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Ein Nachruf von Christian Reder. Fotos: Pressematerial
 

"Voller Trauer müssen wir mitteilen, dass Jaki am heutigen Morgen durch eine plötzliche Lungenentzündung gestorben ist. Er ist friedlich eingeschlafen, umgeben von seinen Liebsten. Wir werden ihn wahnsinnig vermissen." 
Mit diesen Worten verabschiedete sich die Gruppe CAN gestern001 20170123 1581486454 (22.1.2017) von ihrem ehemaligen Schlagzeuger JAKI LIEBEZEIT. Nicht nur seinen ehemaligen Kollegen wird Liebezeit fehlen, auch die deutsche Musikszene ist nun um einen gefragten Studiomusiker und geschätzten Kollegen ärmer und wird ihn schmerzlich vermissen.

Der 1938 in Dresden geborene JAKI LIEBEZEIT begann seine musikalische Laufbahn in verschiedenen Jazz-Formationen, u.a. beim Manfred Schoof Quintett, ehe er im Jahr 1968 gemeinsam mit Holger Czukay, Irmin Schmidt und Michael Karoli die Kölner Krautrockband CAN gründete. Bis zur Auflösung der Gruppe im Jahre 1978 erlangte CAN auch internationale Bekanntheit, und Liebezeit machte aus seinem stark reduzierten, monotonen Schlagzeugspiel ein Markenzeichen. "Jaki Liebezeit war ein Schlagzeuger, ein Jazzschlagzeuger, der sich irgendwann entschloss, sich komplett zu reduzieren und alles zu vergessen, was er gelernt hatte", beschrieb sein Musikerkollege Michael Rother das besondere Spiel Liebezeits. "Aus Monotonie wurde Groove", schrieb eine große deutsche Zeitung über sein Trommeln. Eine Besonderheit war das von ihm selbst modifizierte Schlagzeug, das er ohne Pedale bediente.

Zu Zeiten, in denen es in Deutschland nur zwei TV-Kanäle gab, wurde der Band die Ehre zuteil, einen Song zu einem Fernsehfilm beizusteuern. CAN lieferte mit dem Song "Spoon" den Soundtrack zur Durbridge-Verfilmung "Das Messer" ab, und bekam daraufhin die Einladung für einen Auftritt bei der Verleihung des Adolf-Grimme-Preises 1972. In England war CAN sogar noch erfolgreicher als in Deutschland, fand dort auch in den Feuilletons statt. Manch einem später erfolgreichen Musiker war Liebezeit Inspiration und Vorbild. Er war einer der prägendsten Figuren der Krautrock-Szene, an den man sich auch heute noch erinnert. Als sich CAN auflöste, verlegte Liebezeit seine Arbeit von der ersten in die zweite Reihe. Man traf ihn nun vermehrt in den Aufnahme-Studios an, um der Musik anderer Künstler den nötigen Drive zu geben.003 20170123 1452449535 
Sein Können am Schlagzeug war national wie international gefragt, und so saß er anfangs u.a. bei eben schon zitiertem Michael Rother und bei der Produktion seines Albums "Katzenmusik" (1979) ebenso im Studio an den Drums, wie bei Joachim Witt und den Aufnahmen zu dessen Album "Edelweiss", auf dem der Hit "Herbergsvater" zu finden ist. Sein monotones Trommeln prägte den Sound von Witts Debüt-Album und auch bei dessen zweitem Album "Silberblick" (1982) mit dem Megahit "Goldener Reiter" und dritten Album "Märchenblau" (1984) saß er hinter der Schießbude. Auch für Rother war er mehrmals tätig und begleitete ihn noch bei drei weiteren Album-Produktionen. Natürlich wusste man die Arbeit von JAKI LIEBEZEIT auch über die Grenzen Deutschlands hinaus zu schätzen, weshalb er in den vergangenen 40 Jahren auch an Studioproduktionen von Musikgrößen wie z.B. Gianna Nannini, Depeche Mode, Brian Eno (Roxy Music) oder Eurythmics mitwirkte. In den letzten 10 Jahren arbeitete er u.a. mit Schiller und Phillip Boa zusammen.

Man kann Jaki Liebezeits Einfluss auf Alben der Gruppen Stone Roses, Radiohead und Talking Heads nachspüren, und auf Veröffentlichungen anderer, eben genannter Größen der Szene selbst spielen hören. Zu den Platten schon genannter Musiker kamen noch weitere Produktionen wie z.B. die von Rio Reiser (Single "Dr. Sommer", 1983), Klaus Dinger (Album "Neondian", 1985), Farfarello (Album "Trio Farfarello 2", 1986), Marius Müller-Westernhagen (Album "Westernhagen", 1987) oder den Rainbirds (Album "In A Different Light", 1993) dazu. Im April 2017 wollte er zusammen mit den ehemaligen Kollegen von CAN, Irmin Schmidt und Malcolm Mooney, zu einem gemeinsamen Konzert zum 50. Bandgeburtstag von CAN zusammentreffen. Dies muss nun ohne den Mann stattfinden, der der Band und der Szene einen ganz besonderen Sound schenkte.



 
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