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Ein Nachruf von Andreas Hähle (Fotos: Pressematerial)



In den letzten Tagen waren die Nachrichten, die mich nun tagtäglich über Holger Bieges Gesundheitszustand erreichten, sehr beunruhigend. Es fiel mir nicht leicht, ruhig und gefasst zu reagieren. "Holger liegt im Sterben", erfuhr ich vorgestern im Fernbus auf dem Weg zu einer Trauerfeier in Berlin-Grünau. Und bat um etwas, was für Michael Schumacher, der mich darüber informierte, natürlich ein Selbstverständnis war. Keine Nachricht möge nach außen dringen, keine Verlautbarungen in der Öffentlichkeit. Zum Schutz der Privatsphäre seiner Familie, so begründete ich es, vor allem seiner Frau Cordelia, die ihn in den letzten Jahren sehr aufopferungsvoll mit Hilfe eines Pflegeteams betreute, manchmal bis an die Grenzen ihrer eigenen Kräfte, ihrer eigenen Leidensfähigkeit, den so geliebten und natürlich auch bewunderten Mann an ihrer Seite so leiden zu sehen. Aber auch kämpfen. Glücklicherweise auch das. Wenn Holger Millimeter für Millimeter sich vorwärts wagend das Laufen neu erlernte. Wie er glückselig strahlte, als wir ihm letztes Jahr auf Rügen als einem der bedeutendsten deutschsprachigen Musiker und Künstler huldigten.

"Will alles wagen" heißt ein Titel von ihm. Und so lebte er auch. Streitbar, immer genial in all seinem Tun und mit einem fast überpreußischen Perfektionismus, obwohl er als geborener Greifswalder ja gar kein Preuße war. Aber dafür lebte er immerhin sehr lange in Berlin, erst im Osten der Stadt, dann schaute er sich seit 1983 die Mauer von der anderen Seite an. Seine musikalischen Fähigkeiten herauszustellen ist müßig. Es waren viele und er lebte in der Musik, bis ihn ein Schlaganfall im Sommer 2012 daran hinderte, sein Werk fortzusetzen. Sein Werk wird unvollendet bleiben durch diesen Schicksalsschlag. Und dabei geht es nicht nur um sieben unveröffentlichte Lieder, die sicher eines Tages doch noch veröffentlicht werden. Es geht dabei auch um ach so vieles, was er uns noch hätte singen, schreiben und komponieren können. Und es wäre wohl auch wesentlich gewesen. Weil seine Stimme, seine Texte, seine Lieder Gewicht hatten. Weil es stimmig war, was er uns sang, wie er es uns sang, ob nun als private Gedankengänge oder als Botschaften an die Welt. Es war wichtig und vor allem war es schön und ganz große Kunst. Er war ein Großer unserer Zeit. Ein Großer in unserer Welt wird er bleiben.

Es tut gut zu wissen, dass seine Familie ihn aufsuchte, als es ihm in den letzten Tagen sehr schlecht ging. Holger verstarb am 25. April an den Folgen seines Schlaganfalls.

Wir haben bereits in den letzten Tagen darüber nachgedacht, ob das Konzert zu Ehren von Holger Biege am 16. Mai in Lieschow stattfinden sollte. Thomas Putensen reagierte mit einem "Jetzt erst recht". Jetzt erst recht: hören und erleben und spielen wir die Lieder von Holger Biege. Erschüttert, weil er uns so viel gegeben hat. Traurig, weil er gegangen ist. Weil er ein Teil von uns allen war. In unserem Leben, in unserem Wachsen, in unserem Werden. Das wird er bleiben. So lange wir sind.






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