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Ein Beitrag von Christian Reder. Fotos: Nicola Reder, Pressematerial

 

Zwischen meinem Heimatort Castrop-Rauxel und Breckerfeld liegen 50 Kilometer. Auf dem Weg dorthin würde man als Auswärtiger nicht wirklich denken, dass man sich im Ruhrgebiet befindet. Wenn man die Bundesautobahn 45 an der Ausfahrt "Hagen Süd" verlässt, durchquert man erst mal eine Landschaft, die eher an Urlaub in den Bergen erinnert. Wer würde auch damit rechnen, im Ruhrgebiet auf eine Berglandschaft zu stoßen?! Eine Straße schlängelt sich durch diese Landschaft und man durchquert kleine Ortschaften mit Fachwerk-Häusern. Sehr ländlich - sehr ruhig. Wir sind auf dem Weg zu einem Herrn namens Joachim Ehrig. Wesentlich bekannter ist er allerdings unter seinem Künstlernamen EROC und als Schlagzeuger der Gruppe GROBSCHNITT.002 20150817 1944726186 Auch die "Wolkenreise", die er einst solo unter diesem Namen veröffentlicht hat, dürfte dem einen oder anderen Leser sicher bekannt sein. Im weit ab von der Autobahn und hinter diesen Bergen liegenden Breckerfeld lebt und arbeitet EROC heute, und hat dort auch sein Studio. Dieses Studio ist Ziel der Reise an einem Samstagvormittag. Vor seinem Haus empfängt uns EROC dann auch, und im Regen führt er uns in sein Studio.

Ich bin mit EROC, LUPO und WILLI, den drei wichtigsten Gründungsmitgliedern von GROBSCHNITT, verabredet. Eigentlich ist EROC seit über 30 Jahren kein Mitglied mehr von GROBSCHNITT. Er hat die Band mit gegründet, hat mit ihr die erfolgreichste Zeit verbracht und verließ die Truppe im Jahre 1983. Knapp sechs Jahre später, also 1989, löste sich die Kapelle bekanntlich auf. Doch inzwischen fühlt er sich wieder richtig dazugehörig und es gibt auch Neues von der Hagener Kultband. Zusammen mit seinem Kollegen und GROBSCHNITT-Gitarrist LUPO (Gerd Kühn) hat er knapp drei Jahre damit verbracht, das musikalische Gesamtwerk der Band, sprich die veröffentlichten Alben, aufzupolieren und mit Bonusmaterial zu bestücken. Im Aufpolieren von alten Aufnahmen kennt er sich ja aus, der EROC. Das sogenannte "Remastern" ist sein Beruf. Er ist Profi auf diesem Gebiet und man schickt ihm zahlreiche Bänder und andere Tonträger, damit Aufnahmen aus dem letzten Jahrtausend für eine Wiederveröffentlichung durch seine Hand in einem qualitativ optimalen Sound erklingen. Im Idealfall so, als wären sie erst gestern im Studio mit der heutigen Technik aufgenommen worden. Die CD "Savannah" von der Hansi Biebl Band klingt z.B. nur deshalb so gut, weil die alten Aufnahmen aus DDR-Zeiten in EROCs Studio entsprechend bearbeitet wurden.004 20150817 2035479775 
Aber nicht nur mit alten Aufnahmen wird in Breckerfeld gearbeitet: Zu EROCs Tätigkeit gehört auch das Bearbeiten von Live-Aufnahmen für die Veröffentlichung auf CD und Schallplatte. Das Album "Live 2010" von RENFT und die gleichnamige CD von Christiane Ufholz & Eberhard Klunker sind Belege dafür. Kaum betritt man die Räume des Studios, empfangen einen zahlreiche CDs, Tonbänder, Instrumente und Technik. Gerade die Technik lässt das Auge tränen. Es gibt dort - glaube ich - kein Wiedergabegerät, das fehlt. Tonbandgerät, Plattenspieler, Tape-Deck und und und ... alles fein säuberlich angeordnet und aufgebaut. Der Mittelpunkt des Raumes ist das Mischpult. Hier lässt es sich arbeiten und hier würde ich sofort und sehr gerne einziehen.

"Wir warten noch auf LUPO und WILLI, dann können wir loslegen", sagt EROC. Wir haben uns getroffen, um die Sommer-Sondersendung für Deutsche Mugge aufzuzeichnen, und das mit drei Gesprächspartnern gleichzeitig. Es ist das erste Mal, dass ich mein "Reich" verlasse und außerhalb der eigenen Räume eine Radiosendung für Euch mache. Die Idee dazu kam EROC und mir schon einige Zeit vorher. Schon damals, im Juni 2011, als wir ein Interview für unser Magazin gemacht haben, sprachen wir darüber, gemeinsam eine Sendung zu machen. Der ideale Anlass für so eine Sendung erblickte am 15. Mai 2015 das Licht der Welt, nämlich die Komplett-Box der Gruppe GROBSCHNITT mit dem Titel "79:10", für die EROC und LUPO - wie schon erwähnt - so lange Zeit hart geschuftet haben. Derzeit sind EROC, LUPO und WILLI in Sachen Promotion schwer beschäftigt. Die Presse hat positiv auf diese CD Box reagiert, und die drei Herren geben deshalb auch viele Interviews. Die Wahl der Örtlichkeit zur Aufnahme unserer Sendung lag dann auch irgendwie nahe: Wenn schon so ein Studio wie das von EROC zur Verfügung steht, dann muss man das auch nutzen.003 20150817 1628777721 
Es klingelt ... LUPO und WILLI sind da und kommen gemeinsam die Treppen zum Studio herauf. Das Trio ist komplett! Wir begrüßen uns und sofort wird klar: Das wird eine lockere Geschichte hier. Die Jungs sind gut drauf! Irgendeine Distanz? Nö! Wir verstehen uns ...

EROC ist bereits damit beschäftigt, die Technik für die Aufnahme der Radiosendung aufzubauen. Kabel werden verlegt, Mikrophon-Ständer werden aufgestellt, Tests werden gemacht. Über mir hängt plötzlich ein Mikrophon der Firma Sennheiser. Ein ganz offensichtlich schon älteres Teil, das vielleicht sogar schon ins Museum gehört, aber noch immer ganz erstklassig seinen Dienst verrichtet. Die drei Musiker müssen sich ein Mikrophon teilen. Passt auch ganz gut, denn sie werden während der Aufnahme zusammen in einer Ecke des Raums sitzen. Die Aufnahmen haben noch gar nicht begonnen, ich habe noch gar keine Frage gestellt, und schon geht die Fachsimpelei zwischen WILLI und LUPO los. Es wird in Erinnerungen geschwelgt und alte Anekdoten werden erzählt. "Hoffentlich verfeuern sie jetzt nicht schon den ganzen Stoff", denke ich so bei mir, aber die Sorge ist unbegründet. Man braucht nicht lange, um festzustellen, dass diese Musiker eine ganze Menge erlebt und zu erzählen haben. Und sie haben auch in Zukunft noch einiges vor. In den dann folgenden knapp drei Stunden (!) stellen wir spontan die Lieder zusammen, unterhalten uns über GROBSCHNITT, die neue CD Box, Erinnerungen, Geschichten und natürlich auch über die Zukunft. Es gibt Geschichten ohne Ende, die die drei Musiker da erzählen, und immer wieder fällt ihnen eine Neue ein. Stoff für mehr als nur eine Sendung, aber ich möchte an dieser Stelle noch nicht zuviel verraten! Aus diesem Mitschnitt wird die Sommer-Sondersendung entstehen, die eine halbe Stunde länger sein wird, wie man es sonst von der Radioshow kennt. Was man am 9. September auf rockradio.de hören wird, ist ehrlich und unverfälscht.

Am Ende der Aufzeichnung schießen wir noch schnell ein paar Fotos. Es soll ja in 10 Jahren keiner von uns vieren sagen können, er sei nicht dabei gewesen! Und so einen Tag möchte ich persönlich auf keinen Fall vergessen, denn die Zeit mit den drei Musikern in EROCs Studio in Breckerfeld hat Spaß gemacht, und ich habe mich unheimlich wohl gefühlt.001 20150817 1057525670 
Wir reden noch eine Weile und während wir so plaudern, gehen die drei Musiker ihren "Verpflichtungen" nach: Sie signieren kartonweise (!) Autogrammkarten. Auch Plattencover, CDs, Bilder und andere Dinge, die ihnen Fans per Post geschickt haben, erhalten die Schriftzüge der drei GROBSCHNITTler. Und wieder werden alte Geschichten erzählt. Für Nicola, die mich begleitet hat, und mich wird es aber leider Zeit, wieder in Richtung Heimat aufzubrechen. Da stehen an diesem Tag noch zwei Termine an, und wir machen uns auf den Weg zurück nach Hause, durch kleine Ortschaften mit Fachwerkhäusern und vorbei an den hohen Bergen. Die Aufzeichnung der Sendung lasse ich bei EROC. Er hat sie in den nächsten Tagen zusammengeschnitten und abgemischt. Inzwischen ist die Aufnahme hier in Castrop-Rauxel und liegt für den 9. September 2015 bereit, um ab 20:00 Uhr bei www.rockradio.de gesendet zu werden. Dann könnt Ihr hören, was an dem eben geschilderten Samstag entstanden ist. Und das ist nicht nur für Fans der Band eine tolle Sache!


Bitte beachtet auch:
• Rezension zur CD Box "79:10": HIER klicken
• Programm-Übersicht zur Radioshow: HIER klicken



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