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Der Autor dieser Zeilen ist mit der Musik der 90er großgeworden und nein, er schämt sich nicht dafür. Zwar gibt es einige, die der Musik dieses Jahrzehnts jegliche Qualität abzusprechen versuchen, doch erstens ist kaum etwas so subjektiv wie der Musikgeschmack und zweitens hat jeder Zeitgeist seine Existenzberechtigung - auch ohne den Konsens der früher oder später Geborenen.004 20170207 2013898784 
Nicht zuletzt haben sich einige Errungenschaften aus dem Musikbereich von damals, wie die Einlassbändchen bei Veranstaltungen, bis heute gehalten. Deshalb lasst euch sagen: Die 90er Mugge war auch nicht schlechter als die Musik jedes anderen Jahrzehnts.

Ein Zeitsprung zurück
Geht man nach der Anzahl der Wochen, die ein Lied in den Top 100 Listen rangierte, so repräsentiert Wolfgang Petrys "Längste Single der Welt" die gesamte zweite Hälfte der 1990er Jahre. Man ahnt es schon: Diese Sichtweise taugt nichts für die Bewertung der Qualität der 90er Musik. Man muss tiefer eintauchen in diese Epoche, die politisch und gesellschaftlich in Deutschland so aufwühlend war und schon findet man "Wind of Change" von den Scorpions und muss eingestehen, dass dieser Song bei aller musikalischer Limitiertheit doch jeden damals berührt hat und das macht ihn automatisch nicht-schlecht. Spätestens bei "November Rain" oder "Knockin on heavens door" von Guns'n'Roses aber erkennen wir das Potential der 90er für Dauerbrenner und Klassiker. Bryan Adams und Roxette, die Diven Mariah Carey und Celine Dion - sie und viele andere waren in den 90ern auf ihrem künstlerischen Höhepunkt. Und vergessen wir nicht jene, deren Karriere zwar schon in den 80ern auf einem beträchtlichen Niveau war,002 20170206 1510636382 
die aber ebenfalls die 90er prägten und die qualitativ wohl über jeden Zweifel erhaben sind: Michael Jackson etwa oder der zeitweise glücklose Prince a.k.a. Symbol oder meinetwegen auch TAFKAP. Da kann man Wolle Petry ebenso verzeihen wie die One Hit Wonder von Dr. Alban bis Rednex.

Wann ist Musik eigentlich schlecht?
Mit tief empfundener Scham blicken Mittdreißiger bisweilen heute auf die Sammlung alter Fotos von Konzerten und Festivals, die musikalisch bestenfalls mittelmäßig waren. Selbst wer nicht mit bunten Haaren auf die Love Parade ging - und das waren die wenigsten - leistete sich doch sicher den einen oder anderen Fauxpas bei der Konzertwahl. Allerdings stellt sich dabei doch die Frage: Muss man sich eigentlich für schlechte Musik schämen? Und wann ist Musik eigentlich schlecht? Wenn sie handwerklich und/oder künstlerisch schlecht ist? Aber selbst dann kann sie immer noch berühren und ergreifen, amüsieren und Emotionen wecken.003 20170206 1629164939 
Ist ein Meisterstück von Queen per se besser als jener belanglose Popsong, der lief, als man seine erste Liebe das erste Mal küsste. Nein, es gibt keine schlechte Musik, nur schlechte Erinnerungen. Nur manchmal, wenn beides zusammenkommt, dann gibt es keine zwei Meinungen. So wie bei Wolfgang Petry eben. Oder Blümchen.

Perlen der 90er - eine Auswahl
Jetzt aber mal Butter bei die Fische. Welche 90er Songs hatten denn wirklich das Potential, in die Annalen der Musikgeschichte einzugehen? Bei so viel Auswahl und subjektiver Empfindung holen wir uns am besten Hilfe beim Rolling Stone Magazine, das diese Frage schon 2012 zu klären versuchte. In der illustren Auswahl treffen wir auf Sinead O'Connors berührendes "Nothing Compares 2 U", Lieder von R.E.M., Massive Attack und natürlich Nirvana, aber auch Oasis und den Wu-Tang Clan. Trotzdem fehlen bei so einer Auswahl immer die Künstler, die mangelndes musikalisches Talent mit dem richtigen Gefühl für die Zeit auszugleichen wussten. Denken wir zum Beispiel an die Spice Girls, deren Songs sicher kaum einer kritischen musikwissenschaftlichen Analyse standzuhalten vermögen. Doch repräsentierten sie nicht mit als erste das neue weibliche Selbstbewusstsein - lange bevor Katy Perry ihrer konservativen Familie mitteilte, dass sie gern Mädchen küsst!? Vielleicht war auch nur der Kontrast zu groß zu den dutzenden Boybands der 90er, die endgültig die Optik über die Stimme stellten. Das, zugegeben, war bei Wolfgang Petry nicht der Fall.




   
   
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