus vorliest. Auch das kann man erleben, wenn irgendwo Frau Mann angekündigt wird.

Angelika ist seit einigen Jahren im Verein "Musik aus Deutschland e.V." Ehrenmitglied. Nicht, weil sie hier irgendwelche schriftlichen Beiträge für das Magazin abliefert oder bei uns zu internen Feiern zum Mikro greift und den kulturellen Teil des Tages beisteuert, sondern weil sie ein besonders netter und positiver Mensch ist, der einem einfach nur gut tut. Anders als ich, der bei so manch ungelenkem Vortrag in Sachen Musik reflexartig eine spontane Diarrhoe erleidet und mit spitzen Worten zusticht, hat sie für jeden Kollegen, der sich künstlerisch betätigt, ein freundliches Wort übrig. Sie ist sehr tolerant und liberal eingestellt. Eine Eigenschaft, um die ich sie sehr oft beneide, wenn sie wieder mal an einer für meinen Geschmack eher gruseligen Darbietung etwas Schönes entdeckt und dies auch laut sagt. Überhaupt habe ich von ihr noch nie ein böses Wort über andere Musiker gehört oder gelesen. Darum, und weil die kleine große Frau einen ganzen Raum aufhellen kann, wenn sie einfach nur herein kommt, ist sie ein Teil von uns und das freut mich sehr. Sie ist eben nicht nur künstlerisch sondern ganz besonders auch menschlich eben eine Bereicherung. Heute wird sie 70 und ich kann nur aus der Ferne am Abend mein Glas erheben und auf ihr Wohl trinken. Das werde ich auch tun und freue mich bereits jetzt auf ein Treffen in naher Zukunft, wo das dann live wiederholt wird. Entweder, wenn sie wieder singend oder schauspielernd auf einer Bühne steht, oder wenn sie mit ihrem Ralf mal in dessen alter Heimat in meiner direkten Nachbarschaft Recklinghausen unterwegs ist. Wir sehen uns. Herzlichen Glückwunsch, liebe Lütte!






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