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Mit Musik geht alles besser. Vom Chart-Hit zum Uralt-Schlager oder den gewaltig an die Gefühle gehenden Powerballaden der 80er Jahre, Hauptsache, uns gefällt's. Dabei haben sich die Songs und Stilrichtungen in den vergangenen Jahrzehnten kräftig gewandelt. Wo einst nach langer Intro über Herzschmerz, Sehnsucht und Flugzeuge im Bauch gesungen wurde, geht es jetzt viel schneller zur Sache.

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Auch in den Texten; Bei Rock und Pop musste noch zwischen den Zeilen gelesen werden und Internet-Foren diskutierten über mögliche Interpretationen von Songs. Heute geht es bei den meisten Rappern und Hip-Hop-Künstlern eindeutig nicht mehr zweideutig zu. Beispiele aus den deutschen Charts gefällig? Katja Krasavice und ihre "Dicke Lippen" lassen der Fantasie genauso wenig Spielraum wie Capital Bra mit "5 Songs in einer Nacht" und Azet Feat. Zuna & Noizy mit "Kriminell".

Dafür bleiben allerdings auch die überraschten Gesichter aus, wenn Paare erfahren, dass ihre Liebesballade "Every Breath You Take" von The Police von kompletter, obsessiver Überwachung handelt, Didos bei Hochzeiten beliebtes "Don't Leave Home" und "Golden Brown" von The Stranglers von Drogensucht handeln. Und Nirvanas "Smells Like Teen Spirit"? Angeblich basiert der Titel auf einem Spruch, den Punk-Sängerin Kathleen Hanna an Kurt Cobains Schlafzimmerwand gesprüht hatte. Kurt ließ dabei nur seinen Namen weg, soll allerdings nicht gewusst haben, das Teen Spirit ein Damen Deo war. Das passiert mit den neueren Songs so schnell nicht.

Eine Menge damit hat auch der Wandel in unserer Gesellschaft zu tun. Mal ehrlich, was war im Normalfall das Schlimmste, was in den 80er und frühen 90ern passieren konnte? Ein gebrochenes Herz, Ärger in der Schule oder im Job. Heute? Immer neue und alte Kriegsschauplätze, Terrorismus, Hartz IV, Flüchtlingselend und Politikdramen. Wer will dazu noch traurige Musik hören, die unser Gefühl von Hilflosigkeit verstärkt? Musik funktioniert immer auch über die emotionale Schiene, bewusst und unbewusst. In einer düsterer werdenden Welt muntert Dur statt Moll auf. Hilflosigkeit? Rapper und HipHopper wollen davon nichts wissen, stellen wie in "Kriminell" und "5 Songs in einer Nacht" ihre eigenen Regeln auf. Hinzu kommt unsere immer schnelllebiger werdende Zeit. Wir streamen, spulen vor, überspringen und wollen sofort wissen, worum es geht. Das geht schon beim Titel los. "I want To Know what Love Is" im Vergleich zu "Friends"? Kürzer ist schneller und damit im Vorteil.

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Unverändert bleibt die emotionale Wirkung von Musik. Hand aufs Herz, wer hat nicht ein paar Songs, die einen nur deshalb immer wieder aufwühlen, weil sie mit bestimmten Erinnerungen verbunden sind? Songs, die uns beim Konzentrieren helfen oder uns beruhigen, uns fröhlich machen oder Gemeinsamkeiten mit anderen Fans schaffen? Dabei ist es völlig egal, ob das ein Hit von Herbert Grönemeyer oder Kraftwerk, Motörhead, Lea oder Samy Deluxe oder eine Symphonie von Mahler oder Beethoven ist. Der Rhythmus, der einem in den Körper geht, ist für jeden anders und dennoch universell.




   
   
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